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Mß 96.
Sonnabend den 11. August
1866.
Etwas zur Düngerfrage.
In allen Gegenden, wo Landwirthschaft getrieben, wird der
Standpunkt, auf dem der Bauer steht, nach der Art und Weise be
urtheilt, wie derselbe den Dünger sammelt, aufbewahrt, behandel
und anwendet. Und dies mit Recht, der Dünger ist wohl das be
deutendste Kapital, das der Landmann zu verwenden hat. Das
Sprüchwort: „Mist geht über List“ ist beinahe so alt, als die Land
wirthschaft selbst und beweist das Gesagte gewiß hinlänglich, nur
schade, daß noch gar viele Landleute diesen alten Spruch nicht besser
beherzigen und durch praktische Anwendung desselben besser respekti
ren. Ein Landwirth, der fremden Dünger ankauft und denjenigen
auf seinem eigenen Gute nicht mit der größten Umsicht sammelt,
nicht mit der gehörigen Einsicht behandet und anwendet, treibt sein
Geschäft nicht mit dem nöthigen Verstand. Er gibt theures Gelt
aus für einen nothwendigen Artikel, den er auf seinem Gute ohne
große Anlagen selber erhalten könnte, aber aus Kurzsichtigkeit und
lünverstand gar oft zu Grunde gehen läßt. So sagte unlängst in
einer landwirthschaftlichen Versammlung der greise Erlenbauer und
jaßte sein Referat in folgende Sätze zusammen:
1) Die Düngerstätte ist möglichst nahe beim Stalle anzubringen
wenn möglich an der Schattenseite des Hauses, auf jeden Fall im
Schatten; doch ist zu vermeiden, daß die Dachtraufe auf den Dünger
stock fällt. Wo die Miststätte der Sonne ausgesetzt ist, wird di
Sonnenhitze die Gährung zu sehr beschleunigen, der Mist wird lang
am verbrennen und verkohlen, und die Gährungsprodukte, Ammo
niak und Kohlensäure, werden ausgetrieben. Wo die Dachtrauf
darauf fällt, wird das Regen- und Schneewasser auswaschen und das
Kräftigste und Wirksamste desselben wegschwemmen.
2) Der Boden unter der Düngerstätte muß undurchlassend sein
und wo dies nicht der Fall, undurchlassend gemacht werden. Festge
stampfter Thon, fetter Lehm (Lett) oder Pflaster wird den Dienst
leisten. Von Außen her soll kein Wasser in dieselbe eindringen
können. Gehörige Ausdehnung (Größe) der Düngerstätte (30 Qua
dratschuh wenigstens auf jedes Stück Großvieh) ist sehr wichtig. Wenn
der Düngerstock zu hoch, so wird die bei der Fäulniß des Düngers
entstehende Wärme zu sehr vermehrt und zusammengehalten, dadurch
des Ammoniak ausgetrieben und der Dünger werthloser.
3) Die Strohwülste an den Außenseiten des Düngerstockes ver—
dindern das seitliche Ausfließen der Jauche zum größten Theil und
zalten die Feuchtigkeit im Stalldünger fest, sind deßhalb sehr zu em
ofehlen. Es ist auch recht zweckmäßig, ja nothwendig, die vom
Dünger wegfließende Jauche sorgfältig zu sammeln. Die beim An—
keuchten des Düngers übrig bleibende Flüssigkeit leite man in die
GBüllenbehälter (Jauchelöcher).
4) Daß reichliche Fütterung des Viehstandes und hinreichend—
Finstreu zwei Hauptfaktoren zur Düngergewinnung sind, ist woh
nicht nöthig, hier zu erwähnen. Wichtiger möchte der Rath sein
den Dünger recht haushälterisch zusammenzuhalten und auf der
Düngerstätte recht sorgfältig zu behandeln. Nach jedem Ausbringen
von Mist rathe ich möglichst sorgfältiges Vertheilen und festes Zu—
sammentreten desselben, damit im Innern keine Hohlräume entstehen
können, weil der Dünger sonst grau (schimmelig) wird.
