Kartoffeln erhalten haben. Andererseits sind Mittheilungen über die
ausgezeichneten Erfolge der Kalkdüngung bei Kartoffeln (allerdingt
in Verbindung mit Stallmist) vorhanden, und ist nicht zu zweifeln
daß die vereinte Anwendung von Knochenmehl und Kalisalzem die
Erfolge verstärken wird; denn das reichliche Vorhandenfein aller
oder doch der wichtigsten Nährmittel macht es der Pflanze erst mög
lich, jeden einzelnen vollständig auszunutzen und durch die Höh
der Erträge den fördernden Einfluß einer rationellen Hülfsdün
gung nicht nur nachzuweisen, sondern deren Anwendung auch zu be
lohnen.
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Am 289. Mai d. J. hat das erste Lebensjahr des im vorigen
Jahre gegründeten deutschen Seerettungs-Vereins geendet, und konnt
man mit besonderer Genugthuung das lebensvolle Emporblühen dieser
Schöpfung beobachten. Dank der unermüdlichen Anstrengungen der
Direktion des ehemaligen Rettungsvereins ist ein nationales Werk
geschaffen, das in seiner schnellen lebenskräftigen Entwickelung kaum
seines Gleichen findet. Im Verlauf von 12 Monaten ist es ge
lungen, an den deutschen Küstenländern 13 Bezirksvereine zu be
gründen, welche jetzt 66536 Mitglieder mit regelmäßigen Beiträgern
pon 7183 Thlr. umfassen.
In rascher Folge ist ein Glied der Gesellschaft nach dem ande
ren geschaffen worden. Schon im Juni d. J. entstand der Bezirks—
verein für die Travemündung in Lübeck; sodann folgte Rostock für
die Warnemündung und Fischbau, ferner Husum für das westliche
Schleswig und die Inseln, sodann Kiel für das östliche Schleswig
Holstein, Heide für das westholsteinische Gebiet. Dem Beispiele des
Bremer Vereins, der am 10. Juli seine Selbstständigkeit aufgab
folgte am 9. November der überaus thätige Danziger Verein, und
an ihn schlossen sich einestheils Stettin für die Küsten der pommer
schen Regierungsbezirke Stettin und Köslin, und anderentheils Kö
nigsberg für die ostpreußische Küste an. So dehnte sich rasch das
Feld der Wirksamkeit über die ganzen deutschen Grenzen am balti
schen Meere aus. An der Nordsee wurden indessen für das Rettungs
wesen neue Bezirksvereine gestiftet; es folgte der Constituirung des
Vereins für die hannoversche Unterweser die des Wilster'schen Ver—
eins; im März d. J. trat der Verein für das Herzogthum Oldenburg
zusammen und Ende April der für die hannoversche Elbküste. 37
Localvereine sichern bereits in den Nordseegebieten die stets rege
Wirksamkeit der Gesellschaft.
Den Küstenstrichen steht das Binnenland nicht unthätig gegen—
über. Die Gesellschaft weist jetzt 7 Binnenbezirksvereine auf, die
fertig organisirt sind, und 47 Vertreterschaften, in denen das Wer!
der Organisation eifrig vorbereitet wird. Zuerst trat der Zweigver
ein für Altenburg in's Leben, dann der zu Nienburg, der von Hal
berstadt; es folgten sodann Elberfeld und Barmen; im März con
stituirte sich ein Bezirksverein zu Braunschweig, und später ein ande
rer zu Hildesheim. Zu den Städten, die schon zu Anfang d. J. für
das Unternehmen gewonnen waren, treten jetzt u. a. noch Aschaffen
bdurg, Darmstadt, Freiburg i. B., Hanau, Lindau, Neuwied, Offen—
bach, Oppenheim, Triest, Worms und Würzburg hinzu, und so zählt
die Gesellschaft im Binnenlande, soweit der Vorstand davon Nachricht
hat, 2648 Mitglieder mit 2771 Thlr. Jahresbeiträgen.
Zu den vorstehend genannten ordentlichen, regelmäßig in Aus—
licht stehenden Einnahmen kommen noch die zahlreichen einmaligen
Gaben, die in diesem Jahre bis Ende Mai 7677 Thlr. betragen.
Zu den fertigen Bootsstationen der Nordsee (Wangerooge, Bre
merhafen und Amrum) kommen die Stationen Büsum und Weser
jeuerschiff, die fast vollendet sind, und die Stationen Horumerfiel und
Dorumertief die vorbereitet werden, zu denen der Ostsee (Travemünde,
Loba und Koppalin) die Stationen Warnemünde, Rügenwaldermünde
und Treptower Tief, deren Böte in Arbeit sind, und die zu Alttief,
Krartepellen, Henkenhagen, Hela und Bodenwinkel, für welche die
Vorarbeiten begonnen haben. Die Geschoßstation auf Sylt wirt
nicht mehr allein stehen, sobald die bereits vollendeten Raketenappa
rate des Spandauer Feuerwerks-Laboratoriums abgeliefert und dem
nach die in Aussicht genommenen 10 Geschoßstationen mit ihnen aue
zurüsten sind.
