Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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den Kreis Saarbrücken.

4I8 64.

Dinstag den 29. Mai

1866.

Amtliches.
Bekanntmachung.
Evangelische Kirchencollecte.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 26. März
1863 J. 1499 S. v. bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntniß,
aß die evangelische Kirchen-Collecte zum Besten der Heil- und Pflege—
instalt für blödsinnige Kinder „Hephata“ in München-Gladbach für
»as laufende Jahr gemäß Bestimmung des Königlichen Consistoriums
ju Coblenz am 1. Sonntag p. Frinit. den 3. Juni cur. abgehalten
vird.
Trier, den 18. Mai 1866.
1. 2448. 8. 6) Königliche Regierung.

Bekanntmachung.
Höherer Anordnung zufolge soll die Aushebung der Recruten
aicht durch die Kreis-Ersatzä- Commission, sondern durch die Depar
tements⸗Erfatz⸗ Commission in gewöhnlicher Weise er—
solgen. Die auf den 5. und 6. Juni d. J. hierselbst anberaumte
Musterung der Ersatzpflichtigen wird daher nicht stattfinden.
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 18. Mai
c. bemerke ich daher, daß seiner Zeit der anderweit anberaumte
Termin bekannt gemacht wird.
Saarbrücken, den 25. Mai 1866.
Der Königliche Landrath,
v. Gärtner.

Zur Rindviehzucht.
Von B. Nost in Mediasch (Siebenbuͤrgen),
Wenn uns Europäern das Rindvieh genommen würde, wären
vir gezwungen, unserer Landwirthschaft eine ganz andere Gestalt zu
geben und ist es sehr fraglich, ob dieselbe dann noch im Stande wäre,
eine Bevölkerung, wie sie diese jetzt ernährt, nur noch mit den aller⸗
aöthigsten Bedürfnissen zu versehen. Alle anderen Hausthiere könn—
en uns das Rindvieh nicht ersetzen und kann man sich nicht denken,
daß Jemand ein wirklicher Landwirth sein kann, ohne einzusehen,
welche wichtige, ganz unentbehrliche Stütze seines Land- und Haus—
vesens — ebenso auch des ganzen Landes — ein guter Rindvieh—
tamm ist und daß sich desto größerer Nutzen aus der Wirthschaft
ziehen läßt, je besser die Rindviehzucht in derselben betrieben, je pas⸗
kender diese Hausthiere zu den übrigen Verhältnissen gehalten und
möalichst veredelt werden.
In Anbetracht dieser Thatsache nun ist es um so mehr zu ver⸗
wundern, daß bis jetzt in den meisten Ländern noch so wenig für
ie Cultur, die Verbesserung des gewöhnlich ganz ungeeigneten Rind—
biehstandes geschehen ist, daß man sich nicht größere Mühe gegeben
at, diese Hausthierart nach Möglichkeit zu veredeln und ertragreich
su machen, und daß man noch dazu, wo die Verbesserung derselben
ingestrebt wurde, dabei so sehr nachlässig, verkehrt, unrationell zu
Werke ging. Ebenfalls muß man sich darüber wundern, daß der
Veredlung der Rindviehzucht nicht eben so große Summen von den
zetreffenden Regierungen zugewandt wurden, als sich solcher die
Pferdezucht zu diesem Zwecke zu erfreuen hatte. — Es ist übrigens
sehr einfach, eine möglichst nutzbare Rindviehrace für jedes Verhält
niß herzustellen, wenn dies Einfache auch nicht ausschließt, daß die
Sache mit Kenntniß und Aufmerksamkeit behandelt werden muß und
nicht unbedeutenden Aufwand erfordern kann.
Es gibt verschiedene Wege, eine Viehrace zu verbessern, die
sichersten und einfachsten sind aber:
a) Die Verbesserung, Veredlung durch Inzucht, nämlich, daß
zie Thiere, welche sich durch eine schöne Form, Ergiebigkeit ꝛc. aus
eichnen, unter sich gepaart werden, und daß man mit den sorgfäl—
tig ausgewählten Nachkommen immer fortfährt in dieser Paarung,
sich aber vor einer zu weit getriebenen Inzucht wohl hütet und sich
überhaupt auf das Züchten gut versteht, die Grundregeln einer ra
ionellen Züchtung kennt und anzuwenden weiß. — Eine solche Ver—
dlung muß zum Ziele führen, d. h. wenn dafür gesorgt wird, daß

die zu veredelnde Thierart stets eine zweckdienliche Behandlung und
Nahrung genießt. — Die Inzucht ist indessen unter gewissen Um—
ständen mißlich, weil sie eine zu lange Zeit erfordern kann, zu dem
zewünschten Endziel zu gelangen.
bp) Die Veredlung durch Kreuzung. Wenn die Kreuzung mit
Sorgfalt und Sachkenntniß ausgeführt wird und dabei die oft gar
nicht unbedeutenden Kosten nicht gescheut werden, führt sie eher, voll⸗
kommener und bequemer zum Ziele, als die Inzucht. — Daß die
—X——
den in diesem Falle verstand man entweder das Züchten nicht, oder
aber führte das ganze Experiment schlecht oder mit ungenügenden
Mitteln aus; erhielt deswegen nicht einen veredelten und endlich
constanten Schlag, sondern ein nichtsnutziges Gemisch von Bastarden.
Nur unter folgenden Bedingungen kann die Kreuzung gute Re—
sultate liefern:
1. Daß das männliche Thier, welches zur Zucht benutzt wird, das
edlere von beiden sei.
2. Daß die Nachkömmlinge der Art sind, wie sie für die betref⸗
ende Gegend, für die Verhältnisse taugen — daß man u. a. für eine
Begend, die dem Vieh nur magere Weiden und sparsames Futter zu
»ieten hat, zur Kreuzung mit der Landesrace nicht Thiere nimmt aus
ziner Gegend, wo die Verhältnisse ganz umgekehrt sind, z. B. die
jolländischen und friesischen Rindviehracen sind weltberühmt und ver⸗
hienen dies zu sein, da sie ausgezeichnet in jeder Art sind. Setzt
nan aber diese Kühe oder ihre Nachkommen auf schlechte oder nur
nittelmäßige Weiden erhalten sie ein kraftloseres Futter, wie in
— 00—0 verwerthen das Futter
chlechter, wie es die elendeste Landesrace thun kann.
3. Die durch Kreuzung erhaltenen männliche Thiere sind — mö—⸗
gen sie noch so schön sein — zur Zucht durchaus nicht zu benutzen,
so lange der Schlag nicht völlig constant ist; denn diese Bastarde ge—
hen nie ein sicheres Resultat und können es nicht geben; der Züchter
nuß sich deshalb bis dahin immer edle, moͤglichst vollkommene Thiere
bon der einmal gewählten fremden Race zu verschaffen suchen, und
hat wohl darauf zu achten, bis wohin und wann eine Erfrischung
nöthig ist.
4. Zu junge oder zu alte Thiere sind zu vermeiden — beson⸗
ders bei der Kreuzung; — nur ein kräftiges, in dem besten Alter
tehendes Thier trägt seine Eigenthümlichkeit möglichst stark auch auf
dzie Nachkommen über.
            
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