Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Im Folgenden wollen wir die Erfahrungen mittheilen, welche
nan in neuerer Zeit auf dem Felde der Maikäfer-Vertilgung ge—
nacht hat.
In Hohenheim, wie das „würtemb. Wochenbl. für Land- und
zorstwirthschaft“ berichtet, hat man folgende Tödtungsversuche mit
Naikäfern gemacht. In einer Auflösung von grüner Seife, wozu
wei Lösungen von verschiedener Concentration angewendet wurden,
tarben die Thiere erst nach 5 Minuten; dabei ist das Mittel kost—
pielig.
Maikäfer in Petroleum geworfen, starben nach 15,, Min., nur
nit dem Kopf eingetauchte nach 2 Min.; durch Petroleumdampf, in
geschlossenem Gefäß entwickelt, erfolgte schneller Tod. Diese Ver
ahrungsarten sind jedoch theils kostspielig, theils umständlich und
jefährlich. Terpentinöl wirkte schon nach . Min. tödtlich, seine
Anwendung ist aber zu theuer; eben so die des Salmiakgeistes, wel—
her nach 135,, Min. tödtete und dabei den brqunen Saft extrahirte,
der vielleicht nützlich zu verwenden wäre. —
Kalkauflösung wurde in zehnerlei Concentrationen angewendet,
ie Thiere lebten noch Stunden darnach; auch Kalkbrei tödte nicht
asch genug. Wasserdampf, der das Thier unsuittelbar trifft, tödtete
zach 1 Min.; die nicht direkt getroffenen Thiere dagegen wurden
ehr lebhaft und flogen davon. Die Kostspieligkeit der Einrichtung
vürde überdies die Anwendung dieses Mittels nur gestatten, wo
dampfapparate schon vorhanden sind. Mit eiglischer Schwefelsäure,
„2, 3 Theile in 100 Theilen Wassex, 88 man den Zweck erst
iach 426 Stunden und da noch nicht vollstäudig; dabei ist die An—
vendung theuer. Ein nur langsames Sterban ersolgte auch durch
chweflig⸗ saures Gas, d. h. durch Verbrennen von Schwefel im ver.
chlossenen Gefäße. Schneller starben sie in Schwefelwasserstoff, theils
venn derselbe gasförmig der Luft in den Gefäßen beigemischt wird,
heils auch, wenn die Thiere zuerst mit Wasser übergossen worden
ind man sodann in dieses-Wasser Schwefelstoffgas hineinleitet; er
st zugleich billig herstellbar; der Gehalt an diesem Gas, nicht das
Ammoniak ist es, welcher auch die Jauche zur Abtödtung geschickt
nacht und man kann ihre Wirkung durch Hineinleiten von weiterem
sgas noch verstärken. Das Zerschmettern der Käfer in Säcken durch
Aufschlagen auf den Boden, an Bäumen, Mauern ꝛc. tödtet nicht
zleichmäßig, ist mühsam und ekelhaft und man muß nachher noch
surch Stampfen und Walzen nachheifen. —
Durch Chlorkalk erfolgte erst nach 13 Minuten einige Betäubung;
iach 4 Stunden waren die Thiere noch nicht ganz todt. Guano
chien sie durchaus nicht zu belästigen und auch Steinkohlentheer ver—
nochte nur bei wenigen Thieren nach 4558 Stunden den Tod her
»eizuführen. Alle diese Mittel erwiesen sich als mehr oder weniger
inpraktisch. Ein Verfahren jedoch entsprach den Erwartungen voll—
ommen, die Tödtung durch siedendes Wasser. Man erhitzt in einem
Waschkessel Wasser und taucht einen dem Umfang nach in denselben
dassenden Weidenkorb mit Maikäfern gefüllt und zugedeckt ganz in das
iedende Wasser ein. Der Tod erfolgt sicher und augenblicklich. Das
Feuer muß jedoch so unterhalten werden, daß das Wasser, welches
uurch die Maikäfer ziemlich abgekühlt wird, fortwährend wieder in's
Sieden kommt. Man verwendet die getödteten Thiere zu Compost
wder streut sie gleich auf den Acker und pflügt sie seicht unter.
Hofgärtner Selle macht in der Mon.-Schrift des landw. Prov.⸗
Zereins für die Mark Brandenburg und Niederlausitz Mittheilungen:
Als vor einigen Jahren die Maikäfer in großen Massen sich
ingefunden hatten, ließ er dieselben scheffelweise sammeln und in
zroßen Kesseln mit siedendem Wasser tödten; es war die Absicht, ein
stasenbeet vor den Engerlingen dadurch zu schützen, daß man dasselbe
zanz dicht mit getödteten Käfern bedeckte, um die lebenden dadurch
ꝛbzuhalten, ihre Eier in die Erde dieses Beetes abzusetzen. Dies
wurde allerdings erreicht, denn kein lebender Käfer ließ sich auf dies
Beet nieder; aber was war der Erfolg? Im folgenden Jahre war das
Beet wie besäet mit Engerlingen und rettungslos waren alle Ge—
wächse auf demselben verloren. Man konnte sich diese Erscheinung
aur dadurch erklären, daß viele von den zur Düngung eingegrabenen
und getödteten Maikäferweibchen bereits befruchtet, und daß zwar die
Mütter getödtet waren, nicht aber ihre Eier, welche in sicherer Ruhe
zer Erde beim Untergraben der Käfer übergeben wurden, um im
Frühjahr als junge Engerlinge ihr vernichtendes Werk zu beginnen
stan möge also beim Tödten der Käfer recht vorsichtig sein: viel

