Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

ben Landmanns verließ, da sprach die Wittwe: „Jetzt kann ich in
Frieden in meine Grube fahren“ und nähte ihr Todtenhemd, welches
e selbst gesponnen hatte. Die sonst lebendige Frau wurde stiller.
ie ging umher, wie Jemand, der Abschied nimmt von befreundete;
Stälte und sich zu langer Reise vorbereitet. Man sah, wie sie Sonn
tags in der Kirche mit gläubigem Blick den goldenen Namen ihres
Mannes auf der schwarzen Denktafel in's Auge faßte. Den letzten
Winter nahm die Schwächlichkeit zu. Als der Flachs wieder blüthe,
da wanderte Martha am Arme ihres Sohnes hinaus, um zum letz
en Male die schöne Saat zu beschauen, auf deren Anbau sie einen
großen Theil ihres arbeitsamen Lebens verwendet hatte.
In derselben Woche legte sie sich auf das Krankenlager und der
Herr sandte seinen Engel, um die Seele der Getreuen in die besseré
Wohnung zu geleiten.
Als die Kirchenglocke zum letzten Gange erscholl, da gerieth das
ganze Dorf in Bewegung. Die Spinnerinnen legten einen Kranz von
blühendem Flachs auf den Sarg, der Graf und der Schulz traten in
den Leichenzug und Hunderte folgten andächtig der Entschlafenen, die
in jedem Hause einen Freund, aber keinen Feind hatte.
Gerührt sprach der Pfarrer von der frommen und getreuen Magd
die das anvertraute Pfund so gewissenhaft verwaltet habe und jetzt ein
gehe zu ihres Herrn Freude. „Gehet hin und thuet desgleichen!“ war
jseine Ermahnung an die Umstehenden.
Das Andenken der Gerechten bleibt im Segen; dieser Spruch be
währte sich auch bei Martha. Nicht nur in christlicher Tugend war
sie dem Dorfe ein Beispiel, sondern es verdankte ihr auch einen Thei!
seines Wohlstandes; durch sie war der Flachsbau ungemein verbesser
und gehoben worden und keine Gemeinde der Nachbarschaft besaß
schönere Gemüsegärten.
Gott sucht seine Werkzeuge nicht allein unter Hochgebornen, Ge
lehrten und Reichen, nein, sein Ruf ergeht auch an jene, die in nie—
derer Hütte geboren ind und wirken. Deshalb, wie die selige Mar—
tha sagte: Sei Jedermann treu an seiner Stelle, denn es ist Niemant
so gering, daß ihm der Herr nicht ein Pfund zum Wohle der Mensch
heit anvertraut hätte.
Geben ist seliger, denn Nehmen!

Harkort.

Folgen der Zerstörung der Vogelnester.
Der Schaden, welcher der Obstbaumzucht, überhaupt der Bodenkultur
 durch die Zerstörung erwächst, ist nach einem Berichte aus Air
in Frankreich gar nicht zu berechnen. Früher, als man noch nich“
den unaufhörlichen, schonungslosen Krieg den Amseln, Nachtigallen
Stieglitzen, Meisen, Finken, Grünlingen, Hänflingen, Lerchen, Zaun⸗
koͤnigen ꝛc. erklärt hatte, rechnete man in jedem Frühjahre durch—
schnittlich 10,000 Vogelnester auf jede Quadratmeile auf dem Lande
Allbekannt ist, daß jedes Nest mindesten vier Junge enthält. Es steht
ferner fest, daß Vater und Mutter jedem Jungen täglich 15 Raupen,
zusammen 60, bringen und daß die sorgsamen Eltern jedes für sich
60 Rauben verbrauchen, was einen täglichen Verbrauch von 120 Rau
pen für jedes Nest ausmacht. Multiplicirt man nun 120 mit 10,000
Nestern, so kommt eine Totalsumme von 1,200,000 Raupen heraus,
die täglich, und 36 Millionen, die monatlich vertilgt wurden. Hat
man wohl überlegt, daß diese 86 Mill. Raupen, wenn man nicht
für die Erhaltung der lieben Vögelchen, welche uns von den Raupen
befreien, mehr als jetzt geschieht, besorgt ist, Blätter, Blüthen, Früchte
der Bäume und alle genießbaren, wie alle Zierpflanzen zerfressen
müssen?

