Der Weg und die JIngkraft.
ESchluß ).
Wird ein Fuhrwerk auf einem harten und wagerechten Wege
fortgezogen oder fortgeschoben, so würde die Bewegung, welche es
durch den ersten Anstoß erhielt, unvermindert für jede noch so lange
Zeit fortdauern, wenn sowohl der Weg, als der Umfang der Räder
vollkommen glatt wären. Das folgt aus einer der ersten und ein—
fachsten Eigenschaften der Materie, aus dem Behaarungsvermögen
(Trägheit), der Eigenschaft, vermöge welcher jeder Körper stetig in
in Ruhe zu bleiben geneigt ist, so lange er nicht durch die Wirkung
irgend einer eisernen Kraft in Bewegung geseht wird. Es ist aber
unmöglich, den Weg und Räder vollkommen glatt zu machen, beide
mögen, aus welchem Stoff man will, mit der höchsten Sorgfalt con—
struirt werden, so werden ihre Oberflächen noch immer Unebenheiten
besitzen, und diese werden die Bewegung des Fuhrwerks, im Verhält—
niß ihrer Zahl und Größe, und im Verhältniß des Gewichts verhin
dern, welches das Fuhrwerk gegen dieselben drückt. Je mehr diese
Unebenheiten weggeschafft werden, um so geringer wird folglich die
Zugkraft sein, welche erforderlich ist, um die Bewegung eines mit
eineme gegebenen Gewicht belasteten Fuhrwerks zu erhalten. Versuche
im Großen, welche Coulomb, Ximenes und anderen Naturforschern
angestellt worden, haben zur Genüge gezeigt, daß bei gleicher
Beschaffenheit der Wege und der Räder der Widerstand, welchen die
Bewegung wegen der Rauhigkeit der ersteren findet, sich stets wie das
Gewicht des Fuhrwerks verhält. Noch einmal so viel Gewicht er—
jeugt noch einmal so viel Widerstand, dreifaches Gewicht einen drei⸗
fachen und so fort. Aus denselben Versuchen geht noch ein anderes
Ergebniß hervor, welches bei allen Untersuchungen über das, was
auf Wegen geleistet werden kann, wesentlich zu berücksichtigen ist,
nämlich daß der Widerstand, der bei Bewegung eines Fuhrwerks zu
überwinden ist, niemals von der Geschwindigkeit abhängt, daß mithin
bei jeder Geschindigkeit des Fuhrwerks der Widerstand derselbe bleibt.
In der That hat sich zwar eine kleine Abweichung ergeben, und zwar
eine solche, die eher auf Verminderung des Widerstandes bei Vergröße—
rung der Geschwindigkeit hindeutet, aber für die Ausübung kann der
Widerstand als unveränderlich und von der Geschwindigkeit durchaus
unabhängig angesehen werden.
Hierin liegt immer einer der bedeutendsten Unterschiede zwischen
der Brauchbarkeit der Landwege und der Canäle. Bei den letzteren
macht jede Vergrößerung der Geschwindigkeit eine ungeheure Ver—
größerung der Zugkraft nothwendig, während bei den ersteren deshalb
niemals eine Verstärkerung der Zugkraft nöthig wird. Soll ein
Fuhrwerk auf einem Landwege einmal in 5 Stunden, das anderemal
in 1 Stunde 10 Meilen zurücklegen, so ist in beiden Fällen genau
gleichviel Zugkraft erforderlich; aber wenn ein Boot auf einem Canal
in einer Stunde 10 Meilen fortgezogen werden soll, so gehört dazu
mehr als 26mal so viel Zugkraft, als wenn dasselbe Boot 10 Mei—
len in 5 Stunden zurücklegen soll. Diese Bemerkung gilt eben so
gut bei der Vergleichung von gewöhnlichen Steinstraßen, als bei
der von Eisenbahnen mit Canälen, und führt zu dem Schluß, daß
es eine Geschwindigkeit gebe, bei welcher ein Canal eben soviel leisiet,
als ein fester wagerechter Fahrweg, und daß unter dieser Grenze der
Canal den Vorzug verdient, während, wenn die Geschwindigkeit dar—
über hinausgeht, der Landweg vortheilhafter ist. Da der Widerstand,
den das Boot im Wasser findet, unmittelbar von seiner Geschwindig—
keit abhängt, so läßt sich übersehen, daß durch Verminderung der
letzteren der Widerstand so klein als man nur will gemacht werden
könne, dagegen ist der Widerstand, den ein Fuhrwerk auf einer Eisen—
bahn findet, unabhängig von der Geschwindigkeit, die Verminderung
der letzteren kann den Widerstand nicht verringern. Es ist daher
unmöglich, ein Boot auf einem Canal gerade mit einer solchen Ge—
schwindigkeit zu bewegen, daß der Widerstand, den dasselbe findet,
genau dem gleich ist, den ein Fuhrwerk, welches eben so stark belastet
ist als das Boot zu überwinden hat. Da nun der Widerstand im
Canal bei einer unter der gedachten Grenze bleibenden Geschwindig
keit kleiner ist, während derselbe auf dem Wege unverändert bleibt,
so ist bei geringeren Geschwindigkeiten, unter übrigens gleichen Um—
ständen, auf dem Canal eine geringere Zugkraft erforderlich. Wird
dagegen die Geschwindigkeit über die gedachte Grenze hinaus ver—
mehrt, so nimmt der Widerstand auf dem Canal in einem größeren
Verhältniß zu, als das Quadrat der Geschwindigkeit, während der
Widerstand auf dem Landwege durchaus nicht zunimmt. Ueber die
zedachte Grenze hinaus wird daher der Landweg bedeutende Vorzüge
por dem Canal haben. Außerdem aber nimmt der Widerstand, den
ꝛin Fuhrwerk auf einem Landwege findet, in geradem Verhältniß der
Belastunng zu, während der Widerstand, den ein Boot auf dem Ca—
nal findet, verhältnißmäßig durch die Vergrößerung der Ladung nur
unbedeutend zunimmt. Hieraus folgt leicht, daß sehr große Lasten,
die mit sehr geringen Geschwindigkeiten fortgeschafft werden sollen,
auf Canälen weniger Zugkraft erfordern, als auf gewöhnlichen Land⸗
traßen. Ist dagegen eine größere Geschwindigkeit nöthig, aber das
Zewicht der Ladung geringer, so sind die gewöhnlichen Landwege
porzuziehen, und zwar insbesondere in Bezug auf die Vergrößerung
der Geschwindigkeit. Die größte Geschwindigkeit, bei welcher man
ich der Canäle mit Vortheil bedienen kann, ist 2 bis 21/, engl
Meilen in der Stunde. Mach d. Deutschen Illustr; Gewerbeztg.)
