Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

sum Spaß an, davon mit den Angrenzern zu reden. Diesen war
dann das Angebotene nicht allezeit gelegen und sie wünschten ein
anderes, das dem Dritten gehörte, zu empfangen. Da begrüßten
heide Theile nun den Dritten. Einer stieß den Andern. Bald
machte Jeder Pläne für sich, seine Besitzungen auszurunden und in
ein einziges Stück zu verbinden. In kurzer Zeit griffen die Unter—
handlungen um sich. Manche gelang, manche scheiterte. Immer
lam dabei etwas heraus. Es war in Godenthal wie an einer Land—
dersteigerung, oder wie auf einem Gütermarkt, zumal im Winter,
da man mehr müßige Stunden hatte und Abends zum Gespräch zu—
ammenkam, bald bei diesem, bald bei jenem. Denn in's Wirths—
haus zu gehen und das gute Geld durch die Gurgel zu jagen und
ꝛinem Vieh gleich zu werden, schämten sich alle Ehrenleute im Dorfe.
dieber tranken sie ihr Glas bei Weib und Kind und mit denselben
an einem Sonn- und Festtage.
Oswald hatte es vorausgesagt: Der Güteraustausch hatte
Schwierigkeiten. So war es auch. Allein im ersten halben Jahre
war es doch Fünfen fast gelungen, all' ihr Land beisammen zu ha—
hen. Das verdroß die Andern. Sie sahen den Nutzen davon sehr
vohl ein. Nun setzten sie den Kopf daran, es auch so weit zu
bringen. Das Gemeindehaus war beständig besucht am Abend. Da
sttanden immer einige Bauern vor der großen Karte und handelten
and stritten, daß man es draußen hörte und liefen auseinander im
Zorn und traten wieder mit neuen Vorschlägen zusammen.
Was war die Folge? Von Jahr zu Jahr rundeten sich die
Büter immer besser ab und die guten Wirkungen davon wurden
muffallend sichtbar. Zschokke.

Frauen im Eisenbahndienst.
In der Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen
st ohnlängst die Verwendung der Frauen der Bahnwärter zum Sig
nal- und Schlagbaumdienst und danach der Bahnwärter zu den
Bahnbesserungsarbeiten empfohlen worden. Dadurch veranlaßt, theilt
zer Ingenieur Hennings in Riga ein in dieser Richtung gemachtes
praktisches Experiment auf der Riga-Dünaburgrr Bahn wie folgt
mit: „Es darf zunächst nicht unerwähnt gelassen werden, daß die
zenannte Bahn bisher noch keinen Nachtdienst hat, daß Arbeitskräfte
aicht in reichlichem Maße vorhanden sind, und namentlich bei der
chwachen Bevölkerung des Landes die Entfernung oft bedeutend ist,
aus welcher die Tagelöhner angeworben werden müssen; sodann sind
dandwerker nur in den Städten ansässig und deren Herbeiziehung,
aamentlich zu kleineren Arbeiten, unverhältnißmäßig kostbar, es mußte
dahin gestrebt werden, daß für jede Bahnmeisterei zu allen Arbeiten
rerwendbare Kräfte zur Hand seien, und da der günstige Umstand
zinzukam, daß die Wärterhäuser als Wohnungen für die Wärterfa—
nilien eingerichtei waren, so lag es nahe, das entsprechende Mittel
jur Erreichung des erwähnten Zieles in der größeren Ausnutzung
verͤneben der Bahn wohnenden Wärter zu suchen. Deshalb wurde
neinerseits auf Heranziehung der Wärterfrauen zum Eisenbahndienste
gedrungen, aber nur mit vieler Mühe gelang es, die Abneigung,
velche gegen diese Neuerung sich kund gab, zu beseitigen und die
probeweise Einführung derselben zu bewirken. Im Jahre 1862 tra⸗
lsen demgemäß auf der ganzen von mir verwalteten Bahnabtheilung
die Wärterfrauen in den Eisenbahndienst und ich hatte sehr bald die
Benugthuung, daß die Zweckmäßigkeit erkannt und für die gan ze
dl /z Meilen lange Bahn adoptirt wurde. Die wesentlichsten günstigen
stesultate waren diese:
1) Es gelang sehr bald durch die Bahnmeister, welche fast ans⸗
nahmslos deutsche Maurer sind, einzelne Wärter zu Maurern, Töp—
fern, Anstreichern ꝛc. heranzubilden und durch diese nicht nur kleinere,
in diese Fächer fallende Arbeiten, sondern auch ganz neue Bauwerke
auszuführen; 2) war es möglich, zum Nutzen der Landwirthschaft
and im eigenen Interesse, in der Saat- und Erndtezeit sich fast aus—
chließlich auf die eigenen Arbeitskräfte zu beschränken und somit ein
mausbleibliches gegenseitiges Steigern der Arbeitslöhne zu vermei—
den und Tagelöhner für die regelmäßigen Reparaturarbeiten nur im
Frühjahr und Spätherbst heranziehen, in welcher Zeit hier zu Lande
anverhältnißmäßig mehr Kräfte erforderlich sind, als auf den meisten
deutschen Bahnen; 3) konnte der Schnee fast ausschließlich von den

