Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

auf, als bei jenem mit lederartigem Laube. Wo ihre Anzahl zunimmt,
yort mindert sich ihre individuelle Größe, und die Anzahl ist sehr
rerschieden, je nach der Pflanze, auf der sie sich vertheilen. Auf ei—
ner eine Quadratlinie umfassenden Fläche lassen sich oft hundert, ja
bis tausend solcher Spaltöffnungen zählen.
Diese dem freien Auge ob ihrer Kleinheit sich entziehenden Spalt—
öffnungen sind von großer Bedeutung für die Pflanze, für die Ent
wickelung und Erhaltung ihres normalen Lebenprocesses. Vor allem
Andern vermitteln sie das Einströmen (die Einathmung) der atmo—
phärischen Luft in das Innere des vegetabilischen Baues. Durch
die Spaltöffnungen dringt sie in die Athemhöhlen und deren In—
ercellulargänge, um sich sofort durch das ganze Irrsystem der
luftführenden Canäle zu verbreiten und allenthalben das lose Zell—
zewebe zu umspielen. Welche Quantitäten von Luft auf diese Weise
don den Pflanzen, besonders von deren Blätten absorbirt wer—
den, möge beispielsweise aus dem erhellen, daß, wenn auch das
rockenhäutige Blatt von Paspalum setaceum in seinen tausend
Theilen nur 60 Theile Luft enthält, dagegen das schwammige Blatt
der Pistia texensis in tausend Theilen 718 Theile an atmosphãärischer
duft besitzt. Dieser hohe Luftgehalt ist es auch, der ein Pflanzen
blatt auf der Oberfläche des Wassers ichwimmend erhält, oft selbs
dann, wenn es mit einem verhältnißmäßig bedeutenden Gewichte be—
lastet wird. So kann das schildförmige Blatt der wundervollen Vic
oria rogia, jener Bewohnerin der großen Ströme des heißen Ame—
rikas, eine bis 30 Pfund schwere Last auf seiner Fläche tragen, ohne
in die Fluthen zu sinken. Bekanntlich auch befestigen sich des Schwim—
nens Unkundige Schilfrohr an die Schultern, um von der dasselbe
erfüllenden Luft auf dem Wasser erhalten zu werden.
Sowie aber die Pflanzen durch ihre Spaltöffnungen atmosphä⸗—
rische Luft einathmen, so athmen sie durch dieselben wieder Wasser
in Dunftstoff aus. Vermittelst ihrer Wurzeln saugt die Pflanze die
ihr nöthigen Nahrungsstoffe auf, doch nur solche, welche sich in hun⸗
dert bis tausend Theilen Wasser gelöst befinden, assimilirt dieselben
and haucht sodann das ihr überflüssige Wasser durch die Spaltöff⸗
aungen wieder aus. Auf diese Weise verdunstet die Pflanze zwei
Drittheile des aufgenommenen Wassers und verwendet blos ein
Drittheil zu ihrer Ernährung. Diesem Verhältnisse ist es zuzuschrei⸗
ben, daß eine mit Gewächsen bedeckte Fläche weit mehr, mitunter
sechsmal mehr Feuchtigkeit an die atmosphärische Luft abgibt, als
eine gleich große Wasserfläche. Die Menge der Feuchtigkeit aber,
velche der Atmosphäre durch die Ausdünstung der Pflanzen zu gute
lommt, ist viel größer, als man glauben sollte. Eine Songenblume
dunstet täglich 124, Pfd. Wasser aus. Für eine solche im freien Lande,
den Raum von vier Quadratfuß angenommen, würde ein mit Son—
nenblumen besetzter Morgen Landes während der vier Somermonate
lu2 Millionen Pfd. Wasser verdunsten, und wenn zwischen den Son—
nenblumen noch andere Pflanzen wachsen sollten, bis drei Millionen
Pfund. Bei Wiesen und Getreidefeldern steigert sich die Wasserver—
dunstung in derselben Zeit auf 5 bis 6 Millionen Pfund für den
Morgen. Nach diesen Beispielen bedarf es wohl kaum eines Hin⸗
weises, welchen Einfluß die Vegetations-Decke eines Landes durch
ihre Verbindung mit den unterirdischen Wasseradern auf die klima—
lischen Verhältnisse desselben ausübt. Verschieden ist wieder die Menge
des Wassers, welches die verschiedenen Pflanzen aushauchen. Sie
hängt ebenso von der Individualität der Pflanzenart wie von äuße—
ren Einflüssen ab. Unter diesen ist es namentlich eine, die sechsmal
mehr ausdunsiet als jede andere, die kleine Pistia stratictes, welche
in stehenden Gewässern der Tropenländer frei umherschwimmt. Ihr
zaben die Neger Guyanas eine praktische Seite abgewonnen, indem
sie Gefäße mit Wasser, in welchem Pistia vegetirt, in die Hausfluren
stellen, um Kühlung zu erzeugen, denn durch die continuirliche Ver—
dunstung wird latente Wärme gebunden. Einer gleichen Wechselwir—
sung haben wir es zu verdanken, wenn wir an heißen Sommertagen
in schattenreichen Anlagen eine angenehme Frische finden.
Abgesehen von der Aufnahme entsprechender Nahrung, beruht
die Erhaltung des organischen Lebens auch noch auf einem regelmä—
ßigen Austausche von Gasen (Respiration.) Es wird „gute“ verwend⸗
bare Luft eingeathmet und „schlechte“ unverwendbare Luft ausgeath
met. So ist es bei den Thieren, so ist es, wenn auch mit einigen
Modifikationen, bei den Pflanzen ebenfalls. Wieder sind es die Spalt—
zffnungen in ihrer Verbindung mit der Athemhähle und deu

