Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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Antetgenvepese pen —8 plare 18 Silberareschen.
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zeile oder deren Raum v Vf.

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den Kreis Saarbrücken.

AMS Yꝗ.

Sonnabend den 18. Augusi

1866.

Dee Wasserleitung in Melbourne.
Melbourne, die Hauptstadt der englischen Colonie Victoria in
Australien, die jetzt größte und volkreichste Stadt des Südcontinents,
wurde 1837 gegründet, und wuchs in ihren ersten Jahren ziemlich
langsam; 1851, kurz vor Entdeckung der Goldfelder, betrug die Ein
wohnerzahl nicht über 15,000, zehn Jahre später dagegen 128.000 und
jetzt über 140, 000.
Die ersten Straßen wurden ganz nahe dem NYarra⸗Flusse gebaut,
der die Einwohner der Stadt mit vortrefflichem Trinkwasser versehen
lonnte, so lange ihnen der primitive Weg des Schöpfens und Heim⸗
tragens nicht zu beschwerlich war. Als aber die Straßen sich immer
weiter von dem Flusse entfernten und die Hügel zu bedecken anfingen
wurde das Wassertragen abgeschafft und das Wasserführen zu einem
eigenen Gewerbe gemacht, welches nach und nach über hundert Fuhr
leute und Pferde beschäftigte. In allen Straßen begegnete man vom
frühesten Morgen bis zum späten Abend den wandernden Tonnen.
Damals war Wasser ein theurer Artikel in Melbourne; 1852 zahlte
man für eine Tonne von 150 Gallonen (à 39/10 preuß. Quart) 160
Schillinge (über 3y3 Thlr.). Concurrenz drückte jedoch die Preise
bald herunter, so daß man im letzten Jahre 32 Schill. bezahlte
Sobald man die rasche Zunahme der Bevölkerung sah, wurden Vor
schläge der verschiedensten Art gemacht, die Stadt auf eine leichtere
und reichlichere Weise mit dem unentbehrlichen Elemente zu versehen
Zuletzt entschloß sich die Stadtgemeinde in Verbindung mit der Re
gierung zum Baue einer Wasserleitung, deren genauere Beschreibung
kinem Aufsatze des Herrn W. H. Archer, Chef des statistischen Bu
reaus von Victoria, entnommen ist: „Die Colonie Victoria, eine
Darstellung ihrer statistischen Verhältnisse ꝛc.“
„Melbourne und ein Theil des umgebenden Bezirks ist beständig
—DDD Yan-NYean-Bassin unter
hohem Drucke zugeführt wird. Es ist dies in Wirklichkeit ein künst
icher See, gebildet durch die Errichtung eines Dammes von 3156
Fuß Länge und 30 Fuß Höhe. Dieser künstliche Damm verbinde!
die beiden Wände einer Schlucht, welche für eine Abdachung vor
mehr als 4600 Morgen in der Ausdehnung den einzigen Wasserab.
luß gewährte. Das auf diese Weise geschaffene Bassin oder der
zünstliche kleine See bedeckt einen Flächentaum von ungefähr 1300
Morgen oder etwas mehr als zwei englische Quadratmeilen; seine
größte Tiefe ist 25 Fuß, die durchschnittliche 13 Fuß. Der Cubik
inhalt ist in runder Zahl ungefähr 38 Mill. Cubikyards oder 6,422
Mill. Gallonen. Es liegt 595 Fuß höher als Melbourne und ist 18
engl. Meilen (8/2 Siunden) davon entfernt. Die Verbindung zwi⸗
schen dem Wasserbehälter und dem Röhrennetze wird durch eine ei—
serne Röhre von 33 Zoll Durchmesser bewirkt; diese Röhre ist durch
den Damm geführt und liegt 3 Fuß höher als seins Basis. Sie ist
zunächst mit einem viereckigen Brunnenhause versehen, welches Zutrit:
zu den Ventilatoren gestattet und Einrichtungen enthält, um das
Wasser in verschiedener Höhe, nämlich 3 Fuß, 10 Fuß und 17 Fuß
vom Boden, in die Hauptröohre eintreten zu lassen. Für den Fall,
daß sich der Wasserbedarf von Melbourne verdoppeln sollte, ist ein
zweite 33zöllige Röhre durch die Eindämmung gelegt. Das Reservoir
wird jedoch nicht allein durch den Wasserabfluß von dem erwähnten
4600 Morgen großen Gebiete gespeist, sondern es ist auch vermittels
eines Canals und Tunnels eine Verbindung mit dem Flusse Plentr
hergestellt worden; diese weitere Zuleitung kann stets aushelfen, wenr

