Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

denden Schafe aber kann der überwinternden Roggenpflänze in kei—
nem Falle schaden, weil die Blätter bei eintreisndem Froste ohnedies
absterben. Nur ihre Basis schützt die Knospen, welche, jo lange sich
der Roggen nicht bestaudet hat, im Boden kiegen. Wenn auch das
an seiner Spitze abgebissene Blatt selbst bis zu seiner Basis abster—
hen sollte, so kann hieraus der überwinternden Knospe kein Nach—⸗
heil zugehen. Werden die Wintersaaten während des Frostwetters
von den Schafen abgeweidet, so verwerthekt der Landwirth ein Ma—
erial, welches der Winterfrost ohne Natzen für ihm zerstören würse.
Schädlich wird das Behüten der Wintersaaten überhaupt, wenn der
Boden noch offen, d. h. noch nicht gefroren ist; ferner ist das Be—
weiden der Saaten schädlich, sobald die zahlreichen vorhandenen Knos⸗
pen, selbst weiter entwickelt, zu kleinen Halmen geworden sind, weil
durch das Abfressen des Spitzen disses Halme leicht auch die Aehre,
welche sich gerade aus denselben bilden sollte, abgebissen werden kann.
Auch dürfen die Wintersaaten endlich nicht beweidet werden, wenn
dieselben unter tiefem Schnee liegen; die hungrigen Schafe scharren
dann die Schneedecke auf und zerstoͤren dadurch die Wurzelstöcke.
(Nach d. Landw. Dorfztg.)

Ueber die rechte Mähezeit der Grasländereien.
Wir haben schon früher einmal auf den großen Unterschieß auf—
nerkjam gemacht, der sich im Futterwerthe des Heues ergibt, wenn
kkan die Gräfer in der Blüthe mäht, oder erst, wenn sie reifen Sa—
nen gebildet haben. Viele Landwirthe glauben, man dürfse das
Bras erst mähen, wenn es zeitig sei, d. h, Samen gebildet habe,
indem so vie Wiese die ihr nothwendige Besamung erhalte. Allein
Ane gut gepflegte Wiese bedarf einer folchen Besamung nicht. Es
solgt dies klar daraus, daß die gewöhnlichen Rafen- und Bleichplätze
ziemals zum Samensatze kommen und dennoch stets eine üppige
Brasnarbe haben. Eine gut gepflegte Wiese träägt in ihren Wurzeln
das Vermögen, Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lang ohne Ernéuerung
zurch Aussaat, auszudauern. Andere meinen, durch späteres Mähen
verde dais Bodengras besser ausgebildet und die Quantität des Heues
dermehrt. Das ist wohl richtig; allein in demselben Grade, in wel⸗
hem das Bodengras ftärker wird, verholzt das verblüht habende
hochgras und hierbei verwandeln sich die Nährstoffe desselben in
dolzfasern un, woher es denn kommt, daß solches Heu keine Kraft
hat, daß alss die Qualität bes Heues durch das Spätmähen sehr ge⸗—
ahrdet wird. Daß dadurch selbstverständlich der Nachwuchs (Grummet)
Alzu sehr zurückgedrängt wird, ist ohne Beweis klar.
Wieder Andere wollen nicht glauben, daß durch das Zeitigwer⸗
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zemacht werden und der Boden verarmt. Allein, wer nur ein wenig
Wachsthumserscheinungen kennt, der weiß es, daß allemal, wo eine
Pflanze zeitigt, der Boden viel mehr angegriffen wird, als da, wo
nan sie nicht zur Samenbildung gelangen läßt. Einen interessanten
Versuch hierüber theilt uns Herr Jost in Mannheim mit. Er ließ
auf einer 400 Klafter (1 Klafter — 6 Fuß) großen Wiese im Jahre
1863 die Hälfte des Grases mähen, als eben die Gräser in vollster
Blüthe standen; auf der andern Hälsfte aber ließ er den Grassamen
zöllig zeitigen, ehe er mähte. Während ihm der Etr. Heu der ersten
Art 42 Maß Milch produzirte, ergab ihm von denselben Kühen der
Ttr. letzterer Art nur 171/. Maß. Im Jahre 1864 erntete er auf
der spät gemähten Hälfte 7 Ctr. 48 Pfd. weniger, als da, wo die
Maht in vollster Grasblüthe vorgenommen worden war.
Solche Thatsachen sprechen sehr klar gegen die zu späte Heu⸗
naht. Jedermann kann durch Nachahmung dieses Versuches sich
aäber die Wahrheit seines Resultats vollste Gewißheit verschaffen.

