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den Kreis Saarbrücken.
8 108.
Sonnabend den 8. September
1866.
Die Drainage,
ortrag, gehalten in der General-Versammlung zu Velbert am 21. März 1866.
Wenn wir über manche Bodenarten unseres Kreises ein Urtheil
hgeben und über die Entwicklung der angebauten Gewächse, wie
itber die Wirkung des angefahrenen Düngers sprechen, so bedienen
nir uns dabei vielfach der Benennung „kalter Boden,“ „nasser Bo—
n“. und überall können wir es hören, daß unsere Vegetations-—
riode 14 Tage zurück ist gegen die der Rheinebene; ferner, daß
angewandte Dünger auf den von uns mit kalt und naß betitel—
Bodenarten von sehr geringer Wirkung ist, ja wir wissen, daß
x Felder haben. die den doppelten Dünger verzehren als ein An—
nes und doch deßhalb nicht mehr, ja nicht einmal soviel produci
c. Dies Alles sind Folgen von Ursachen, deren nähere Feststellung
ihl werth ist, erörtert zu werden. Unterwerfen wir unsere Boden
en gegenüber denen der Rheinebene einer chemischen Untersuchung,
ind die Verschiedenheiten gar nicht so bedeutend, daß hierin der
iterschied allein begründet wäre, welchen die Produktionsverhält
—
ig, so liegt der Fleiß und die Akkuratesse mehr auf Seiten des
gischen Landwirths. Fragen wir gar um die Mengen der aufge—
chten Dünger, so sind wir dem Rheinländer weit überlegen. Der
aptunterschied muß also anderswo zu suchen sein und wir können
selben nur suchen in den klimatischen und physikalischen Boden—
—E0
erer Bodenarten warm; das Klima mag etwas milder sein, doch
dies keineswegs so bedeutend, wie man anzunehmen gewohnt ist.
agen wir aber nun, wie kommt es, daß der Boden der Rheinebene
rmer ist als unserer, so gestatten Sie mir, daß wir in Gedanken
e kleine Reise nach einem vorhergegangenen regnigten Tag von
er nach Düsseldorf machen. Wir verlassen hier schmutzige Wege,
asserpfützen auf den Feldern und bei heiterem Himmel eine naß
te Luft; kommen wir nach Düsseldorf, so finden wir trockene Wege
wid trockene Felder; die Sonnenwärme wird zwar in etwa gebrochen
rerch die verdunstende Feuchtigkeit, aber lange nicht in dem Maße,
e bei uns, trotzdem die Gegenmenge des vorigen Tages ganz die—
cflbe gewesen ist, wie bei uns. Wo liegt also der Unterschied?
aauptsächlich allein darin, daß wir dort einen durchlassenden aus
Les oder grobem Sand bestehenden Untergrund haben, hier aber
aiten das atmosphärische Wasser zurückhaltenden undurchlassenden
pon oder Lehm im Untergrund vorfinden. Der Thon und Lehm
t nämlich die Eigenschaft, eine bestimmte Quantität Wasser in sich
fzunehmen, dasselbe aber nicht leicht wieder abzugeben. Hierdurch
mn gewinnt unser Boden die Eigenschaft, sich mit Regenwasser zu
igen; ist dieses geschehen, so bleibt das Plus auf dem Boden
lühen und muß von der Atmosphäre wieder aufgenommen werden,
verdunstet. Was wir unter Verdunsten des Wasser verstehen, ist
er die Zersetzung desselben in seine Urbestandtheile: Wasserstoff und
nauerstoff, und um diese Zersetzung hervorzurufen, ist Wärme noth—
endig. Es ist diese Zersetzung nämlich ganz derselbe Prozeß, den
täglich und stündlich beim Kochen des Wassers beobachten; der
tentwickelte Dampf ist eben das Produkt der Zersetzung, nämlich
uerstoff und Wasserstoff. Nun wissen wir alle, daß diejenige
irme, welche heute zur Zersetzung (Kochen) einer bestimmten Quan—
it von Wasser gedient hat, morgen nicht mehr benutzt werden
in« der Chomiker nennt das die Märmo ist gehunden Iatenf)
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Wir wissen ferner, daß, um eine bestimmte Quantität Wasser zum
