Regel ein noch günstigerer wie der beim Wechsel der Saat in allen
Getreidegattungen, und zwar schon deshalb, weil die auf reichem
Boden gewachsenen Saat-Kartoffeln in der Regel kräftigere Unter
ftützung von den Mutter-Kartoffeln genießen und befähigter werden,
Nahrung aus dem Erdboden zu schöpfen, wie von einer im armen
Boden gewachsenen Saat-Kartoffel mit schwachen Keimaugen.
„Umgekehrt aber wird eine recht feste stärkehaltige Saat-Kartoffel,
aus armem Boden, in sehr schweren und bindigen Acker verpflanzt,
sich gesunder erhalten, wie die mit viel Pflanzensaft angefüllte, auf
reichem Boden gewachsene Kartoffel und die vegetirende Pflanze
nachhaltig im Wachsthum unterstützen.
„Es geht aber auch daraus hervor, daß man bei der Wahl
und Sorte der Saat-Kartoffeln Rücksicht darauf zu nehmen hat, von
welchem vorherrschenden Gehalt an Stärkemehl oder Pflanzensaft
dieselben sind und die den Acker- und klimatischen Verhältnissen an—
passend benutzt, um dadurch Krankheitserscheinungen zu verhindern.“
Ganz ähnlich wie Amtsrath Schütz äußert sich Dr. Eduard Rege!
in seiner Schrift „Kartoffelkultur, Kartoffelkrankheit und vergleichende
Versuche über den Werth von 440 verschiedenen Kartoffelsorten für
AV
schienen ist.
„Zwei Ursachen,“ sagt u. A. der Verfasser, scheinen es überhaupt
zu sein, welche eines Theils das Kraut der Kartoffel, andererseits dit
Knolle, vor den Angriffen des Pilzes einigermaßan schützen. Das
Kraut wird geschützt durch naturgemäßes, in keiner Beziehung eine
fkränkliche Disposition zeigendes Wachsthum. — Unnatürliches Wachsthum
in Folge zu großer Nässe, von Ueberdüngung und ungeeigne—
tem Boden, präpariren gleichsam das Kraut für die Angriffe des
Pilzes und den schnellen Verlauf der Krankheit. So sah Verf. im
Jahre 1864 um Petersburg auf dem fetten Boden der Gemüseländer
und dem feuchten Boden der Niederungen, auf den stark mit Men—
schenkoth gedüngten Feldern der Kolonisten u. s. w. schon das Kraut
der Kartoffeln in Folge der Krankheit vollständig abgestorben, wäh
rend auf durchlassendem, stark sandigen Boden bei Pargola noch das
Kraut derselben frisch und gesund war. — Die Knollen leisten gro
zen Widerstand gegen die Krankheit, wenn sie tiefer liegen, also mi
dem Pilze nicht in Berührung kommen, und je fester und derber de
ren Oberhaut, und dieses letztere sind gerade Eigenschaften der ro
then rauhschaaligen späten Kartoffelsorten. — Gewarnt wird ganz
besonders in Jahren, in welchen die Kartoffelkrankheit herrscht, vor
dem Herausnehmen und vor dem Ernten bei nassem Wetter und be
vor die Kartoffeln im Boden ihre Reife und eine festere Oberhaut
erhalten haben, weil die unabwendbare Folge hiervon das schnelle
Erkranken der Kartoffeln nach der Ernte sei.“
„Die Resultate von Versuchen mit Obenauflegen der Sa—
menkartoffel sind im Vorjahre keineswegs gleichmäßig ausge—
jallen. Bei dem vom Prof. Haberlandt angestellten gab allerdings
diejenige Parzelle den höchsten Ertrag, auf welcher die Saatkartoffeln
oberflächlich angelegt — die Kartoffel wurde so, daß sie
sichtbar blieb, „eingetreten“ — und gar nicht behäufelt worden
war; den demnächst höchsten Ertrag gaben die eben so gelegten, aber
behäufelten; an dritter Stelle kommen im Ertrage die, welche 3 bis
4Zoll tief gelegt und nicht behäufelt waren und an letzter Stelle
endlich die eben so tief gelegten und behäufelten.
„Die Bodenbeschaffenheit mag also in diesem Falle dem „Nicht—
behäufeln“ ganz besonders günstig gewesen sei; aber der Versuch
läßt die Frage unbeantwortet, ob nur mit 2 Zoll Erde bedeckte Sa—
menkartoffeln — statt 3ÿ54 Zoll — einen noch höheren Ertrag ge⸗
geben haben würde, als die nur eingedrückten. Da, wie aus dem
in voriger Nummer Mitgetheilten hervorgeht, Herr Prof. Haberland
durch den in Rede stehenden Versuch erst darauf aufmerksam gewor
den, 2 Zoll sei die der Knollenentwickelung wahrscheinlich angemes.
senste Tiefe der Samenlage, konnte jener Versuch natürlich nicht diese
Tiefe schon im Auge haben.
(Fortsetzung folgt.)
Der Nutzen der Feldtauben für die Felder.
