daten der Unterstützung durch freiwillige Privatthätigkeit und Auf
opferung nicht entbehren kann.
Dies hatte eine Anzahl in diesem Fache erfahrener und bewähr—
ter Männer aus fast allen europäischen Staaten, im Einverständniß
und zum größten Theil im besondern Auftrage ihrer Regierungen
im October 1863 in Genf vereinigt, um die Mittel und Wege zu
berathen, wie jenem Bedürfniß in möglichst einheitlicher und wirk—
samer Weise zu entsprechen sei.
Auf Grund dessen hatte sich unter der allerhöchsten Billigung
Seiner Majestät des Königs und Ihrer Majestät der Königin im
Februar 1854 zu Berlin ein Comité gebildet, welche sich im Anschluf
an jene Verhandlungen die Aufgabe stellte, die freiwillige patrioti
sche Thätigkeit auf diesem Gebiete dadurch noch wirksamer zu machen
daß eines Theils bei möglichster Ausdehnung und allgemeinster Theil
nahme ein organischer Zusammenhang und eine Einheit der Bestre
bungen gesichert, und anderntheils nicht erst im Augenblicke des ein
tretenden Krieges, sondern auch dauernd und vorbereitend für die
Bedürfnisse in den verschiedenen Richtungen dieses für die Kriegs—
heere und die Menschlichkeit so hochwichtigen Gegenstandes gesorgt
werde. Dieses Comitsé, welchem sich inzwischen Lokal-Vereine aus
allen Theilen der Monarchie angeschlossen, hat sich zu dem
„Preußischen Vereine zur Pflege verwundeter und er—
„krankter Krieger“
erweitert und sind demselben neuerdings mittelst Allerh. Ordre vom
7. Mai c. Corporationsrechte verliehen worden.
Schon im April des Jahres 1864 (No. 27 des Kreisblatts von
1864) hatte ich auf Grund eines Aufrufes des vorgedachten Comités
die Bildung von Lokal-Vereinen durch die Herren Bürgermeister in
Anregung gebracht. Der Umstand, daß die freiwillige patriotische
Thätigkeit für den damals vorliegenden Kriegsfall in so ausgedehn—
ter und erfreulicher Weise in allen Bezirken des hiesigen Kreises sich
geregt hatte, ließ mich erwarten, daß die bürgermeistereiweise zu
bildenden Local-Vereine weder zu klein noch zu weitläufig sein wür
den, um zweckfördernd zu erscheinen. In Folge meines Aufrufes
haben sich damals zwei Local-Vereine gebildet, welche zur Zeit noch
bestehhen.
Der jetzige Augenblick, wo Preußens Heer zu einem entscheiden—
den Kampfe ausgezogen ist, veranlaßt mich wiederholt, sämmtliche
Kreis-Eingesessenen auf die Bildung von Local-Vereinen des
„Preußischen Vereins zur Pflege verwundeter und er
„krankter Krieger“
aufmerksam zu machen, damit die beabsichtigte Unterstützung der
Militair-Sanitäts-Verwaltung in dem bevorstehenden Kriege durch
ihre Vereinigung in einem einheitlichen Mittelpunkte eine wirksa
mere werde.
Die Statuten dieses Vereins sind im Kreisblatte publicirt
Als Organ des Central-Comités erscheint eine monatliche Zeitschrif
„Kriegerheil“ zu dem Preise von 20 Sgr. jährlich in Berlin, deren
erste (Mai) Nummer bereits ausgegeben ist.
Saarbrüden, den 27. Juni 1866.
Der Königliche Landrath,
v. Gärtner.
Hülfeleistungen für die Armee.
Bekanutmachung.
Alle diejenigen Personen, welche Reconvalescenten bei sich in
Privatpflege aufnehmen wollen, fordere ich auf, sich deshalb direkt an
dasjenige Reserve-Lazareth zu wenden, welches ihrem Wohnorte am
nächsten liegt. Reserve-Lazarethe sind bisher errichtet in:
Berlin, Charlottenburg, Potsdam, Frankfurt a. O., Fürstenwalde,
Landsberg a. W., Treuenbrietzen, Brandenburg a. H., Nauen, Prenz—
lau, Neu-Ruppin, Schwedt, Stettin, Stargard i. P., Passewalk, Dem—
min, Anclam, Greifswald, Cörlin, Colberg, Nakel, Bromberg,
Schneidemühl, Pelplin, Stargard i. Pr., Cöslin, Weißenfels, Halle,
Merseburg, Halberstadt, Naumburg a. S., Quedlinburg, Burg, Sten
dal, Liegnitz, Rawicz, Posen, Samter, Lissau, Frauenstadt, Sagan,
Hainau, Bunzlau, Kosten, Schrimm, Breslau, Ohlau, Brieg, Münster,
Hörter, Hamm, Bielefeld, Lippstadt, Düsseldorf, Paderborn, Drischau,
Marienburg, Elbing, Pr. Holland, Braunsberg, Perleberg, Havelber—
Wrietzen a. d. O., Sangerhausen.
