Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

«. Am Montag den 27. August c.
i) Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Malstadt.
) Bischmisheim.
3. Am Dinstag den 28. August ec.
Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Völklingen.
4. Am Mittwoch den 29. Augustc.
a) Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Heusweiler.
D) — 2* 2 2 1* Sellerbach.
5. Am Donnerstag den 80. August ec.
Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Dudweiler.
6. Am Freitag den 31. August c.
a) Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Sulzbach.
) F n F „ Frriedrichsthal.
. Am Samstag den J4. Septemberc.
a) Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. Ludweiler.
bD) F * — F * Gersweiler.
8. Am Montag den 3. September c.
a) Musterung der Ersatzpflichtigen der Bürgerm. St. Johann.
) J Kleinblittersdorf

Sämmtliche im Kreise Saarbrücken sich aufhaltende nach Vor—
stehendem zur Gestellung verpflichteten Leute werden hiermit vorge
laden, an den vorbezeichneten Tagen am Gestellungsorte pünktliqh
zu der angegebenen Stunde, — sauber gewaschen und mit reinet
Bekleidung versehen — vor der Königlichen Kreis-Ersatz« Commission
zur Musterung zu erscheinen.
Körperliche Gebrechen, wie Epilepsie, Schwerhörigkeit u. s. w
sind durch die vorgeschriebenen Atteste und protokollarischen Nachweis
estzustellen.
Reclamationen sind bis 3 Tage vor dem Termine bei dem be
reffenden Bürgermeister anzubringen.
Ich ersuche die Herrn Bürgermeister diese Bekanntmachung
viederholt in den Gemeinden publiciren zu lassen.
Saaurbrücken, den 13. August 1866.

Der Königliche Landrath,
v. Gärtner.

——

NRutzen der deutschen Esche.
Praxinus excoelsior.)
Bon Oekonom E. A. Blumenhagen in Celle.
Wiewohl die Landwirthschaft in allen ihren Zweigen seit vierzig
Jahren eine außerordentliche Verbesserung und Vervollkommnung zum
Wohle des Staats erfahren hat und der Erzielung edler Futterkräu—
er eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet ist, so blieb doch auf dem
großen Felde der Landwirthschaft und der Natur noch manches Nützliche
 verborgen, gelangte wenigstens nicht zur allgemeinen Kenntniß
und Anwendung. Zu diesen Gegenständen gehört auch die Nützlich—
keit der deutschen Esche, dessen vielseitiger Nutzen nicht völlig zur An—
vendung gelangte.
Im Bestreben der Landwirthschaft, wenn auch nur geringfügig
aützlich zu werden, werde ich im Folgenden die Esche als eine der
aützlichsten und werthvollsten Holzarten zu béeleuchten und ihre Eigen—
chaften, auf eigene Erfahrung gestützt, hervorzuheben suchen.
Die Esche gehört bekanntlich zu den harten dauerhaften Holzar—
en. Dieselbe gedeiht auf jeder Bodenart, selbst auf leichtem Sand—
poden gepflanzt, wenn man sie, gleich der Eiche, auf folgende Weise
dehandelt: nämlich in das drei Fuß Quadrat und drei Fuß tiefe,;
Loch bringt man zwei bis drei Karren voll Lehm, wodurch dem
Stamme die Feuchtigkeit ununterbrochen erhalten wird, dann die Wur—
zel mit guter Erde bedeckt, welche schnelle Ausdehnung erwirkt. Sehr
schnell und üppig wächst sie auf gemischtem Sandboden mit Thonun—
sergrunde, so wie in Sümpfen und an den Ufern der Teiche, Bäche
and Flüsse. Sie wächst jährlich durchschnittlich 2 bis 3 Fuß in die
döhe und gleichmäßig in Stärke. Die erste natürliche Eigenschaft
dieses Baumes ist, daß er ohne besondere künstliche Zucht sich zu ei—
aem graden, hohen, majestätischen Stamme bildet, 40 bis 60 Fuß
hoch und bis zu 4 Fuß Durchmesser stark wird, auch bleibt er gewöhn—
lich bis zum hohen Alter gesund. Auf Gehöften schützt er die Ge—
häude gegen Sturm und in Feuersgefahr.
So z. B. habe ich eine Esche fällen sehen, welche auf gutem
Sandboden gewachsen, deren gerader Hauptstamm bis zum ersten
Zweige 20 Fuß lang war und 4 Fuß Durchmesser hatte, dazu ganz
gesund war, woraus Bohlen zu Möbeln geschnitten wurden; außer—
bem lieferten die oberen Theile in einer Länge von 21 Fuß Blöcke!
bon 6 und 8 Fuß zu Bohlen, und die Enden, wo die Hauptzweige
mntsprossen, ganz vorzügliche Masern zu schönen furnirten Möbeln, und
ine bedeutende Quantität Brennholz.
Wo die Esche auf feuchtem Boden und an Ufern wächst liefert sie
regelmäßig alle 5 bis 6 Jahre einen reichen Ertrag Brennholz, wel—
hes an Heizkraft den Eichen gleich ist; indem es als Unterholz, nahe
an der Erde abgehauen wird, und immer neue Sprößlinge treibt.
VBon Böttchern wird die Esche zu Bandholz benutzt, und von Stell⸗
nachern und Wagnern viel verbraucht, steht demnach wegen ihrer
NRützlichkeit in hohem Werthe, und wäre schon deshalb ihre vermehrte
Anpflanzung zu empfehlen. Für den Landwirth hat die Esche außer—
dem einen ganz vorzüglich hohen Werth, welcher darin besteht, daß

