Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

instruktionen und Vereinsstatuten beigegeben. Es enthält eine sehr
klare und vollständige Anleitung zur Errichtung und Leitung solcher
Vereine und bespricht die wesentlichen Grundsätze, welche bei der
Begründung ins Auge zufassen sind in einer für jedermann leicht
derständlichen Weise. Die sämmtlichen bei Gründung eines neuen
Vereins nöthigen Formulare sind bei dem Verleger gedachter Schrift,
Buchdruckereibesitzer W. Strüder in Neuwied, vorräthig und können
dort jederzeit billig bezogen werden.
Möge diese Empfehlung nicht auf dürren, sondern auf recht
ruchtbaren Boden fallen; Dann wird bald ein gutes Stück Arbeit
weiter gethan werden zur Herbeiführung besserer Zustände auf dem
lachen Lande, das gerade jetzt, wo für die alte an Betriebsmitteln
ju arme Landwirthschaft eine gefährliche Krisis im Anzuge ist, that⸗
kräftiger Hülfe mehr wie jemals bedarf!
Bonn, im März 1866.

Thilmany,
Veneralsecretair des landw. Vereins für Rheinpreußen
und Vorsisender des Bonner Credbitvereins.

Französische Erfahrungen über Anbau von
Futterginster.
Bekanntlich hat bei dem Mangel an Grünfutter neuerdings der
Binster Beachtung gefunden, und wir haben daher bereits auf seine
Kultur aufmerksam gemacht. Wenn auch nachstehende Erfahrungen
nunächst nur für Genista juncea (Spartium junceuw), den spanischen
oder Binsenginster (r. ajonc) gelten, der in Portugal, Frankreich
bei Triest, in Steiermark wild wächst und zuweilen angebaut wird,
o ist doch die Art seiner Zubereitung zur Fütterung, die Methode
der Aussaat, die Größe des Ertrags u. s. w. auch für unsere Land—
virthe nicht ohne Interesse.
Ein französischer Landwirth (Rieffel) baut ihn schon seit 38
Jahren an und füttert damit vom November bis März besonders
Pferde. Im Winter liefert der Ginster ein ausgezeichnetes Futter,
vährend selbiger mit dem Eintritt des Säftesteigens in den Pflanzen
eine gewisse Bitterkeit annimmt. weshalb die Thiere ihn dann nicht
zut annehmen.
Der in Hecken und auf den Wegen wachsende Ginster wird dor!
eingesammelt, wobei aber nur die krautigen Triebe geschnitten wer⸗
den. Ein hölzerner Trog, der aus Bohlen zusammengesetzt und 8
Fuß lang, 11,, Fuß breit und 15, tief ist, dient zum Zurichten des
trauts. Es wird in s5/, bis 19/, Zoll lange Stücke zerhackt mittelst
eines eigenthümlich eingerichteten Instruments. Dieses besteht aus
ꝛinem hölzernen Cylinder von 15,4 bis 120. Fuß Länge, dessen Ende
mit einem Hackmesser versehen ist, welches durch einen eisernen Ring
im Holz festgehalten wird. Am andern Ende ist die Handhabe, ein
zölzerner Stiel, eingefügt. Die zerschnittene Futtermasse wird hier⸗
auf mit ungefähr 15,, Quart Wasser auf den Centuer begossen. Das
Wasser bezweckt, die Stacheln zu befeuchten und so zu erweichen.
Nach dem Einweichen wird der Ginster zerklopft und zwar mit
einem Instrument, welches dem vorigen ziemlich gleich ist. Nur ist
der hölzern Cylinder, der etwa über 12, Fuß Länge besitzt, an sei—
nem Ende mit starken Nägeln statt mit der Schneide beschlagen. Da
mit der Arbeiter besser die Bewegungen mit diesen beiden Instru⸗
menten in der Hand hat, ist der Winkel, welchen der Holzceylinder
mit der Handhabe bildet, etwas schief ausgeführt. Mit diesem Ham—
mer klopft der Arbeiter auf den zerhackten Ginster, kehrt ihn hierauf
am und klopft von Neuem. Wenn letzterer nicht mehr die rauhe
cchwielige Hand des Arbeiters sticht, ohne daß das Zerstampfen zu
weit gegangen ist, gibt man den Ginster den Thieren.
Rieffel verfüttert täglich 20 Pfund an jedes Arbeitspferd. Diese
20 Pfund ersetzen 10 Pfund Heu oder eine damit gleichwerthige
Menge eines andern Futtermittels. Nach Isidore Pierre besitzt der
Binster einen höhern Futterwerth; nach ihm ersetzen 137 Pfd. Gin—
ter 100 Pfd. gutes Heu.
Ein Arbeiter von gewöhnlicher Arbeitskraft kann täglich 2 Ctr.
Hinster einbringen, zerhacken und brechen. Die Arbeit kostet Rieffel
6 Sgres Pf. per Ctr. und bietet den Vortheil, daß sie im Winter,
wo Handarbeit zu haben ist, ausgeführt wird. Man hat also, wo
der Ginster wild wächst, für 11 Sgr. 4 Pf. ein Aequivalent für1
CEtr. Heu, dessen Preis mindestens 24 Sar. sein würde.

