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fr
den Kreis Saarbrücken.
33 93.
Sonnabend den 4. August
1866.
Personal-Chronik.
seine düngende Wirkung ohne Zweifel damit vermehren. Aber auch
wenn kein Stallmist vorhanden, werden wir seine Wirkung ersetzen
können durch Anwendung von Knochenmehl und Beigabe eines Kali⸗
salzes. Ein solcher Dünger scheint nicht nur auf die Vermehrung der
Masse, sondern auch auf die Erhöhung des Stärkegehaltes zu wirken,
und gerade die Stärke ist es, die durch die Kartoffelkultur gewonnen
verden soll. — Es besteht hier unzweifelhaft eine Analogie mit dem
Zuckerrübenbau, bei dem in derselben Weise eine Erhöhung des Zucker⸗
Jehaltes bewirkt werden soll. Die übergroße Verwendung von Stall⸗
mist oder Guano allein erzeugt große aber zuckerarme Rüben, indem
oielleicht das Uebermaß an Stickstoffnahrung die Bildung der Eiweiß—
ubstanzen die der Kohlenhydrate überwiegen läßt.
Da der Stickstoff des Knochenmehls bei seiner Umwandlung durch
die Fäulniß zu Ammoniak allmählig den phosphorsauren Kalk mit⸗
löst, so wird bei fortschreitender Entwickelung der Pflanze eine, dem
stärkeren Nahrungsbedürfniß entsprechende größere lösliche Nährmasse
dargeboten. Schon seit langer Zeit sind mit Knochenmehl allein
Düngungsversuche bei Kartoffeln ausgeführt worden. Unter diesen
zeigt ein in Tharandt angestellter, daß die zuletzt ausgesprochene An⸗
icht viel für sich hat, indem das gefaulte Knochenmehl einen besseren
Ertrag gab, als das mit Schwefelsäure aufgeschlossene. Versuche des
Grafen zur Lippe-Weißenfels in Planitz gaben bei Knochenmehldün⸗
zung den doppelten Ertrag gegenüber der ungedüngten Parzelle und
zuf der Versuchswirthschaft in Prüzen gab von verschiedenen Dünge—
nitteln Knochenmehl bei Kartoffeln das beste Resultat. Die Versuch⸗
von Fraas ergaben durchschnittlich größere und gesundere Kartoffeln
und ebenso fand Karmrodt die günstige Wirkung des Knochenmehls
sowohl durch die Höhe des Ertrages, als durch eine Zunahme des
Stärkegehalts um ungefähr 11/,, Proc. gegenüber dem ungedüngten.
bestätigt.
Der Verf. glaubt demnach die Verwendung des Knochenmehls
—VVO—— gleichzeitig
dabei Kalisalz zu verwenden, welches die Staßfurter Fabriken jetzt
so billig liefern. Derselbe hält es für vortheilhaft, dies Gemenge
bon Knochenmehl und Kali neben einer schwachen Mistdüngung zu
oerwenden, in der Weise daß auf den Morgen eine halbe Mistdün⸗
gung, 1Ctr. Knochenmehl und 15, bis 2 Ctr. schwefelsaures Kali von
18 Proc. Gehalt gerechnet wird.
Bei der Anwendung ist zunächst das Knochenmehl in Fäulniß zu
bringen. Man verwendet hierzu statt der Erde vortheilhaft als Zu—
satz Sägespäne und die nöthige Menge Jauche. Die Späne entwickeln
bei der Fäubniß Kohlensäure und bieten so dem phosphorsauren Kalk
ein stark lösendes Agens. Das gehörig durchgefaulte Knochenmehl,
nachdem es mehrere Wochen der Zersetzung und Vermoderung über—
lassen worden, wird dann mit der entsprechenden Menge Kalisalz ge⸗
mischt und das Ganze nach dem Ausstreuen untergepflügt. Da die
Kartoffelpflanze ihre Hauptbestandtheile aus einer etwas tieferen Bo—
denschicht als die Roggenpflanze entnimmt, so scheint es vortheilhaf⸗
ter, den künstlichen Dünger tiefer zu bringen, als es mit der Egge
möglich ist.