5) Ganz besonders empfehle ich, jede Düngerlage mit Gyps zu
überstreuen. Bei Mangel an Gyps wende man Mergel oder Erde
an. Für einen Zentner Dünger genügen 2 Pfund Gyps; er sollt⸗
aber nicht zu stark gebrannt sein. Diese Mittel beugen dem Schwin—
den des Düngers ungemein vor Der größte Verlust beim gähren—
den Dünger ist die Verflüchtung der werthvollen Stickstoffverbindungen;
dies wird durch Anwendung von Gyps verhindert; denn Gyps und
das in ungemein hohem Grade flüchtige kohlensaure Ammoniak ver—
binden sich so, daß schwefelsaures Ammoniak und kohlensaure Kalk—
erde entstehen. Diese Stoffe sind bei gewöhnlicher Temperatur nicht
lüchtig und es bleibt dem Dünger das Ammoniak und mit demsel⸗
ben der Stickstoff erhalten, was den Werth des Düngers ungemein
erhöht.
6) Den Dünger lasse man nicht zu lange auf der Düngerstätte,
weil dadurch sehr viel verloren geht und Dünger in der Grube dem
Lande keinen Nutzen bringt. Speckiger Mist wirkt zwar schneller und
kräftiger, hält aber weniger lang an als der frische, unverrottete, da
seine Hauptwirkung in's erste Jahr fällt.
7) Düngsalz auf den Mist zu streuen, empfehle ich. Der Mist
wird kräftiger, trocknet nicht so gerne aus, denn das Salz hält die
Feuchtigkeit zusammen und zieht dieselbe aus der Luft an.
8) Wenn immer möglich, lasse man den Dünger auf dem Lande
nicht lange — noch viel weniger, wenn derselbe nicht gezeitet — oben
auf liegen, sondern breite ihn sogleich und äckere ihn möglichst bald
unter. Durch das längere Liegenlassen in kleinen Haufen geht mehr
berloren, als sich gar mancher Landmann vorstellt. Mit dem Oben—
aufdüngen (Kopfdüngung) sei man vorsichtig und sparsam, besonders
auf stark abhängigen Feldern, wo eine Abschwemmung der Dünger
cheile herbeigeführt wird.
9) Beim gehörigen Betriebe der Landwirthschaft muß die Misttätte
durch gehöriges Sammeln und Anwenden von Gülle unterstüitzt
werden. Die Anwendung von Gyps oder das Uebersprengen mit
stark verdünnter Schwefelsäure, besonders wenn der Mist einen stechen—
den Geruch entwickelt, sind aus dem in Art. 5 erwähnten Grunde
sehr zu empfehlen. Das sofortige Ueberstreuen gejauchter Grundstücke
mit Gyps (vorzüglich beim Graslande) halte ich für sehr vortheilhaft.
10) Hält der Landwirth alle Abfälle der Wirthschaft gehörig zu
Rathe, behandelt er dieselben mit der nöthigen Umsicht und wendet
er dieselben auf recht praktische Weise an; thut er nebenbei noch für
Bereitung von Kompost, was er in seinem wohlverstandenen Nutzen
uind Vortheil eben thun soll, und findet er dann, es sei für den ra—
iionellen Betrieb seines Geschäftes nothwendig, Hülfsdünger anzu—
schaffen, so thue er dieß; aber, wie gesagt, erst dann, wenn er alle
eine eigenen Hülfsquellen mit all' seiner Einsicht und Umsicht zu
Rathe gezogen und gebörig tributpflichtig gemacht hat. (B.)
Concentration der Milch und beschleunigte Rahm—
erzeugung.
Antonin Prandtl in München erörtert, warum eine weitere Ein⸗
dickung der Milch auf weniger als ein Fünftheil nicht bewirkt wer⸗
den kann, ohne eine Geschmacksveränderung und eine Einbuße der
wesentlichsten Eigenschaften der Milch herbeizuführen. Er hat deß⸗
halb seine Aufmerksamkeit der Haltbarkeit der auf ein Fünftheil ein—
jedickten Milch zugewendet und beschreibt ein Verfahren, durch wel⸗
hes nach dem entsprechenden Verdünnen mit Wasser noch eine, allen
illigen Anforderungen vollkommen entsprechende, Milch gewonnen