Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Thier ist gemäß seines starken Knochenbaues speziell zur Arbeit, das
indere hingegen durch feineren Knochenbau und vermöge seiner indi
aiduellen Eigenschaften in den Verdauungsorganen mehr zum Fleisch
ansatze, und zuletzt andere wieder vermöge ihrer vorherrschenden Milch—
erzeugungsorgane mehr für diese geeignet, und die Erfahrung hat
bewiesen, daß diese Eigenschaften sich constanter vom Vater auf die
Tochter, von der Mutter auf den Sohn vererben und umgekehrt, was
uns den einzuhaltenden Weg, bei Auswahl unserer Thiere zu land—
virthschaftlichen Zwecken, allgemein anbahnt. Der Sprungfassel soll
als recht gebaut und geformt, einen kurzen dicken Kopf, breite Stirn,
chwarze muntere Augen, kurze Hörner, lange wohlbehangene Ohren,
zroße Nasenlöcher, starken fleischigen Hals, breite von den Vorder—
beinen hervorragende Brust, gestreckten Leib, kurze säulenförmige Beine,
langen dünnen Schweif und einen muntern Gang haben. Das Mut—
terthier oder die Kuh soll einen starken, von Rückgrad nicht zu sehr
herabhängenden Bauch, ein breites Kreuz und feinen Knochenbau
besitzen. Das Euter muß groß, aber nicht fleischig, sondern reich und
boll starker Milchadern und eine mehr nach rückwärts zwischen den
Beinen hängende Lage haben; Kopf, Hals und Beine müssen dünn,
das Ansehen gutmüthig und weiblich, die Hörner glatt, der Schweif
lang und dünn, das Haar glatt und die Haut dünn sein. Haben
heide Thiere diese äußeren Zeichen in Verbindung des erwünschten
Euter- oder Milchspiegels, so muß die Nachkommenschaft auch gutes
Milchvieh geben, sofern beide nicht unter 11, das männliche Thier
nicht über 6, das weibliche aber nicht das 12. Lebensjahr zugelassen
vorden sind, und endlich wenn den Kälbern wie es häufig geschieht,
aicht schon in den ersten 14 Tagen die Muttermilch entzogen, sondern
denselben wenigstens 6 Wochen gelassen, und dieselben sonst gut ge—
nährt und sorgfältig erzogen worden. Kann den Kälbern ein Stall
uum freien Herumlaufen gegeben werden, so gedeihen sie besser und
werden kräftiger, als durch das Angebundensein.
Außer diesen äußern Erkennungszeichen und der guten Nahrung
und Pflege ist eine weitere nöthige Behandlung des Milchviehes von
besonderer Wichtigkeit; erwachsene Thiere bedürfen, wenn sie Nutzen
bringen sollen, per 100 Pfd. ihres Körpergewichtes 21,—3 Pfd. täg⸗
lich, nach trockenem Futter gerechnet mehr, und wenigstens viermal
o viel Flüsfigkeit demnach wenigstens 12Pfd. oder 6 Liter für einen
Zentner Gewicht. Je mehr Flüssigkeit das Milchvieh zu sich nimmt,
desto mehr wirkt diese auf Milcherzeugung. Die Hälfte des Futter
gewichtes soll wenigstens bei Thunlichkeit aus Heu und Stroh bestehen,
die Fütterungsbestandtheile regelmäßig und in kleinern Portionen ge—
geben und eine Fütterungszeit von circa Stunden täglich verwendet
werden. Sowie die regelmäßige Fütterung das Gedeihen des Viehes
bedingt, trägt eine entsprechende Wart und Pflege, regelmäßige Be
handlung und Reinhaltung desselben von Schmutz, Staub nnd Koth
toch mehr zum Wachsthume desselben bei; ein luftiger Stall, wo mög—
lichst von der Straße und überhaupt von großem Geräusche entfernt,
nit Dunstlöchern versehen, die von der Decke durch das Dach reichen,
ist schon wegen der Gesundheit der Thiere, und um der ausgeathme—
en und den Thierkörpern schädlich einwirkenden kohlensauren Luft
Austritt zu verschaffen, aber auch zur Erhaltung des meistens auf
den Stallböden lagernden Futters, das ohne diese Vorrichtung dem
Verderben sehr ausgesetzt ist, durchaus angezeigt. Dieselbe Aufmerk.
amkeit ist auch auf den Abfluß des Urins und das fleikige Bestreuen
jer Lagerstätte zu verwenden.
Bei Ankäufen und Einstellung von Fasselrindern wurde bis jetzt
nur auf dessen äußere wohlgefällige Form Rücksicht genommen, nie aber
der Spiegel desselben in Berücksichtigung gezogen, woran zu erkennen
ist, von welchem milchproductiven Einfluß er auf die Nachkommen
virkt, zumal wir nach obiger Angabe wissen, daß sich die intensiven
kigenschaften des Vaters constanter auf die Tochter vererben. Gutes
Milchvieh legt nicht gerne Fett und Fleisch an, und seine äußerste
Bestalt ist nie so wohlgefällig als beim Mastvieh, wodurch der Milch—
oroduction, durch das Verschmähen desselben bei der Auswahl zur
stachzucht, gerade entgegengearbeitet wird. Die Milchzeichen allein
geben hier den Ausschlag und man wird nicht leicht, bei Beobachtung
derselben, fehlen.
Wie wichtig sind nicht dieselben beim Ankauf, Verkauf und
Schlachten. Ist man genöthigt Vieh zu kaufen, so kann an den Milch
zeichen ersehen werden, ob es mehr milch- oder fleischerzeugende Ei—
zenschaften in sich träat. Ist ein Viehstand überstellt, und soll iun—

