Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Sämmtliche Verbandgegenstände werden Unter den Linden Nr. 76.
angenommen im
Central⸗Depòt
des preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwundeter
und erkrankter Krieger.

Lotterie.
Bei der am 4. Juli angefangenen Ziehung der 1. Klasse
134. Königl. Klassen-Lotterie fielen: 3 Gewinne zu 1200 Thlr.
auf Nr. 15,247 40,010 83,598. 4 Gewinne zu 500 Thlr. auf
Nr. 14,073 14,996 23.512 87,666. 3 Gewinne zu 100 Thlr.
Rog 6248 6632 48,066. 1 Gewinn von 70 Thlr. auf Nr.
78,904.

Ueber den Werth des Fleischextraktes als Nah⸗
runagasmittel.

Unter dieser Aufschrift bingt die Londoner medicinische Wochen⸗
schrift Atne Lancet« vom 11. November d. J. ein Schreiben Liebig's
an den Herausgeber. Da dieser Brief auch für das deutsche Pulikum
von Interesse sein dürfte, geben wir nachstehend eine Uebersetzung
Der Brief lautet:
„Mein Herr! Wie ich sehe, gehen die Ansichten über den Wertk
des Fleischertraktes in der englischen Presse weit auseinander. Wäh
rend Einige darin einen kompendiösen und vollständigen Ersatz für
das Fleisch erblicken, sprechen Andere ihm allen und jeden Nährwerth
ab. Die Wahrheit liegt, wie gewöhnlich, auch hier in der Mitte,
und da ich der Erste war, der sich eingehend mit der Chemie des
Fleisches beschäftigt hat, so sei es mir gestattet, in Kürze die Ergeb—
nisse meiner Untersuchungen mitzutheilen, soweit sie das Fleischertrakt
als Nahrungsmittel betreffen. Im Fleisch, wie wir es vom Fleische—
beziehen, sind zweierlei Gruppen von Stoffen euthalten. Die erste
Sruppe wird von den sogenannten Eiweißkörpern G. e. Fibrin unt
Albumin) und in den leimgebenden Geweben gebildet, und von die—
sen haben Fibrin und Alhumin einen hohen Nährwerth, jedoch nur in
Verbindung mit anderen Stoffen, nämlich Creatin, Creatinin, darcin.
welche ausschließlich im Fleisch vorkommen, außerdem aus organischen
nicht kristallisirbaren Stoffen und aus Salzen (Kali, Phosphat und
Chlorid). Diese Bestandtheile der zweiten Gruppe heißen „Ertrak
tivstoffe des Fleisches“, ihnen verdankt die Fleischbrühe ihren Ge—
schmack und ihre Wirksamkeit, und ebenso verhält es sich mit dem
Fleischertrakt, welches in der That nichts anders als feste Fleischbrühe
ist, d. h. Fleischbrühe, deren Wasser durch Abdampfen entfernt wurde.
Außer den genannten Stoffen führt das Fleisch als unwesentlichen
Bestandtheil eine größere oder geringere Menge Fett mit sich. In
dem Fleischertrakt, welches meinen Namen trägt, ist weder Fibrin
noch Albumin enthalten, ebenso wenig Leim (Gelatine) und Fett,
welche letzteren Stoffe absichtlich von demselben ausgeschlossen sind.
Bei der Bereitung des Fleischextraktes bleiben die Eiweißkörper in
Rückstand, und getrennt von allen löslichen Stoffen, welche in das
Extrakt übergehen, verlieren sie ihren Nährwerth, auch können sie in
keiner genießbaren Form in den Handel gebracht werden. Wäre es
möglich, zu billigem Preise ein Fleischvräparat für den Welthande)
herzustellen, welches die Eiweißkörper und die Extraktivstoffe in sich
bereinigte, so würde dieses Präparat dem Fleischertrakt vorzuziehen
sein, denn es würde alle nährenden Bestandtheile des Fleisches ent—
halten. Doch ist, wie ich glaube, für Herstellung eines solchen Prä—
parates keine Aussicht vorhanden. Glücklicherweise können die im
Fleischextrakte fehlenden Eiweißkörper ersetzt werden durch Eiweiß
förper von indentischer Zusammensetzung aus dem Pflanzenreiche,
deren Preis um vieles niedriger ist. Umgekehrt ist es mit den
Extraktivstoffen des Fleisches: für diese (abgesehen von den Sal—
zen) gibt es keinen Ersatz. Dagegen können diese dem Fleisch
entzogen und als genießbares und haltbares Präparat in den
Handel gebracht werden. Verbindet man sie mit Eiweißkörpern
vegetabilischen Ursprunges, so erhält man den vollen Nährwert!h
des Fleisches. Diesen Estraktivstoffen verdankt also das Fleisch
extrakt seinen Werth als Nahrungsmittel für die Bevölkerung Eu—
—DDDD—
Kosten in Ländern erzeugt werden kann, in denen das Fleisch keinen
Werth hat. Die Eiweißkörper vegetabilischen Ursprungs finden sich
vorzüglich in den Samen der Cerealien, mit denen die europäischen

14 Gewinne zu 60 Thlr. auf Nr. 3460 53003 71530 8705
10,139 36.513 37,132 44,088 47,219 49,417 61,008 72,355
74,792 91,211.
29 Gewinne zu 50 Thlr. auf Nr. 1109 3918 13,139 15,483
19,174 19,847 22,382 23,71503 24, 3750 28,2250 , 8 30,824
39525 40,955 49,187 52,309 56,267 57,622 58,900 68.984
78,789 78,817 79,504 80,783 81,577 86.882 90,330
2,859.
52 Gewinne zu 40 Thlr. auf Nr. 2143 2643 4033 4178
4555 7148 7377 9558 9565 11,236 11,479 11,613 14,483
20,991 21,552 21,571 21,803 24,353 28,274 28,428 29,869
33,639 383,849 36,085 36,353 37,874 39 363 40,075 40.825
42,218 45,943 47, 835 530. 849 52,096 54,881 55, 184 62,8515
64,712 66,933 67,088 68,088 76,167 76,379 79.091 81, 146
32 163 83,403 84,1083 84, 104 89,246 92, A7à 94 190.