cellulargängen, welche, wenigstens bei den höher organisirten Pflan—
zen, den Austausch der Gase ermöglichen. Doch bei diesen findet
die Respiration in zweifacher Weise statt. Alle oberirdischen Pflan—
zentheile nehmen im Sonnenlichte Kohlensäure auf und athmen da—
gegen Sauerstoff (mit etwas Stickgas) aus. Im Dunkel jedoch neh—
men sie Sauerstoff auf und geben Kohlensäure ab. Von diesen zwei
unter sich gänzlich verschiedenen Vorgängen eines Austausches zwischen
der Pflanze und der atmosphärischen Luft entspricht der erstere einem
Acte der Ernährung und letzterer dem Athmungsprocesse der Thiere.
Bei der Einathmung der Kohlensäure fixirt die Pflanze einen Theil
des Kohlenstoffes, den sie zum Aufbau ihrer festen Bestandtheile ver—
werthet und haucht sodann den dadurch frei gewordenen Sauerstoff
wieder aus. Den eingeathmeten Sauerstoff aber verwendet die Pflanze
cheils zu einer Entkohlung ihr eigenthümlicher Stoffe, wobei Kohlen—
säure frei wird, theils zur Einleitung anderer chemischer Processe,
durch welche eine Umbildung vorhandener Bestandtheile stattfindet.
Durch diesen Athmungsproceß ist die Pflanze auf einen bestimmten
Wechsel von Licht und Dunkel angewiesen; sie hat ihre vitale Thä—
igkeit einem solchen accommodirt und muß in nothwendiger Folge
erkranken, wenn gegebene Verhältnisse ihr diesen Wechsel verkümmern.
Daher sehen wir so manche Bäume in unseren Anlagen dahinsiechen,
venn sie allnächtlich dem zu grellen Lichte der Gasflammen ausge—
setzt bleiben.
Schließlich möchten wir noch darauf hinweisen, wie nachtheilig
es sei, über Nacht Blumen im Schlafgemache zu belassen. Durch
ihre Respiration vergiften sie die abgeschlossene Atmosphäre, indem
sie derselben den Sauerstoff, die Lebensluft, entziehen und dagegen
solche mit tödtlicher Kohlensäure schwängern.

Der Hülfsdünger in der Landwirthschaft.
(Schluß.)

Für Sandboden — für durchlassenden Boden ist also Hülfsdün⸗
zer am meisten und ersten angezeigt, und zwar in um so größerem
Maße, als er weniger Bindung hat und als er mehr mit Stallmist
getrieben wird.
Dem Dünger für den Sandboden müssen, außer dem Kiesel, aus
dem er besteht, bald alle anderen erdigen Bestandtheile zu Hülfe ge⸗
geben werden, die dem Stalldünger fehlen und diese sind hauptsäch—
lich Bittererde, Kalk, Kali und Phosphorsäure.
Die Erdstoffe der verschiedenen Erndten und ihr gegenseitiges Ver⸗
hältniß sind uns bekannt, desgleichen die Erdstoffe eines gut besorg⸗
ten Stalldüngers und so läßt sich bei durchlassenden Boden, der
an stauender Nässe nicht leidet, für ein jedes unserer Anbaugewächse
ein angemessener Dünger berechnen und zusammensetzen.
Die Fabrikanten von Hülfsdünger haben sich denn auch in
neuester Zeit daran gegeben, solche Zusammensetzungen und Mischun⸗
gen von Hülfsdünger anzufertigen, was dem Bauer viel Kopfbrechens,
viel Mühe und Kosten spart, indem er auf den Preistafeln gerade fin⸗
det, was und wie viel er davon braucht und was es kostet.
Wir geben hier ein solches Preisverzeichniß der Herren Vorster
und Grüneburg in Kalk bei Köln. Die Zentnerfracht von dort
bis hier ist uns nächst auf 10 Sgr. gekommen. Diese Herren haben
uns verschiedene Proben ihrer Hülfsdünger geschickt und zwar von
etlichen mehr, als wir dessen im Augenblick bedürfen. so daß wir für
Broben, davon einiges abgeben können.
Die Düngsorten sind, der Frachtersparniß wie auch gleichmäßiger
Vertheilung wegen, auf Mischung mit dem doppelten Gewicht an Grund
berechnet, d. h. concentrirt oder verdichtet.
Wir sind der Meinung nicht, daß eine einseitige Düngung mit
diesen Düngstoffen auf mehrere Jahre hinaus vorhalte, sondern daß
sie nur als Aushülfe zu benutzen sind, um die Wirkung des Stall⸗
püngers kräftiger zu machen und mit dem vorhandenen Stalldünger
veiter zu langen; doch mag hie und da, wo man mit dem Stallduͤn⸗
ger nicht langt, wie z. B. in Futter- und Strohklemmen Zeiten, sol⸗
her Hülfsdünger, auch einmal den Stalldünger ersetzen können.
Diese unsere Ansicht beruht auf der eigenthümlichen Wirkung des
Strohes im Stalldünger, dessen Verwesung Kohlensäure erzeugt, die,
anm Roden aufgesgaen. dessen eigenen erdigen Klanzennabrungstheile
            
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