Verfahren, künstlich gefärbte Rothweine von echten
zu unterscheiden.
Ein solches theilt Herr Adam Philipps zu Ginsheim in den
Kurz. Ber. über d. neuest. Entdeck., Erfind. u. Verbess. mit folgenden
Worten mit: „Es ist in technischen Blättern die Rede gewesen von
Mitteln, gefärbte Rothweine von echten Rothweinen zu unterscheiden.
Da nun auch ein Artikel im Gewerbebl. des Großherzogth. Hessen
enthalten ist, aus welchem man mit Staunen den ungeheuren Ver—

brauch von gefärbten und somit gefälschten Rothweinen ersieht, so
will ich, um solchem Betruge vielleicht etwas steuern zu helfen, mit
der Veröffentlichung eines Mitttels, gefärbten Rothwein von echtem
zu unterscheiden, das schneller und wohl auch sicherer, als die in obi—
gen Blättern angegebenen Mittel, den gefärbten Wein erkennen läßt
und das ich schon im Jahre 1860 entdeckt habe, nicht mehr länger
zurüchhalten. Es ist dies das Eisenchlorid. Bringt man etwas Ei—
senchlorid zu einer Lösung der schwarzen Kirschen oder Heidelbeeren,
oder dem Safte der schwarzen Malven, so färben sich diese Lösungen
violett mit bald mehr röthlicher, bald mehr dlauer Nüance, und ist
diese Reaction sehr empfindlich. Besonders schön zeigte sich dieselbe
mit dem Safte der Malvenblüthen, aber auch der Kirschsaft und die
mit verdünntem Spiritus ausgezogenen getrockneten Heidelbeeren
färbten sich sehr intensiv. Es ist diese Reaction in mit solchen Sub—
stanzen gefärbtem Weine ebenfalls sehr deutlich und sehr leicht zu
anterscheiden von echtem Rothwein, welcher bei Zusatz von etwas
Fisenchlorid sich braunroth färbt; jedoch übt der Säuregehalt des
Weines Einfluß auf die Reaction aus; denn von verschiedenen weißen
Weinen, die ich mit Heidelbeersaft gefärbt habe, erhielt ich mit Ei—
enchlorid verschiedene Nüancen.
Die bläulichgraue Färbung der von Herrn Prof. Böttger in
Frankfurt a. M. mit Salzsäure behandelten Schwämme beim Ein—
tauchen in gefärbten Rothwein kann jedenfalls nur Spuren eines
Sisengehaltes der Schwämme zu verdanken sein, der durch Salzsäre
noch nicht ausgezogen worden war, und auch die nach der Methode
des Herrn Apothekers Bluhme in Berlin erhaltene Lösung kann ihre
Färbung nur einem Eisengehalte der angewendeten Substanzen zu
oerdanken haben.
Beiläufig bemerke ich noch, daß die blaue Färbung des Mundes
beim Genusse schwarzer Kirschen und Heidelbeeren ebenfalls nur vom
Eisengehalte des Blutes herrühren kann, die durch die Endosmose
hervorgerusen wird.“

Vermischtes.

Zur Darstellung von Düsseldorfer Mostrich empfiehlt
Prof. Dr. Artus in seiner Vierteljahrsschrift *3 Pfd. weiße, sehr fein
— Pfd. heißem
Wasser zu übergießen, dazu 1 Pfd. guten Weineissig zuzusetzen IV⸗
Quentchen feingepulverten Zimmt, “s Quentchen feingepulverte Nelken
und *s Pfd. feingestoßenen weißen Zucker darunter zu rühren, zuletzt
noch 1 pfd. weißem Wein zuzusetzen und Alles gut durcheinander zu
rühren.

Marder und Eulen von den Taubenschlägen abzu—
halten. Man bringt ein Gitter von Eisendraht vor den Fluglö—
hern an, welches sich mittelst eines Zuges auf- und zuziehen läßt.
Jeden Abend läßt man das Gitter herunter. An die Fluglöcher
wird quervor ein, Fuß breites Stück Brett genagelt, und auf die
entgegengesetzte Seite dieser Bretter ein Stück rohes, getrocknetes
Hundefell.

Matratzen mit Birkenblätter zu füllen. Man sammelt
Birkenblätter im Herbst, ehe noch Frost eingetreten ist, trocknet sie gut
und füllt damit die Matrotzen. Sie halten sich 6—8 Jahre frisch
und sind viel weicher und leichter als das Stroh.

Gesprungene Sicheln und Sensen zu löthen. Man
legt über die Spalte ein dünnes Plättchen Messing oder Kupfer und
heftreicht den obern und untern Theil des Plättchens mit schwach be⸗
feuchtetem Borax. Nun erhitzt man eine Schmiedezange bis zum Weiß⸗
glühen und ergreift damit das mit Borax bestrichene Instrument so,
haß der obere Backen der Zange genau auf das mit Borar bestrichene
Kupferplättchen kommt. Dadurch schmilzt das Kupfer und die Spalte
vird zugelöthet.
            
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