Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Fehlt es aber in und nach trockenen Jahren an den obengenannter
Futterstoffen für die Kühe, dann soll in hiesiger Gegend die Kartof
sel Alles ersetzen, wozu sie aber nicht im Stande ist, weil sie fre
von Phosphor, frei von Kalkverbindungen, nur durch ihren Stärke
und ein wenig Eiweiß Gehalt nahrhaft ist.
Darum rufe ich allen Landwirthen zu: „Füttert die Kar.
toffeln mit Maßen und laßt daneben das andere Futte
nicht fehlen.“
Wohl sind die Kartoffeln fähig, zur reichlichen Fleisch und Fett
bildung beizutragen, aber nimmer können sie die vorhergenannten Fut
derstoffe ersetzen. Ferner beachten Sie wohl, daß mit Ansang Mär;
die Kartoffeln an Nährkraft bedeutend verlieren, und daß dieser Um
Jand bei der hiesigen starken Kartoffel-Flütterung um so nachtheiliger
wirkt, als gerade dann der übrige Futtermangel am größten ist.
Dabei muß ich noch die ziemlich verbreitete Ansicht herichtigen, daß
das Heu aus saueren Wiesen einen Stoff enthalte, durch welchen die
Aühe knochenbrüchig würden. Einen solchen Stoff enthält dasselbe
nicht, aber weil es weniger von den nahrhafteren Grasarten enthält,
so trägt es indireet zu der Krankheit bei. Auch ist es ein Irr
ihum, zu glauben, daß die Knochenbrüchigkeit vom Streusel herrüh
ren köunte. Allerdings in so fern entsteht sie vom Streusel, wenr
den armen Thieren so schlecht gestreut wird, daß sie beständig in Mis
und Jauche liegen, wie ich selbst leider schon mehrmals gesehen habe
Hat doch auch schon mancher kräftige Mann durch anhaltend nasse
Kleider die Gliederkrankheit bekommen. Wie kann man unter solchen
Umständen eine Kuh kuriren, die Tag und Nacht im Nassen liegt
Darum legt Euer Vieh so trocken, wie möglich; dann bleibt es in
Bezug auf die Krankheit gleichgültig, ob mit Stroh, Haide, Pfrie⸗
men oder Moos gestreut wird.
Meine Herren! Auch in anderen Gegenden kommen die trocke
nen Sommer vor. Darum liegt die Frage nahe, warum kommt X
Krankheit nur in vereinzelten Länderstrichen, und im ganzen nördf
lichen Deutschland gar nicht vor? Wie schon früher von mir im
Stadt- und Land-Boten bemerkt worden, liegt der Grund hiervon
theilweise auch darin, daß in anderen Gegenden der Ausfall an kalk
stoffhaltigen Futter-Substanzen durch die Fütterung der sog. Rum—
meln oder Runkelrüben gedeckt wird, diese aber neben ihrem großen
Nahrungsstoffe zugleich Salze enthalten, die zur Knochenbildung bei
tragen. — Meine Herren! Noch muß ich Sie auf einen Umstand auf
merksam machen, der in Verbindung mit dem oben Gesagten ge
wiß sehr viel zur Entwicklung der Knochenbrüchigkeit in hiesigej
Gegend beiträgt. Mancher von Ihnen hat vielleicht schon gedacht
„In Asweiler, Wolfersweiler, Hirstein, Gimbweiler, Mosberg 3
die Leute so viel Grundbirnen, wie bei uns, und niemals ode
höchst selten hört man dort von einer knochenbrüchigen Kuh.
mag das zugehen?“ Da muß ich Ihnen antworten: Das Wasse
in Asweiler, Wolfersweiler, Hirstein ꝛc. enthält Bestandtheile, di
leider dem Wasser in Selbach, Gonnesweiler, Nohfelden, Schwarzen
bach und gewiß in noch vielen anderen Orten, wo die knoche
brüchigen Kühe zu Hause sind, fehlen. Es sind dieses eben wiede
Kalkverbindungen verschiedener Art; hauptsächlich ist es aber
im ganzen nördlichen Deutschland im Brunnenwasser stark vertreten
doppelt-kohlensaure Kalk, der z. B. in Norddeutschland die deuse
nöthigt, ihre Wasserkessel alle paar Monate beim Blechschmied v
dem sog. Kesselstein reinigen zu lassen. Dort ist dieser doppelt-ko
lensaure Kalk im Wasser gelöst: das Wasser ist klar, wie Kristall
hat aber von dem Kalke einen harten Geschmack. Wird es gekoch
jo entweicht ein Atom Kohlensäure. Die Verbindung wird nun un
löslich und der Kesselstein setzt sich ab.
Schluß folgt.

