Ueberall aber ist sehr zu empfehlen, mit den künstlichen Dü—
zern auch Stalldünger anzuwenden. Als ganze Düngung rechnet
nan 3—4 Ztir. der künstlichen Dünger auf den Morgen (25 Ares)
Feld. Man kann nun sehr zweckmäßig eine halbe Düngung Stall⸗
ünger und 11.-2 Zentner künstlichen Dünger anwenden.
Die Art der Anwendung ist am besten folgende: man mischt
den künstlichen Dünger mit einer 3- bis 4fachen Menge Erde, streut
— den Samen und eggt bei⸗
des mit einander unte. 8 m 68
Bei den Kartoffeln bringt man am besten die betreffende, mit
Erde gemischte Menge Dünger in die Stufen.
Das Superphosphat soll weder mit Stalldünger noch mit andern
Stoffen, z. B. mit Asche, gemischt werden, weil sonst die Phosphor—
äure leicht unlöslich wird, bevor sie auf das Feld gelangt, sie ver⸗
heilt sich dann weniger gut in die Erde. Aus demselben Grunde
soll zum Mischen mit Superphosphat wo möglich nur solche Erde ge—
liommen werden, die keinen oder nur wenig Kalk enthält. Soll Su—
perphosphat mit andern Düngern gleichzeitig verwendet werden, so
reitet man am besten jeden für sich auf dem Felde aus.
Das Knochenmehl, besonders wenn es nicht sehr fein ist, kann
nan sehr zweckmäßig mit Dünger und Erde mischen, 1 oder 2 Mo—
nate liegen lassen und dann ausbreiten; die Verwesung beginnt schon
auf dem Haufen, die Wirkung ist dann schneller, als wenn das Kno⸗
henmehl unmittelbar ausgestreut wird.
Sehr oft wird die Frage aufgeworfen: Wie kann der Landwirth
erfahren, ob gerade sein Feld sich zur Anwendung von künstlichem
Dünger eignet oder nicht? Im Allgemeinen mag folgender Grundsatz
zelten: da, wo die Samen von Getreide, Reps, Erbsen u. s. w. sich
nicht gut entwickeln, die Ernten gering und die Samen leicht werden,
st phosphorsäurereicher Dünger, also besonders Superphosphat, zu
empfehlen, weil die Samen zu ihrer Entwickelung viel Phosphorsäure
hrauchen und eine mangelhafte Ausbildung der Samen sehr häufig
nur vom Mangel an dieser Säure herrührt. Gedeihen dagegen Rü—
hengewächse schlecht, oder gibt es wenig Stroh im Verhältniß zum
Zetreide, so kann es leicht an Kali fehlen, weil die Rüben und die
Blätter viel Kali brauchen; man wird daher kalihaltigen Dünger,
vie Asche oder Kalidünger (Kali-Guano) der Fabriken anwenden.
Bilden sich endlich Gemüsepflanzen, wie Kraut, Kohl, oder Hanf und
Tabak schlecht aus, so ist Mangel an Stickstoff wahrscheinlich; man
wende dann Stalldünger, Jauche, oder von konzentrirten Düngern
heru-Guano oder Knochenmehl an. Selbstverständlich kann auch ei—
nem Boden mehreres sehlen: Phosphorsäure, Kali und Stickstoff; an—
dererseits kann das Nichtgedeihen der Pflanzen auch andere Ursache
zaben. So z. B. verlangen Erbsen, Klee, Gerste ziemlich viel Kalk,
ehlt dieser, so kann dieser Mangel eben so gut das Nichtgedeihen
der Pflanzen bedingen, als der Mangel an Phosphorsäure oder Kali.
Der Mangel an Kalk läßt sich weit leichter erkennen, als jener an
anderen Stoffen. Man braucht nur etwas Erde mit Wasser anzurüh—
ren und dann mit Salzsäure (oder auch mit starkem Essig) zu über—
gießen; ist Kalk vorhanden, so schäumt jetzt die Erde; schäumt sie
ticht, so ist die Anwenduna von Meragel. Kalk oder Gyps zu em—
ofeblen.
Endlich kann ein Boden für die eine oder andere oder für alle
dulturpflanzen nicht fruchtbar sein, wenn er selbst alle Bestandtheile
m genügender Menge enthält, die zum Gedeihen der Pflanzen nöthig
iind. Es kann eine solche ungenügende Fruchtbarkeit durch mangel—
hafte physikalische Beschaffenheit, zu große Nässe, zu große Festigkeit
oder Lockerheit, Vorhandensein zu vieler Steine bei der Ackererde ader
dem Untergrund u. s. w. bedingt sein.
(W. Landw. Ztg. für Baden.)
Außerordentliches Gewicht eines Kalbes.
