Am Donnerstag früh verlor es vier seiner Hinterpforten und
ine Wasserfluth strömte ein. Nun waren alle Anstrengungen frucht
os, und um Tagesanbruch begab sich der Capitän, der seine unver—⸗
agte Geistesgegenwart nicht einen Augenblick verloren hatte, in die
Zajüte, um dort den versammelten Passagieren aller Klassen anzuzei—
gjen, daß keine Hoffnung mehr bleibe. Die Todesbotschaft wurde
nit feierlichem Schweigen entgegengenommen, alle schienen auf sie ge—
saßt zu sein. Noch wurde versucht, die Steuerbordpinasse hinabzu—
assen; sobald sie das Wasser erreichte, versenkte eine Woge sie in
zie Tiefe. Die fünf Männer in ihr wurden durch zugeworfene Seile
noch gerettet — auf eine kurze Zeit. Um 1 Uhr wurde als letzter
hersuch die Backbord-Pinasse abgelöst. Aber die Passagiere schienen
u einem Kahne auf offener See noch weniger Vertrauen zu haben,
ils zu dem sinkenden Schiffe. Nur drei derselben und sechszehn
zeute der Mannschaft stiegen ein, und der Capitän vertraute dem In—
zenieur Greenhill das Commando des Bootes an mit den Worten:
„Wenig Hoffnung ist für das Boot, keine für das Schiff. Ihre
ßflicht ist gethan; meine ist hierzubleiben. Hehen Sie hinein und
ibernehmen Sie die Führung für die Wenigfen, die es halten wird.“
Mit einigem Zwieback als Nahrung und keinem Tropfen Wasser
tieß die Pinasse ab. Kaum fünf Minuten darauf spülte eine Sturz—
ee über 50 der Passagiere, welche auf dem Hintertheil des Dam—
ofers standen, in die See; einen Augenblick später, und der Spie—
zel versank unter's Wasser, der Kiel ragte hoch einen Moment em—
»or und dann schlossen sich die Wogen über * unglücklichen Schiffe.
die Pinasse trieb hülflos, ohne Segel, vor dem Winde einher. Am
olgenden Morgen, nachdem schon mehrere Schiffe, ohne sie zu be—
nerken, in und außer Sicht gekommen waren, nahte die italienische
Barke „Adrianople“, mit einer Ladung Weizen auf der Fahrt von
donstantinopel nach Cork, und nahm der Gefährdeten wahr. Sie
egte au und hob sie an Bord. Capitän Cavassa gewährte den Eng—
ändern gastfreundschaftlichste Aufnahme, wiewohl ein so großer Zu—
vachs bei den nicht darauf berechneten Unterhaltungsmitteln und
n dem starken Sturme für sein eigenes Schiff bedrohlich war. In
Falmouth stiegen die Geretteten an's Land mit der Trauerkunde von
em Untergange ihrer Reisegefährten.
Blitzableiter.
Die Höhe der Auffangstangen von Blitzableitern und deren Ent—
ernung von einander, heißt es in einem Gutachten der Mathem.—
Khysik. Classe der Kgl. Akademie der Wissensch. in Berlin über An—
vendung von Blitzableitern, sind von einander abhängig und werden
urch den Kreis bestimmt, welchen der Blitzableiter schützt. Nach
en wenigen hierüber vorliegenden Beobachtungen lag der nächste
om Blitz getroffene Punkt in größerer Entfernung von der untern
LBerlängerung der Auffangstange als die doppelte Höhe der Auffangtange
betrug. Hieraus ist die jetzt geltende Regel abgeleitet, daß
zer von einem Blitzableiter geschützte Kreis die zweifache Höhe der
Auffangstange über ihrer Befestigung zum Halbmesser hat und sein
Mittelpunkt in der Stange oder deren Verlängerung liegt. Erha—
zene Gegenstände auf dem Dache mit scharfen Kanten und Ecken
nüssen, auch wenn sie innerhalb des geschützten Kreises liegen, mit
Metallstreifen versehen werden, die mit der Ableitung verbunden sind
diserne Hängewerke, metallene Dachbekleidungen, größere Metall—
nassen im Innern des Gebäudes sind mit der Blitzableitung me—
allisch zu verbinden. Daß die Höhe der Auffangstange über den
goden bei der angegebenen Bestimmung des geschützten Kreises nicht
naßgebend ist, haben die Fälle gelehrt, in welchen der Vorder- oder
Zintermast eines Schiffes vom Blitz getroffen wurde, obgleich der
dauptmast einen Ableiter trug. Die Auffangstange wird allgemein
ius Eisen von solcher Dicke gefertigt, daß sie vom Blitz unversehrt
zjelassen wird und mit einer kugelförmigen, nicht zu schlanken Spitze
jersehen. Die von Deleuil in Paris für die Ableiter des Louvre
zefertigten Spitzen bilden Kegel von Platin von 4 Centimtr. Höhe
ei 2 Centimtr. unterm Durchmesser und sind auf die 2 Centimtr.
