Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Belauntmachung.
Von der Königlichen Ober-Post-Direction in Trier ist mit Bezug
auf 8 19 des Gesetzes über das Postwesen vom 5. Juni 1852 be
stimmt worden, daß von den Post-Anstalten in Saarbrücken und
St. Johann Fahrpost-Gegenstände mit und ohne declarirten Wert!

Aus dem Leben der Pflanzen.
Von Marx Rosenheyn—

Wer freut sich nicht herzinnig, wenn er unter dem grünen Laub—
dache der Bäume am heißen Sommertage ruht; wie da die Luft in
heißer Gluth zittert und flimmert, die Blumen kraftlos die Köpfchen
enken, wie um sich niederbeugend vor den glühenden Strahlen zu
schützen; wie die Vögel ihre Flügel eintauchen in die kühlende Fluth,
wie die Sonnenstrahlen zittern und glänzen in hellen, goldgelben
Lichtern, tanzend und wie muntere Kinder hüpfend durch die dichten
Laubgewinde. Aber sie dringen nicht ein auf den Müden, der im
fühlen Schatten ruht und träumend durch das grüne Gitterwerk hin—
aufblickt zum schönen, blauen Himmelsraum.
Und wer hat nicht schon in solchen stillen Stunden hinüberge—
dacht in eine andere Welt, den Schöpfer bewundert der das Licht
chuf, der das Laub schuf, der Blumen und Blüthen der Erde ent—
prossen ließ? Und wer hat denn nicht wieder, denn wie leichte
Brücken wölben sich die Gedanken, zurückgedacht an die schöne Gottes
Erde, wie die Menschen einzublicken streben in die geheimnißvollen
Werkstätten der Natur, und wie sie gleich emsigen Ameisen sich ab—
mühen und jeder einen Theil seiner Forschung herbeischleppt, um im
ner klarer die wundervollen Wege der Natur zu erkennen.
Betrachten wir einmal ein Blatt des grünen Laubdaches und sehen
wir zu, wie und warum manche Blüthen und Blumen so herrlich duf—
len und warum sie in so glühender Farbenpracht strahlen.
Die Pflanze beginnt immer als eine einfache Zelle. Was ist
aber eine Zelle?
Die Zelle stellt ein sehr kleines, rundliches, ganz abgeschlossenes
Bläschen dar, dessen Wand durchsichtig ist und in welcher sich je nach
ihrer Lage und Beschaffenheit verschiedene feste oder flüssige Körper
befinden, welche auch in einer und derselben Pflanze sehr viel Mannig
faltigkeit darbieten. In der Zelle selbst gewahrt man bei der starken
Vergrößerung mittelst eines Mikrostopes, etwa 230maliger Vergrö—
zerung, einen größeren und mehrere kleine Kerne, die man Zellen—
lerne genannt hat. Die Wand ist mit einer steinig-körnigen Masse
ausgekleidet, von welcher unregelmäßige Streifen in die klare, wasser—
helle Flüssigkeit hineintauchen, welche die Zelle ausfüllt. In anderen
Zellen, welche grüngefärbt erscheinen, gewahrt man kleine, grüne Kör—
ner, welche in einer klaren Flüssigkeit schweben. Die Wand der Zelle
ist in der Mehrzahl aller Fälle durchsichtig und wiewohl sie meistens
zanz geschlossen erscheint, so läßt sie die Flüssigkeiten doch durch, welche
also aus einer Zelle in die andere wandern können. So wenig dies
der Wahrscheinlichkeit zu entsprechen scheint, so wird doch ein sehr ein—
facher Versuch uns hier eine außerordentlich wichtige und überraschende
Thatsache klar machen.
Wenn man eine, an dem einen Ende offen, an dem andern
mit einer Membran, z. B. thierischen Blase verschlossene Glasröhre,
velche in sehr kleine Theilstriche genau eingetheilt ist, mit einer fehr
onzentrirten Zucerlösung, also mit sehr viel Zucker versetztem Wasser,
dis zu einem bestimmten Punkte anfüllt, und diese Glasröhre hierauf
jo in ein Gefäß mit reinem Wasser eintauchen läßt, daß die Mem—
dran, welche unten die Glasröhre mit ihrer Zuckerlösung vollkommen
abschließt, einige Linien tief eintaucht, so findet man nach einiger
Zeit, daß die Menge der Zuckerlösung in der Glasröhre vermehrt
wurde, und gleichzeitig findet man in dem äußeren, reinen Wasser
zewisse Mengen von Zucker. Trotz dieses Verschlusses mit der Blase
jaben sich also doch beide Flüssigkeiten vermischt. Diese merkwür
zige Erscheinung hat man mit dem Namen des Endosmose und Exros—
nose belegt, und sie hat für die Pflanzen eine unendliche Wichtig—
leit erlangt, seit man erkannte, daß in der Pflanzenzelle selbst ja
eine dieser Zuckerlösung in Bezug auf Koncentration u. s. w. ganz
analoge Flüssigkeit vorhanden und daß also jene Erscheinung auch
in den Pflanzen thätiag sei

von jetzt ab nur auf Gefahr des Absenders angenommen werder
dürfen.
Saarbrücken, den 18. Juni 1866.
Königl. Post-Amt
Heine.