Verdunsten (Kochen) zu bringen, eine bestimmte Quantität Wärme
erforderlich ist, je mehr Wasser je mehr Wärme muß da sein. Ganz
denselben Prozeß aber, welchen wir täglich in unsern Küchen beobach—
ten können, den muß die Natur auf unseren undurchlassenden Feldern
vornehmen, um das überflüssige vom Boden nicht aufgenommene
Wafsser zu entfernen, nur mit dem Unterschied, daß wir es in der
hand haben, durch größere oder geringere Erwärmung den Prozeß
zu fördern oder in die Länge zu ziehen, die Natur aber die gegebene
Wärme benutzen muß, und je schneller verdunstet, je mehr Wärme
»orhanden ist. Nun hat sie zwei Producenten für die Wärme: 1)
die Sonne und 2) die Erde und die von diesen beiden Lieferanten
erhaltene Wärme, die sonst den Zweck hat, fördernd auf die Vege—
ation unserer Pflanzenwelt zu wirken, muß auf unseren undurch—
assenden Feldern dazu benutzt werden, das überflüssige Wasser zu
entfernen, zu verdunsten. und eben so wenig wie der zur Verdunstung
»es Wassers in unserem Ofen entwickelte Wärmegrad zweimal be—
uutzt werden kann, eben so wenig kann der von Erde und Sonne
zur Wasserverdunstung benutzte Wärmegrad zweimal benutzt werden.
Unser Boden an und für sich ist nicht kalt, und die Benennung
„kalter Boden“ ist an sich gewiß vollständig falsch, aber er wird kall
dadurch, daß ihm durch die Verdunstung des Wassers die Wärme
»erloren geht. In unserem undurchlassenden Untergrund haben wir
zewiß eine Hauptursache des im Vergleich zur Rheinebene kälteren
limas und der späteren Vegetation; worin aber die Ursache einer
zeringeren Wirkung der angewandten Dünger liegt, lassen Sie uns
erner betrachten. Wir alle wissen, daß ein mäßiges Feuchthalten
des Düngers denselben conservirt, d. h. die Verflüchtigung seiner
Bestandtheile verhindert; es ist dies eben nur bei einem entsprechen—
den Wärmegrad möglich. Ebensowenig nun, wie ein Verflüchten
der Bestandtheile des Düngers bei Abschluß der Luft und hinrei—
hender Feuchtigkeit in der Düngerstätte vor sich gehen kann, eben—
oweunig kann eine Zersetzung desselben unter denselben Verhältnissen
auf dem Felde eintreten. Der Zweck der Düngung ist aber eben,
daß feine für die Pflanzen nährenden Bestandtheile zur Wirkung
ommen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn Luft, Wärme und
—
lassenden Untergrund und dazu ein einigermaßen nasses Jahr, so isl
der Feuchtigkeitsgrad des Bodens so groß, daß, wie oben gezeigt,
die ganze Wärme gebunden wird und der Luftzutritt durch die Wasser—
nenge im Boden abgeschnitten ist, also die Bedingungen der Zer—
etzung des Düngers nicht vorhanden sind. Dagegen aber ist die
Wirkung des überflüssigen Wassers auf den im Boden enthaltenen
dünger eine sehr nachtheilige; durch die große Nässe bildet sich
Säure im Boden und diese Säure hat die Kraft, viele der werth—
vollsten Bestandtheile des Düngers so mit sich zu verbinden, daß die
elben zur Pflanzennahrung nicht mehr geeignet sind, so den Kalk,
das Kali und vor allen Dingen das werthvolle Ammoniak. Nehmen
wir noch hinzu, daß durch das Uebermaß von Wasser viele düngende
Bestandtheile ausgewaschen und mit fortgetrieben werden, so glaube
ich, haben Sie Beweise genug dafür, daß bie Ursache, weßhalb der
Dünger auf unseren Bodenarten weniger wirkt, als in der Rhein—
2bene, nicht etwa im Klima oder sonst etwas, sondern in dem un⸗
durchlassenden Untergrund zu suchen ist. Es würde zu weit führen.
mollte ich alle Shäden und Nachtheile welche dem Ackerbau aus