Die Laubstreuentnahme aus den Waldungen.
Liner der bedeutensten Krebsschäden, die noch an der heutigen
dandwirthschaft nagen, ist die Laubentnahme aus den Waldungen
sum Zwecke des Einstreuens. Gerade die Gebirgsgegenden sind mit
hrem flachkrumigen Verwitterungsboden darauf angewiesen, von den
dewaldeten Höhen diejenigen Mengen von feuchten Niederschlägen zu
rwarten, die nothwendig sind, um die Felber in tragbarem Zustande

zu erhalten. Denn die geringe Dicke der Krume und die meisten
eneigte Lags derselben sind die Ursachen, daß selbst öftere und starh
stegen nicht von nachhaltiger Wirkung sein können. Rasch fließen
zier die Wasses ab und was der Boden aufsaugt, verdunstet schnel
vieder, weil er nicht viel zu fassen vermag. Hier ist die Vegetation
auf die feuchten Niederschläge angewiesen, welche die Waldungen
mmerwährend vermitteln. Doch wer es aus eigener Anschauung
kennt, wie allewege die Laubholzwaldungen mehr und mehr ven
chwinden tins dürftigen Nadelholzbeständen den Platz räumen, nich
etwa, weil die Nadelholzkultur ertragreicher wäre, sondern weil die
daubholzbestände auf diesen Stellen nicht mehr fortkommen, der muß
ich wohl die Frage vorlegen, wodurch dieser Mißstand veranlaßt sei,
vohin sr schließlich führen werde und durch welche Mittel der von
Jahrzend zu Jahrzehnd näher rückenden Gefahr, die bewaldeten Ge—
dirgsgegenden dem Ackerbau ganz entrückt zu sehen, begegnet zu wer
den vermöge. Dem Konner ist es nicht zweifelhaft, daß die allseitig
Abstellung des Laubstreuentzuges das vortrefflichste Mittel sein würde,
den Waldboden in seiner Kraft zu erhalten und da, wo er bereit
verarmt ist, allmälig wieder so zu bereichern, daß er für den Laub⸗
holzbau fähig würde. Wir wissen es wohl, daß die große Menge
der Streuberechtigten sich einbildet, im höchsten Maße laubstreube
dürftig zu sein und sind daher sehr erzürnt, wenn man von det Beseit'—
jung der Laubstreuservitute wie von einer Nothwendigkeit redet.
Wenn indessen der Nachweis geliefert werden könnte, daß die Laub
treuentnahme nicht nur die Wälder, sondern auch die in Waldgegen—
»en wirthschaftenden Landwirthe einer raschen Verarmung entgegem
ührt, dann dürfte doch Mancher anderer Gesinnung werden. Wohl
vissend, wie schwer es ist, der großen Masse eingewurzelte Vorur
heile zu nehmen, wollen wir es doch demnächst wagen, die Schäd—
ichkeit der Laubstreu für die Düngergewinnung nachzuweisen. Selbst
auf die Gefahr hin, daß wir von Hundert nur Einen bekehrten.
Für heute weisen wir die Interessenten noch auf eine schätzbare Bro⸗
chüre des Herrn Reg.-Raths Becdk in Trier hin, betitelt: „Die Wal—⸗
yungen ꝛ⁊c. vom Standpunkte der Forstpolitik. Berlin, bei J. Dräger.“

Die Knochenbrüchigkeit beim Rindvieh
Bezüglich dieser Krankheit, welche im abgelaufenen Winter al——
zemein sehr zahlreich ihre Opfer unter dem Rindvieh gefordert hat
ind erst mit der Verfütterung neuen Grünfutkers mehr Abnahme
zeigt, hat die landw. Lehranstalt in Worms Versuche anslellen lassen,
die zu sehr beachtenswerthen Ergebnissen geführt haben.
Man ging dabei von der Voraussetzung aus, daß die im vorigen
Jahre gewachsene Futterstoffe nur ungenügende Mengen von Mine
calstoffen, insbesondere von phosphorsaurem Kalk aufnehmen konm
en, namentlich aber, daß seit einer geraumen Reihe von Jahren, in
Folge des öfteren Mißrathens von Klee, überhaupt der auf die Heu
»ereitung berechneten Grünfutterstoffe, der Anbaͤu von Futterkartoffeln
ind Futterrüben in einer so erstaunlichen Weise zugenommen hat,
aß man allerwärts eine Menge von vormaligem Wiesengelände au—⸗
rifft, das nun dem Wurzelwerkbau dienen muß. Da äber gleich⸗
vohl überall eine Vermehrung des Viehstandes angestrebt wird, se
ann es nicht ausbleiben, daß die Bildung, vielmehr Innehaltung
richtiger Futtermischungsverhältnisse eine naturwidrige Beeinträchtt⸗
zung erfährt. War doch die im vorigen Jahre erworbene Heumeuge
o gering, daß dieselbe selbst bei spärlicher Heufütterung schon Mitte
Winter zur Neige ging, so daß die Landwirthe vielfach auf die
'ast ausschließliche Wurzelwerkfütterung angewiesen waren, zumal
auch an Stroh zu Hechsel in einer früher kaum dagewesenen Weise
zespart werden mußte. Von diesen Voraussetzungen ausgehend, ließ
die landw. Lehranstalt zu Worms vom 17. Jannar an drei Kühe,
die sich im mittelguten Zustande befanden, ausschließlich mit Kar—
offel- und Rübenfutter ernähren. Behielten die Kühe guch ziemlich
jutes Aussehen, so waren sie doch schon Mitte Februar kaum mehr
m Stande, sich auf die Beine zu erheben und vom 21. Februar an
tanden sie nicht mehr auf. Nun wurde die Fütterung gewechsell.
Iwei Kühe bekamen reichliche Portionen feines 1864er Heu, daneben
dleien, Schrot und Oelkuchen; die dritte Kuh bekam iht Wurzel⸗
verksutter, wie vorher, aber mit einem täglichen Zusatze von 2
zoth gut präparirtem Knochenmehl. Die 2 ersten Kühe flanden
            
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