Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

unten in eine spatelförmige Ausdehnung; an der Spitze derselben
sind sie mit einander vereinigt. Die spatelförmige Ausdehnung ist
der umgewandelte zweite Staubbeutel und schließt vollständig den
Singang zum Schlunde. Wenn man eine Blüthe aus ihrem Kelche
gezogen hat, so kann man sich leicht durch Aussaugen überzeugen,
daß sie an ihrem Grunde Honig enthält, weshalb die Insekten, na—
mentlich Hummeln, diese Blüthen häufig besuchen. Will nun eins
der Insekten von dem Honig nehmen und es stößt den Rüssel gegen
den Eingang, so weichen die spatelförmigen Ausdehnungen der
Staubgesäße zurück, der obere Theil des Konnektivs mit dem Staubheutel
 an seiner Spitze tritt aus der Oberlippe hervor, so daß sich
die Staubbeutel auf den behaarten Rücken des Insekts legen, und
ihren Staub dort abgeben. Fliegt das Insekt zu einer zweiten
Blüthe, um sich auch dort den Honig zu nehmen, so berührt natür—
lich auch hier der Staubweg den Rücken des Jasektes und nimmt
mit seiner klebrigen Spitze den dort hängenden Blüthenstaub auf
wodurch die Befruchtung vollzogen ist. Wenn man auch keine Gele
genheit hat, gerade ein Insert in der hier beschriebenen Thätigkeit zu
heobachten, so kann man sich doch von der Richtigkeit des erwähnten
Vorganges überzeugen, wenn man mit einem Stecknadelkopf oder
einem andern ähnlichen Körper gegen die spatelförmige Ausdehnung
rückt oder stößt; in demselben Augenblick werden dann die Staub⸗
heutel aus der Oberlippe heraustreten.

Bei Salvia officinalis, der gebräuchlichen Salbei, sind die unte—
cen Theile des Staubgefäßes nicht sehr stark erweitert und man er—
kennt, wie schon oft erwähnt, mit Leichtigkeit darin den zweiten
Staubbeutel, der sogar manchmal ziemlich stark ausgebildet ist. Der
Fingang zum Janern der Blüthe ist daher nicht vollständig ver—
schlossen; doch stehen die unteren Enden des Staubgefäßes dem In—
sekt im Wege, so daß beim Vordringen einer Biene die unteren Theile
des Konnektivs zurückgetrieben werden, wodurch in demselben Maße
der obere Theil mit dem Staubbeutel aus der Oberlippe hervortrit!
und auf den Rücken und die Flügel der Biene schlägt.

Fernere Beobachtungen sind von Dr. Hildebrand in VBonn an
Jalvia nutans gemacht worden. Der Eingang zur Blumenkronen
röhre ist durch die Platte der unteren Konnektivenden verschlossen
wenn man aber hier gegen die Platte drückt, so kommen die Staub
heutel nicht weit genug aus der Oberlippe hervor, um den Rücken
eines Insectes berühren zu können. Hier ist nun die Lage der Blü
then sehr interessant; dieselben hängen nämlich so, daß die Oberlippe
nach unten gekehrt ist, und es wurde ein Insekt beobachtet, welches
oon Blüthe zu Blüthe fliegend, diese nach untenstehende Oberlippe
zum Landungsplatze benutzte und den Rüssel in die Oeffnung zur Blu
menkronenröhre hineinsteckte, wobei die Staubbeutel aus der Oberlippe
hervorkommen und dem Insekt den Staub gegen den Bauch streifen,
— also eine bewunderungswürdige Ausgleichung der geringeren Be—
weglichkeit des Konnektivs durch die ungewöhnliche, umgekehrte Stellung
der Blüthen.

Bei Salvia austriaca stehen die gebogenen und divergirenden
Staubgefäße (die der vorhergehenden Arten laufen parallel) weit aus
der Oberlippe hervor; mit ihrem unteren Theile schließen sie ähnlich
wie bei Salvia pratensis den Schlund der Blumenkrone, wenn man
gegen diese Stelle mit dem Nadelknopfe, drückt, so neigen sich die
sangen Enden des Konnektivs nach vorn und konvergiren zu gleicher
Zeit, so daß auch hier das eindringende Insekt von ihnen berühr'
wird.

Endlich ist von den erwähnten Arten Salvia verticillata nament—
lich dadurch interessant, daß die Staubgefäße kein bewegliches Konneb—
tiv haben und ganz fest in der Oberlippe liegen; diese ist hier aber
gegliedert, und durch einen Druck wird der obere Theil wie eine Ka
putze zurückgeklappt, und die Staubbeutel berühren nun den vorbei—
streifenden Körper. Auch liegt hier der Griffel, an dessen Spitze sich
die Narbe befindet, auf der Unterlippe der Blumenkrone auf, nicht
wie bei den anderen Arten in der Oberlippe; es ist dies gleichfalls
eine schöne zweckmäßige Einrichtung, indem bei der gewöhnlichen Lage
des Griffels in der Oberlippe die Zurücklappung ihres oberen Thei
les nicht möglich sein würde.

