chon wieder durch eine Abhandlung des Dr. Br etschneider *)
gewachsen, während ich inzwischen in einer schon früheren, mir aber
eildem erst zugegangenen Abhandlung des Prof. Dr. v. Gohren**)
mit meiner Auffassung in Uebereinstimmung befindliche Ansichten fand.
Dieser Umstand, so wie Zuschriften von Landwirthen, aus denen
ich schließen muß, daß jene Arbeit ihrem Zwecke entsprach, veran—
laßte mich zunächst zur Wiedergabe derselben an dieser Stelle, inso⸗
ern ihr Inhalt nicht durch Hinweis auf den des Centralblattes er—
etzt werden kaun. Inzwischen erwachsenes Material soll demnkichst
ergänzend eingefügt werden, um endlich zu prüfen, ob dieses die
ruheren Schlüsse zu bestätigen oder zu Modifizirungen derselben ge
ignet erscheint.
„Werfen wir einen Rückblick auf die Beobachtungen und Erfah⸗
rungen, welche in neuerer Zeit betreffs der Kartoffel und ihrer Kul—⸗
ur gemacht und zum größesten Theile auch von uns unseren Lesern
nitgetheilt wurden, so werden wir zu der Auffassung Derjenigen hin⸗
zedrängt, welche die Krankheitserscheinungen und die verminderten
krträge bei dieser Kulturpflanze der, seit einer langen Reihe von
Jahren derselben bei ihrem Anbau zu Theil gewordenen, unrichtigen
Bebandlung zuschreiben zu müssen glauben.
„Eine große Zahl verschiedenartigster Beobachtungen hat inzwi
scchen in gewissem Grade eine Sonderung Desjenigen, was noch als
Hypothese weiterer Erörterungen und des Beweises bedarf, von Dem
ermöglicht, was nicht, oder kaum mehr zweifelhaft ist, al so für die
Praxis zur Regel zu werden geeignet erscheint.
„Diese letzteren, für den Landwirth im Augenblick besonders in
eressanten Resultate der in Rede stehenden Beobachtungen und Er—
oͤrterungen, wollen wir im Folgenden in solcher Form zusammenzu—
tellen versuchen, daß er dadurch in den Stand gesetzt wird, sich ei—
——
chaft, Beobachtung und Erfahrung zur Grundlage dienen.
„Beginnen wir mit Beschaffung der Nährmittel für die
anzubauende Pflanze, so begegnen wir sofort den wahrschein—
lich wichtigsten Bemängelungen, welche der bisherigen Kartoffelkultur
zemacht wurden. Die v. Liebig'sche Ansicht, daß der Ursprung der
ogenannten Kartoffelkrankheit im Boden zu suchen sei, gewinnt mehr
und mehr Anhänger. In dieser Beziehung dürften die von Dr. Löll,
chon vor längerer Zeit, bezüglich aufgestellte 14 Sätze zur Orienti
crung dienen.***)
Rücksichtlich dieser 14 Sätze und ihrer Motivirung im Uebrigen
auf die „Zeitschrift für deutsche Landwirthe (1865. Hft. 8)“ und das
—V
hiernach zunächst hervor, daß es sich darnach um die Aufgabe handelt,
durch veränderte Cultur und Düngung die Kar—
soffel zu regeneriren und gleichzeitig eine solche
Zartoffel zu erzielen, welche der Peronospora in—
'estans als Nährflanze nicht zu dienen vermag.
„Ferner, daß, wie wir bereits in Nr. 4 dieses Jahrganges im
Intelligenzblatte näher ausführten, nach Maßgabe der neueren For—
chungsergebnisse, der zum Anbau von Kartoffeln bestimmte Boden
ur Erzeugung vollkommener Frucht, neben den anderen Bedingnissen,
ausreichend mit Kali und Phosphorsäure versehen werden sollte, die
er Zweck auch durchschnittlich erreicht werden wird, wenn man
neben einer halben, oder im zweiten Jahre nach
einer ganzen Mistdüngung, auf den Magdeb. Mor—
gen 1 CEtr. Knochenmehl oder dem entsprechend
Phosphorsäure enthaltende Düngemittel, und
u/z bis 2 ECtr Kali von 18 Proz. Gehalt als Dung
oerwendet. ****9
5) Schlesischer Landwirth 1866. Nr. 11.
**) Böhm. Centralblattef. d. gesammte Landeskultur 1866. Nr. 8.
*5s*) Unser Ceniralbl. 1865. Dezember-Heft u. im Sprechsaale dieses Heftes di—
Persuche des Pref. Fraas.
x*x43) Der in Rede ftehende Artikel hatte besondecs die Bodenverhältnisse der
Mark Brandenburg im Auge. Uebrigens verweisen wir gleich hier auch auf —*
Centralblatt 1864, Bnd. 1. S. 178 u. 490 (Dr. Rarmrodt's Untersuchungen);
—E — 9
u. 74, 128, 220, 292, 294, 205, 297 (Unters. u. Beob. v. Dr. v. Gohren, Dr
doffmann, Prof. Habe rlandt, Dr. Nobbe u. Dr. Siegert, Dr. Karm
rodt u. Dr. Hen neberg; das Pinto Keil'sche Verfahren u. Paterson's Kartoffel
Flanitzer-Kartoffelbau-Verein); 1866, Bnd. 2, S. 64, 224, 210, 365, 420 (Unter*
u. Prof. Dr. F. Krocder, Dr. Löhll, Amtsr. Schütz, Prof. Haberlandt.)