icken, cylindrischen Auffangstangen aufgelöthet. Das Platin hat
ber nichts für sich, als seine Unveränderlichkeit an der Luft, wäh—⸗
end es vom Blitz viel leichter zerstört wird, als Kupfer von gleichen
Dimensionen; leßteres würde durch Vergoldung gegen Oxydation zu
chützen sein. — Die Leitungen von der Auffangstange zur Erde sind
n gerader Linie oder unter möglichst stumpfen Winkeln zu führen
ind aus Stäben von Schmiedeeisen oder Kupfer mit kreisförmigen
der rechteckigem Querschnitt zusammenzusetzen. Gliederketten haben
ich als verwerflich, Drahtseile, wenn sie nicht sehr sorgfältig gear—
»eitet waren, als unzuverlässig gezeigt. Bei eisernen Leitungen von
»er gewöhnlich vorkommenden Länge ist ein Querschnitt von 0, z29
Preuß. Qdtzll. genügend, bei kupfernen kann er bedeutend kleiner
jenommen werden. Die in der engl. Marine eingeführten kupfernen
Ableitungen, deren dünnster Theil einen Querschnitt von 0,ꝛ6s Preuß.
Adtzll. besitzt, haben eine für Leitungen an festen Gebäuden über—
lüssige Masse. Die Verbindung der einzelnen Theile der Leitung
darf nur durch Löthung oder Vernietung auf einer Fläche von min—
destens 19,, Qdtzll. geschehen. Besondere Beachtung hat man in
ieuerer Zeit der Fortführung der Leitung im Erdboden zugewendet,
heren Ausdehnung nach der Beschaffenheit des Bodens bestimmt wird.
Während es in der Nähe von Flüssen und in stets feuchtem Boden
jenügt, den Ableiter mit mehreren Spitzen in einem Brunnen enden
zu lassen oder in der Erde unter der Ebene des tiefsten Wasserstan—
des, hat man es für nöthig gefunden, in einem Sand-, Kalk- oder
ßranitboden außer dieser Endigung in die Tiefe eine zweite anzu—
ringen, welche die Ableitung mit der Oberfläche des Bodens ver—
dindet. Zur Erhaltung der eisernen Leitungen ist ein Anstrich mit
Delfarbe angewendet worden, der keinen andern Nachtheil hatte, als
zaß er nach einem Blitzschlag auf den Ableiter erneuert werden mußte
Vermischtes.
Apfel- und Birnenmus zu bereiten. Aepfel und Birnen
verden gahr gekocht, ausgepreßt und der gewonnene Saft eingekocht.
Beim Kochen des Saftes schäumt man fleißig ab. Der Saft wird
»ei starkem oder gleichmäßigem Feuer im Kochen erhalten, bis er
zegen Ende des Kochens die gehörige Dicke erlaugt hat, und dabei
einige Mal umgerührt, damit er nicht anbrennt. Je dicker das Mus
ingekocht wird, desto länger hält es sich. Man erkennt, daß das
Mus gehörig dick eingekocht ist, daran, daß es nicht mehr an einem
ilbernen Löffel hängen bleibt, wenn man diesen eintaucht. Um den
Wohlgeschmack des Muses zu erhöhen, setzt man gegen Ende des
dochens etwas Citronenschale oder Gewürznelken zu. Wenn das Mus
rus dem Kessel genommen wird, muß man während dieser Zeit das
uer zurückkschieben, und das Mus so schnell als möglich in Töpfe
üllen und während dieser Zeit fleißig umrühren, um das Anbrennen
zu verhüten. Das Mus gewinnt an Süßigkeit sehr, wenn man es
in reine Fässer füllt, in denselben erkalten läßt, nochmals kocht, und
»as Erkaltenlassen und Aufkochen nochmals wiederholt. Nie darf
man aber das Mus in Kessel erkalten lassen. Zur Aufbewahrung
d»es Muses eignen sich etwas erwärmte Steintöpfe am besten. Man
ällt sie ganz voll und rüttelt sie nach dem Anfüllen etwas; der da—
zurch entstehende leere Raum wird mit süßem Muse ausgefüllt. Um
die äußere Luft von dem Muse abzuhalten und demselben eine Kruste
—DDDDDDDD00
»der bedeckt die Oberfläche mit geschmolzener Butter. Die Aufbe—
vahrung des Muses geschieht in trockenen, luftigen Kammern. —
Ider man schält oder zerschneidet Aepfel, bringt sie in einen Kessel,
zießt ein wenig Waser zu, bedeckt den Kessel und macht Feuer unter
emselben an. Wenn die Aepfel anfangen zu zerfallen, thut man
ie in eine tiefe —9— und stellt dieselbe kühl. Am folgenden Tage
socht man die Aepfek nochmals, bis alles Wasser eingekocht ist. Sehr
erhöht wird der Geschmack, wenn man auf 100 Aepfel 1 Quitte
usetzt.
Die Kälberzucht in der akademischen Gutswirthschaft zu Pop⸗
pelsdorf. Von Dr. A. Krämer. Es ist aus dem Mitgetheilten zu
schließen, daß die Kqlber überhaupt in der Zeit der reinen Milchnah—⸗
rung, später bei entsprechenden Beigaben von besonders präparirten,
in Fett und Phosphorsäure reichen Kraftfuttermitteln — Leinsamen—
ind Hafermehl — zur reinen Süßmilch am auffälligsten zunehmen;
daß man bei keiner aͤnderen Ration, auch bei den erforderlichen Men—
gen an Nahrungsstoffen in derselben, die Milch in ihrer Wirkung