zenommen hatte, und bezieht wieder denselben Horst (wofern er noch
vorhanden), den er vorher bewohnt hatte.
In Vielweiberei leben nur wenige Vögel, die Auerhühner, die
daushühner, die zahmen Enten und Gänse und einige andere (die
Türken.) Die Ehen werden meistens im Frühjahr nach dem Geburts—
jahr geschlossen, und es findet dabei eine ganz bestimmte Wahl statt,
deren Gründe ebensowenig wie bei den Menschen zu enträthseln sind,
venn nicht die gewöhnlichen Rücksichten des Lebens obwalten. Oft
entscheidet der bloße Zufall, oder wenn mehrere Bewerber sich um
eine Braut drängen, das Recht des Stärkeren. Selbst wenn die Ue
erzahl auf Seiten der Weibchen ist, was aber selten der Fall; da es
dei den Vögeln mehr Männchen als Weibchen agibt, entstehen oft Kämpfe
der Eifersucht.
In diesen Ehen kommen Streitigkeiten nicht vor, das Weibchen
fügt sich dem Willen des Männchens. Die Wahl des Nestes z. B.
rrifft immer das Männchen, und der berühmte Ornithologe Snell!
beobachtete bei Spatzen und Tauben Fälle, wo das Männchen aus
Dummheit und Aengstlichkeit einen ganz unpassenden Platz wählte
ind das Weibchen sofort Material herbeischleppte, obwohl dasselbe gar
aicht anzubringen war. Nur bei den Lerchenfalken kommen manchmal
Streitigkeiten über eine Beute vor, die aber nie zu Thätlichkeiten
ühren. Die Tugend der ehelichen Treue muß man im Allgemeinen
allen in Einweiberei oder Monogamie lebenden Vögeln zuerkennen.
Doch ist ein Unterschied zwischen beiden Geschlechtern zu machen.
Von Seiten des Weibchens habe ich, sagt Snell, so lange und sorg⸗
jältig ich auch die Vögel beobachtet habe, niemals einen Fall von
Untreue erlebt, bei den Männchen hingegen kommen, (2) wenn auch
elten, solche Fälle vor. Wenn man erwägt, daß dem Weibchen von
Natur eine größere Zurückhaltung und Schüchternheit eigen ist, so
wird man diesen Unterschied erklärlich finden. Wohl zu unterscheiden
st die förmliche Auflösung der Ehe. Diese kommt bisweilen vor und
wird auch manchmal von Seiten des weiblichen Theiles vollzogen.
Bei den Tauben finden solche freiwillige Ehescheidungen nur dann
tatt, wenn sie sich von Anfang an nicht nach Neigung und freiwillig,
sondern zufolge eines Zwanges miteinander verbunden hatten. In
olchen Fällen war also von Anfang an eine „Mißehe“ (eine wahre
Mesalliance) vorhanden, und die Trennung derselben findet auch ge⸗
rade deshalb statt, weil der eine der Gatten seinen früheren Ehegaät—
en, von dem er durch die Laune seines Herrn gewaltsam getrennt wor⸗
den. wieder aufsucht.
Bei den wilden Vögeln kommen wohl solche Ehescheidungen viel
seltener vor, weil bei der Schließung ihrer Ehen aller Zwang weg⸗
ällt. In der Brütezeit werden die Weibchen von den Männchen
reulich unterstützt; bei den meisten Vögeln brüten sie sogar mit und
rragen Nahrung zu.
Sobald die Jungen ausgebrütet sind, bekommt das Männchen
ille Hände voll Arbeit, denn bei allen Vögeln, deren Junge gefüttert
verden müssen, nimmt dasselbe an dem Aetzungsgeschäft Antheil, ja
venn die Jungen heranwachsen, liegt dieses, sowie das Erziehungsge⸗
chäft, ihm vorzugsweise ob. Bei den Vögeln aber, deren Junge
»avon laufen und allein fressen, wie z. B. die Rebhühner, hat sie
das Männchen an die geeigneten Futterplätze zu führen und bei Ge—
sahr zu warnen und zu schützen. Bei den Rebhühnern bleibt die
zanze Familie den Winter über beisammen und erst im Frühjahr
rennen sich die Gatten von den Kindern. Wer es beobachtet hat,
wie so zwei Ehegatten stets beisammen sind, stets einander zurufen,
Freude und Leid mit einander theilen, bei hartem Frost auf ihrer
Schlafstätte sich gegenseitig warm zu halten, uͤnd dies Alles zu einer
Zeit, wo die sinnlichen Triebe in der Vogelbrust so tief schlafen, wie
die ganze Natur unter der Decke von Eis und Schnee schläft, der
wird damit übereinstimmen, daß eine solche Ehe keine gewöhnliche,
ondern eine echte, auf Freundschaft beruhende Ehe ist.