„Anlangend die zu perwendende Saatkartoffel, so haben, unter
inderen Untersuchungen, die des Dr. Nobbe unzweifelhaft ergeben,**8
daß die Bebingungen, welche die Lebensthätigkeit der Winterknospen
der Knollen guregen, für Conservirung ihrer werthvollen Produkte
nachtheilig sind und daß also diejenige Aufbewahrung die vollkom—
menste ist, welche durch Abschluß von Feuchtigkeit und Wärme die
Keimung unterdrückt, d. h. daß es erforderlich ist,
bei Aufbewahrung Trockenheit und eine Tempe
ratur anzustreben, welge, ghne den Gefrierpunk
zu erreichen, sich doch demselben hinlänglich nä—
hert, um die Belebung der Knospenaugen auszu
schließen.
(Fortsetzung folgt.)
Der Maikäfer und seine Vertilqung.
Die durch den Menschen hervorgebrachten Störungen im Haus
halte der Natur haben schon so traurige Folgen nach sich gezogen
daß selbst der sonst Indolente ausmerksam zu werden beginnt und
das Bedürfniß fehlt, sich mit dem Leben in der Natur näher bekannt
zu machen, weil es nahe liegt, daß auf diesem Wege man am ehesten
die geeigneten Mittel zur Vorbeugung jener Störungen und zum
Schutze vor ihren Folgen finden werde.
Wenn nun der Maikäfer seit einer Reihe von Jahren und, wie
es scheint, mit immer seltener gewordenen Unterbrechungen seine
Verheerungen im wachsenden Maße sowohl in seiner Larvenform,
als Engerling, wie in seiner ausgebildeten, als Käfer, anrichtet, so
wird es kaum einer weiteren Motivirung bedürfen, warum wir das
in der Ueberschrift bezeichnete Thema zur Besprechung gewählt haben
Die Wandlungen in der Form des uns beschäftigenden Insekts
vom Ei zur Larve (Engerling) und Puppe bis zum Käfer, dürfen
wir als bekannt wohl voraussetzen. Am schädlichsten ist die Larve
den Gewächsen im dritten Lebensjahre. Dann kommt der Engerling
der Oberfläche näher und frißt bis zum Herbste, gräbt daun in die
Tiefe hinab und gräbt sich eine größere Höhle und wird zur Puppe
Nach 4 bis 8 Wochen ist der Käfer ausgebildet, Anfangs bleich und
wveich und erst nach Wochen erhärtend. Im Winter bleibt er in sei—⸗
ner Wiege; im nächsten Frühjahre arbeitet er sich in die Höhe, his
das beginnende Frühjahr ihn vollends hervorlockt.
Die verschiedenen Lebensperioden des Insekts haben in natür
licher Weise auf Vertilgungsmittel hingeführt, welche diesen Perio
den entsprechen; d. h. man hat die Vertilgung beim Ei zu beginnen.
heim Engerling fortzusetzen und beim Käfer zu beschließen versucht
und vorgeschlagen. In neuerer Zeit hält man jedoch das Einfangen
und Tödten des Käfers fast allgemein für die durchschlagendste Hülfe
denn man beugt dadurch nicht nur dem von den Käfern anzurichten
den Schaden, sondern auch ihrer Vermehrung vor. Natürlich sind hier
bei zwei wesentliche Momente zu beachten, sagt Taschenberg:
1) Muß das Einsammeln der Käfer gleich nach ihrem Erscheinen
zeschehen und je nach der Mächtigkeit ihres Fluges länger fortgesetz!
werden,
2) muß es von allen Seiten geschehen.
Diese Forderungen haben ihre Schwierigkeiten, hier mehr, dort
veniger, dieselben sind aber zu überwinden, und in außerordentlichen
Fällen sind, wie überall so auch hier, außerordentliche Anstrengungen
und Opfer nöthig. Die allerwärts verbreiteten landw. Vereine müssen
die Angelegenheit in die Hand nehmen, die Staatsbehörde durch ge
eignete Gesetzgebung dieselben unterstützen und wo Forsten sind, deren
Beamte thätig einschreiten lassen. Wer hierzu zu größeren Ausga—
den an Taglöhnen genöthigt wird, kann seine baaren Auslagen durd
Verwerthung der Käfer zu Dünger wieder bekommen, die aus der
zntschiedenen Verminderung des Larvenfraßes erreichten Vortheile gar
nicht mitgerechnet. Das Sammeln der Käfer kann natürlich nur am
sehr frühen Morgen vorgenommen werden — nur bei rauher Witte
rung am Tage — und darf in keinem Jahre ganz unterbleiben. Be
ronsequenter Durchführung dieser Maßnahme und bei dem den Maul
würfen und Krähen gebührenden Schutze müßte es nicht gut sein
wenn nicht mit der Zeit die Klagen über die Engerlinge mehr un—
mehr verstummten.
***) Versuchs-Stationen, Bnd. 7. Hft. 6. — Unser Centralbl. im porigen Heft