Die Errichtung neuer Reserve-Lazarethe werde ich von Zeit
Zeit zur öffenlichen Kenntniß bringen.
Berlin, den 28. Juni 1866.
Graf Stolberg.
Dringende Aufforderung.
In Bezug auf den Aufruf des „Central-Comités des preußischen
Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger“
vom 183. d. M. bittet das unterzeichnete Central-Dept dieses Vereins
p)ringend um freundliche, schleunige Ueberreichung der folgenden auf.
zeführten Gegenstände, die, mit der Aufschrift: „Für ausgerückte
oreußische Truppen“ versehen, dem Gewicht nach nicht über 20 Pfund
viegend, portofrei sind und freien Transport auf allen Staats-Eisen
»ahnen haben:
Matratzen, Keilkissen, wollene Decken, Bettlaken, Pfühle, Kissen,
Luft und Wasserkissen, Sandsäcke, Hemden, Handtücher, wollene
und baumwollene Strümpfe und Socken, Unterjacken, Unterhosen,
Schuhe, Pantoffeln wasserdichte Zeuge, Watte, Mousseline, Gaze,
alte und neue Leinwand, Charpie, neuer Flanell und Shirting,
Beinbruchladen-Hohlschienen, Arm- und Fußwannen, Esmarch's,
Irrigatoren, Eiterbecken, Uringläser, Eisbeutel, Gyps, Gypsver—
bandscheeren, Chloroform, Shawls, Halstücher, Taschentücher, gu—
ter Wein, Cognac, Kornbranntwein, Bier, kohlensaure Wasser, Back—
Obst, eingemachte Früchte, Apfelsinen, Citronen, Malz-Extrakt
Liebig'scher Fleisch-Extrakt, Eau de Cologne, Kaffee, Zucker, Thee
Chokolade, Reis, Reismehl, Sago, Heringe, Sardellen, Cigarren
Taback, Pfeifen, Bücher, Unterhaltungs-Spiele ꝛc.
Berlin, den 22. Juni 1866.
Das Central⸗Depôt
des preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwundeter
und erkrankter Krieger.
(Unter den Linden 76.)
Bekauntmachung.
Da häufig schlechtes, unbrauchbares Verband-Material eingelie
fert und hierdurch nur vergebliche Mühe aufgewandt wird, so dürfte
es zweckmäßig sein, auf folgende Punkte aufmerksam zu machen:
1) Sämmtliche Verbandgegenstände müssen vollkommen rein und
sauber sein.
2) Alle Leinwand zum Verband muß von allen Näthen und Knoten
frei sein.
3) Charpie ist in möglichst langen Fäden zu zupfen, aber nicht,
wie dies gewöhnlich geschieht, sorgfältig zusammengelegt, sondern
kraus zu erhalten.
4) Gewöhnliche Rollbinden, 2 Zoll breit, 6 bis 8 Ellen
lang, nicht aus zu altem Leinen, am besten aus vorher gewaschenem
neuen Leinen oder auch starkem Shirting, in einem Stück ohne Nath,
ungesäumt, fadengerade und ohne Bänder anzufertigen; sie müssen
unbestochen sein und außerhalb einen Vermerk über die Ellenzahl mit
Bleistift erhalten.
5) Flanellbinden, 242 Zoll breit aus ganz neuem sehr fei
nem Flanell, 6, 8, 10, 12 Ellen lang. Auf der Binde muß ebenfalls
„die Ellenzahl mit Bleistift vermerkt werden.
6) Viereckige Tücher, 6/, Elle im Quadrat groß, neu und
gesäüumt; dre ieckige Tücher (Mitellen) in derselben Größe neu
und gesäumt.
7) Dreieckige Tücher von alter Leinwand, ungesäumt
an der geraden Seite 3, Elle lang.
8) Rissen in jeder Größe mit Seegras, Häcksel, Roßhaaren
oder Federn gefüllt.
9) Schlummerrollen von Federn oder Roßhaaren mit wasch
baren Ueberzügen von buntem oder weißem Zeuge.
10) Große Roßhaar-Kissen, 1 Elle lang, 5 Elle breit
1 Zoll dick, etwas durchgenäht.
11) Handtücher sind ganz besonders erwünscht.
12) Fußlappen müssen reichlich , Elle lang,/, Elle breu
jein, und zwar von gebrauchtem aber noch haltbarem Leinen, unbe
stochen und ungesäumt.