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J
den Kreis Saarbrücken.
4 111.
Sonnabend den 15. September
1866
A
Industrie⸗Ausstellungen.
Schluß.)
Neu ist. die Idee der französischen Commission, unabhängig von
zer Jury einen besonderen wissenschaftlichen Körper zusammenzusetzen,
welcher allgemeine internationale Fragen und wissenschaftliche Pro—
hleme von allgemeinem Interesse beleuchten soll. Die Aufgabe dieser
vissenschaftlichen Commission soll insbesondere in Folgendem bestehen.
Sie soll die Mittel bezeichnen, durch welche man bei der 1867er Aus
tellung die neueren Fortschritte in den Wissenschaften, freien Künsten
uind der Mechanik darstellen kann; sie soll dahin wirken, daß der Ge—
»rauch der nützlichen Erfindungen vejbreitet und Reformen im inter⸗
iationalen Interesse vorbereitet werden, wie z. B. die allgemeine Ein—
ührung von gleichem Maß und Getdcht in allen Ländern der Erde,
owie von allgemeinen Einheiten für wissenschaftliche Untersuchungen
ind Arbeiten; sie soll in besonderen' Publikationen die allgemeinen
Nutzanwendungen aus der Ausstellung ziehen und Uutersuchungen
arüber anstellen, wie dieselben ergänzt werden können, wo sich Lücken
inden. — Die wissenschaftliche Commission wird aus direct von der
aiserl. Commission ernannten Franzosen zusammengesetzt und aus
Fremden, welche auf den Vorschlag verschiedener Länder ernannt wer—
den sollen. Diese Ernennungen werden nach und nach durch beson
zere Decrete erfolgen. — Die wissenschaftlichen Gesellschaften aller
Nationen und im Allgemeinen alle Personen, welche sich für die Fort
chritte der Wissenschaften und Künste interessiren, sind eingeladen
zer kaiserl. Commission Fragen vorzulegen, die von allgemeinem In—
eresse sind, um solche der wissenschaftlichen Commission zur Unter—
uchung zuzustellen. — Die Mitglieder dieser Commission sind nicht
zenöthigt, an irgend welchen periodischen Zusammenkünften Theil zu
iehmen; sie können die ihnen überwiesenen Gegenstände für sich be—
irbeiten und in ihrem eigenen Namen ihre Arbeiten der kaiserl. franz
Tommission übergeben. Dagegen bleibt es ihnen aber unbenommen,
ich mit ihren Collegen aus allen Ländern zu gemeinschaftlichen Be—
prechungen zu vereinigen. Die Denkschriften und Berichte sind für
»eren Publication vor dem 1. Juli 1867 an die kaiserl. Commission zu
ibergeben.
Was nun den allgemeinen Nutzen und die Erfolge derartiger in
ernationalen Schaustellungen anlangt, so war das nächste Ziel der
Industrieausstellungen, die eigentlichen Theilnehmer an den Ausstel
ungen, die Producenten, Gewerbtreibenden und Fabrikanten, aufzu—
muntern und ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Erzeugnisse in weite—
en Kreisen bekannt zu machen. Die ausgestellten Gegenstände wer—
den von Hunderttausenden, ja von Millionen gesehen, geprüft, in ihren
Vorzügen gewürdigt und hierdurch wird deren Verkauf und Absatz
angebahnt. Dem Kaufmann, welcher den Verkehr zwischen den Pro—
)zucenten und Consumenten vermittelt, bietet die Ausstellung die beste
Gelegenheit, den Umfang der einzelnen Productionen zu überschauen,
zen Geschmack der Erzeuger und der Consumenten in den verschie
denen Ländern kennen zu lernen, das Beste, Solideste, Schönste
and Billigste in jeder Branche auszuwählen und somit, indem er
zunächst seinen Interessen folgt, zugaleich auch dieienigen seiner Käufer
u wahren.
