Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

810.
Zur Winterszeit ist jeder, welchem nach 8 1 die Verpflichtung zur
Reinigung obliegt, gehalten, die vor seinem Grundstücke befindlichen
Trottoirs, resp. Fuß-Passage und Rinnen, auch wenn dieselben nicht
—
nigen zu lassen, sobald dies bei anhaltendem Schneefall und Frost zur
Sicherung des freien Personenverkehrs oder bei eintretendem Thau—
Die Pflege, Wartung und Zucht des Kanarienvogels.
ESchluß.)
In einem warmen Zimmer kann man die Vögel schon im Feb—
ruar zusammensetzen, in einem ungeheizten erst im Mai. Das Weib—
chen legt nun, nachdem die ersten kleinen Zänkereien vorüber sind,
hald drei bis fünf, oft sechs oder gar sieben weißliche, rothpunktirte
Eier, welche 13 bis 15 Tage bebrütet werden. Das Vorhandensein
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fen, und muß man nun, ohne die Alten zu scheuchen und zu ängsti—
zen, zuweilen nachsehen, um etwa verdorbene Eier oder sterbende
Junge mit einem Löffelchen herauszunehmen. Die zerbrochenen Eier
schalen dagegen trägt das Weibchen selber fort. Wenn die Jungen
ungefähr 21 Tage alt sind, verlassen sie das Nest und können nach
25 bis 30 Tagen selbst fliegen. Am besten thut man, wenn man
e nach dem Ausfliegen sogleich einzeln in kleine Käfige setzt und
diese dicht an den großen hängt, indem der Hahn sie dann gewöhn—
lich noch füttert, während das Weibchen schon wieder auf's Neue ge
legt hat. Deshalb muß man auch jedesmal zwei Nester anbringen.
Von den ganz blaßgelben Kanarienvögeln findet man nun die
dähnchen sogleich heraus, indem diese um die Augen und die Schna—
belbasis dunkelgelbe Ringe haben; alle übrigen sind dagegen erst
nach vier Wochen zu erkennen, wenn sie kurz vor der Mauser zu
witschern beginnen, wobei sie schon zusammenhängende Strophen
hervorbringen, während die Töne der Weibchen nur stets abgebrochen
and kurz sind. Die ersteren beiben dann vorläufig in ihren kleinen
Behältern, die Weibchen setzt man dagegen alle zusammen in einen
großen Käfig.
Will man die Zucht der Kanarienvögel mehr mit Vortheil be—
treiben, so ist es in folgender Weise am zweckmäßigsten. In einen
etwa 3 bis 36/, Kubikfuß großen Raum wird je ein Weibchen mit
zwei Nestkästchen gebracht; von demselben durch eine unsichtbare
Scheidewand getrennt, ebenso das zweite und so weiter, für ein Hähn—
chen drei bis vier Weibchen. Das Hähnchen setzt man nun nicht
früher hinein, als bis ein Weibchen anfängt, in's Nest zu tragen
hat dann dasselbe die volle Eierzahl gelegt und beginnt zu brüten,
jo wird das Männchen mit Grünzeug ꝛc. in einen kleinen Käfig ge—
lockt und zu dem zweiten, später zum dritten und vierten gelassen.
Nur muß man dafür sorgen, daß die einzelnen Weibchen weder sich
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mehrere Weibchen zugleich an zu bauen, so läßt man das Männchen
ju jedem einen halben Tag und wehhselt recht oft, doch muß die Ein—
richtung getroffen sein, daß es möglichst ohne Störung geschehen
tann, woran sich das Hähnchen auch bald gewöhnt. Während dieser
Zeit gebe man ihnen dann gequetschten Hanf, aber späterhin nicht
mehr. So kann man von jedem Weibchen immerhin durchschnittlich
auf zwölf Junge rechnen.
Oefter habe ich auch Hecken mit Hänflings-, Stieglitze, Grün—
lings und Finkenmännchen gehabt. Sie paaren sich sehr gut, müssen
edoch nur paarweise in einem etwas größeren Käfig und an einer
ittillen, schatligen Stelle gehalten werden. Die Bastarde sind meistens
ehr hübsch; so hatte ich einen, welcher hellgelb war und dabei die
angehauchten Zeichnungen des Vaters Stieglitz trug. Ein anderer,
vom Hänfling, sang wieder so wundervoll, besonders in den zarten,
uullenden Rollen⸗ und Flötentönen, wie ich nie wieder einen solchen
Vogel gehört. Im Allgemeinen singen die Bastarde jedoch weil
schlechter und eignen sich auch wenig zur Zucht. In Gesellschaft
lonnte ich von meinen eingefangenen fremden Männchen mich niemals
eines Erfolges erfreuen, und liegt es wohl daran, daß die Vögel
dann wieder verwildert werden; von jung aus dem Neste aufgezoge
nen Hänflings- und Stieglitzenmännchen zog dagegen einer meiner
Freunde auch in der fliegenden Hecke viele Jungen.
B. F.⸗u. A.-Bl.)