Värtern beseitigt werden, und wenn auch der Schneefall z. B. in
em verflossenen Jahre nicht bedeutend war, so muß eine Veraus—
zabung von 174 Rubel Tagelohn für diesen Zweck auf meiner 185
Meilen langen Bahnabtheilung mit Doppelgeleis und 6 kleineren
Bahnhöfen in diesem Lande doch wohl gering genannt werden; 49
zlaube ich behaupten zu können, daß bei der sehr niedrigen Bildungs—
tufe, welche der gemeine Mann hier einnimmt, die Frauen im All—
zemeinen mit mehr Umsicht und Ueberlegung die Signale bedienen,
als die Männer; 5) ist durch die größere Inanspruchnahme der
Wärter der hier zu Lande so sehr verbreiteten Trunksucht vorgebeugt.
die Frau ist an ihr Haus gefesselt; sie ist mit weiblicher Handarbeit
jeschäftigt und gibt sich weniger dem Nichtsthun hin, welchem ein
Mann so leicht verfällt. Sie ist an ihre Kinder gefesselt und die
essere Aufsicht ergibt das günstige Resultat, daß ihnen bedeutend
veniger Kinder sterben, als bei der umwohnenden Bevölkerung; 6)
ind endlich die Hülfswärter ein gänzlich zu entbehrendes Institut
ind als große Annehmlichkeit ist der Umstand anzusehen, daß die
Borarbeiter aus den Wärtern gewählt werden und somit neben der
Zahn wohnen.
Die Wärter erhalten außer der Wohnung Feuerung, Licht zu
»en Signalen, Gartenland und einen Theil des Henertrages, 150
Rubel Gehalt und die Frauen 30 Rubel. Den Vorarbeitern wird
aoh eine monatliche Zulage von 3 bis 6 Rubel gegeben.
Die Wärter sind demnach besser gestellt als die Tagelöhner,
velche auf dem Lande durchschnittlich 40 Kopeken pr. Tag erhalten,
und es kdann daher bei Erledigung einer Stelle auf die Bereitwillig—
keit der tüchtigsten Arbeiter zur Uebernahme des Wärterpostens ge—
rechnet werden, so daß wir im Allgemeinen eine sehr tüchtige und
zut gearbeitete Mannschaft in den Wärtern besitzen und zu allen
Tageszeiten, sowie an Sonn- und Festtagen stets disponibel haben.
Ich glaube demnach mit gutem Recht die gewonnene Arbeitskraft
 per Wärter und Jahr auf 100 Rubel rechnen zu können, so
daß bei den mir zur Disposition stehenden 87 Wärtern (nicht gan;
b auf die Meile) jährlich ein Gewinn von 8700 Rubel erlangt ist.
Durch die Heranziehung der Wärterfrauen zum Eisenbahndienst
jabe ich demnach für die Gesellschaft bei der ganzen hierdurch zu den
Bahnarbeiten disponibel gewordenen Zahl der Wärter von 164
Mann, bis jetzt in den 4 Jahren, daß diese Neuerung durchgeführt
vurde, die Summe von 64,000 Rubel erspart. Doch wohl ein günsti⸗
ges und nachahmenswerthes Resultat!“

Deutscher Champagner.
Es ist eine von allen vernünftigen Nationalökonomen als ver—
erblich anerkannte Usance, auf deutsche Fabrikate die Stempel und
ẽtiketten ausländischer Fabriken zu setzen, selbst wenn die im Inlande
ꝛrzeugte Waare die ausländische an Güte übertrifft. Dadurch hat
man der französischen und englischen Industrie mit Aufopferung des
eigenen Ruhmes ein Vertrauen und einen Absazz verschafft, der nicht
zu berechnen ist, indem die Käufer meistens neue Bestellungen bei
den Fabriken machen, deren Firmen die Waaren trugen. In vielen
Zweigen der Industrie hat Deutschland Frankreich und England
ibertroffen, aber in wenigen den größeren Ruhm geerntet.
Das, was von den Fabrikaten gilt, ist auch von vielen unserer
Natnrproducte giltig, es ist eine den Sachkennern längst bekannte
Thatsache, daß das deutsche Handelsgebiet Weine in einer so vor—
üglichen Qualität hervorbringt, daß sie den besten ausländischen
zleichkommen. Eine mehr als 380jährige Erfahrung stellt das na—
nentlich beim Champagner-Wein außer allem Zweifel, indem man
bereits seit einem Menschenalter unberechenbare Quantitäten in
Dentschland aus deutschen Weinen fabricirten Champagner in allen
Weltgegenden für ächt französischen consumirt, und keinen Unterschied
indet. Bekanntlich wird der Champaguer aus einer der leichtesten
Sorten französischer Weine fabricirt, dieselben Sorten Weine finden
ich in Deutschland in großer Menge vor, und die Fabrikation ist
uns eben so gut bekannt, wie den Franzosen, man erzeugt ihn in
zleicher Güte aus den leichteren Sorten unserer deutscher Weine, und
der größte Feinschmecker vermag keinen Unterschied in der Qualität
peim Vergleich herauszufinden. Steht nun die Thatsache fest, daß
nan überall in Deutschland seit Jahrzehnten deutschen Champagner
nit französischen Etiketten trinkt, daß man überall damit zufrieden
            
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