bersehen vor der Königlichen Kreis-Ersatz-Commission zur Musterung dachten Militärpflichtigen werden daher gleichfalls vorgeladen, ar
zu erscheinen, indem die zu spät sich Gestellenden unnachsichtlich zur den vorbezeichneten Terminen zur Revision sich zu gestellen.
Strafe herangezogen werden. Die Herren Bürgermeisterer ersuche ich, diese Bekanntmachung
Ausdrücklich wird hierbei unter Bezugnahme auf meine Bekannt- mehrmals in sämmtlichen Gemeinden ihres Verwaltungsbezirks pub—
machung vom 6. Mai c. bemerkt, daß mit der Mobilmachung der ligiren zu lassen.
Armee für die zum einjährigen freiwilligen Dienste Be-—Saarbrücken, den 18. Mai 1866.
rechtigten die Begünstigung erloschen ist, den Antritt des Dienstes Der Königliche Landrath,
his zum 23. Lebensjahre resp. weiter hinaus auszusetzen. Die ge v. Gärtner.
Zweck und Ziel der Bodenkultur.
Vortrag, gehalten vom Direktor Freih. v. d. Goltz in der General⸗
Versammlung zu Velbert, am 21. Mürz 1866.
Begenstand der Bodenbearbeitung ist der kulturfähige Ackerbo⸗
den. Die Frage, wie solcher entstanden, beantwortet der berühmte
Themiker J. v. Liebig dahin, daß die Ackererde das Produkt der
Verwitterung der an Alkalien und alkalischen Erden reichen Gebirgs—
arten in Folge der Wirkung mechanischer und chemischer Thätigkei—
ten ist, welche den festen Zusammenhang nach und nach aufhoben.
Diese Verwitterung geschieht aber selbstverständlich nicht gleichsam
mit einem Schlage; es haben Jahrhunderte und Jahrtausende dazu
gehört, bis sich die Gebirge mit einer mehrere Zoll hohen Erdkrume
bedeckten, bis die großen Wasserströmungen in dem Revolutionszeitalter
der Erde die Ebenen und Mulden mit den oft viele Klafter
hohen Abschwemmungen der Gebirge ausfüllten. Wie haben wir
uns aber den Vorgang bei der Verwitterung der Gesteine zu denken?
Sie erfolgt durch den Einfluß des von Kohlensäure (dem Produkte
von Sauerstoff und Kohlenstoff) gesättigten Wassers unter dem Zu—
tritt von Wärme. Dieses Wasser löst die festesten Felsarten und
wirkt da noch mit dem größten Erfolge, wo eine so heftige Säure,
wie die Salzsäure, ihre Wirkung ganz verloren hat. In noch ge—
ringerem Maße ist auch der Frost für die Verwitterung der Gesteine
hätig, indem das zwischen den Gesteinsschichten sich vorfindende
Wasser beim Gefrieren sich ausdehnt und dadurch häufig kleinere
ind größere Absprengungen herbeiführt. Ein zweites Moment tritt bei
der Bildung der Ackerkrume noch hinzu: es ist das Erzeugniß der
Verwesung organischer Stoffe, der Bestandtheile der Thier-⸗ und
pflanzenwelt.
Der einer Behandlung durch die menschliche Hand und der von
verselben eingeleiteten Werkzeuge fähige Boden ist denn auch Ge
zenstand der Bearbeitung der Kultur geworden. Diese wurde noth⸗
wendig, um die für die menschlichen Bedürfuisse erforderliche abnorme
Entwickelung und Erzeugung gewisser Pflanzen oder Pflanzentheile
jur Ernährung der Menschen und Thiere oder für Zwecke der Indu⸗
trie herbeizuführen.
Die hauptsächlichsten Werkzeuge der Bodenbearbeitung sind: 1.
der Spaten, 2. der Pflug mit seiner specifischen Ausbildung als Erstir⸗
pator, Untergrundspflug, Häufel- und Aushebepflug ꝛc., 3. die Harke,
4. die Egge, 5. die Walze.
Ihre Anwendung ist darauf gerichtet, den Boden für die Auf—
aahme des Pflanzensamens, sowie die Entwidllung und Ernährung
der Pflanze brauchlich zu machen.
Es kann nicht einfallen, Recepte anzugeben, in welcher Weise
in den verschiedenen Fällen der Acker zu bearbeiten ist. Die Praxis
einer Gegend geht in der Regel den richtigen Weg. Die Erfahrung
der Jahrhunderte hat Ort, Maß und Zeit der Bodenkultur festge
stellt. Ein Sündigen dagegen hat sich an Menschen hart gestraft,
. B. bei verziehenden Landwirthen, die das anderwärts erprobt Er⸗
sfundene unter Geringschätzung der Praxis der neuen Heimath mit
Erfolg glaubten, auch auf dem nach seinen ganzen Verhältnissen
zerschieden gearteten neuen Besitzthum anwenden zu können. Es
kann nur darauf ankommen, auf das Warum? und Wozu? der Bo—
denbearbeitung einiges Licht zu werfen, allgemein gültige Prinzipien
anzudeuten, welche sich mit der rationellen Praxis stets als in Har—⸗
monie stehend bewähren werden.