wetter zur Beförderung des Abgangs von Eis- und Schneewasser vor
der Polizei-Verwaltung angeordnet wird.
A
Die von den Trottoirs, den Rinnen und der Fahrbahn zusamme
geschaufelten Eis- und Schneemassen werden für Rechnung der G—
meinde weggeschafft.
(Schluß folgt.)

ucher mit außergewöhnlich großen
Früchten.
Herr Augustin Wilhelm, Besitzer großer Baumschulen in Clau—
sen (Vorstadt Luxemburg's) hat kürzlich seinen 75. Katalog für dern
Herbst 1866 und das Frühjahr 1866 herausgegeben, der an Obst
sorten, Zierbäumen, Rosen, Gehölzen u. s. w. des Neuen und Schö—
nen gar Manches enthält, was andere Preis-Courante nicht haben
Insbesondere sind es drei neue Fruchtsträucher, welche beim Durch
esen des Katalogs unsere Aufmerksamkeit fesselten, da sich dieselber
unter ihren Stammverwandten in ganz ungewöhnlicher Weise aus
eichnen.
Zuerst stoßen wir auf eine Erdbeere, die an Größe unerreicht
st. Dr. Nicaise (Carrière, Revue horticole) ist deren Namen, ihre
Frucht hat (wir bitten den Maßstab zur Hand zu nehmen!) 7 Pariser
Zoll im Umfange und wiegt bis 10 Loth. Sie ist süß und wohl
chmeckend und wurde, von einer Commission der kaiserl. Landwirth.
chafts-Gesellschaft in Paris geprüft, bewährt gefunden, deshalb
auch empfohlen
Man findet diese neue Erdbeersorte bereits auch in deutschen
Katalogen aufgeführt und zwar mit unverringertem Lobe. Es muß
ilso diesmal mit den gepriesenen Eigenschaften dieser Neuheit seine
Richtigkeit haben. Schon im nächsten Frühjahre wird die Erdbeere
Dr. Nicaise auch in Frauendorf zu haben sein, vorläufig bezieht man
sie am besten aus dem Wilhelm'schen Etablissement, wo ein Exempl
6 Sgr. kostet.
Nummer zwei unseres neuen Strauch-Trifoliums ist die Him
beere surpaese Mirveille GGSimon Louis-frères). Dieselbe ist nach
derrn Wilhelms Beschreibung eine Frucht ersten Ranges, wenigstens
doppelt so groß, wie die der Merveille und sehr fruchtbar und stark
und trägt häufig im Herbste. Das Exemplar kostet 10 Sgr., ein
Preis, der für eine so edle Sorte, die ihre Schwestern insgesamm'
ibertreffen dürfte, nicht hoch genannt werden kann, zumal wir es
mit einer neuen und seltenen Novität zu thun haben.
Und nun gelangen wir zu einer Haselnuß, dem Riesen unter
den Haselnüssen, genannt Impérial de Trébisonde. Der geehrte Leser
vird staunend und ungläubig den Kopf schütteln, wenn wir ihm sa
zen, daß diese Haselnußsorte Früchte von vier Zoll Umfang bringt
Aber dies soll glatte Wahrheit sein, denn auch schon ansehnliche
vpomol. Journale Frankreichs und Belgiens erwähnen dieser Impérialdaselnuß
 als eines Wunders von Größe und dabei von kräftigem
Wuchse und reicher Tragbarkeit des Strauches.
Von solchen gewichtigen neuen Produeten der Obstgärtnerei läßt
ich mit Vergnügen sprechen. Wir wollen auch nicht verfehlen, die
selben baldigst zu erproben. Die Bezugsquelle haben wir unseren
geehrten Lesern bezeichnet. Wir bemerken noch, daß der Preis der
kaiserlichen Haselnuß von Trebisonde im Wilhelm'schen Etablissemen
pro Stück 2 Thlr. 20 Sgr. beträgt, freilich viel Geld, aber wie ge
jagt, das Neue und Seltene hat stets seinen höheren Werth.
(Frauend. Bl.)

Ausfsaat und Kultur der Maulbeeren.
Man grabe das zu besäende Gartenland einen Fuß tief um. Ma
geren Boden dünge man hierbei mäßig mit gut verfaultem Dünger
Etwa 14 Tage vor der Einsaat gräbt man das Land wieder fein und
ebenso tief um und theilt es nun in etwa 4 Fuß breite Beete, dami
man dieselben bequem begießen und jäten kann. Die obere Erdschich
nache man möglichst fein.
In unserem Klima beginne man mit der Saat nicht vor de—
18. Mai. Man lasse in die Beete nach der Schnur Rinnen (auf
Fuß Breite 5 Rinnen) von etwas mehr als 1 Zoll Tiefe ziehen
fülle diese Rinnen zur Hälfte mit feiner Blumenerde aus un'
ücke dann miftelst dor malen GSante ziner Nattfo vi⸗ Mlsatr
            
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