zes Vieh abgesetzt werden, so wird man solche mit Milchspiegel ver
sehene zurückbehalten; schade dagegen wäre es, wollte man gutes Milch—
bieh mästen und der Fleischerbank überliefern. Diese Kenntniß der
iußern Zeichen der Milchergiebigkeit bei Kühen ist nach den seitheri—
gen Erfahrungen für den Gebrauch größerer und kleinerer Landwirthe
unumgänglich nothwendig, wenn die Viehzucht mit mehr Vortheil als
bisher betrieben werden soll; durch diese erkennt man wie viele und
vie lange die Kühe Milch geben und geben können; auch bei trocken
stehenden Kühen und bei Rindern, die erst ein Alter von sechs Mo
naten haben.
Diese Erkennungszeichen wollen wir, um sich genauer hieru
zrientiren zu können, in Hauptklassen, diese wieder in Ordnungen und
Unterordnungen eingetheilt denken.
Die verschiedenen Klassen und Ordnungen erkennt man an der
Form und Größe des Euterspiegels der Kühe und dem Spiegel am
Hodensack des Fassels, wie Eingangs erwähnt. Auch wird der Spie
zel der Kühe durch aufwärts stehende Haare gebildet und zieht sich
von den vier Milchspitzen ausgehend, über den ganzen hinteren Theil
des Euters hinauf, nimmt, je nachdem sich das Thier in der einen
»der andern Klasse befindet, mehr die innere Fläche des Schenkels ein
zeht oberhalb den Sprungelenken bis gegen die Hinterbacken in ver—
chiedenen Formen hinauf, wo er sich wieder zusammenzieht, dann
bis an den Wurf und über denselben, oder auch nur gegen ihn hin—
neigend. Die Form desselben unterscheidet sich auch noch durch die
Farbe und Feinheit der aufwärts stehenden Haare, da diese augen
älliger ist, als bei den abwärts stehenden Deckhaaren.
Je regelmäßiger die Form des Euterspiegels, je breiter derselbe
ich ausdehnt, und gegen den Wurf oder After zutritt, zu einer desto
»essern Klasse oder Ordnung gehört das Thier.
Die Kühe, deren Milch vielen Rahm geben, lassen um den
Wurf kleine oder staubartige Schuppen sehen, und es ist natürlich
daß durch die vielen unbeachteten Kreuzungen eine Menge Bastard⸗
entstanden sind, die zwar, je näher sie den Originalkühen stehen,
auch von ihnen Eigenschaften angenommen haben, das Milchquantum
dei ihrer Frischmelkigkeit auch geben können, nie aber so lange, als
die Originalkühe, und meistens schon nach ihrer Wiederaufnahme be—
»eutend nachlassen. Haarwirbel und Platten in dem Euterspiegel
und um den Wurf bei nicht sehr in die Augen fallendem Euterspie
zel und verworrener Haarwuchs um denselben deuten die innere Be—
schaffenheit des Euters und der Milchgefäße an.
Die Originalkühe haben meistens staubförmige Schuppen um
»en Wurf und sind in Betracht ihrer besseren Milchergiebigkeit die
Besuchtesten. Größere Kühe geben wieder mehr Milch als mittlere
und diese wieder mehr als kleinere.
Möge dieses bei der Nachzucht des Rindviehes wohl berücksich
igt werden, und es wird ieder Landwirth seinen Vortheil daraus er
eennen lernen.

Ka.., Thierarzt

Die Pflege, Wartung und Zucht des Kanarienvogels.
Wie überhaupt bei der Wartung aller Vögel, sind auch bei der
inseres lieblichen gelben Hausfreundes hauptsächlich Reinlichkeit und
zutes, unverdorbenes Futter wohl zu beachten. Am zweckmäßigsten
ür den Kanarien-, sowie für jeden kleineren Singvogel halte ich ei—
ien einfachen viereckigen Käfig, welcher etwa ein bis zwei Kubikfuß
zroß und aus blankem Eisendraht so dicht geflochten ist, daß der
Logel in keinem Falle seinen Kopf herausstecken kann. Eine ge—
chmackvolle Form des Vogelbauers kann man sich natürlich nach
Belieben einrichten, doch möge es zur Warnung dienen, daß Mes—
ingdraht, sowie Oelanstriche dem Thierchen leicht verderblich werden
veil es von dem sich ansetzenden Grünspan oder der Oelfarbe etwas
zicken und sich vergiften kann. Die Thür des Käfigs muß eine von
»ben zufallende Klappe bilden, weil sie sonst leicht offen bleibt und
der Vogel hinaushuscht. Der Trinknapf, sowie das Futtergeschirrt
ind beide am besten von Porzellan oder Glas und werden außer⸗
halb des einen der drei Sitzstäbchen angebracht, indem man hier den
Draht so weit auseinander biegt, daß der Vogel bequem den Kop'
durch die Oeffnung bringen kann. Ein Haupbestandtheil des Käfigs
ist aber der Boden, welcher in Form eines Schiebkastens leicht her
auszunehmen sein muß, damit er täglich gereinigt und mit sauberem
Stubensand bestreut werde. Ebenso muß der Vogel zuweilen in ei
            
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