Das frühe Säen des Roggens.
(QAus dem Vereinsbezirke Uchte Sulingen.)
Es ist häufig zu verwundern, wie selbst die noch so sehr in
Augen fallenden Beispiele nicht mehr zur Nachahmung leiten. Die
ses fällt mir stets auf, wenn ich im Spätherbst oder Frühling mi,
der Bahn von Bremen nach Hannover fahre und sehe die spärlich
und dünn bestandenen Roggenfelder in der Gegend von Verden,
Eystrup, Nienburg, besonders zwischen Neustadt und Wunstorf, ebenso

auf der Tour von Hannover nach Harburg, überall, wo der leich
Boden ist.
Bis 1827/28. säete man auch in hiesiger Gegend später und de
Landmann behauptete, die Zeit von Michaelis bis Mitte Oktober se
die beste: Saatzeit, dagegen hielt er die Zeit vom 20. bis Ende Ol
tober nicht so gut. Dann ward aber den ganzen Winter durch ge
fäet bis zum 22. Februar, Petristuhlfeier; da säete man Vormittag—
Winterroggen und Nachmittags Sommerroggen. Dieses hat sich aber
ganz geändert; im Jahre 1826 / 28 fingen einige umsichtige Landwirthe
besonders der Herr Postverwalter R. Lüning in Sulingen, an, frü
her den Roggen zu säen und zwar Anfangs September. — Es tro
iich, daß in den ersten Jahren dieser früh gesäete Roggen sehr gu
gerieth, und das veranlaßte einige Landleute, auch früh zu säen. —
Daß dieser früh gesäete Roggen ganz bedeutend höhere Erträge ar
Stroh lieferte, war augenscheinlich, und dies mußten selbst die ein
gestehen, die dagegen waren; die einzelne Stiege gab freilich nich
so viel Korn, wie die des später gesäeten, aber der ganze Morge,
lieferte danach außer dem Plus an Stroh reichlich so viel Korn
dieses schlechte Schütten hatte Anfangs auch darin seinen Grund
daß dieser früh gesäete Roggen zu vereinzelt in der Feldmark war
also sich nicht so gut bestäuben konnte. Dann kam es vor, daß eir
später Nachtfrost diesen früh gesäeten Roggen in der Blüthe traf und
er in Folge dessen ganz besonders schlecht schüttete. Das war nu
recht was für die Säumigen und sie verachteten das frühe Säen vol
—
zesäeten Roggen trafen, so versuchten es doch nach und nach meh
rere; besonders kam aber ein Schwindel der schnellen Verbreitung de
frühen Roggensäens zu Hülfe; es fand sich Jemand, der behauptete
er habe Roggen von Schweden erhalten, der müsse aber Anfang
September oder Ende August gesäet werden, aber auf mageres Land
er wüchse besser in der vierten Geile, wie in der dritten. Das fam
Anklang und Jeder wollte von dem schwedischen Roggen haben; e
'and sich aber bald, daß dieser Roggen keine besonders andere Eigen
schaften hatte, wie der hier gängige, und daß dieser bei frühe
Säen eben so gut sich machte, wie der schwedische.
Die Vortheile des frühen Säens stellten sich aber bald sehr herau
und ganze Ortschaften, die von dem alten Schlendrian nicht lasse
wollten, blieben gegen andere, die früh säeten, bedeutend im Woh
stande zurück.
Seit längeren Jahren ist es soweit gekommen, daß jeder fleißig
und umsichtige Landwirth hier auf Sandboden seine Roggensaat m
September, spätestens bis 4. —6, Oktober beendet hat. — Daß de
Wohlstand dadurch immer gestiegen ist, weiß Jeder, der in hiesiget
Gegend bekannt, und die Kornhändler Hannovers werden es bezeugel
können, daß die hiesige Gegend, besonders in den Jahren 1856 /58
immense Quantitäten Roggen nach Hannover ꝛc. lieferte. Es ist mir
von Landleuten versichert, die früher in schlechten Geldverhältniffen
lebten, wenn sie 20 Jahre eher den Roggen im September, gesäe
hätten, so würden sie jetzt schon ausstehende Gelder haben. Ein an—
derer kleiner Hofbesitzer versicherte mir, im Jahre der Hochzeit seine—
Großvaters habe derselbe 100 Stiege Roggen geerntet und gemeimn
wenn es da nur bei bliebe, so sollte es noch wohl gehen, und wen
er jetzt nicht 400 Stiege erntet, so sähe er nicht durchzukommen; 56
Stiege sei eine gewöhnliche Ernte, er habe auch schon 600 geernte
Der Mann hat einen geschlossenen Hof und besäet nicht mehr Fläd
mit Roggen, wie sein Großvater; wenn dieser vervierfachende Ertra
auch nicht allein auf Rechnung des frühen Säen zu schreiben ist,
ist dasselbe doch die größte Veranlassung dazu. — Es sind hi
Feldmarken, die in früheren Jahren verrufen waren wegen ihr
schlechten Ertages; man sagte spottweise, man könnte mit der Kus
über ein solches Roggenfeld hinschießen ohne eine Aehre zu treffe
und jetzt, nachdem in diesen Feldern früh gesäet wird, verkaufen
Besitzer derselben mehr Roggen, wie diejenigen, welche früher über
spotteten.
Daß dieses frühere Säen nicht für allen Boden paßt, gebe
gern zu, aber auf allen leichten Boden ist es sehr anwendbar, ur
wir haben hier noch nie gehabt, daß der Roggen sich zu sehr ausa
beitet, was man in den Gegenden, die später säen, so häufig ho
daß man dieses fürchte, wenn sie noch früher säeten.
Hier nimmt jeder gute Landwirth lieber 1 Stück Roggen in
g3.Gare im Sept. gesäet, wie in der 1. Gare im Nov.
            
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