Bei allen beobachteten Salbeiarten fand sich die männlich-weib—
liche Dichogamie, d. h. die männlichen Organe entwickeln sich in jeder
Blüthe früher als die weiblichen derselben Blüthen; beim Aufgehen,
der Blume, wo die Staubgefäße sogleich aufbrechen, ragt der Griffei
erst wenig aus der Spitze der Oberlippe hervor, und seine Narben—
lappen liegen noch aneinander; erst später rollen sich diese nach außen
um, und der ganze Griffel neigt sich mehr vorn über den Weg zum
Blüthenschlunde. In dieser Weise ist die Möglichkeit gegeben, daß
die Narben älterer Blüthen durch die Insekten mit dem Blüthenstaube
der jüngeren belegt werden, so daß also eine Kreuzung zwischen ver—
schiedenen Blüthen stattfindet.
Solche Pflanzen, wie die Weiden, bei denen auf dem einen
Stamm nur Blüthen mit Staubgefäßen und auf einem andern, ofl
weit entfernt stehenden, nur Blüthen mit Staubwegen sind, müsser
ebenfalls durch Insecten befruchtet werden. Sie haben deshalb auch
doniggefäße, wodurch die Insecten angelodt werden, und die Blüthen
mit Staugefäßen sind größer, als die andern und fallen daher mehr
in die Augen, damit die Insecten zuerst zu ihnen fliegen und alsdann
den Staub auf die anderen Blüthen tragen.
Am Ende des vorigen Jahrhunderts, wo sich die Botaniker be—
sonders in Deutschland und England eben recht angelegentlicht mit
der Lehre über die Befruchtung der Pflanzen beschäftigten, stand in
dem botanischen Garten zu Paris schon feit zehn Jahren ein ein—
zelnes weibliches Exemplar einer zweihäusigen Pflanze, ohne daß sie
bis dahin Samen erzeugt hatte. Mit einem Male aber war diese
Pflanze mit vielem Samen bedeckt. Man zerbrach sich vielfach den
Kopf über den Grund dieser Erscheinung, und wie es in solchen
Fällen zu geschehen pflegt, man hörte die sonderbarsten Erklärungen
darüber. Der Direktor des Gartens, welcher damals der berühmte
Bernard de Jussieu war, erklärte aber, es müsse ein zweites
und zwar männliches Exemplar derselben Pflanze sich noch in der
Nähe befinden. Man suchte den ganzen Garten aus, dann, als sich
trotz der genauesten Untersuchung das zweite Exemplar nicht fand,
auch in den Gärten der Nachbarschaft, aber ebenso fruchtlos. Da
saber Jussieu großes Interesse an diesem Vorfalle nahm, so steckte
er sich hinter die Polizei, so daß jedes noch so kleine Hausgärtchen
untersucht wurde. Endlich fand man das so lange gesuchte Exemplar
wirklich, aber ganz am andern Ende der Stadt in einem kleinen
Bärtchen ungefähr ein und eine halbe Stunde vom botanischen Gar—
ten entfernt, wodurch das Räthsel gelöst war, d. h. man sah nun die
Möglichkeit ein, daß der Blüthenstaub dieser männlichen Pflanze
durch Insekten, die auf ihrem Fluge auch den botanischen Garten
besuchten, auf die dort sich befindende weibliche Pflanze getragen
wurde.

(Schluß folgt.)

Oekonomieleuchter, die im niederrösterr. Gew.-Ver. vor⸗
gelegt wurden, haben die Form von Tafelleuchtern; die Kerze steckt
aber in einem Rohr und wird durch eine Spiralfeder nach aufwärts
zedrückt, bis sie auf den letzten Rest abgebrannt ist. Bei diesen
Leuchtern ist das Abrinnen der Kerzen bei Luftzug oder beim Hin—
und Hertragen unmöglich und selbst bei ruhigem Brennen auf dem
Tische stehend, ist die Brenndauer bedeutend länger als bei offenem
Licht.

Mittel gegen die Wespen. Die eigentlichen Wespen,
vozu auch die Hornissen gehören, sind den reifen Obstfrüchten, vor
nehmlich Aprikosen, Pfirschen, Trauben und süßen Birnen sehr nach—
cheilig. Will man diese Insekten vertilgen, so muß man nasses und
zaltes Wetter oder die späte Abendzeit abwarten, wo sie in ihren
Nestern versammelt sind, die man mit großer Vorsicht abnehmen
und in siedendes Wasser werfen muß. Durch letzteres, noch sicherer
und schneller durch Schwefeldampf, können sie in ihren Löchern ver⸗
nichtet werden. Man pflegt auch enghälsige Gläser mit Wasser und
donig zur Hälfte angefüllt, an die Zweige der Bäume zu binden.
Der Honiggeruch lockt die Wespen noch mehr wie das Obst, sie krie⸗
gen daher in die Gläser hinein und ersaufen.

se e Gee
            
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