Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Der Gyps enthält, wie oben schon angeführt wurde, außer Kalk
noch Schwefelsäure; da nun diese letztere ebenfalls ein wichtiges
Pflanzennahrungsmittel ist, so ist es klar, daß schon deßhalb der
Gyps eine besondere Bedeutung haben muß; außerdem aber bindet
der Gyps noch das Ammoniak, so daß dieses seine Flüchtigkeit ver—
liert; man streut daher den Gyps in die Stallungen und auf den
Dünger, um einen Verluft an Ammoniak zu vermeiden; eine ähn—
liche Wirkung kann der Gyps auf dem Feld äußern, er kann das
Ammoniak der Luft, des Regens und Thaus, sowie des Bodens
inden, denn in der Luft, im Regenwasser, im Thau, sowie in der
duft, die im Boden enthalten ist, befinden sich immer kleine Mengen
Ammoniabk.
Eine besonders günstige Wirkung des Gypses hat man auf die
jogenannten schmetterlingsblüthigen Pflanzen: Klee, Esparsette, Lu⸗
erne, Erbsen und Bohnen bemerkt, doch auch auf andere Pflanzen,
wie auf Hanf, Tabak und Reps, überhaupt Pflanzen, die zu ihrem
Wachsthum viel Kalk brauchen, wirkt er günstig. Die schmetterlings⸗
blüthigen Pflanzen können an vielen Orten ohne reichliche Anwen
dung von Gyps mit Vortheil nicht gepflanzt werden.
Der Gyps wird in verschiedener Weise angewendet, entweder
nan gypst beim Säen, d. h. man streut den Gyps vor oder nach
der Saat aus und bringt ihn mit dieser unter. Oder man gypst
die junge Pflanze, z. B. den Klee, wenn er 324 Zoll hoch ist, und
war zu einer Zeit, wo die Blätter naß sind, also in der Frühe oder
Abends im Thau oder nach einem Regen. Auf die trockenen Blät
er ausgestreut, hat er keine oder eine viel geringere Wirkung.
Vom kohlensauren und besonders vom gebrannten Kalk wurde
früher angeführt, daß er bei sauren Wiesen die Säuren bindet, daß
er die pflanzlichen Ueberreste im Moor- und Waldboden schneller
zum Verwesen bringt und, daß er das gebundene Ammoniak frei
macht; beim Gyps ist dies alles nicht der Fall, er bindet die Säu
ren (Humussäuren) in saurem Boden nicht, weil der Kalk in ihm
schon an eine starke Säure (die Schwefelsäure) gebunden ist. Er
befördert die Verwesung pflanzlicher Stoffe im Boden nicht, und
nacht vor Allem das vorhandene Ammoniak nicht frei, wie der ge
zrannte Kalk, sondern im Gegenthetl, er bindet dasselbe. Während
der gebrannte Kalk das Verflüchten, also den Verlusf an Ammoniak
hefördert, wird dies durch den Gyps verhindert.
Den gebrannten oder kohlensauren Kalk wendet man daher vor—
zugsweise auf sauren Wiesen, Moor- oder Waldboden oder zu Kom—
—I——
fördern will, wogegen man den Gyps zum Einstreuen in Stallungen,
zum Ueberstreuen des Düngers, zum Düngen von Klee, Esparsette,
Luzerne, Erbsen, Bohnen, Hanf, Tabak, Lein, Reps verwendet. Zum
lleberstreuen der jungen Pflanzen darf selbstverständlich der gebrannte
und zerfallene Kalk nicht verwendet werden.
Bei der Anwendung sowohl von gebranntem und kohlensaurem
Kalk, als von Gyps, muß man sich immer daran erinnern, daß die
Pflanzen zu ihrem Gedeihen nicht nur Kalk, und etwa noch die
Schwefelsäure des Gypses, sondern auch noch manche andere Stoffe
bedürfen. Fehlen diese andere Stoffe, die als Pflanzennahrungsnittel
 nöthig sind im Boden, so wird selbstverständlich auch der
Kalk und der Gyps die Fruchtbarkeit nicht vermehren, und es ist
auch eine alte Regel, daß der Gyps nur da recht günstig wirkt, wo
die Felder sonst in gutem Zustand sich befinden.
Wollte man Aecker oder Wiesen fort und fort nur mit Kalk oder
Gyps duüngen, so wäre die natürliche Folge, daß, weil von den üb—
rigen Stoffen jedes Jahr durch die Ernte entfernt und nur der Kalk
ersetzt wird, die Felder an den übrigen Stoffen verarmen müssen
daher kommt auch das Sprüchwort: das Kalken macht reichen Vale
und armen Sohn, d. h. wenn man nur Kalk und nicht auch genügend
andern Dünger auf die Felder bringt, so können sie zwar im Anfang
techt fruchtbar, später aber auch um so schlechter werden. Der Dün—
ger wird aber dann um so nothwendiger, wenn durch den Kalk die
krnten vergrößert, also durch diese letztere auch mehr sonstige Stoffe
aus dem Boden entnommen werden.
Eine besondere Bedeutung hat sowohl der gebrannte Kalk als
der Gyps für alle jene Böden, die aus Granit, Gneiß, Porphyr oder
ihnlichen Steinen entstanden sind. und noch zum Theil unverwitterte,

größere oder kleinere solche Steine enthalten. Einmal enthalten diese
Böden oft nur geringe Mengen Kalk, dann aber wird durch den ge—
hrannten Kalk und durch den Gyps das Verwittern jener Steinchen
hefördert, so daß die darin enthaltenen Pflanzennahrungsmittel lös—
lich gemacht und von den Pflanzen aufgenommen werden können.
In dieser Weise ist besonders im Schwarzwald und in anderen Ge—
genden des Landes, wo der Boden aus Gneiß oder Granit entstanden
ist, die Anwendung von Kalk oder Gyps sehr zu empfehlen.
(Wchbl. v. Baden.)

