Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Bekanntmachung.
Verleihungsurkunde für das Soolfeld Augusta be
Rilchingen im Bergreviere St. Wendel.
Unter Verweisung auf 88 35 und 56 des Berggesetzes vom 24.
Juni 1865 bringen wir hierdurch die Verleihungsurkunde für das
Soolfeld Augusta bei Rilchingen mit dem Bemerken zur öffentlichen
Kenntniß, daß der Situationsriß gemäß 8 37 jenes Gesetzes bei dem
Königlichen Revierbeamten, Berggeschworenen Roth zu Saarbrücken
jur Einsicht offen liegt.
Bonn, den 20. Juli 1866.
Königliches Oberbergamt.
Im Namen des Königs.
Auf Grund der Muthung vom 17. März 1866 wird den Ban—

Frau Martha, die Hausfrau, wie sie sein soll.
(Schluß.)

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Schaut, Lieben, wie der kleine schwache Vogel sein Nest baut; mit
unverdrossenem Fleiße trägt er Halme, Haare, Moos und Federn, die
der liebe Gott ausgestreut hat, zusammen, und eine warme Wohnung
entsteht für ihn und seine Jungen.
Um wie viel mehr soll der Mensch schaffen können, da Gott ihm
Verstand und Erkenntniß verliehen hat; was Martha, die einfache
Wittwe, vermochte, werdet auch ihr fertig bringen können.
Da heißt es immer: Ein Mann, der ist stark und bekommit
höheren Lohn, aber was soll eine arme Frau machen? Ihr Trägen
am Geiste, ein Weib sieht in keinen Dingen doppelt so viel, als ein
Mann, ist nüchterner und wachsamer. Aus dem Pfennig erwächst
der Thaler; Haushalten ist der Frauen Kunst. Eine brave Frau
kann im Nothfall einen schlechten Mann ernähren; allein der beste
Arbeiter geht zu Grunde, wenn das Weib nichts taugt; daher kommt
so viel Noth und Elend in der Welt, daß so viele Weiber ihre Kin—
der schlecht erziehen, bei ihnen kein Ding an seinem Platze ist und
sie mit Keifen den Mann ins Wirthshaus jagen. Gibt es ja Wei—
ber genug, die nicht so viel Nähen und Stricken verstehen, um sich
die eigenen Sachen in Ordnung zu halten. Geht Sonntags der
Mann mit seiner Frau im Felde spazieren, oder beschauen sie die
Früchte im Garten, dann denke ich: die ist ein kluges, braves, from⸗
mes Weib, die versteht es, ihrem Ehegenossen das Leben leicht zu
machen.
Genug davon; wir sind noch nicht fertig mit Frau Martha und
ihrem Korbe. An der Seite hatte sie die Sichel stecken. Die Brenn
nessel, der wilde Hopfen, mancherlei Kraut und Gras, so an
Hecken und Zäunen wächst, wanderten mit nach Hause zum Stalle;
allein auf fremdem Felde hatte der Flurschütz sie nie gesehen. „Ehr
lich währt am längsten,“ das Sprüchlein lebrte sie frühzeitig ihren
Kindern.

Scheere, Fingerhut, Zwirn und Nadel hatte Martha stets
in der Tasche, denn ein kleiner Schaden ist bald geheilt; ist erst
ein kleines Loch im Strumpfe, so guckt bald die ganze Ferse
heraus; zu spät geflickt, sieht der Rock aus wie eine gestickte
Bettdecke

Jeden Lappen verwahrte sie sorgfältig, wie eine Schneider, damit
Farbe zur Farbe käme und nicht der Ellenbogen grün, während der
Aermel blau ist Die Frau wußte, was sich schickte, und das fehlt
vielen reichen Leuten, die oft Sammt und Seide tragen bei schmutzi⸗
ger Wäsche.

Sprachen zwei Weiber im Dorfe zusammen, so hütete sie sich
den Kopf darein zu stecken und mitzuwaschen, sondern ging vorsichtig
ihrer Wege. Eine böse Weiberzunge hetzt Land und Leute zusammen
Ihr müßt nicht Alles glauben was die Leute sagen; Unschuld kommt
erst spät an den Tag; also lehrte sie die Kinder. War dagegen ein
Nachbar krank, oder ein Unglück, ein Todesfall im Hause, so war
Martha da und durchwachte treu die Nacht, ordnete, tröstete und trug
gern fremdes Leid. Oft sah der Pfarrer sie prüfend an und dachte
bei sich: „Diese geringe Frau ist größer vor Gott, als ich!“ Ja, das
Reich Gottes ist groß im Himmel und auf Erden und jeder Mensch
lann es aufbauen in der eigenen Brust. Kein Schatz diefer Welt geh

quiers Gebrüdern Michel Simon und Jacob Simon zu Saar
brücken unter dem Namen Augusta das Bergwerkseigenthum in dem
in den Gemeinden Hanweiler, Rilchingen und Auersmachern, im
dreise Saarbrücken, Regierungsbezirk Trier und Oberbergamtsbe—
nick Bonn belegenen Felde, welches einen Flächeninhalt von vier—
hundert einundachtzigtausend sechshundert und fünf und vierzig Qua
dratlachtern hat und dessen Grenzen auf den am heutigen Tage be
glaubigten Situationsrissen mit den Buchstaben A. B. C. D. E
bezeichnet sind, zur Gewinnung der in dem Felde vorkommenden
Soolquellen, nach dem Berggesetze vom 24. Juni 18685 hierdurd
verliehen.