ie für die Schafe ein außerordentlich nahrhaftes und zur Gesundheit
dienendes Futter liefert; nämlich in ihrem Laube und kleinen Zwei—
zen, auf folgende Weise:
Hat die Esche eine Höhe von 12 bis 16 Fuß und eine Stärke
des Stammes von 4 bis 6 Zoll Durchmesser erreicht, so haut man
alle Nebenzweige außer der Krone, auf 2 bis 8 Fuß Länge entfernt
vom Stamme ab; hat die Krone die Höhe von 40 bis 50 Fuß er—
reicht, so wird auch diese gehauen. Diese gehauenen Zweige bindet
nan in kleine Bunde, läßt sie in der Sonne ganz trocken werden und
ringt sie dann in's Trockne bis zum Winter, zur Stallfütterung der
Schafe. Dann gibt man täglich einige Bunde des Laubes zum De—
ert neben dem gewöhnlichen Futter. Es ist dann ein Vergnügen zu
ehen, wie die Thiere nicht nur das Laub, sondern auch alle kleinen
Zweige eifrig verzehren und zerknappern, als hätten sie kleine Bohnen
zu schmausen.
Aus eigener Erfahrung kann ich mittheilen, daß dieses Futter
nicht allein sehr nahrhaft für Schafe ist, sondern vorzüglich zur Er—
jaltung der Gesundheit dient, indem es die Ausdünstung durch Schweiß
»efördert, somit das Blut reinigt und die Hautkrankheiten, vielmehr
hen Stoff zu diesen aus dem Körper entfernt. Einen Beweis hierfür
zab mir eine Gemeinde, welche eine gemeinschaftliche Heerde hatte,
vo aber im Winter jeder Einwohner seine Schafe (Rheinische Rasse)
m eigenen Stalle fütterte. Einer der Hofbesitzer hatte 40 bis 80
Stück. Diese erhielten regelmäßig neben Heu, Haferstroh und etwas
Welle (Mengfutter, Bohnen und Wicken) täglich ein Futter des Eschen⸗
aubes. Diese Schafe hatten einen großen Vorzug vor den übrigen
er Heerde, sowohl in der Wolle wie im Gesundheitszustande; während
inter den übrigen im Frühjahr und Sommer viele räudig waren, näm⸗
lich den Hautauswurf, den s. g. Grind bekamen, waren die mit Laub
zefütterten völlig gesund.
Da auch die Pockenkrankheit aus unreinem Blute hervorgeht, so
äßt sich annehmen, daß durch die Fütterung mit Eschenlaub auch
diese so nachtheilige Krankheit abgewendet werde. Die Ernte dieses
Futters, welche wie schon erwähnt zu Johannis geschehen muß, wo
nan die Zweige mit einem Beile schräg abhauet oder besser mit ei—
ier Baumsäge absägt, wird alle drei Jahre wiederholt, indem die
ẽsche, gleich wie die geköpfte Eiche oder Weide, in vermehrter Anzahl
unge Zweige treibt, die nach drei Jahren ein immer größeres Quan⸗
um liefern. Durch diese Benutzung wird der Stamm im Wachsthum
aicht gestört.
Ich möchte daher jedem Landwirthe empfehlen, so viel wie mög⸗
ich auf Gehöften, an Wiesen und Weiden, selbst zum Schutze der
Afer an Flüssen Eschen anzupflanzen und solche zur Fütterung der
—Schgfe zu benutzen. Am Besten macht man drei Abtheilungen, damit
nan jedes Jahr eine zum Abernten benutzen kann. Auch wäre wün⸗
chenswerth, daß Chausseen und Kommunikationswege, anstatt mit
Birken, Linden oder Akazien, mit Eschen bepflanzt und zu diesem Zwecke
enutzt würden, wodurch in der Folge großer Nutzen und ein bedeu⸗
ender Pacht- oder Holzwerth erzielt würde.
            
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