Ohne Zweifel ist es vortheilhafter, bei größeren Mengen eine
Brechmaschine anzuwenden.
Auf solchem Boden, wo andere Futterpflanzen nicht gedeihen,
säet man zum Schutz der jungen Pflanzen gegen das Austrocknen
Berste oder Hafer mit aus. Die Reihen zieht man in einer Entfer—
aung von ca. 6 Zoll und säet 12 bis 15 Pfd. Samen auf den Mor—
zen aus, wonach man leicht eggt oder harkt. Man könnte bei breit—
vürfiger Aussaat 26 Pfd. Samen anwenden; aber die Reihensaat
ermöglicht weit besser das Jäten der jungen Pflanzen, die leicht
hdurch Unkräuter erstickt werden. Ein- bis zweimaliges Jäten im
ersten oder zweiten Jahre genügt gewöhnlich für die Dauer dieser
künstlichen Wiese von 16 bis 20 Jahren.
Dichte Aussaat macht die Triebe zarter und daher für die Zu—
cichtung bequemer.
Nach dem zweiten Jahre kann der Ginster jährlich im Winter
zeschnitten werden, in dem Maße, wie die täglichen Bedürfnisse es
fordern. Der Schnitt geschieht mit der Sense oder einer Sichel, die
hinlänglich Widerstand leistet. Es ist wichtig, daß so nahe als mög—
am Boden geschnitten wird, um die späteren Ernten zu erleichtern.
Unter gewöhnlichen Bedingungen erhält man 100 bis 150 Ctr
nuf den Morgen; Rieffel erhielt auf seinen Versuchsfeldern 400 Ctr
zJewöhnlichen Ginster und 350 Ctr. sogenannten stachellosen, welcher
indeß nicht ohne Stacheln ist, er ist nur weicher als der andere
Nimmt man 100 Ctr. als Mittelertrag an und gibt ihm den obigen
Nährwerth, so würde diese Menge 50 Ctr. Heu entsprechen. Diesen
Ertrag erhält man sogar kaum mit der Luzerne, die besseren Boden
verlangt, als der Ginster, welcher durch sein Eindringen in den Un—
lergrund den Boden für weniger tief wurzelnde Pflanzen ameliorisirt.
Die Kosten um 100 Ctr., welche 50 CEtr. Seu entsprechen, vom
Morgen zu erhalten, würden sein:
Ackerpach.. 3 Thlr. 12 Sgr. — Pf
Kosten für Samen, Aussaat, Jäten,
auf 15 Jahre durchschnittich. I 21 — „
Ernten und Zurichten von 100 Ctr. 17—, 1 6,
Summa 22 Thlr. 4 Sgr. 6 Ppf.
Rechnet man auf den Futterginster das Minimum seines Futter—
werths und das Maximum der Kultur- und Zurichtungskosten
o bleiben doch immer nur 13 Sgr. für das Aequivalent von 1 Ctr
Wiesenheu eines ausgezeichneten Grünfutters, während die andern
Futtermittel mindestens das Doppelte kosten.

Die Fruchtbarkeit der Zwergbäume zu befördern.
Wenn auch der Baumschnitt sich seit einigen Jahren so weit
ausgebildet hat, daß man sicher ist, alle Laub- und Holzaugen in
Fruchtspieße verwandeln zu können, so finden sich doch überall ein—
zelne Zwergbäume, welche trotz der genauesten Aufmerksamkeit in
der Behandlung entweder gar nicht oder doch nur so wenig tragen,
daß fie im Vergleich anderer Bäume ihre Stelle so wenig als die
auf sie verwandte Sorgfalt belohnen. Oft liegt es in der Eigen⸗
thümlichkeit gewisser Sorten, welche den Schnitt weniger gut vertra⸗
zen, oder es liegt in dem zu üppigen Boden, der selbst das Pinciren
ohne Erfolg läßt, oder es liegt an dem Grundstamme, der nicht
richtig gewählt worden ist. Mag es sein, was es wolle, das Be⸗
streben des Obstgärtners muß immer dahin gerichtet sein. die böchsi
mögliche Fruchtbarkeit herzustellen.
Das Versetzen solcher Zwergbäume selbst an dieselbe Stelle wie—
der, ist und bleicht das beste Miltel, die Fruchtbarkeit zu befördern.
Bei solchen Ausgrabungen wird man meistens eine Art Herzwurzel
finden, welche tief in den Boden eindringt und allein die Ursache der
Unfruchtbarkeit war. Wird diese zurückgeschnitten und der Stamm
wieder gepflanzt, so ist gewöhnlich das Uebel gehoben, das Erzeugen
vieler Fruchtaugen gesichert. — Der allbekannte Zauberring wirkt
auf ähnliche Weise, steht aber dem Versetzen weit nach. Selbst das
Abhauen oder Spalten einzelner Wurzeln ist von befferem Erfolg.
In zu üppigem Boden ist das Eingraben von Bauschutt, Zie⸗
gelstücken u. dergl. um die Stämme sehr anzurathen; besonders die
Birnen lieben es, in solchen lockeren Schichten zu wurzeln; und so⸗
bald ein sogenannter Wurzelpelz sich bildet, ist die Fruchtbarkeit be⸗
fördert. Es finden sich sogar erfahrene Obstzüchter. welche in feuch⸗
            
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