die Regeln, welche für die Paarung, Erziehung, Pflege und Wartung
zu befolgen sind.
Diese Regeln sind nun entweder, allgemeine, d. h. solche die
aus den allgemeinen Gesetzen des thierischen Lebens abgeleitet werden,
oder specielle, welche bei der Anwendung der allgemeinen Lehre, bei
den verschiedenen Thierarten bedingt werden.
Wenn wir nun auch Alle wissen, wie ein Stück Rindvieh, Pferd,
Schwein oder Ziege im Allgemeinen gezogen und benutzt wird, so
mag doch Mancher hierin eine andere Art und Weise befolgen, als
Andere. Die Bestimmung unserer Gesellschaft ist aber: Gegenseitige
Belehrung und Austausch unserer Ansichten und Erfahrungen.
Ich erlaube mit daher heute meine Ansicht über die „Rindvieh—
zucht“ auszusprechen und den Vorstand der Gesellschaft zu ersuchen,
in den kommenden Versammlungen auch die Pferde und Schweine—
zucht zur Sprache bringen zu wollen.
M. H. Bei der Paarung des Rindviehs wollen wir ganz ab—⸗
ehen von den verschiedenen Racen und Kreuzungen, wir wollen bei
der hiesigen Race, bei unserm Landvieh, stehen bleiben und zuerst
hetrachten, wann und unter welchen Umständen das Rindvieh zu
haaren sei und welche Eigenschaften eine zur Nachzucht gute Kuh
und Farren haben muß. Eine zur Nachzucht geeignete Kuh soll vor
illen Dingen von einem sanften, gutmühigen Charakter sein; sie soll
iich gut füttern und eine reichliche Menge guter fetter Milch bis
echs Wochen vor dem Kalben geben. Sie hat gewöhnlich eine ge—
ichmeidige, fette Haut, die lose auf den Rippen sitzt; ein leichtes
eines Knochengebäude, dabei feinen Kopf und Hörner und nicht zu
tarke Wamme und Schwanz; dann soll sie starke und wellige Milch—
adern mit weiten Milchpforten haben. Der zur Nachzucht taugliche
Farren soll sich durch Gestalt, Gutmüthigkeit und Temperament aus—
seichnen; er soll eine breite vorragende Brust, gestreckten Leib und
urze säulenförmige Beine haben. Vor Allem ist aber darauf Rückicht
zu nehmen, daß er von einer ausgezeichnet milchreichen Kuh
zefallen sei. Da der Farren in einem Jahre, bei hinreichend kräf-⸗
iiger Nahrung 70-80 Kühe springen kann, so ist namentlich auf
eine Tüchtigkeit, Schönheit und Pflege die größte Sorgfalt zu ver—
venden.
Leider sehen wir heute noch, daß der ganze Viehstand einzelner
Zemeinden von Jahr zu Jahr zurückgeht, während der anderer Ge—
meinden, welche in denselben Futterverhältnissen stehen, von Jahr zu
Jahr mehr aufblüht; es ist aber nur die Folge der schlechteren, oder
zesseren Haltung der Gemeinden-Farren. Diesem Uebelstande ist aber
ehr leicht abzuhelfen, wenn nur der Gemeinde-Rath guten Willen
seigt und sich anerkannte, gute Gemeinde-Stierhaltungen als Muster
iehmen wollte. — Der Farren sowohl, als die junge Kuh (Kalbe)
st in einem Alter von 13,.—-2 Jahren zur Fortpflanzung tauglich.
Sie früher zuzulassen, ist ihrer vollkommenen Ausbildung wegen nich
vortheilhaft; ebensowenig ist es nöthig länger damit zu warten, wenn
)as Jungvieh gut genährt wurde. Man hat zwar häufig die Be—
auptung aufgestellt, daß, um große Viehracen zu erzeugen, die jungen
Thiere vor dem dritten Jahre zur Paarung zuzulassen seien, aber
iberall, wo man das größte Rindvieh findet, in Holland in den Marsch—
zegenden und in der Schweiz, wird der Farren sowohl als die Kal—
en mit 11.-2 Jahre zur Zucht benutzt.
Die Brunst des Rindviehs tritt zu jeder Jahreszeit ein und
iichtet sich dieser Eintritt nach dem Kalben. Man läßt aber den
exrsten Begattungstrieb, der bei gut genährten Kühen schon am 20.
Tage nach dem Kalben eintritt, gewöhnlich vorübergehen, theils um
»ie Kuh nicht zu sehr anzugreifen, theils weil man ihre Kalbezeit
ungern vorrücken will und weil es einen nachtheiligen Einfluß auf
die Milcherzeugung hat.
Die Kuh geht 40 -42 Wochen trächtig und kann man im Durch⸗
schnitt 288 Tage annehmen. — Sechs Wochen vor dem Kalben muß
nan suchen die Kuh trocken zu stellen, welches man durch geringes
Futter und durch täglich nur einmaliges Melken bewerkstelligt.