Das Hauptziel aller Bodenbearbeitung ist aber, dem Acker die
richtige Gahre zu verschaffen. Dies geschieht, indem man denselben
für die Einwirkung der Atmosphärilien, also der Luft, den atmo—
phärischen Niederschlägen, der Wärme zur richtigen Zeit in der rech
ten Weise zugänglich macht. Dazu bedarf der Boden der Lockerung;
auf einen einer Tenne ähnlichen, gleichsam festgestampften Boden
üben die Atmosphärilien keine merkliche Wirkung. Ist der Boden
aber geöffnet und locker, dann kann die Luft eindringen, die Bestand—
theile derselben, der Sauerstoff, die aus Sauerstoff und Kohlenstoff
zusammengesetzte Kohlensäure, das Ammoniak, können sich mit der
Ackerkrume vereinigen. Der Sauerstoff besitzt die Eigenschaft, die
im Boden befindlichen organischen Stoffe, Dünger und sonstige
Pflanzenreste zur Verwesung zu bringen und sie mit Hülfe des Was⸗
sers in eine für die Ernährung der Nutzpflanzen brauchbare Verbin—
pung überzuführen, mit einem Kunstausdrucke die düngenden Bestand—⸗
heile für die wachsende Pflanze und deren Ernährungsorgane assi—
nilirbar zu machen. Er verbindet sich ferner mit dem im Boden
vorhandenen Kohlenstoff zur Kohlensäure und dient in Verbindung
nit der von der Ackerkrume direkt aus der Luft aufgenommenen
Kohlensäure einmal zur unmittelbaren Ernährung der Pflanze, daun
in Verbindung mit Wasser, wie dies in der Einleitung schon ange⸗
deutet, zur Zersetzung der Gesteinarten und Erden, aus denen die
Alkalien (Kali und Natron) ausgeschieden und theilweise ebenfalls
für die Pflanzen assimilirbar gemacht werden. Das Ammoniak end—
lich dient wiederum zur Ernährung der Pflanzen, indem es densel⸗
ben den namentlich im ersten Stadium des Wachsthums unentbehr
lichen Stickstoff zuführt.
Das Ammoniak wird dem Erdboden jedoch, wenn überhaupt, so
aur in sehr unbedeutendem Maße aus der Luft selbst zugeführt; es
findet sich aber nach den neuesten Forschungen in nicht unbedeutendem
Maße in dem Regenwasser, daher schon aus diesem Grunde es wün⸗
schenswerth ist, wenn der Erdboden zur Aufsaugung des Regenswas⸗
sers fähig ist. Die atmosphärischen Niederschläge haben jedoch eine
Hauptaufgabe darin, daß sie mit der Kohlensäure die Verwitterung
herbeiführen und nach der herrschenden Annahme unentbehrlich sind,
um die im Boden befindlichen nährenden Bestandtheile, namentlich
die Alkalien und die Kieselsäure für die Pflanze assimilirbar zu ma⸗
hen, da deren Ernährungsorgane jene nur in löslicher Form aufzu⸗
nehmen vermögen. Es können aber überhaupt die Pflanzen ohne ein
zewisses Maß von Feuchtigkeit nicht gedeihen, welches die entwickelte
Pflanze theilweiss direkt aus der mit Wasserdampf geschwängerten
Atmosphäre entnimmt, meist aber aus dem Erdboden geschöpft wird
Darüber, in welcher Weise der Erdboden sich ohne sichtbare Nieder⸗
ichläge die stets in einem gewissen Maße in der Luft vorhandene
Feuchtigkeit anzueignen weiß, wurden aus der sehr interessanten, be
reits auf der Wülfrather Versammlung empfohlenen Schrift „die Acker⸗
zahre von v. Laer,“ Seite 19 -21, Einiges mitgetheilt.
Aus dem Angeführten ergebe sich, daßz wir von selbst auf die
ebenfalls sich durch Vermittelung der Luft dem Erdboden mittheilende.
ür das Pflanzenwachsthum unentbehrliche Wärme hingeleitet wor⸗
den. Ohne diese drei: Luft, Feuchtigkeit und Wärme, kann kein
Samen keimen, keine Pflanze wachsen und reifen. Die Bodenbear
heitung ist es nun, die die Ackerkrume für die Einwirkung der At—
nosphärilien fähig macht.
Die Bodenbearbeitung verfolgt aber noch weitere Zwecke; sie ist
es, welche die mechanische Zertheilung herbeiführt, um dem erforder
lichen Samen einen geborgenen Keimort, der Wurzel eine weite
Verbreitungsfähigkeit, der Pflanze einen festen Standort zu sichern.
Zie beabsichtigt die Heraufbringung der unter im Boden besindlichen
nährenden Bestandtheile, welche theils durch die nach unten sickern⸗
den Wasser dorthin geführt, theils in dem Erdboden früher schon vor⸗
zjanden waren, aber Mangels der Einwirkung der Atmosphärilien
aicht zur Wirkung gekommen sind. Sie bezweckt die Vertilgung der
Ankräuter durch Wegführung, ferner durch Lösung der Wurzeln, so
daß diese zum Faulen kommen, endlich durch Herbeiführung der Kei—
nung und Entwickelung derselben zu einer Zeit, wo die Bearbeitung
noch nicht geschlossen und eine weitere Arbeit von Pflug oder Egge
ningehört.