Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

nach dem dritten Tage war bei dieser Fütterung der Mehrertrag an
Milch ein sehr erheblicher.
Ich will noch hinzufügen, daß zufällige Umstände die Aussaat
pohl etwas verzögert hatten, und dürfte es zweckmäßiger gewesen
ein, wenn dieselbe schon im Anfang April hätte geschehen können.
Auch habe ich die Bemerkung gemacht, daß sie den Spörgel, als
sNachbar, nicht gut vertragen kann, und würde es mir angenehm sein,
venn ich in dieser Beziehung die Ansichten anderer Kollegen erfahren
önnte.
Nur nicht ängstlich, lieben Landleute, versucht es nur jedes Jahr,
venn auch nur vorerst ein kleines Stück Land mit Serradella-Samen
zu bestellen, Eure Kühe werden sich darnach dankbar beweisen.
C. im December 1865. y. W.

Vermischtes.
Methode, das Rindfleisch mittelst Zuckersyrups zu
konserviren. Man taucht das Rindfleisch, nachdem es in Stücke
zerschnitten ist, in eine Lösung von Syrup und Salpeter in Wasser,
wozu man auf je 100 Pfd. Fleisch 2 Quart Wasser, 6 Loth Salpeter
und 11/, Quart Syrup verwendet. Ohne Anwendung von Salz legt
man jetzt die Fleischstücke fest in ein Faß ein und gießt den Rest der
Lösung darüber. Man läßt es nun 36 Stunden stehen, bereitet
eine kräftige Pökellake, gießt sie über das Fleisch, so daß es
davon bedeckt wird, und beschwert es, mit einem Gewicht. Das so
zugerichtete Fleisch erhält sich, an einem kühlen Orte aufbewahrt, sehr
chön und bleibt bis zum Mai frisch und wohlschmeckend. Um es
nöthigenfalls noch länger zu erhalten, fügt man von neuem ein wenig
Salz hinzu.

Grünkern.
Unter diesem Namen wird eine Suppenfrucht aus Dinkel,
riticum Spelta, bereitet; man schneidet nämlich die Aehren desselben
dann ab, wenn deren Korn von der milchigen in eine breiige Be—
chaffenheit übergangen; trocknet sie auf einer Darre oder in einem
Backofen und drescht oder reibt sie mit den Händen aus Diese Sup—
denfrucht wird meist aus Frankfurt a. M. in den Handel gebrach
ind das Pfund durchschnittlich mit 4 Sgr. bezahlt.
Der kleinere Landwirth, der nicht selbst Dinkel bauen, auch nicht
bSgr. für das Pfund zahlen und dennoch eine gute Suppenfrucht
jaben will, kann sich, wie Schreiber dieses seit Jahren gethan, diese
schmack- und nahrhafte Suppenbeigabe weit wohlfeiler selbst beschaf—
sen. Da nun gerade jetzt zur Bereitung dieses „Grünkerns“ der
zünstigste Zeitpunkt heran rückt, glaube ich, (wenn auch keine Davi—
dis) ein oder der andern Hausfrau einen kleinen Dienst erweisen, wenn
ich mein Receptenbuch öffne und ihr folgendes mittheile:
Sobald unser Roggen (Korn) Körner hat, welche sich in oben—
zenanntem Stadium befinden, werden die Aehren abgeschnitten, im
Backofen getrocknet und ausgerieben. Ebenso verfährt man mit Wei—
jen und mischt beide Fruchtarten zu gleichen Theilen unter einander
— Es versteht sich von selbst, daß man nicht gleich in ein volles Rog
zen- oder Weizenfeld gehen soll, um dorten die Aehren zu schneiden,
ondern man sammelt sie da, wo dieselben etwa an Wegen, Angewan-—
den, Furchen ꝛc. doch durch Menschen oder Vieh verdorben, nutzlos
nerloren gehen würden. Sollten aber solche Stellen nicht vorhanden
ein, selbst dann rentirt es sich immer noch. die Aehren von vollen
Aeckern zu nehmen.
Zu einer Portion Suppe nimmt man ein Eßlöffel voll Körner,
mahlt dieselben auf einer Handmühle, (wozu auch eine saubere alte
affeemühle benutzt werden kann) und röstet das gewonnene Mehl
nit etwas Butter langsam auf nicht zu starkem Feuer. Dem hellge—
rösteten Mehle gießt man hinreichend Fleischbrühe zu und läßt die—
elbe noch eine Stunde lang kochen. Das Ganze passirt nun ein
daarsieb und wird mit einem Eidotter nochmal aufgekocht. Zu einer
Wassersuppe müssen auf eine Portion 2 Eßlöffel Körner genommen
verden. Probatum esbt! Ein Koch.