Industrie⸗Ausstellungen.
(Fortsetzung.)
Die ersten Industrieausstellungen in Deutschland anlangend, so
waren dieselben Localausstellungen oder Ausstellungen für einzelne
deutsche Staaten. Die Anfänge hierzu fallen in die Zeit von 1820
bis 1830. Sie alle aufzuführen, würde zu weit führen. Die erste
allgemeine Ausstellung für die österreichischen Länder wurde im Jahre
1835 in Wien und die erste Ausstellung für Preußen 1822 in Berlin
abgehalten.
Nach der Gründung des Gewerbevereins für das Großherzog—
thum Hessen im Jahre 1836, wurde von diesem die erste inländische
Zewerbeausstellung 1837 in Darmstadt veranstaltet; sie zählte 106
Aussteller. Zwei Jahre darauf fand die zweite inländische Gewerbe—
ausstellung, ebenfalls in Darmstadt, statt; sie zählte 119 Aussteller
und wurde gleichfalls vom Landesgewerbeverein abgehalten. In dem
Ausschuß dieses Vereins wurde beschlossen, die inländischen Gewerbe—
ausstellungen von 3 zu 3 Jahren zu wiederholen und dieselben im
Wechsel mit anderen Städten des Landes abzuhalten. Für das Jahr
1842 wurde Mainz als Ort der nächsten, der dritten Ausstellung be—
timmt. Mittlerweile wurde hie und da die Meinung ausgesprochen,
das es in mehrfacher Beziehung von Nutzen sei, wenn man auch den
Fabrikanten der benachbarten Staaten gestatten würde, ihre indu⸗
ttriellen Erzeugnisse zur bevorstehenden Gewerbeausstellung zu bringen.
Bei Berathung des Gegenstandes im Ausschuß des Landesgewerb
oereins war jedoch der Präsident, Geheimerath Eckhardt der An—
sicht, daß man sich nicht blos auf Zulassung von Ausstellern aus den
henachbarten Zollvereinsstaaten beschränken sollte, und machte den
Vorschlag, die industriellen Erzeugnisse jedes deutschen Fabrikanten
derselbe möge innerhalb oder außerhalb des Zollvereins wohnen, zu⸗
ulassen, also eine allgemeine deutsche Gewerbeausstellung zu peran—
stalten. So wurde die erste allgemeine deutsche Gewerbeaussellung
beschlossen und im Jahre 1842 in Mainz in glänzender Weise durch—
geführt. Als Ausstellungslocal diente das Großh. Palais in Mainj
das deutsche Haus); zur Aufstellung der Maschinen und schweren
Gegenstände wurde ein Bau im Hofraume des Palais errichtet. —
Der ergangenen Einladung zur Betheiligung an dieser ersten allge⸗
meinen deutschen Gewerbeausstellung folgte, trotz der Kürze der Zeit,
velche zwischen der Einladung und der Zeit der Einlieferung der
Waaren bestand, eine große Zahl der ersten Fabrikanten aus Deutsch⸗
ijand und Oesterreich. Die Zahl der Aussteller betrug 715. Die
Ausstellung dauerte vom 12. September bis zum 16. October und
wurde von mehr als 75,000 Personen aus allen Theilen Deutsch⸗
lands besucht. Regierungen und Vereine sandten besondere Com—⸗
nissäre; ein Beweis, wie sehr man die Wichtigkeit des ersten natio
aalen Unternehmens dieser Art allenthalben erkannte. Heute nod
deht diese Ausstellung bei den noch lebenden Besuchern im freundlich—
sten Andenken.
Das Deficit in den Einnahmen gegen die Ausgaben, welches
dem Großh. Gewerbeverein durch diese Ausstellung erwuchs, betrug
iur 4209 fl., und wurde dasselbe aus der Vereinscasse, durch Ver—⸗
theilung auf mehrere Jahresbudgets, gedeckt. Wenn man bedentt,
daß der Verein sämmtliche Kosten übernahm, für Transport der Waa—
zen hin und zurück, und daß damals noch wenige Eisenbahnen be⸗
tanden, so daß die Güter per Achse aus den entferntesten Theilen
Deutschlands herbeigeführt wurden, ferner die Kosten für Einrichtung
der Localitäten, die Auspackung, die Aufstellung, Reinhaltung, Aufsicht.
Feuerversicherung ꝛc. und daß der Gintrittspreis nur 12 kr. per Person
betrug, so war das Resultat auch in finanzieller Beziehung gewiß eir
zünstiges zu nennen
            
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