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23— 9 —— — oetraͤgt pro Quartal inel. Stempelstener
— * d —* — und Traͤgerlohn für Saarbruͤcken umn
J 9 A⸗ *—* Se. Johaunn 12 Silbergroschen.
— — — Fůur die durch die Post bezogenen Gremn
— plart 16 Silberaroschen.
den Kreis Saarbrücken.
M 107.
Donnerstag den 6. September
1866.
Amtliches.
Bekanntmachungen.
Bekanntmachung.
Einzelne Anträge um Sistirung des zweiten diesjährigen Kreis—
Ersatz-Geschäfts, aus Anlaß der in mehreren Orten heftig auftreten⸗
yen Cholera, veranlassen uns zu bestimmen, daß das oben erwähnte
Ersatz-Geschäft überall bis auf Weiteres auszusetzen ist
Berlin, den 80. August 1866.
Der Kriegs- u. Marine-Minister, Der Minister des Innern,
yon Roon. Graf zu Eulenburg.
Mehrere Zeitungen bringen die Mittheilung, es sei befohlen wor—
den, die brauchbaren Mannschaften der allgemeinen Ersatz⸗Reserve
von 1835 bis 1848 auszuexerzieren und sodann wieder zu entlafsen.
Ein derartiger Befehl ist nicht ergangen, was hierdurch im In—
teresse der Betheiligten bekannt gemacht wird.
Berlin, den 81. August 1866.
Der Kriegs⸗ und Marine⸗Minister,
von Noon.
2— —
— —
Mtt Mtttettttth
Der Kalk als Dünger.
Wird gebrannter Kalk mit pflanzlichen oder thierischen Stoffen
auf Komposthaufen gemischt, so ist im Allgemeinen seine Wirkung
zine recht günstige, weil er die Verwesung der pflanzlichen und thie
rischen Stoffe befördert, und eben um eine gewisse Verwesung ein—
uleiten, werden ja die Komposthaufen angelegt. Bei der Anwen⸗
zung von gebranntem Kalk zu denselben muß man sich aber immer
an 2 Dinge erinnern:
1) wird das vorher gebundene Ammoniak frei und kann sich
oerflüchtigen, wenn man nicht dafür sorgt, daß es wieder gebunden
vird, deßhalb muß man überall, wo Kalk (gebrannter oder
kohlensaurer) angewandt wird, um so sorgfältiger die Haufen mit
einer dicken Schichte Erde oder mit Torfklein bedecken und wo mög—
lich in die verschiedenen Schichten des Haufens Gyps streuen. Die
Frdeé, der Torf und der Gyps binden das durch Kalk frei gewor—
—— ;
eentsteht aus den thierischen Stoffen, Fleisch, Blut, Knochen,
haut, Haare, sowie aus Dünger und Jauche immer eine gewisse
Menge Salpetersäure, wenn sie unter Einwirkung der Luft verwesen.
die Menge Salpetersäure wird bedeutend größer, wenn Asche oder
Kalk oder beide vorhanden sind.“) Die Salpetersäure und die sal—
detersauren Salze (der gewöhnliche Salpeter, Chilisalpeter und Kalk—
alpeter) verhalten sich jedoch ganz anders zur Erde, als das Am—⸗
noniak, das sonst beim Verfaulen thierischer Stoffe entsteht. Das
Ammoniak wird nämlich vom Boden zurückgehalten (absorbirt), so
daß auch bei ziemlich starkem Regen nur verhältnißmäßig wenig vom
Boden hinweggenommen wird. Die Salpetersäure wird vom Boden
nicht zurückgehalten, sie kann also von größern Mengen Regen- oder
Schneewasser mit fortgenommen werden. Ein solches Auswaschen
des Bodens findet bei flachgründigen Feldern (wenn unter der Acker—
erde bald Kies oder Fels kommt) ganz besonders stark statt. Da
aber die Salpetersäure ebenfalls wie das Ammoniak ein werthvolles
Pflanzennahrungsmittel ist, so werden wir überall, wo wir Ursache
zaben anzunehmen, daß Salpetersäure in einem düngenden Stoffe
enthalten ist, besser thun, den Dünger erst im Frühjahr als schon im
Spätjahr herauszuführen. Dies gilt als für die verschiedenen Arten
Salpeter, für Kompost, besonders wenn Kalk oder Asche dazu ver⸗
vendet wurde. für Schutt und Erde von Stallungen u. s. w —
Vom Dünger bildet sich zwar, wenn er im Boden vertheilt ist, eben
'alls Salpetersäure, es findet dies jedoch fast ausschließlich im Som⸗
ner statt, so daß wir beim Hinausführen des Stalldüngers im
Spätjahr einen solchen Verlust durch Regen- und Schneewasser wäh
rend des Winters nicht zu befürchten haben.