Noth entstehen sollte. Die Fläche, deren Abfluß der Plentyfluß an—
sammelt, ist etwa 60 Quadratmeilen (engl.) groß, und wenn man
den jährlichen Regenfall auf dieser Hügelkette der Rechnung zu Grunde
legt, so ergiebt sich, nach Abzug des Verlustes durch Verdunstung und
andere Ursachen, eine Wassermasse, die vollkommen hinreicht, das
Bassin jedes Jahr anderthalbmal zu füllen.
Dieses Riesenwerk hat die Summe von 80,000 Pfd. St. gekostet,
welche durch 6procentige Stadtschuldscheine beschafft wurde. Die Ein—
nahme für die Wasserzufuhr ist beträchtlich und wird noch um Vieles
zunehmen, wenn die Leitung sich auch in die verschiedenen vorstädti—
schen Bezirke erstrecken wird. Einer Schätzung nach dürften die fer—
neren Ausdehnungen ungefähr 70 Proc. jährlich von den Herstellung—⸗
kosten abwerfen. Die Bevölkerung von Melbourne und des umge—
henden Bezirks ist etwa 123,000 Seelen (1861), und da man an⸗
nehmen kann, daß das Tan-NYean-Reservoir eine Bevölkerung von
200,000 Personen täglich mit 100 Gallonen auf den Kopf versehen
kann, so ist klar, daß es noch für eine lange Reihe von Jahren aus—
reichen wird. London erhält täglich einen Zufluß von etwa 20 Gallo—
nen per Kopf, Wolverhampton 11, Nottingham 40, Liverpool 11.
In Melbourne wird an dem Grundsatze festgehalten, das Wasser
ohne Unterbrechung und mit hohem Drucke zu liefern — eine Ein—
cichtung von großem Werthe für Löschung von Feuersbrünsten. Das
Wasser des Yan-Yean-Bassins wird auch als bewegende Kraft benutzt
und hat bereits theilweise zum Treiben von Maschinen den Dampf
verdrängt.“

Mächtigkeit der Guano⸗Lager.
In einem Vortrage, den Professor W. Wallace Fyfe im könig—
lichen landw. Collegium zu Cirencester über künstlliche Dünger hielt,
machte derselbe aus einem Briefe seines Bruders, Capitain Fyfe, Mit⸗
heilungen über die Größe der Guanolager, die den über diesen Ge⸗
zenstand in Deutschland verbreiteten Nachrichten widersprechen. Wir
geben die Stelle wörtlich.
Im vergangenen Jahre segelte Capitain Fyfe nach Peru und
hrachte eine Ladung Guano von den Chinchas-Inseln zurück. Sein
Bericht über diese Inseln ist zugleich verschieden von allen bis jetzt
—
erstattern der Guanovorrath in 8-10 Jahren erschöpft sein soll, ver⸗
iichert er, daß derselbe, vergleichsweise zu sprechen, unerschöpflich sei
— die Guanolager seien an einzelnen Stellen mehr als 100 Fuß mäch—
tig, und zwei oder drei Hauptinseln noch gar nicht in Angriff ge—
aommen. Als er die Klippen bestiegen, erblickte er eine unzählige
Menge von Skeletten großer Seethiere, von Seehunden und Wallros⸗
en, die die Oberfläche in solcher Masse bededten, daß dieselbe ganz
weiß erschien, und wahrscheinlich rühren davon die weißen Klumpen
her, die sich so oft im Peru-⸗Guano vorfinden und unzweifelhaft zer—
etzte Knochen dieser Thiere sind. Als er die Insel weiter durchwan⸗
derte, brach sein Fuß fast bei jedem Schritte in Höhlungen ein, in
denen die Guanovoͤgel ihr Nest machen. Diese Höhlen erstrecken sich
56 Ellen weit in das Guanolager und die Vögel sind ununter—
hrochen beschäftigt, Fische aus der See zu fangen, um ihre Jungen
damit zu füttern. Ihre Zahl ist so gewaltig, daß sie die Luft voll⸗
tändig lebendig zu machen scheinen. Nach diesem Berichte, dem das
»ollste Vertrauen geschenkt werden kann, würde also der Guano nicht
            
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