Eine solche Düngung wird sich nicht nur durch die Höhe und Be—
schaffenheit der Ertraͤge der Kartoffeln, sondern auch noch durch die
folgende Körnerfrucht reichlich bezahlt machen. Aus Berichten von
dandwirthen geht hervor, daß sie, allerdings ohne Zusatz von Kali—⸗
alz, die zufriedensiellendsten Wirkungen der Knochenmehldüngung bei
Der Herr Pfarrer Peter Joseph Printz zu Saarburg ist zum Dechanten
des Dekanats Saarburg und der Herr Pfarrer Mathias Uters zu Voölklingen
—0—
Der im Ressort der Koͤniglichen Eisenbahn⸗-Direction zu Sgarbrücken angestellte
Fisenbahn⸗Secretair Manski ist definitiv zum Königlichen Bahn-Contro—⸗
leur ernannt worden.
Die Anwendung des Knochenmehls zur Düngung beim
Anbau von Hackfrüchten und Gras, besonders aber
von Kartoffeln.
Im sechsten Bande der „Versuchsstationen“ ist eine Arbeit des
Prof. Lehmann, Vorsteher der oberlausitz'schen Versuchsstation zu
Pommritz, enthalten, in welcher die Steigerung der Körnererträge
durch Knochenmehl und vierjährige Düngungsversuche damit bespro⸗
hen werden. Darnach sind in dem Markgrafenthum Oberlausitz in
den ersten 10 Jahren seit Einführung jener Düngung die Erträgt
der Körnerfrüchte auf demselben Areal verdreifacht und die Körner
ielbst im Durchschnitt nicht nur schwerer geworden, sondern man ist
auch dahin gelangt, 2,1 Proc. Weizen mehr im Verhältniß zum Korn
und 15 Proc. Gerste mehr im Verhältniß zum Hafer zu erbauen
— Auch in Preußen, namentlich in der Provinz Brandenburg, wirt
unter Benutzung der auswärts gemachten Erfahrungen, die Knochen
mehldüngung von Jahr zu Jahr in immer größerem Maßstabe ange
wendet. So schreibt u. A. Dr. Cohn in Marliniquefelde: „Als ich
im Jahre 1858 den Betrieb meiner Fabrik begann, waren es nur
wenige Güter in der Provinz Brandenburg, auf denen diese Dün—
zung bekannt und im Gebrauche war; während ich im Jahre 1856
nur ungefähr 25600 Etr. Knochenmehl in der Provinz verkaufte, har
sich dies Quantum im Jahre 18685 auf ungefähr 17,000 CEtr. gestei.
gert, obgleich inzwischen eine Anzahl anderer Fabriken entstanden
waren und den Markt zu versorgen halfen. Freilich ist der Bedar'
hei uns noch verschwindend gering gegen den so viel kleineren Be
irk der Oberlausitz, wo nach Lehmanns Angaben jährlich 80,000 Ctr
Knochenmehl verbraucht werden.“
Zu dem in der Unterschrift angegebenen Thema kommend, glaubt
der Verf. zwar, daß die Hauptverwendung des Knochenmehls beim
Körnerbau ihren Platz hat und behalten wird, doch hält er dieselb
auch beim Anbau von Hacdfrüchten und der Wiesencultur für sehr
angemessen. — Die Analysen von Kartoffelaschen weisen im Durch
schnitt einen Gehalt von ungefähr 533 Proc. Phosphorsäure nach, mit
einer geringen Menge alkalischer Erden, so daß die Phosphorsäur
hauptsächlich an das Kali gebunden zu sein scheint. Mit jeder Kartoffel—
ernte wird also dem Boden eine große Menge jener Stoffe entzogen und
die nach Kartoffeln folgenden Körnerfrüchte würden besonders an Phos
phorsäure Mangel leiden, wenn zu den Kartoffeln nicht reichlich gedüng
und durch die Durcharbeitung des Bodens bei der Cultur dieser Fruch
nicht auf Löslichmachen der Bestandtheile desselben hingewirkt würde
Jedenfalls ist es klar, daß ein reichliches Vorhandensein von Kal
und Phosphorsäure günstig auf die Production der Kartoffeln wir
ken wird.
Im Stallmist sind beide Stoffe, wenn auch nicht in großer Menge
vorhanden, und wenn wir ihn daran reicher machen, so werden wi—