Wie es in der Natur der Sache liegt, daß das Rettungswer
an den deutschen Küsten nur durch eine die nationale Idee ausdrückend.
einheitliche Organisation dem ganzen deutschen Volke heilig und wert
gemacht werden kann, wie die Entwickelung des englischen und aud
des französischen Rettungswesens lehrt, daß die Einzelvereine auf di
Dauer nicht im Stande sind, der Aufgabe eines stets bereiten Ret
tungsdienstes zu genügen: so ist es besonders auch die technische Seit
des Unternehmens, die eine Zusammenfassung aller Kräfte zu ver
langen scheint. Die Technik des Seerettungswesens hat in den letzten
Jahren höchst bedeutende Fortschritte gemacht, die in Deutschland viel
fach noch unbekannt sind; für die Ausrüstung der Bootsstationen sind
in Dänemark und Frankreich wichtige neue Constructionen erfunden
die Vervollkommnung der Rettungsgeschosse, der Bomben wie de
Raketen, ist vom englischen Handelsamte und vom Vorstande de
französischen Centralgesellschaft zum Gegenstande weiterreichende
Forschungen gemacht.
Alle Arbeiten dieser Art sind für die Deutsche Gesellschaft vo—
der größten Wichtigkeit bei den vielfachen Schwierigkeiten, die unser
Küsten dem Rettungsdienste entgegenstellen, bei der Nothwendigken
auf den meisten Stationen leicht transportirbare und doch im Sturn
und Seegang die Mannschaft sichernde Böte aufzustellen, Geschosse p
benutzen, die über die oft vom Strande weit entfernte Hauptbrandun⸗
hinausreichen, überhaupt Werkzeuge zu verwenden, die in den men
chenarmen Gegenden ausreichende Bedienung finden.
Der Verkehr, den der Vorstand der Deutschen Gesellschaft mr
den dänischen, englischen, holländischen und belgischen Seerettungs
behörden begonnen hat, verspricht für die gedeihliche Ausbildung um
Entwickelung des deutschen Rettungswesens, die ihm neben der Le—
tung der Vereinsthätigkeit übertragen ist, von Segen zu werden.
(Vergl. Fortschr. Jahrg. XVI. S. 289.
Käfefabrikation.
Aus Mittweida wird in der „D. Industr.-Ztg.“ Folgendes dar—
über berichtet: Da die Landwirthschaft und ihre Nebengewerbe be
uns auf einer ziemlich hohen Stufe der Ausbildung stehen, so muß
es befremden, daß ein nicht unwichtiger Zweig derselben, „die Käse
rei“, mit dem allgemeinem Aufschwuuge nicht Schritt gehalten, son—
dern im Gegentheil noch sehr im Argen liegt. Es ist dies um
unerklärlicher, als es kaum eine Landwirthschaft gibt, gleichviel, o
groß oder klein, die dabei nicht interessirt wäre, ja unter Umständen
ist die Gelegenheit zur guten Verwerthung der Milchproducte von dem
wesentlichsten Einfluß auf die Betriebseinrichtungen der ganzen Wirth
schaft und deren größere oder geringere Rentablität. Offenbar haben
unsere Landwirthe die Wichtigkeit dieses Zweiges nicht genug erkannt
Selbst die landwirthschaftlichen Vereine, die Ingenieure dieses Ge—
werbes, welche das geistige Leben und Streben mit der Erfahrun«
verbinden, haben der Käserei vergleichsweise nur selten und gering
Aufmerksamkeit geschenkt.
Es ist uns daher erfreulich, über ein hiesiges Etablissement be
richten zu können, welches schon seit einigen Jahren die Fabrikation
von Käse mit dem besten Erfolge betreibt. Herr F. A. Illgen, frühen
früher Glasermeister, kam vor etwa 8 Jahren auf den Gedanken, die
bei uns so sehr vernachlässigte Herstellung guter Käse als Geschäft
zu betreiben, er ließ sich dabei nicht durch die herkömmliche Meinunt
abschrecken, daß Käse selbstverständlich nur Derjenige sabriciren könne,
der eine Landwirthschaft besitzt und Milch erzeugt; er erkannte seht
richtig, daß bei der ganzen Sache der Quark nur ein Quark sei und
die Hauptsache in der richtigen Behandlung, Abwartung und Pflegt
liege, wozu es dem Landmann oder besser der Bauersfrau nicht sel
ten an Intelligenz, Lust und Zeit fehle, welche letztere eine bedeu—
tende Rolle dabei spielt. Herr Illgen ging muthig ans Werk; er
kaufte Quark ein, machte Käse, manipulirte und pflegte sie und hatte
bald die Freude, sein Unternehmen sich erfolgreich entwickeln zu sehen.
Begenwärtig beträgt seine wöchentliche Erzeugung mindestens 300
Schock. Seine Käse entsprechen dem Geschmacke des Publikums se
gut, daß sie selbst in den Gegenden Eingang gefunden und dauernd
begehrt werden, deren Käseproducte sich eines weit größeren Rufe⸗