Das nahende Kalben erkennt man an folgenden Zeichen:: Ver—
zrößerung des Euters; Anschwellen der Geburtstheile; Ausfluß eines
Schleimes aus den letzteren; Unruhe; abwechselndes Aufstellen und
Niederlegen; häufiges Umsehen nach dem Hinterleib, endlich durch
ine Versetzung der Beckenknochen, wodurch auf jeder Seite des
Schwanzes eine stark bemerkliche Vertiefung entsteht ꝛc. Treten diese
Zeichen ein dann gebe man der Kuheine qaute starke Strou
Bei der regelmäßigen Lage des Kalbes erscheint zuerst die Blasp—
ind dann der Kopf des Kalbes auf den Vorderfüßen liegend. Ber
solch einer Lage des Kalbes darf keine Gewalt zur weiteren Geburt
angewendet werden; wohl kann man durch gelindes Ziehen an den
Füßen des Kalbes die Kuh unterstützen; es darf dieses aber immer
nur während den Wehen und in der Richtung gegen die Hacken hin
geschehen. — Manchmal hat das Kalb aber auch eine schlechte Lage
so daß es ohne Hülfe nicht geboren werden kann und ist dann die
Hülfe eines Thierarztes erforderlich. Die meisten Unglücksfälle bei
den Geburten entstehen durch unzeitige Hülfe und durch Anwendung
roher Gewalt. — Die Nachgeburt folgt bei einer naturgemäßen Ge
burt gewöhnlich in einer Stunde. Sollte sich die Kuh dann aber
nicht reinigen, dann gibt man ihr schleimige Tränke und Abkochungen
pon Kamillen, vermeidet aber durchaus jede gewaltsame Entfernung
(Schluß folgt.)
Aus dem Kohlenbrucher Thal.
Ein Besuch in Lisdorf.
Wenn Jemand eine Reise thut,
So kann er was erzählen;
Drum nahm ich meinen Stock und Hut,
Und thät das Reisen wählen.
Als ich neulich Geschäfte halber nach Lisdorf kam, war ich nich—
venig erstaunt, über die vielen großen und kleinen Composthaufen,
zie daselbst vor jedem Hause den landwirthschaftlichen Verstand des
Bewohners kund gaben. Auch betrachtete ich mir die vielen Puddel⸗
fässer, die theils auf den Wägen, theils um die Dungstätten daher
lagen. Dagegen war bei keiner Mistkaul mehr Jauche zu sehen
Ich dachte bei mir selber: da sieht's doch ganz anders aus als
daheim.
Wie ich endlich so ziemlich die lange Straße des Dorfes auf
beiden Seiten durchmustert hatte, da pisperte mir der Magen in's
Ohr: ich soll doch das Mittagsessen nicht versäumen über der Bewun—
derung. Den mußt du gewähren lassen, dacht ich bei mir selber und
ehrte in dem Wirthshause ein, wo ich auch meine Geschäfte abma—
hen sollte. Nachdem nun der Kamerad sein Vergnügen gehabt und
die Frau Wirthin mir nun, auch für mich selber, den geforderten
Schoppen vorgestellt hatte, setzte sich dieselbe zu uns und fing an, sich
zar freundlich mit uns zu unterhalten: sie fragte nach den Preisen
am heutigen Markt und wie theuer meine Collegen ihre Kartoffeln
verkauft hätten?
Als diese den Preis von 25 Sgr. für den doppelten Zentner
angaben, bedauerte sie uns und meinte, das wäre zu wenig gelöst.
zu diesem Preis verkaufe sie lieber nicht, sondern verfüttere sie lieber
mit dem Vieh; für den Preis kosteten sie zu viel. Letzten Herbst habe
sie 10 Sgr. Tagelohn und die Kosten dabei zahlen müssen. Darauf
erwiederte ich ihr, damit hätte sie ganz Recht, weil sie dieselben, als
Futter, mit 2 Sgr. weiter für das Pfd. Butter, bezahlt bekommt
wie wir. Und wie gut läßt sich in der Nähe der Stadt die frische
Milch verkaufen und wie weit läßt sich dieser Verkauf ausdehnen!
Ja, sagte sie, da hätte ich wohl Recht; denn des Nachmittag⸗
väre im ganzen Dorfe kein Schoppen Milch mehr zu bekommen. Pab
agte sie, hier wird aus Dreck Geld gemacht!
Inzwischen trat ein dickgesetzter Mann herein; ich sah ihm gleich
an, daß es der Hausherr selber sei, weil er sich sogleich mit in unser
Gespräch einließ.
Dieser erzählte uns dann, wie er am gestrigen Tage seine mehr⸗
sten Ländereien der hohen Arbeitslöhne wegen, verpachtet hätte und
wie er ein Stück Land von 70 Q.-Ruthen für 38 Thlr. verlassen
hätte, worauf ich ihm bemerkte, das wäre für Kappespflänzlinge, was
er bejahte. Darauf bemerkte ich ihm, daß wir hierin noch viel zu
weit hinter ihnen zurückstunden, weil wir den Dünger lange nicht
so zu schätzen wissen, wie sie; eine so hohe Pacht können aber auch
iur die ihnen so nahegelegenen städtischen Latrinen möglich machen
Darin gab er mir wieder Recht. Ja, sagte ich ihm dann, es fehlt
bei uns in vielen Stücken noch sehr viel, unser Mistepuddel nimmt
mehrentheils seinen Weg thalabwärts dem nächsten Bach zu; ein Häus
hen über einem Versenk kennt man bei uns kaum dem Namen nach
und wer sich einmal dran geben will. Muddoel fortzuführen müsse