Bleibt der gebrannte Kalk oder der Seifensieder- oder Gaskall
ängere Zeit an der Luft liegen, so verlieren sie zum Theil ihre
itzende, zerstörende Eigenschaft, weil in der Luft immer Kohlensäure
enthalten ist, die sich nach und nach mit dem Aetzkalk verbindet, es
entsteht in dieser Weise wieder dieselbe Verbindung, die vor dem
Brennen bestanden hat, nämlich kohlensaurer Kalk. Es findet dies
edoch, wenn der Kalk auf einem Haufen liegt, außerordentlich lang—
am statt; durch öfteres Umschaufeln kann es befördert werden, aber
auch dann ist immer die angeführte Vorsicht sehr geboten.
Die verschiedenen Sorten Kalksteine liefern auch einen verschie—
den guten gebrannten Kalk zum Düngen. Einzelne Kalksteine ent⸗
halten nämlich noch andere, werthvolle Stoffe (Kali, Phosphor⸗
äure). Einer der besten Sorten Kalksteine ist jener von Vogts—
zurg am Kaiserstuhl, er enthält fast 13/,20/5 Phosphorsäure und über
11/20/0 Kali, also schon einen Werth im Zentner nur an diesen
Stoffen, die sonst meist in den Kalksteinen fehlen, von 12-16 kr.
Bei der Anwendung von kalkreichem Boden zur Verbesserung
von Feldern versteht es sich von selbst, daß, wenn man die Wahl
hat, man solchen Boden vorzieht, der reich ist an Kalk und der wo
nöglich noch andere Stoffe enthält, die zur Ernährung der Pflanzen
heitragen können, der also an und für sich ein fruchtbarer ist. Die
iähere Untersuchung solcher Bodenarten kann selbstverständlich nur
Aufgabe des Chemikers sein. Annährend kann aber auch ein
dandwirth schon untersuchen, welcher von 2 Böden am meisten Kalk
enthält. In ähnlicher Weise kann man auch annährend auf die
Menge schließen. Bringt man z. B. von 2 Erden je in ein Glas
ein Loth einer derselben, füllt die Gläser zur Hälfte mit Wasser—
gießt dann Salzsäure hinzu, bis die Erden aufhören aufzubrausen,
rührt gut um und läßt dann stehen, so kann man an der Menge
des Bodensatzes erkennen, in welcher Erde am meisten fremde Stoffe,
folglich am wenigsten Kalk enthalten war, denn der Kalk löste sich
'n Salzsäure auf, während die andern Stoffe fast vollständig unge—
löst zurücbleiben.
Die Anwendung von kalkhaltigem Boden ist überall sehr zu
empfehlen, wo die Felder selbst arm sind an Kalk, denn, wie oben
chon angeführt wurde, bedarf jede Pflanze zu ihrer Entwicklung eine
gewisse, die früher schon angeführten Pflanzen eine bedeutende Menge
von Kalz. Besonders zu empfehlen ist der Kalkboden (Mergel, Lös
hu. s. w.) auf Moorboden, sauren Wiesen und auf Boden von aus—
gestocktem Wald
*) In dieser Weise wurde fruͤher der Salpeter dargestellt; man machte nämlich
n bedeckten Räumen aus Erde, Duͤnger und Asche große Haufen, schaufelte sie hie
ind da um, und erhielt dann nach 2-3 Jahren durch Auslaugen mit Wasser den
Salpeter. In den Mauern der Stallungen bildet sich immer eine gewisse Menge
Salpeter, deshalb wurden fruͤher zuweilen die Mauern der Stallungen abgerissen
uind der Baden der letzteren ausgegraben. um Salpeter daraus zu gewinnen.