Auf der Dessauer Thierschau erregte ein von dem Amtmann
Nobiling zu Wörlitz ausgestelltes Bullenkalb, welches in einem Alter
yon etwas über 9 Monaten ein Gewicht von 980 Pfund erreicht
hatte, großes Aufsehen und man fragte mit Recht, wie die Erzielung
eines so starken Thieres bei dem Alter ermöglicht worden ist. Es
wird jetzt in der „eitschrift des landw. C.-V. für die Prov. Sachsen“
dies Verfahren, welches Herr Nobiling bei der Aufzucht dieses Thieres
»ingebalten hat. mitaetheilt
Hiernach ist das Kalb von einer Holländer Kuh, welche von ei—
nem Vollblut-Shorthorn-Bullen gedeckt war, in den letzten Tagen
des August 1864 gefallen. Das Kalb war schon bei der Geburt auf—
fallend stark und fleischig. Es blieb, wie dies Herr Nobiling bei
allen zur Aufzucht bestimmten Kälbern einhält — fünf Wochen lang
unter der Kuh, ohne jede Beigabe von andern Futtermitteln. Das
Thier hatte sich schon in dieser Zeit bedeutend mehr entwickelt als
seine Altersgenossen. Um diese Disposition weiter zu benutzen, wurde
das Thier- nicht von seiner Mutter getrennt und nahm bis zum Ende
des sechsten Monats die ganze Milch derselben zu sich. In der sie—
benten Woche fing es an, nebenbei andere Nahrungsmittel zu sich
zu nehmen. Es fraß ganz nach Belieben Heu, Hafer, vielleicht ,
Metze, und trockene Oelkuchenen Pfund. Als es 3 Monate alt,
vurde es täglich nur 3mal zur Mutter gelassen, verbrauchte aber
nioch sämmtliche Milch derselben, eirca 16 bis 18 Quart und erhielt
ieben dem oben genannten Futter noch gekochte Erbsen und Kleie
in Wasser. Diese gekochten Erbsen nahm es am liebsten zu sich, bald
his zu täglich 5,, Metze, wogegen sich der Verbrauch an Heu, Hafer
ind besonders Oelkuchen nicht steigertee. Vom dritten Monat ab
vurde das Kalb jeden Monat gewogen und ergab sich regelmäßig
rine Gewichtszunahme von 100 Pfd. pro Monat, also täglich 314
Pfd. Bei dieser Gewichtszunahme blieb es auch, als ihm im Alter
zon sechs Monaten die Muttermilch nach und nach ganz entzogen
vurde; es fraß aber von dieser Zeit ab täglich eine Metze gekochte
Erbsen, i Metze Kleie und die übrigen Futtermittel wie oben an—
gegeben.
Die außergewöhnlich schnelle Entwickelung des Kalbes ist nach
dem Dafürhalten des Züchters der Fütterung von gekochten Erbsen
zuzuschreiben, wenigstens haben dort frühere Versuche mit gequellten
»der trockenen Erbsen niemals annähernde Resultate geliefert; Salz
hat das Kalb niemals zu sich genommen, obgleich es fortwährend
in einem besonderen Behälter für dasselbe zugänglich war. Das
dalb hatte vom Tage der Ausstellung das Alter von 9i, Mona
ind das erwähnte Gewicht von 980 Pjfd. erreicht.
Landw. Revue.)
Ueber Paterson's Kartoffeln
zringt die Koch'sche Wochenschrift in ihrer dritten diesjährigen Num—
ner Mittheilungen, denen wir das Folgende mit dem Bemerken ent
iehmen, daß diese Kartoffeln von der Samenhandlung Schiebler und
Zohn in Celle bezogen werden können.
Paterson und Sohn zu Dundee in Schottland haben nämlich ei—
aige neue Sorten von Kartoffeln, unter denen auch die seitdem viel—
'ach genannte Victoria-Kartoffel, aus Samen erzogen, mit denen sie
n den betreffenden Kreisen nicht geringes Aufsehen machten. Wil⸗
iam Paterson, Gärtner in Dundee, hatte schon seit einer langen
steihe von Jahren sich u. A. auch der Kortoffelcultur mit Vorliebe
zewidmet und glaubte durch die vielfachsten Beobachtungen zu dem
Schlusse berechtigt zu sein, daß die schlechte Behandlung der Kartoffel
seitens der Landwirthe während ihrer Vegetationszeit sowohl, als
bei ihrer Aufbewahrung Veranlassung zur Degeneration dieser
Pflanze sei, ganz besonders aber das vollständige Ignoriren derjeni—
zen Grundsätze, welche bei Auswahl des Samens für den sonstigen
Pflanzenbau maßgebend seien. Paterson befolgte bei seiner Kartoffel—
rultur dasselbe System, durch welches Hallet den sogenannten Stamm—
baumweizen erzeugte und manche andere Getreideart ihren Ruf er—
hielt, d. h. er wählte zur Erzielung von Sämlingen nur die kräftig—
ten Pflanzen, und benutzte von jenen wiederum nur die kräftigsten
ind vollkommensten Exemplare. Man sieht wohl, daß dieses Ver—
'ahren ganz das Gegentheil von dem bei uns gebräuchlichen ist, denn
nan wählt zum Samen nicht nur gewöhnlich die sogenannte „Mit⸗
elkartoffel“, sondern man zerschneidet diese noch in Stücke. In der
kingangs genannten Zeitschrift wird darauf aufmerksam gemacht, daß
Paterson einen mächtigen Factor in der Pflanzenproduction, den Sa⸗
menwechsel, als solchen nicht zu kennen scheine, denselben wenigstens
nicht erwähne; es wird auch bemerkt, daß er möglicher Weise sichere
und schnellere Resultate erzielt haben würde, wenn er Kreuzungsver
suche angestellt und versucht hätte, bestimmte Eigenschasten zu über—
tragen. Es sei dies eine auch für die Wissenschaft höchst interessante