Wenn sich eine Anzahl von Zellen neben einander lagern, so
bietet dies einen Anblick wie Seifenschaum; aus diesem Konglomerate
von Zellen aber bildet sich das Gewebe von Pflanzen. Es bestehen
somit die Pflanzen in der Hauptsache aus aneinander haftenden Zel—
len, deren Lage auch die Form derselben bedingt; denn es ist einleuch—
tend, daß die Zellen in ihrer beschränkten Lage bei eintretendem
Wachsthuume sich wechselseitig drücken oder vertheilen müssen, wodurch
natürlich die ursprüngliche Gestalt sehr vielfach verändert wird, im
Großen und Ganzen jedoch eine kugelige Gestalt sich ergibt.
Es ist einer der seltensten Fälle, daß die Zellen zeitlebens in un—
mittelbarer Berührung bleiben; in der weitaus größten Anzahl wird
ihr Verbaud durch die Wachsthumsbestrebungen gelockert und es tre—
ten oft großartige Zwischenräume auf die sehr oft mit einander in
Lerbindung stehen, und hier ist dann in vielen Pflanzen die Ab—
lagerungsstätten von Oelen, Zucker, Wasser u. s. w.
Was die Gestalt der Größe und Zellen anbetrifft, so sind beide
yöchst mannichfaltig. Sehr häufig sind sie langgestreckt-cylindrisch,
aber auch viereckig u. s. w. Ihre Größe bietet die auffallendsten
Abweichungen. Die kleinsten Zellen finden sich im Schleime gähren—
der Weine; sie sind 12000 —! / 3000 Linien groß; in den Trauben, im
Fleische, in den Beeren, im Hollundermark, in den Aepfeln beträgt
ihre Größen! / Linie; im Hanf und Flachs finden sich 152 Linien
große Zellen. Die größten kommen bei einigen niederen, einzelligen
Algen vor, wo die Zelle 2283 Fuß Länge messen kann und dann
die ganze Pflanze aus dieser einzigen Zelle besteht.
Mag nun die äußere Form der Pflanze was immer für eine sein,
ihre Hauptmasse besteht immer aus einem Aggregate von verschieden
gestalteten Zellen.
Wenn wir ein größeres Laubdach, wie z. B. ein stark entwickel⸗
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mit dem bloßen Auge Stellen wahrzunehmen, durch welche das Grün
der unteren Blattfläche weniger intensiv, mehr weißlich erscheint.
Hier endet sich dann eine sogenannte Athmungshöhle. Doch wir
wollen das Blatt näher betrachten.
Die beiden Blattflächen sind von einem feinen Häutchen, der Ober⸗
haut oder Epidermis überzogen, die man leicht mit einem feinen
Messer entfernen kann. Der Zwischenraum unter derselben ist mit
einem grünen Körper angefüllt, in welchem wir sehr kleine, gelbgrüne
Körnchen in ungeheuerer Anzahl wahrnehmen. Die Körnchen sind
oon einem wachsartigen Fette oder von Stärkemehl gebildet und sind
oon dem stickstoffhaltigen Farbestoffe vollkommen durchdrungen. Man
hat diesen Farbstoff, der in Form der Durchtränkung dieser Kügel⸗
hen in so ungeheurer Menge vorhanden ist daß die Blätter und an—
dere Pflanzentheile, welche dieselben besitzen, so intensiv grün erschei⸗
nen, Chlorophyll oder Blattgrün genannt, und gewinnt ihn aus
zrünen Pflanzentheilen, indem man dieselben mit Aether behandelt,
velcher das Chrorophyll oder Blattgrün auflöst und nach dem Ver—⸗
dampfen dasselbe, wenn auch nicht vollkommen rein, wieder zurück⸗
läßt. Die Gegenwart dieses Farbestoffes ist also immer die Ursache
des herrlichen, frischen Grüns, welches auf unsere Augen so wohl⸗
thuend einwirkt und den Reiz und die Schönheit der Natur so un⸗—
zemein erhöht und belebt. Es ist zwar noch nicht eine feststehende
Thatsache, allein es läßt sich mit ziemlicher Gewißheit annehmen.
daß jener gelbe Farbstoff, welcher im Herbste uns so wehmüthig
an das rasche Verbleichen aller Erdenfreuden mahnt, nur eine Ab—
inderung des Chrorophyll oder Blattgrüns sei, zumal da auch dieser
Farbstoff, den man Xantophyll oder Blattgelb genannt hat, sich hei
einer mikroskopischen Betrachtung, wie das Blattgrün, an eine wachs⸗
oder harzartige Grundlage gebunden, als zahlreiche kleine Körnchen
darstellt. An der wilden Rebe (Ampelopsis hederacea), die sich in
so dichten Verzweigungen mit großen grünen Blättern an Mauer—
werken emporwindet, sehen wir im Herbste eine wunderbare Um—
vandlung des Chlorophylls oder Blattgrüns, indem der schöne
            
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