Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

wurde, welche bei ruhigem Verweilen, wie im frischen Zustande, einen
festen häutigen Rahm aufwarf, während die unterstehende Flüssigkeit
an Trausparenz und wässerigem Ansehen gewann. Er glaubt deß
halb, daß die Erzeugung dieses Productes im Großen auf Gütern
von hinlänglicher Milchproduction oder durch eigens für diesen Zwech
arbeitende und die Milch der Umgegend verwerthende Etablissements,
ein rentables Geschäft abgeben würde, da die dafür erforderlicher
baulichen Einrichtungen und Apparate nur die Aufwendung verhält
nißmäßig geringer Mittel erheischen würden. Er erklärt sich bereit
über deren Anlage u. s. w. weiteren Aufschluß zu geben. Eine an
dere, für die Milchwirthschaft nicht weniger interessante Aufgabe is
die beschleunigte Rahmerzeugung. Die Vortheile, welche deren Er
möglichung bieten würde, liegen gleichfalls auf der Hand. Man wirt
mit einem in demselben Verhältniß geringeren Inventar an Geschirr
u. s. w. ausreichen, als man die Rahmerzeugung beschleunigt. Der
Zeitgewinn wird sich außerdem der Haltbarkeit des Rahmes hiuzu
addiren. Die Butter wird frischer und haltbarer ausfallen, und
ebenso wäre die damit gegebene Möglichkeit der gleichzeitigen Erzeu
gung von süßem Käse ein wesentlicher Vorlheil. Unter den ange
stellten Versuchen bewährte sich gleichfalls ein Mittel für den beabsich
tigten Zweck in überaus zufriedenstellender Weise. Es ist dieses di
Verwendung der Centrifugalkraft für die beschleunigte Rahmerzeu
gung. Vergleicht man genau den Kostenpunct bei der gewöhnlichen
Art der Rahmerzeugung mit ihrem Milchkeller, Bassin, Wasser und
großem Inventar an kupfernen, blechernen, thönernen und hölzernen
Gefäßen mit demjenigen der neuen Betriebsart, so würde man, nach
des Verfassers Ansicht, bei Milchwirthschaften von nur einigermaßen
größerem Umfange etwa 300 Maß Milch täglich, unter Anwendung
dieses Verfahrens, zu einem für das neue Verfahren sehr günstig
sprechenden Resultat gelangen. Eine dem Zweck in jeder Weise aus
reichende Centrifugalmaschine wird ohne Motor auf etwa 120 Fl. ver
nschlagt, und da auf irgend namhaften Gütern sich bereits für Dresch
maschinen u. s. w. ein Göpelwerk, Locomobile oder dergleichen vor⸗
finde, oder im gegentheiligen Falle doch deren Anschaffung ohnehin
für diese Zwecke wünschenswerth sei, so könne die Beschaffung des er
forderlichen Motors nicht schwer in die Rechnung fallen, zumal mar
selbst für einen umfangreicheren Betrieb nach dem neuen Verfahren
mit einem Kraftaufwand von etwa einer Viertel-Pferdekraft vollkom
men ausreichen werde. (Landw. Ctr.Bl.)

Der Gartenbau in Aschersleben.
Von A. Uhl, Geschäftsführer des Ascherslebener Gartenbau-Vereins.
Aschersleben ist die Kreishauptstadt des Kreises gleichen Namens
liegt drei Meilen östlich von Quedlinburg, dem es an Größe nichts
nachgibt, und hat eine Feldmark von 24,000 Magdeburg. Morgen,
von denen jetzt ca. 7000, excl. Gärten, zum Samenbau verwende
werden. Quedlinburg hat zwar ein Areal von 25,000 Morgen Feld
grund, von denen es jedoch nur circa 5000 bebaut.
Aschersleben ist die eigentliche Wiege des Samenbaues im Gro—
hen und ist es durch die Anregung auswärtiger Samenhändler ge
worden, die durch die hiesige vorzügliche Gemüsecultur angelockt, ihren
Bedarf von Sämerei schon Anfang dieses Jahrhunderts entnahmen
und den Anbau im Großen empfahlen; der Gemüsebau trat in den
Hintergrund, um dem Samenbau Platz zu machen. In Quedlinburg
ist es nun zwar ganz ähnlich gewesen, nur mit dem Unterschiede, daß
bie wenigen Anfänger dort keine anderen aufkommen ließen oder aber
daß sich überhaupt weniger Gemüsegärtner veranlaßt sahen, von ihrer
althergebrachten, vom Vater und Großvater ererbten Beschäftigung
uu lassen, und deshalb ist in Quedlinburg eben auch der Samenbap
und Handel nur in den Händen Weniger, die freilich an Größe unsere
einzelnen Geschäfte meist übertragen.
In Aschersleben sind weit über hundert Gärtner, von denen die
größten an 260 Morgen jährlich bewirthschaften, Kataloge ausgeben
Buchhalter beschäftigen und weit über die Grenzen des großen Vater
landes hinaus Geschäfte machen. Die kleineren verkaufen ihre Be
stände meist hier am Platze selbst an die Agenten oder Chefs aus
wäsrtiger Häuser und sind an mauchen Tagen deren gleich ein gan
zes Dutzend hier, um sich wegen Artikel, die eine günstige Conjunctior

