Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

jefallen lassen, ausgelacht zu werden, eine solche ekelhafte Arbeit zu
zerrichten.
Aber da soll einer gesehen haben, wie dieser Mann die Hände
usammenschlug und sich wunderte; und nun ging's an's Erzählen,
vie theuer sie diesen Latrinendünger bezahlen müßten und wie sie
zenselben 4—5 Stunden weit bis Saarbrücken holen fahren, wie daß
r 4 Puddelfässer habe, und wenn's an's Puddeln geht, wie sie mit
Wägen fahren; sie treiben ihre Kappespflanzen in 6 Wochen reif
is zum Setzen. Wie geht denn das zu fragte ich.
Erst, sagte er, wird das Land vor Winter gut gedüngt, dann
jefahren oder gegraben, dann gepuddelt und hernach zur Saat wie—
er gefahren, und, wenn feuchte Witterung eintritt, werden die Pflan—
en nochmal gepuddelt; und gehen sie dann noch nicht, so wird mit
zuano nachgeholfen; es ist aber auch keine Seltenheit, wenn hier
in Mann für 1000-1200 Thlr. Kappes- und Rummeln-Pflanzen
erkauft; das ist die 2 letzten Jahre mehrfach vorgekommen.
Nun hieß er uns mit ihm kommen; er führle uns hinter das
daus und zeigte uns da, wie er alles Regenwasser von den Dächern
ind was die Rinnen abführen, zusammengeleifet in einen unterirdichen
 Behälter, worauf die chinesische Fabrik stand, und nachdem die—
es mit den Abfällen aus der Fabrik gehörig gegoren hat, so würden
ie Puddelfässer gefüllt und dann fortgefahren.
Ich bemerkte ihm dabei, ob er nicht eine Pumpe dazu benutzen
volle? Ja, sagte er, das wäre wohl besser, aber man kriege den Bo
zensatz mit dem Eimer besser mit und das sei das kräftigste.“
dommt, sagte er wieder, und führte uns in ben links dem Hause,
ieugebauten Stall, wo er dann für's nächste Jahr sich eine neue
NRistekaul anlegen will. Diese sagte er, kostet mich über 100 Thlr.
Vir machten große Augen wunderten uns. Er zeigte uns nun sein
aneben gelegenen Schweineställe mit Backsteinen gepflastert und auf
inem Gewölbe stehend; ebenso will er nun seine Düngstätte über ei—
iem Gewölbe anbringen und überdachen.
Auf dem Hofe blieb ich noch bei den vielen Faulhaufen stehen,
ne alle mit der gekauften Jauche fett und zu Dünger verwandelt wer⸗—
en. Da lachte er, indem er sagte, daß er noch einen Faulhaufen
zon wenigstens 80 2spännigen Fudern hätte. Mir war's leid, daß
ie Uhr schon 2 geschlagen hatte und ich mit dem 3-Uhr-Zuge meine
tückreise antreten mußte, ich hätte sonst gern noch einen Schoppen
seholt, um mit diesem Manne weiter zu plaudern; zahlte meine Rech—
iung, sagte Adje, musterte nochmals im Vorbeigehen die vielen Grund—
uppen und Mistplätze durch, und was mir am meisten dabei auffiel,
var daß ich nirgends Laub oder sonstige Waldstreu zu sehen bekam:
jenn überall sah ich nur Stroh, selbst auf den kleinen Mistkuppen
Wie es mir schien, wird der Mist dort den ganzen Winter über aus—
zefahren, große Haufen habe ich nirgends gesehen. Haben die Lis—
vorfer vielleicht keinen Wald? oder sind sie zu weit davon entfernt?
ch weiß es nicht, vielleicht achtet man auch da die Waldstreu nicht so
ehr wie auf andern Dörfern. F
Ich hatte reichlichen Stoff zum Nachdenken unterwegs, besonders
iber die Worte der Frau Wirthin, wie daß sie aus Dreck Geld zu
nachen wüßte; denn ich sah wohl ein, daß sie Recht hatte und dachte
amals bei mir selber, wir haben des Zeugs ja auch allenthalben
zenug und sind doch dabei noch so thöricht, Euch Lisdorfern,
»as Frühjahr so viel Geld für euren Dreck in's Haus zu tra—
zen. Wartet nur, wir sollen aber auch dahinter kommen, wie das
ich macht; haben wir etwa nicht ebenso warmen und noch bessern
Boden, wie Ihr?
Einen ganz andern Eindruck machte ein anderes Dorf auf mich,
vo mein Weg mich noch selben Tages durchführte; schon beim Ein—
ritt in dieses Dorf bemerkte ich, wie auf beiden Seite der Straße,
)urch die gepflasterten Rinnen, schwarzbraune Wässerchen liefen, ob—
leich es am selben Tagen nicht geregnet hatte. Das erinnerte mich
iuch gleich an der Hilbringer Wäschen ihren übergelaufenen Caffee,
ind dachte ich: denen hier hat's auch nicht besser gegangen; denn die
varen auch nicht gleich bei der Hand, wie der Kessel zu kochen an—
ing; auch spielte hier, wie es die Mistplätze bewiesen, das Laub als
Ztreumaterial die Hauptrolle und der mächtige Westwind trieb seinen
vahren Spuck damit, indem er es hoch über die Dächer hinauf wir⸗
helte, da fliegt ja der Dünger!