Unter diejenigen Thiergattungen, deren fortwährende nützliche
Wirksamkeit über den geringen und schnell vorübergehenden Schaden
welchen sie zuweilen und meist nur unter besonderen Umständen ver—
arsachen, sehr vielfach übersehen wird, gehören die Tauben überhaupt,
mithin auch die zahmen oder halbzahmen insbesondere. Ehedem ging
man darin so weit, daß namentlich in manchen Theilen oder Staa—
ten Deutschlands die Gesetzgebung das Recht, sich Tauben zu halten,
selbst für die ländlichen Grundbesitzer sehr beschränkt und für die
kleineren die Haltung derselben meist überhaupt verbot; oder dieselben
zalten, wo nicht gesetzlich, doch observanzgemäß als „vogelfrei“ in
dem Sinne, daß Jedermann, der entweder Jagdbesitzer, Jagdpächter
oder sonst befugt war, ein Schießgewehr zu führen, sie beliebig er—
legen durfte. Sie waren daher ein Hauptziel fast aller sogenannten
„Sonntagsjäger“ und sonstiger unbeholfener oder noch ungeübter
Schützen. Ja erst vor einigen Jahren geschah es, daß eine zu Leip⸗
zig erscheinende landw. Zeitung einem sonst rühmlich bekannten schwei—
zerischen Naturkundigen den Ausdruck des Wunsches gestattete: „Man
möge die Tauben für vogelfrei erklären!“ Der Verfasser wie der Her—
ausgeber ließ hierbei ganz unbeachtet, daß man früher eine solche Be—
timmung oder Gewohnheit vielfach bestanden hat, man aber auf
Grund reiferer Erfahrung davon zurückgekommen ist. Was z. B.
sehr entschieden gegen die Verkehrtheit der früheren Observanz spricht,
ist der Umstand, daß man in Belgien, — dessen Landwirthe sich an—
erkannt vortrefflich auf ihr Fach verstehen — besondere „Tauben—
thüren“, d. h. große Taubenhäuser auf offenem Felde besitzt, und
daß man dieselben absichtlich da hinaus baut, um den Bewohner—
innen derselben das Gewinnen ihrer Nahrung und mit dieser das
Reinigen der Felder von Unkraut, Sämereien ꝛc. recht bequem zu
machen.
Die dortigen Landwirthe beweisen dadurch eine naturgeschichtlich
richtige Erkenntniß des überwiegenden mittelbaren Nutzens dieser
Thiergattung, abgesehen von dem unmittelbaren, welchen sie durch
das Fleisch ihrer Jungen gewähren, und von dem geringen, zuwei—
len von ihnen verursachten Schaden. Dagegen ist man selbst in
Frankreich, — wo ein minder schneereicher Winter die Taubenzucht
noch mehr erleichtert — bisher ebenso, wie auch bei uns, zu einer
solchen Einsicht noch bei Weitem nicht allgemein gelangt. Dies zeigt
der wiederholte Streit, welcher sich dort in der „Société Impériale
VAclimatiation“ über die Frage erhalten hat: Ob der Nutzen der
Tauben überwiege oder die Schädlichkeit derselben? Und doch ist
nichts leichter, durch eine einfache Berechnung diese zu beantworten:
Der Zeitraum nämlich, wo die Tauben überhaupt schaden kön—
nen, meist aber doch nur unter besonderen Umständen wirklich schaden,
beschränkt sich auf durchschnittlich wenig mehr als 1 Monat im Jahre,
zur Säezeit im Herbste und Frühjahre. Denn obgleich diese beider—
seits zusammen über 1 Monat dauert, so kommt sie den Tauben doch
auf landwirthschaftliche nachtheilige Weise immer nur in sofern zu
Statten, als die soeben gesäeten Getreidearten und namentlich die
Hülsenfrüchte (welche sie dem Getreide, zumal der ihnen zu rauhen,
spitzen Gerste und ganz besonders dem stehenden Hafer, sehr vorziehen)
nicht rasch genug eingeeggt werden. Sobald letzteres aber geschehen
ist, verzehren sie nur die obenauf liegen gebliebenen Körner, die ohne—
hin verderben, mithin ohne sie unbenutzt bleiben würden. Ein Glei—
ches thun sie mit denjenigen, welche bei der Ernte ausgefallen sind.
Sie verwerthen also gerade das, was andernfalls unbenutzt verloren
wäre, indem sie es durch ihre Jungen buchstäblich „in Fleisch ver—
wandeln.“ Denn da sie, im Gegensatze zu den Hühnerarten, weder
ꝛtwas mit den Füßen aus der Erde scharren, noch mit ihrem weichen
Schnabel heraushacken, so ist dasjenige, was sich entweder schon im
Boden oder noch in den Aehren, Schoten oder Hülsen befindet, sicher
vor ihnen. Höchstens vermögen sie zuweilen an Raps und Hülsen—
früchten einigen Schaden zu thun, wenn nach dem Abmähen derselben
in Folge ungewöhnlicher Hitze oder langer Nässe die Körner leicht
aus den sich dann von selbst öffnenden Schalen springen. Indeß
bleibt dieser Nachtheil ein höchst unbedeutender.
Um so beachtenswerther muß aber die Thatsache erscheinen, die
bei einigem Nachdenken ebenso von selbst ergibt, wie das Oeffnen der
Kröpfe geschlachteter Tauben sie unzweifelhaft darthut, daß die Tau⸗
ben das ganze übrige Jahr hindurch von Unkrautsämereien leben. Und
zwar dienen ihnen grade die Samen der allerlästigsten Unkräuter des
Feldes zur Nahrung: nämlich theils diejenigen, welche auf der Scheuer⸗
enne oder dem Schüttboden am schwersten oder gar nicht durch Sie—
»en, Fegemaschinen ꝛc. aus dem Getreide zu entfernen sind; auf dem
Felde selbst aber den Wuchs des letzteren am meisten benachtheiligen,