Ein neues Düngemittel.
Von D. Gräf, Chemiker in Bernburg.
In Eisengießereien wird von Zeit zu Zeit eine gewisse Quanti—
ät gebrauchten Formsandes ausrangirt. Dieser Sand hat durch Ver—⸗
nischung mit anderen Substanzen und durch die Hitze des flüssigen
Sisens eine Umwandlung erlitten und zwar derart, daß er nun lös⸗
liche kieselsaure Salze zugeführt enthält, die durch die Feuchtigkeit
ausgezogen und den Wurzeln der Pflanze zugeführt werden und so
zur Ernährung derselben mit beitragen. Verf. hat die Erde seiner
Topfgewächse mit einer “/, Zoll hohen Schicht dieses Sandes bedeckt
und sie mit etwas Gartenerde vermischt und schon nach 8 Tagen zeigte
sich eine entschieden günstige Wirkung, die jetzt noch vortrefflich anhält.
Die Herren Gärtner, welche sich veranlaßt sehen sollten, mit diesem
Düngmittel Versuche anzustellen, ersucht Verf,, ihm die von ihnen ge—
vonnenen Erfahrungen behufs der Zusammenstellung und Veröffent⸗
lichung gefälligst mittheilen zu wollen.
Vermischtes.
Conservirung der Hölzer an landwirthschaftlichen
ßebäuden. Die Scheunenthore des Rittergutes Carve sind theil⸗
veise mit dem sog. schwedischen Anstriche angestrichen, der nament—
lich bei allen ungehobelten Hölzern, wie Stiele, Zäune, Balken, Pum⸗
ben ꝛc. sehr zu empfehlen ist. Dieser Anstrich hat den Vorzug, daß
ex unendlich viel billiger ist wie Oelfarbe, die auf rauhem Holze,
hrer Kostspieligkeit halber, überhaupt nicht anzuwenden ist; dann
st derselbe dauerhafter wie Leimfarbe und conservirt die Hölzer auch
piel mehr wie diese. Der Anstrich ist so billig, daß man für 2 bis
3 Thlr. sämmtliche Stiele und Thüren eines etwa 40 Fuß langen
Fachwerkgebäudes zweimal streichen kann und wird folgendermaßen
bereitet: 16 Loth Eisenvitriolöol werden in 8 Quart Wasser aufge⸗
röst, 12 Loth fein gepulverter weißer Harz hinzugeschüttet und die
Masse so lange umgerührt, bis das Harz auf dem Wasser schwimmt
und zähe wird. Alles dies wird über dem Feuer gemacht und zu
der stark kochenden Masse unter fortwährendem Umrühren nach und
nach in kleinen Portionen 2u,, Pfund englisch Roth (oder jede belie—
bige Farbe, die gewünscht wird), 123 Pfund Roggenmehl und i
Quart Thran oder Leinöl hinzugesetzt. Das Roggenmehl muß vor—
her in Wasser angerührt sein, damit es nicht klößig wird. Anstatt
Harz kann auch Colofonium genommen werden; Hauptsache ist es
aber, diesen Anstrich immer warm aufzustreichen.
Das edelste Gut.
Der Grundbesitz ist das edelste Gut,
Wie die Erde in Gottes Händen ruht;
Ob Stürme schnauben, ob Feinde toben,
Der Grund bleibt unten. der Himmel oben.
Rückert.
Bekanntmachung.
Am Freitag den 25. d. Mts..
Vormittags 10 Uhr,
verden auf dem hiesigen Posthofe zwei hier
isponible, in noch brauchbarem Zustande be—
indliche Poste Courswagen, und zwar No 1808
itzig, und No. II. 282 6sitzig, vffentch unt
neistbietend versteigert werden.
Trier, den 3. Mai 1866.
Der Ober-Post-Director,
Meyer.
J
Lieferuug von Drähtmittern.
Mittwoch den 80. Mai,
Vormittags 116/ Uhr,
auf dem Büreau der unterzeichneten Verwal—⸗
tung stattfinden, von welchem die speziellen Be—
dingungen gegen Nachnabme der Copialien zu
heziehen sind.
Grube Heinitz, bei Neunkirchen, Rea—
„Bez. Trier, den 10. Mai 1866.
Königl. Berg-Inspection, VI
Die Lieferung von Draht-Geflechten zum
Schutze von Fensterscheiben in den Werkstätten
ind Betriebs-Gebäuden im Betrage von pptr
200 Quadrartfuß soll im Wege der Submis
ion vergeben werden. Die Eroöffnung der mi
er Aufschrift:
„Submission auf Draht-Gitter“
ꝛingegangenen Offerten soll in Gegenwart der
twa erschienenen Suhmittenten am