icherer ist es, die Käfermasse weiter zu verarbeiten. Um in Betref
des Tödtens der Käfer sicher zu gehen, wird ein sehr sorgfältiges
Sieden der Thiere rathsam sein, demnächst aber möge der Rath des
Them. Ackermann berücksichtigt werden. Derselbe empfiehlt, die ge—
sottenen Käfer in Lagen von 1-16,, Zoll hoch mit gebranntem und
gepudertem Kalk zu bestreuen und sie dann mit einer gleich hohen
oder noch stärkeren Erdschicht, worauf wieder Käfer und Kalk folgen
su. s. w., zu bedecken und auf diese Weise einen Compost zu bereiten,
der dem Guano ähnlich sei und einen schnellwirkenden Zusatz zu
Knochenmehl, Superphosphat, Stallmist ꝛc. abgibt; insbesondere soll
dieser Compost für Grasland sich vortheilhaft benutzen lassen.
Van der Boom, Großgärtner in Udenbusch, gibt im „Landw.
Anz. in Kurhessen“ ein Mittel an, um die Zerstörung beim Ei zu
deginnen. Wenn der Maikäfer erscheint, soll man zu diesem Behufe
in möglichst großer Anzahl kleine Häufchen frischen Kuhdüngers, un—
zefähr 3—4 Zoll hoch, aufstellen, welche man mit 1 Zoll Erde über—
deckt. Da der Maikäfer seine Eier gern in die lockersten und besten
Boden legt, so hat den Berichterstatter die Erfahrung gelehrt, daß
ziese Häufchen zum Ablegen der Eier gewählt werden. Die Häuf—
hen wurden nun abgehoben und in die Mistbeete geworfen, wo die
Fier getödtet wurden. Van der Boom will so seinen Garten ganz
y»on Engerlingen befreit haben. Man sieht wohl, daß man dieses
Verfahren anwenden kann, ohne daß man deshalb die Käfer schonen
vird, von denen immer noch welche zum Eierlegen übrig bleiben
verden; auch ist dieses Verfahren doch nur im Kleinen anwendbar.
Oberförster Krohn empfiehlt in einer bei Springer in Berlin er—
schienenen Schrift: „Die Vertilgung des Maikäfers und seiner Larve“
das Sammeln der Käfer, falls man dasselbe nicht auch zur Schonung
der Bäume, sondern nur zur Vermeidung der Fortpflanzung vorneh—
men will, erst am Ende der Flugzeit vornehmen zu lassen, weil man
alsdann nur die Weibchen noch finde, während die Mänuchen
abgestorben seien, man also Zeit und Arbeit spare.
Anderer Ansicht ist eine, von der herzogl. braunschweig'schen
Landesregierung zur Berathung dieses Gegenstandes zusammenberu—
fen gewesene Commission Sachverständiger, welche die Einsammlung
der Käfer zu Anfang der Flugzeit, vor der Begattung, empfiehlt.
Alle aber kommen darin überein, daß man so viel als möglich
das Gleichgewicht im Haushalte der Natur wieder herstelle. Dazu
gehört vor Allem die Schonung derjenigen Thiere, melche der Larve
»der dem Käfer, oder beiden nachstellen. Besonders gilt dieses vom
Maulwurf, welcher der beste Vertilger der Engerlinge ist und dessen
bieljährige Verfolgung wahrscheinlich größtentheils die Ursache der
zroßen Zunahme des Maikäfers geworden; dann sind es die Krähen
und Vögel aus dem Geschlechte der Finken, namentlch die Würger
und Buchfinken, auch die Eulen, Falken, Weiher und Fledermäuse
welche geschont werden müssen

Milch bei Tanben.
Es ist bekannt, daß die Milch und das Ei diejenigen Nahrungs—
mittel sind, welche alle Bedürfnisse des thierischen Organismus be
friedigen; und deshalb hat die Natur dafür gesorgt, daß die erste Nah
rung des Menschen wie des Säugethieres aus Milch besteht. We—
niger bekannt dürfte indeß das interessante Faktum sein, daß auch
Bögel ihren Jungen als erste Nahrung selbst erzeugte Milch reichen.
Naturforscher haben durch Beobachtungen festgestellt, daß bei Tauben
heiderlei Geschlechtes inige Tage vor Beendigung der Brütezeit die
Wände des Kropfes bedeutend anschwellen, es bilden sich zahlreiche
in einander gereihte Warzen und diese enthalten in ihren Falten
ꝛine weiße ussictent welche alle Eigenschaften der Milch besitzt.
Schon beim äußeren Betasten des Kropfes einer brütenden Taube
hemerkt man, wie de Wände desselben geschwollen sind. Mit
ieser Milch nun werden die jungen Tauben in den ersten Tagen
hres Lebens von beiden Eltern gefüttert. Dieser Milch mischen fie
nach einigen Tagen salboerdaute Getreidekörner hinzu, die in diesem
Zustande aus dem e— kommen und ihren Weg ungehinder“
urch den Kropf nehmen. So werden die Jungen mit „Milcharütze
gefüttert, bis sie selbst Körner aufnehmen können.
            
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