Ueber die Aufzucht der Kälber.
Nach Professor Tanner.
Ich möchte die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf eine Abhandlung
»es Professor Tanner über die Aufzucht der Kälber lenken, welche
ürzlich in dem Journal of the Bath and West of England erschie—
ien ist. Die Aufzucht der Kälber hat stets einen der wichtigsten
Theile der ländlichen Viehzucht gebildet und bildet solchen heute noch
nehr als jemals, so daß ich eine Pflicht zu üben glaube, wenn ich
Ihnen von dieser Abhandlung spreche. Ueber die erste Auffütterung
den Kalbes will ich Einiges geben, damit Ihre Leser ein Urtheil ge—
vinnen können. Professor Tanner weiset zunächst darauf hin, wie
die Natur in der Milch eine „vollkommene Nahrung“ für das Kalb
zeschaffen hat; aus der Analyse derselben zeigt er, wie ihre verschie—
denen Bestandtheile bestimmt sind, die verschiedenen Dienste zu leisten
zür die Unterhaltung der Lebensfähigkeit, für den Aufbau des Kör—
hers und für die Bildung der animalischen Gewebe des jungen Thie—
res. In der Butter und dem Milchzucker finden wir in bedeutendem
Brade Massen vereint, die geeignet find, jenen Vorrath von Wärme
zu liefern und jene ungehinderte Respiration zu beschaffen, die für
zie gesunde Entwicklung des jungen Kalbes so wesentlich sind. In
em Kasein haben wir eine stickstoffhaltige Substanz, welche für die
Bildung von Fleisch und Geweben dienlich ist, während wir in dem
zhosphorsauren Kalk und der phosphorsauren Magnesia solche Sub—
tanzen haben, welche den Körper aufbauen und die Knochen kräfti⸗
zjen. In dem Eisen finden wir eine Substanz, die nachher in dem
Blut vorhanden ist, wie dieses auch der Fall ist mit den Alkalien
ind den Salzen. Damit ist denen ein Fingerzeig gegeben, welche
an künstliches Futter dem natürlichen Futter der Mutter vorziehen:
die Bestandtheile des ersteren müssen denen ganz genau gleichen,
velche die Analyse in der Milch nachweiset. Man wird aber dennoch
nit dem Reichen eines derartigen Futters fehl gehen, weil man sich
prt, wenn man annimmt, daß das künstliche Futter ein eben so
verthvolles gesundes Futter ist, wie die Milch der Mutter. Denn
zie beste Nachahmung eines Naturprodukts muß nothwendiger Weise
gon geringerem Werth sein, als das Original. Professor Tanner
vendet sich dann zu den beiden Weisen, dem Kalbe seine Milchnah—
ung zu geben, indem man es entweder saugen läßt, oder demselben
zie Milch aus der Hand gibt. Der Professor ist ein entschiedener
Fürsprecher der ersten von diesen beiden Methoden. Wenn auch die
Htilch dieselbe ist, so ist die Weise, in der sie gegeben wird, von
Wichtigkeit, und der Prozeß des Saugens ist der bessere, weil er der
zatürlichste ist.. Der Magen des Kalbes besteht wie bei dem reifen
Thiere aus vier Theilen; in den ersten Stadien des Lebens kommen
edoch dieselben nicht in Gebrauch oder in Thätigkeit. Läßt man das
stalb die Milch nach Gefallen saufen, so tritt dieselbe viel rascher in
den Magen, als der Verdauungsprozeß vor sich geht, und das Re—
ultat ist die gänzliche Störung des Verdauungsprozesses. Bei dem
Prozeß des Saugens ist das Eintreten der Milch in den Magen ein
allmäliges. Ueberdies können wir, wenn wir es auch nicht wissen,
heinahe mit Sicherheit muthmaßen, daß die angenehme Erregung,
die in dem Thier durch den Prozeß des Saugens entsteht, eine äußerst
vohlthätige Wirkung auf seine Gesundheit hat. Die Natur thut