Wichtiger noch erscheinen die Ausstellungen in ihrem Einfluß
auf den technischen und ökonomischen Betrieb der Gewerbe. Der
directe Nutzen in dieser Richtung erwächst nicht dem Aussteller ins
besondere. Feder Producent muß, will er nicht zurückbleiben, unaus
zesetzt seine Aufmerksamkeit auf die Verfahrungsweisen und Erzeug—
nisse seiner Concurrenten richten. Durch die Ausstellungen ist ihm
hierzu die beste Gelegenheit gegeben; sie tragen wesentlich dazu bei,
den Wettkampf unter den Producenten anzuregen und lebendig zu
erhalten. Wie Mancher sieht sich in einer Ausstellung, bei Betrach—
ung der Erzeugnisse von Concurrenten, überflügelt; er muß die Ei—
elkeit ablegen, welche im engen Kreise so häufig durch Ueberschätz⸗
ing der eigenen Leistungen aufwuchert und die den Fortschritt hin—
dert nach dem bekannten Sprichwort: „Einbildung hindert die Aus—
aildung.“
Jedes neue Verfahren, jede Verbesserung und Erfindung in der
Production ist nicht nur ein directer Gewinn für den Producenten
und Consumenten, sondern eine Wohlthat für die Menschheit über—
Jaupt. Jeder Fortschritt auf gewerblichem Gebiet erweitert den Um—
ang menschlicher Thätigkeit, eröffnet neue Erwerbsquellen und schafft
ierdurch neue Grundlagen für die Existenz von Individuen und Fa—
nilien. Haben nicht z. B. durch die Ersindung der Eisenbahnen und
Dampfwagen Millionen von Menschen ihre nützliche Thätigkeit und
Fxistenz gefunden? Ernähren nicht die Buchdruckerkunst, der Stein⸗
ruck, sowie die noch junge Photographie bereits Hunderttausende von
Menschen? Der Maschinenbau und die Industrie überhaupt in ihren
nannigfachen Zweigen sind reiche Quellen der Arbeit und der Er⸗
iährungsfähigkeit für Millionen von Menschen geworden. Man kann
bei der Würdigung ökonomischer Verhältnisse niemals den directen
Nutzen allein ins Auge fassen und denselben sofort in Geld abschätzen;
die ganze Thätigkeit der Judustrie hat, außer der Befriedigung ma—
erieller Bedürfnisse, noch eine weit höhere und allgemeinere Be—
deutung für den Geist, die Bildung und das Leben der Völker. Wer
kann leugnen, daß durch die Fartschritte und Erfindung in den Wis⸗
enschaften und der Technik die Humanität mächtig gefördert worden
st; wer zweifelt daran, daß, wenn die Arbeit die Interessen der ein⸗
zeluen Nationen mehr und mehr verkettet, wenn sie in lebendigeren
Auslausch ihrer Erzeugnisse stehen, Kriege seltener. ia unmöalicher
gemacht werden?
In der internationalen Ausstellung finden sich alle Altersstufen
der Civilsation vertreten; der industrielle Geist und die Kunstleistun⸗
Jen der ganzen menschlichen Gesellschaften kommen darin, in allen
Ztadien der Entwicklung, zur Anschauung. Das Studium einer sol⸗
hen Ausstellung bietet einen der größten Genüsse, welche sich der
denkende Mensch verschaffen kann. Dem Industriellen, Künstler und
dandwirth nicht allein, dem Philosophen, dem Geschichtsforscher, dem
Belehrten und Beamten bietet die Ausstellung eine reiche Quelle von
Beobachtungen, Erfahrungen und bedeutungsvolle Anregungen. Sie
zibt über den Zustand der verschiedenen Nationen, ihrer Sitten und
Zebräuche, den Standpunkt ihrer Künste und Wissenschaften, ihrer
Landwirthschaft und Gewerbethätigkeit ein klares, bestimmtes Bild,
ind vor diesem Bilde klärt sich das Bewußsein des Volkes über den
Werth und die Bedeutung der Künste und Wissenschaften; der Sinn
ür technische Arbeit wird erschlossen und lange gehegte Vorurtheile
erbleichen. Haben nicht die drei dis jetzt abgehaltenen großen inter⸗
iationalen Ausstellungen ihre großen Wirkungen geäußert; haben sie
iicht wesentlich dazu beigetragen, die Freiheit der Arbeit in den Län—
dern zu proclamiren, wo seither noch Zunft- und Privilegienschran⸗
ken bestanden? Hat nicht die erste Londoner Ausstellung von 1851 die
abalibarkeit des französischen Probhibitivsnstems schlagend nachae—