Märkte hinreichend versehen sind. Dagegen ist die Zufuhr von frischem
Fleisch nicht immer genügend, und dies wird mit dem Steigen der
Bevölkerung voch schlimmer werden. Für eine Armee z. B. wird es
nicht schwierig sein, die nöthige Menge Korn oder Mehl aufzuspeichern
Auch an Zucker, Fett und ähnlichen Stoffen wird kein Mangel sein,
da ihr Transport und ihre Aufbewahrung mit keinen Schwierigkeiten
verbunden ist. Dagegen kann leicht Mangel an frischem Fleisch ein—
treten. Gesalzenes Fleisch ist ein ungenügender Ersatz für frisches,
weil beim Einpökeln ein guter Theil der Extraktivstoffe verloren geht;
auch ist es bekannt, daß der fortgesetzte und ausschließliche Genuß von
Pökelfleisch Krankheiten erzeugt. Getrocknetes Fleisch wird meist gleich—
bedeutend sein mit verdorbenem Fleisch und ist überdies kaum genieß—
har. Fleischextrakt jedoch in Verbindung mit vegetabilischen Eiweiß—
körpern hilft dem Mangel ab, und dies ist die einzige Abhülfe, die
zu Gebote steht. Was von einer Armee gilt, gilt auch im all gemei⸗
nen von jenen europäischen Nationen, welche nicht ihren Bedarf an
Fleisch erzeugen. Durch Ausbeutung der südamerikanischen und
uustralischen Heerden mittelst Bereitung von Fleischertrakt und durch
Terealien aus dem Westen der vereinigten Staaten und anderen Korn—
kammern mag dem Mangel abgeholfen werden, jedoch kaum zum vol—
len Betrage. Denn, setzen wir die Existenz von zehn Fabriken vor
aus, welche jährlich zusammen zehn Millionen Pfund Extrakt aus
ziner Million Ochsen oder aus zehn Millionen Schafen bereiten, so
vürde die Menge nur hinreichen, für je drei Personen der Bevölker—
uing Großbritanniens für das Jahr ein Pfund Ertrakt zu liefern oder
ein Pfund den Tag für 1100 Personen. Ich habe vorhin gesagt,
daß bei Bereitung des Fleischextraktes die Eiweißkörper in Rückstand
bleiben; sie gehen für die Ernährung verloren, was gewiß ein gro—
zer Mißstand ist. Es ist jedoch zu erwarten, daß die Industrie sich
dieses Problemes bemächtigen und es, wenn auch vielleicht auf einem
Umwege, lösen werde. Denn wenn dieser Rückstand, zusammen mit
den Knochen der geschlachteten Thiere, unseren Feldern als Dünger
zugeführt werden kann, so werden diese eine entsprechende Menge Ei—
weißkörper mehr hervorbringen können, um in Form von Korn oder
Fleisch und Milch auf unsere Märkte zu gelangen. Auf diese Art
sonnte dieser, für die direkte Ernährung verlorene Rückstand den Peru—
Buano, der ohnedies bald vom Markte verschwinden wird, ersetzen
Ueber den Werth des Fleischextraktes für Kranke ist es unnöthig,
zin Wort zu verlieren, da es mit der Fleischbrühe identisch ist, über
deren Werthe die Meinungen nicht getheilt sind. Ich will jedoch be⸗
merken, daß es ein Irrthum ist, zu glauben, Fleischbrühe enthalte
Fiweiß und Leim, auch müßten Fetttropfen auf ihr schwimmen.
Fleischbrühe enthält kein Eiweiß; richtig bereitet ist sie frei von Leim
und die Fetttropfen sind eine unwesentliche, für Manche sogar un—
willkommene Zugabe. Es würde, michfreuen, wenn diese Zeilen dazu
dienen sollten, die öffentlich Meinung über den Werth des Fleischer⸗
zraktes in's Reine zu bringen; meine Absicht war, einerseits allzu
anguinische Hoffnungen auf das richtige Maß zurückzuführen, ander—
eits die Rolle zu bezeichnen, welche das Fleischextrakt in der Ernähr⸗
ung der europäischen Bevölkerung übernehmen kann. Hierbei weiß
ich sehr wohl, daß Alles, was zur Empfehlung des Fleischerxtraktes
zesagt werden kann, umsonst gesagt sein würde, wenn es nicht einem
oͤffentlich und allgemein gefühlten Bedürfnisse zu Hülfe käme, und
wenn es nicht im Stande wäre, die Prüfung des natürlichen Instink⸗
tes, dieses unbestechlichen Richters, zu bestehen. München, Novem
her 1868. Justus Liebig“

(Magd. Presse.)
            
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