) Man hat jetzt die Kettenvumpen, die alles durcheinander rühren und auch da—
itkite mit heraufnehmen

Als ich nach Hause kam, erzählte ich meiner Wäschen alles, wa
ich auf der Reise gesehen, und wie die Frau Wirthin gesagt habe,
daß sie aus Dreck Geld machten. Wenn das so ist, sagte diese: dann
können wir's ja auch probiren; wir haben ja auch einen Abtritt und
können auch den Mistepuddel auffangen, dann brauchten wir ja mit
den Rummeln- und Kappes-Pflanzen nicht mehr auf die Lisdorfer zu
warten und sparen dabei das Geld dafür.
Was sagt Ihr andern Ihmcher und Wässcher? Wollt Ihr nicht
mit probiren und sehen, wie wir's am besten fertig bringen? Denn
wer mit voran will, der darf nicht warten, bis ein anderer ihm seine
Beine lehnt. A. V.

Vom Einschichten des Samens.
Eine äußerst nützliche, kleine Arbeit, die man aber aus Sorglo⸗
igkeit nur zu häufig unterläßt, besteht darin, daß man gewisse Sa—
nen, mit Erde oder Sand gemischt, bis zur Zeit der Aussaat aufbe⸗
vahrt, um das Austrocknen und Verhärten der Samenhüllen zu ver
züten und das Durchbrechen des Keimes zu befördern.
Das Einschichten ist besonders nothwendig bei den Samen des
Weißdorns, der Araucaira, der Kornelkirsche, der Eiche, des Wachhol⸗
der, der Buche, des Taxus, der Edelkastanien, der Pinus-Arten, der
Rosen ꝛc., im Allgemeinen bei allen Steinfrüchten und Samen aus
Beeren, Zapfen ꝛc. Diese erfordern mehr Aufmerksamkeit, als alle
übrigen, wobei es besonders von Wichtigkeit ist, daß die Früchte,
in welchen sie eingeschlossen find, erst in der Vollreife eingesammelt
werden.
Zunächst sorgt man dafür, daß die Kasten oder Töpfe, in welche
man den Samen einschichten will, mit dem gehörigen Wasserabzuge
versehen sind, dann bringt man unten hin eine Schicht feinen Sandes
oder leichter Erde in trockenem Zustande, dann eine dünne Schicht
Samen und abwechselnd so fort, bis das Gefäß durch eine stärkere
Erd- oder Sandschicht geschlossen ist. Obenauf legt man eine Glas—
scheibe oder eine Schieferplatte, oder auch ein dicht aufliegendes Brett,
damit nicht Mäuse oder anderes Ungeziefer eindringen. Nun stellt
man das Gefäß in einen Keller oder noch besser, man gräbt es so tief
in die Erde ein, daß der Frost nicht eindringen kann.
Gegen Ende Februar untersucht man den Samen. Nimmt man
an ihm noch keine Spur des beginnenden Keimprozesses wahr, so
begießt man ihn ein wenig, um das Durchbrechen des Keimes zu be—
fördern, stellt das Gefäß an seinen frühern Platz zurück und sieht
iach einigen Tagen nochmals nach, da sie dann, sind sie sonst keim—
ähig gewesen, aufgelaufen sein werden. Mitunter wird man sogar
schon den Keim durch die gesprengte Hülle gedrungen finden. Es ift
dann die Zeit der Aussaat gekommen.
Schon vorher hat man für eine leichte und milde Erde gesorgt.
Auf diese werden die Samen gesäet, wobei man sich zu hüten hat,
die etwa schon zum Vorschein gekommenen Keime abzubrechen. Man
zedeckt sie mit einer der Größe der Samenkörner entsprechenden
Schicht feiner Erde, (die kleinsten Samen bedürfen kaum einer Be—
deckung), drückt die Erde etwas fest, deckt etwas Stroh darüber und
begießt sie alsdann mittelst einer seinen Brause. Dieses Begießen
muß bei trockener Witterung öfters wiederholt werden, denn wenn
die einmal im Keimen begriffenen Samen zu trocken gehalten wer—
den, so geht der Keim zurück und alle Mühe ist vergeblich gewesen.
Auch auf das Unkraut hat man sorgfältig zu achten und es zu
entfernen, so wie es sich zeigt. Sind die Pflänzchen schon ziemlich
stark geworden, so versetzt man sie entweder in Töpfe oder in das
freie Land, je nach ihrer Natur und Bestimmung.
Ich habe schon die hauptsächlichsten Samen genannt, die man
ꝛinzuschichten nöthig hat. Die übrigen können entweder in ihren na—
ürlichen Hüllen oder in Säcken aufbewahrt werden. Dieses muß
indeß an einem trockenen und luftigen, mehr dunkeln, als vom Lichte
beschienenen Orte geschehen. Bevor man sie aussäet, thut man wohil
sie wenigstens eine Nacht im Wasser einzuweichen.
Die Samen der Wasserpflanzen werden zweckmäßiger Weise in
Wasser conservirt, zwischen feinem Sande, den man mit Kohlenpulver
gemischt hat. Nimmt man die im Wasser aufgeweichten Samen her—
aus, so müssen sie auch sofort ausgesäet werden. Diejenigen, welche
vhen schwimmen. kann man meawerfen, da sie gemölmnlich taub ünde
            
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