zieten, einander den Rang abzulaufen, und dies ist gerade der stärkste
debel zur Größe unseres Samenbaues geworden, denn wir können
dreist behaupten, daß keine größere Samenhandlung existirt, die nicht
auch Ascherslebener Erzeugnisse am Lager hätte, da diese nicht allein
direct von hier, sondern auch durch Quedlinburg über die ganze Welt
verbreitet werden.
Die großen Trockenscheunen allein, hauptsächlich an der Ostseite
der Stadt, geben derselben schon ein ganz eigenes Ansehen, da die
besondere Dachconstruction schon von Weitem erkennen läßt, daß die—
selben zum Trocknen dienen müssen, ja gehört schon ein ganz unge—
heurer Raum dazu, die Erzeugnisse dieser 7000 Morgen zu trocknen,
zu reinigen und zu speichern, ein Raum, den größer zu gleichem Zwecke
wohl kaum noch eine Stadt der Welt aufzuweisen hätte. Fünfzehn
Dreschmaschinen sind bis jetzt schon nöthig gewesen, den Samen aus
dem Stroh zu schaffen, und das Geklapper der Reinigungsmaschinen hört
man oft bis tief in die Nacht hinein.
Unfere Stadt hat jetzt schon ein originelles Ansehen, das einer
ächten Gärtnerstadt, und wird sich der Samenbau in unserer Feld—
mark immer weiter ausdehnen: wir wollen rüstig weiter arbeiten, da—
mit wir nicht allein den guten Ruf unseres Samenbaues erhalten,
fondern durch die Abgabe nur ächter und frischer Waare denselben
noch befestigen, und um darin noch sicherer zu gehen, haben wir uns
jetzt verbunden, um durch die Besichtigung unserer Felder, durch Aus—
stellung von Normalformen ꝛc. die einzelnen Sorten noch mehr zu ver—
»ollkommnen und durch Auslese des Samens und der Plflänzlinge
immer noch Besseres zu erzielen.
Da Aschersleben in nächster Zeit Hauptknotenpunkt der Eisenbah—
nen der ganzen Provinz Sachsen wird, so ist die Reise hierher jetzt we—
sentlich erleichtert, um unsere Felder und Geschäfte in Augenschein zu
aehmen und sich selbst ein Urtheil zu fällen.

Hypothese über den Ursprung der Steinkohlen.
Man hat in Amerika eine neue Theorie über den Ursprung der
Steinkohlen und des Petroleums, oder Erdöls, aufgestellt. Unsere
Leser wissen, daß eine der allgemeiner angenommenen Theorien über
den Ursprung des Erdöls vermuthet, diese Substanz sei das Produkt
der Destillation der Steinkohlen mittelst der innern Wärme der
Erde. Die neue Hypothese behauptet nun gerade das umgekehrte
hiervon, daß nämlich das Erdöl nicht aus Steinkohle, sondern die
Steinkohle aus Erdöl gebildet worden sei. Bekanntlich liefern alle
organischen Substanzen, welche nicht selbst flüchtig sind, wie Holz und
und andere Pflanzenstoffe, wenn man sie einer nicht ganz vollständi⸗
zen matten Rothglühhitze aussetzt, theerige Oele, die in allen Fällen
den allgemeinen Charakter des Erdöls haben, und sich davon nur nach den
pecifischen Abweichungen in den Stoffen unterscheiden, aus welchen
man sie gewonnen hat. Die neue Theorie vermuthet, daß die Stoffe,
aus denen unsere Steinkohlenlager gebildet sind, sich zuvörderst in
solche „theerige Oele“ verwandelten, und daß diese Oele unter lang—
inhaltender Wärmethätigkeit beinahe all' ihren Sauerstoff und den
Haupttheil ihres Wasserstoffs verloren, indem der Niederschlag all⸗
mählig fest wurde. Der Pechsee von Trinidad“ wird zum Beleg für
diese Meinung angeführt. Man sagt, die Theorie, daß sich die
Steinkohle aus einer Flüssigkeit auf dieselbe Weise condensirt habe,
wie der Asphalt des Sees, erkläre besser als irgend eine andere ihre
Reinheit, indem man sehe, daß alle „unreinen oder fremden Sub—
tanzen, welche sich nicht zersetzten, höchst wahrscheinlich eine größere
pecifische Schwere besaßen als das Oel, und natürlich zu Boden
anken.
Der hohe Erhaltungszustand, in welchem Pflanzen häufig in
unsern Steinkohlenlagern vorkommen, und der Umstand, daß man
aufrechtstehende Bäume in denselben findet, erkläreu sich mittelst dieser
Theorie leicht. Bäume wachsen auf dem hartgewordenen Pech des
Trinidad-Sees in kurzer Entfernung von anderm Pech, welches in
rinem Aufbrausungszustand ist, und man kann leicht begreifen, daß
das hart gewordene Pech in irgend einem ähnlichen Fall sich durch
einen Ausbruch siedenden Pechs erweicht, und daß die darauf wach⸗
senden Bäume auf diese Weise verschlungen werden, oder daß der
Zee über seine Ufer tritt, und so die anstoßende Vegetation über⸗
            
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