Urkundlich ausgefertigt.
Bonn, den 20. Juli 1866.
(IL. 8.) Königliches Oberbergumt

über ein gutes Gewissen und Namen, und den kann auch der Aermste
sich erwerben.
Auch Martha blieb dem Kummer nicht fern. Ihre Schwester
starb am Nervenfieber, der Mann folgte und beide hinter⸗
ließen eine Waise. Da nahm sie das Kind in das Haus, prahlte
nicht damit, sondern sprach: Wozu hätte man sonst Verwandte? Die
kleine Katharina nannte die Tante Mutter und wurde so gut ge—
halten, wie die andern. Wenn die Leute das hübsche Kind lobten,
so lachte ihr das Herz im Leibe und sie sagte: „Das ist meiner
Schwester lebendiges Ebenbild.“
Nur im Nothfall verließ die Wittwe das Dorf ; sie ging un—
gern von den Kindern und von Hause; die Nachbarin nahm ihre
Eier und Gemüse mit zur Stadt, wenn nicht ein Vorkäufer in'g
in's Dorf kam, dem sie lieber den kleinen Nutzen gönnte, als selbst
so viel Zeit zu verlieren. Allein viermal im Jahre ging sie selbst
in die Stadt, um ihre Sparpfennige in die Sparkasse zu bringen;
in Geldsachen war sie sehr vorsichtig und verwahrte das Büchlein
wie ihren Augapfel. Man muß für die Kinder und das Altet bei
Zeiten sorgen, pflegte sie zu sagen. Wenn nur alle Leute so däch⸗
ten! Der geringe Mann behandelt oft Vater und Mutter nicht gut,
wenn sie alt sind; denn er hat selbst mit der Familie seine Noth
und die Alten fallen ihm zur Last. Vater und Mutter können fas
immer Kinder ernähren, allein umgekehrt ist es selten viel Rühmens
Hat nun die Jugend gespart, was für jeden gesunden Menschen mög—
lich ist und die Alten besitzen ein kleines Kapitälchen und beziehen
auch nur ein paar Thaler Zinsen, so hat die Sache gleich ein ande—
res Ansehen. „Spart in der Zeit, so habt ihr in der Noth,“ das
st eine goldene Regel, die Martha von ihrer seligen Mutter erlernt
hatte; allein damals gab es noch keine Sparkassen. Diese nützliche
Einrichtung hatte ihr später der Schulze erklärt und sie war die Erste
im Dorfe, welche einlegte. Wöchentlich legte sie Lu⸗ Sgr. zurück und
»efaß bereits 280 Thlr. Sie hätte eine Kuh kaufen können, wenn ihr
nicht das Land gefehlt hätte, allein sie dachte; Wir wollen warten,
bis mein ältester Sohn so weit ist und einige Morgen vom Grafen
pachten kann. Der kann dann selbst graben und pflügen mit der
stuh säen und jernten; für eine Frau ist das zu weitläufig.
Den Sonntag hielt Martha heilig; sie ruhte dann aus von des
Lebens Sorgen und Mühen und gedachte des Toges, wo sie vor dem
Höchsten Rechenschaft ablegen müsse über das anvertraute Pfand.
Rein und wohlgekleidet ging sie mit den Kindern zur Kirche,
sah Freunde bei sich oder besuchte Verwandte und Bekannte. Am
Abend las sie mit den Kindern biblische Geschichten und andere be—⸗
lehrende Bücher. Der Pfarrer zählte sie zu den würdigsten Gliedern
seiner Gemeinde, sprach oft bei ihr ein und stand ihr gern bei mit
Rath und That. Als das Alter nahte und die Tage, von denen man
sagt: sie gefallen mir nicht, sah sie ihre Kinder gerathen, versorgt
und als Stütze ihrer Mutter. Die beiden Mädchen hatten bei an⸗
gesehenen Leuten gedient und sich wohl verhalten. Louise, das Kind
hrer seligsten Schwester, fand einen treuen Lebensgefährten an einem
tüchtigen Handwerker. Heinrich, der älteste Sohn, hatte seiner Mi⸗
litärpflicht genügt und führte die vergrößerte Wirthschaft seiner
Mutter. Friedrich, ein stattlicher skecker Bursche, diente als Unter
ffizier bei der Garde: der Kommandirende hatte ihn persönlich be⸗
lobt. Als die Tochter Martha's das Haus an der Hand eines bra—⸗
            
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