Mittel gegen den Bienenstich. Sobald man von einer
Biene gestochen wird, bringt man nur so schnell als möglich einen
Tropfen gewöhnlichen Oeles auf die gestochene Stelle, ohne dasselbe
einzureiben, und wenn dies recht bald geschieht, so dauert es oft
eine Minute, bis aller Schmerz vergangen ist; auch wird sich nicht
die gewöhnliche Geschwulst zeigen. Sollte man zu lange warten,
bis das Gift hineingedrungen ist und eine Geschwulst beginnt, so
zeigt immer noch das Oel seine heilende Kraft, wiewohl nicht so
auffallend, als wenn es gleich nach erhaltenem Stiche angewendet
wird. Jede Art von Oel leistet denselben Dienst. Bienenhalter
werden wohl daran thun, sich eine Gläschen mit Oel in der Nähe
ihres Bienenstandes aufzubewahren, wenn sie, was bekanntlich nicht
bei Jedermann der Fall ist, auf einen erhaltenen Bienenstich unter
einer Geschwulst zu leiden haben. In Italien pflegt man das Del
gegen Scorpionenstich anzuwenden, und Einsender dieses, der früher
manchmal unter den Folgen eines Bienenstiches litt und alle ihm
bekannten Mittel gewöhnlich anwendete, wurde dadurch auf den Ge—
danken gebracht, es gegen den Bienenstich anzuwenden, und weiß sich
nunmehr durch obiges einfache Mittel schnell und wirksam zu helfen

Einfaches Mittel zur Entfernung erstickender Luft—
arten aus Brunnen. — Ein in Bremen kürzlich vorgekommener
Erstickungsfall erinnert G. Kindt daran, daß, als er vor mehren Jah—
ren einen Brunnen graben ließ, 36 Fuß tief, 31/, Fuß weit, es ihm
sehr unangenehm war, denselben, als er nach mehren Monaten wegen
einer Reparatur am Rohre geöffnet werden mußte, einige Tage offen
zu lassen, weil ein an einem Bindfaden hinabgelassenes Licht immer
zrlosch. Die Arbeiter schossen in den Brunnen, legten über ihm Feuer
in; aber der Luftwechsel blieb stets in der Tiefe gleich mangelhaft
Da holte Kindt einen Regenschirm, band ihn mit dem Stiele an eine
Schnur, ließ ihn hinab, zog ihn rasch wieder in die Höhe und wie—
derholte dies einige Male. Ein nun hinuntergelassenes Licht
brannte hell bis zum Wasserspiegel und dicht über demselben fort.
Mit Anwendung einer so einfachen Vorrichtung, die überall bei der
Hand ist, wäre gewiß manchem Arbeiter das Leben zu retten gewesen
der im Brunnen erstickt ist.

Bekanntmachung.
Der Kreis Saarbrücken hat für die Besatz
ings-Escadron zu Saarlouis 16 Dienst-Reit
oferde zu gestellen und soll die desfallsige Ge—
tellung an den Mindestfordernden vergeber
werden. Hierauf Reflectirende werden hiermi
ersucht, ihre desfallsigen Angebote bis
Freitag den 22. d. M.,
Voriuuittags 11 Uhr,
nir einzureichen und wird zu der gedachter
Stunde auf dem Landrathsamte hierselbst, wo
elbst auch die Bedingungen einzusehen sind
die Eröffnung der Submissionen in Gegenwar
der etwa erschienenen Submittenten erfolgen
Saarbrücken, den 18. Juni 1866.
Der Königliche Landrath,
v. Gärtner.

Bekanntmachung.

Vom 1. Juli c. ab und bis auf Weiteres
kosten auf der Grube Gerbard-Prinz-Wilhelm
9, und zwar: A
Nach 1 Ctr. Kohlen J. Sorte an den Ver—
Eger und Franzensbad kaufspunkten Gerhard (bei Loui—
indet vom 1. Juli er. ab Creuznach, Saar— senthal) und Prinz Wilhelm
‚rücken und Trier eine directe Personen- und (bei Gersweiler).....6 —
Gepäck-Abfertigung statt. — 11,„ Kohlen II. Sorte ebendaselbst 5 —
* Billets * I. ageptag 11, Förderkohlen bei Stangenmühle 5
e ehe ung von Pfd. Freigeräck aus was hierdurch öffentlich bekannt gemacht wird
Saarbrücken, den 8— — 1866. Saarbrücken, den 15. Juni 1866.
Königliche disenhusu. Direclion. Königliche Vergwerks-Direckion
            
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