Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

Neue Aufschlüsse über das Athmen der Pflanzen.
Es ist allgemein bekannt, daß die lebenden Pflanzen mit ihren
Blättern im Sonnenlicht die Kohlensäure der Luft zersetzen und den
rei werdenden Sauerstoff an die Luft wieder abgeben. Ebenso wissen
vir, daß dieselben Blätter im Dunkeln Sauerstoff in sich aufnehmen
ind Kohlensäure aushauchen. So geschickt wir auch die eine That—
ache in die allgemeine Oekonomie der Natur einzureihen wissen, in—
dem wir den Pflanzen die Rolle zuweisen, die von Mensch und Thier
ausgeathmete und diesen schädliche Kohlensäure in athembaren Sauer
toff umzuwandeln; so verlegen stehen wir der Deutung der andern
Thatsache gegenüber, daß die Pflanzen im Dunkeln ihre der Thier⸗
velt geleistete Arbeit wieder selbst zerstören, daß sie den am Tage
zereiteten Sauerstoff wieder selbst verzehren. In welcher Beziehung
tehen nun diese beiden so verschiedenartigen Athmungsvorgänge?
Welches Resultat für die Pflanze und welches für den großen Na—
turhaushalt können wir aus dieser abwechselnden Thätigkeit der Blätter
 folgern;
Der französische Physiologe Boussingault hat diese Verhältnisse
zum Gegenstande seiner Studien gemacht, und ist zu einer Reihe in⸗
ceressanter Resultate gekommen, die das richtige Verständniß dieser
Vorgänge anbahnen.
Seine Methode, die Versuche anzustellen, ist eine höchst einfache
Ein Blatt wird in eine Glasglocke gelegt, die mit einer gemessenen
Menge Luft von bestimmter Zusammensetzung angefüllt ist. Nach meh—
reren Stunden wird die Luft der Glocke wieder untersucht, wo alle
etwa gefundenen Veränderungen ihrer Menge und Zusammensetzung
von dem Athmungsprozesse des Blattes herrühren. Daß diese so ein—
fache Methode gleichwohl eine ganze Reihe von Schwierigkeiten dar⸗
bietet, wie das Verhüten des Eindringens anderer Luft während des
Versuchs, die genaue chemische Prüfung der Luftbestandtheile, diese An—
erkennung schulden wir dem fleißigen Forscher.
Die Resultate, die Boussingault mit seiner Methode erlangte,
umfassen viele einzelne Fragen und lassen sich in kurzen Sätzen fol⸗
zendermaßen zusammenstellen:
Jedes Blatt kann im Sonnenlichte immer nur eine ganz be⸗
timmte Menge von Kohlensäure zersetzen, und zwar für jeden
Quadratcentimeter Oberfläche etwas über ein Kubikcentimeter Koh—
lensäure.
Die Menge des Sauerstoffs, die ein Blatt durch Zersetzung der
dohlensäure während des Tages erzeugt, ist größer als die von ihm
im Dunklen aufgenommene Sauerstoffmenge.
Die Fähigkeit, die Kohlensäure zu zerlegen, ist an bestimmte Le⸗
hensbedingungen des Blattes geknüpft. Als solche Lebensbedingun—
gen aber erkannte Boussingault zuerst die Feuchtigkeit der Blätter.
Je trockener nämlich die Blätter waren, desto weniger Kohlensäure
tonnten sie zersetzen, und wenn sie ihre Feuchtigkeit ganz verloren hat⸗
en, waren sie vollkommen unfähiag Kohlensäure zu zerlegen, sie wa—
ren todt.

stoff haben, wenn sie am Tage Kohlensäure zersetzen sollen. Sie ver—
ieren diese Fähigkeit, die Kohlensäure in Sauerstoff zu verwaudeln,
venn sie mit andern Luftarten z. B. Kohlensäure, Wasserstoff, Stick—
stoff, ja selbst wenn sie mit zu wenig Sauerstoff im Dunkeln einge⸗
sperrt werden. Hingegen behielten sie ihre Fähigkeit die Kohlensäure
zu zerlegen 5—8 Wochen lang, wenn sie im Dunkeln immer die ge—
hörige Menge Sauerstoff erhielten, und wenn dabei gleichzeitig das
Vertrocknen durch geeignete Mittel verhindert war. Es war aber
nicht nöthig, ihnen Sauerstoff zuzuführen, wenn sie mit Kohlensäure
im Lichte abgesperrt waren. Sie fabrizirten sich dann den Sauerstoff
elbst, den sie brauchten und behielten daher ihre Fähigkeit, die Koh
lensäure weiter zu zerlegen.
Fassen wir die hier übersichtlich zusammengestellten Ergebnisse der
Untersuchungen von Boussingault unter dem Eingangs angegebenem
Gesichtspunkte zusammen, so gelangen wir zu folgenden Schlüssen.
Die Pflanzen übernehmen in der That die Rolle, die wir ihnen
m Naturhaushalt überwiesen haben. Sie produziren Sauerstoff aus
der ihnen von den Thieren gelieferten Kohlensäure. Aber sie sorgen
jierbei auch gleichzeitig für sich selbst, indem sie einen Theil ihres
Fabrikats selbst consumiren. Noch merkwürdiger ist aber der zweite
Schluß, daß nämlich die Pflanzen zu ihrem Leben und zu ihren Le—
hbensthätigkeiten, als solche müssen wir das Zerlegen der Kohlensäure
betrachten, der Aufnahme genügender Mengen von Sauerstoff ebenso
dringend bedürfen, wie die Thiere; daß die Pflanzen ganz so wie
die Thiere ersticken, wenn sie keinen oder zu wenig Sauerstoff erhalten.
Wir erlangen hiermit einen sehr interessanten Einblick in den
Haushalt der Pflanzenwelt. Sie arbeiten am Tage, zerlegen die nicht
athembare Kohlensäure in athembaren Sauerstoff, den sie der Luft
viedergeben und in Kohlenstoff, den sie ihrem Körper einverleiben.
In der Nacht und im Dunkeln verzehren sie einen Theil des Sauer—
toffes wieder, um ihr Leben und ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Die Ueberschüsse ihres Fabrikats, den Sauerstoff, den sie nicht selbst
zu ihrer Erhaltung verbrauchen, überlassen sie aber der Thierwelt,
um von dieser dafür Kohlensäure in Tausch zu erhalten, welche sie
dann am Tage wieder weiter verarbeiten. Sie arbeiten also so viel,
daß sie ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen und noch einen Ueber—
schuß ihres werthvollen Fabrikats erhalten, den sie als Tauschobject
für das Rohmaterial, die Kohlensäure, den Thieren überlassen können.

Vermischtes.
Ranzig gewordene Butter wieder genießbar zu
machen. 1) 1 Pfund Butter knetet man mit 2Pfund frisch gemol—
kener Milch. 2) Man nimmt auf jedes Pfund Butter 2 Loth frisch
geglühte, gröblich gestoßene Holzkohle, */2 Loth gepulverte Kreide, 1
Theelöffel Honig und einige Stücken Möhren und kocht unter dem
Zusatz des halben Gewichtes Wasser 20 Minuten gelind; dann läßt
man die Masse durch eine doppelte Lage Stroh laufen.

Noch interessanter war die zweite von Boussingault gefundene
Lebensbedingung. Die Blätter müssen nämlich im Dunkeln Sauer—

Unternehmungslustige wollen ihre, auf die Be magazine für die Königliche Hafenfactorei auf
Bekanntmachung. dingungen gegründete Offerten portofrei bis der Hafeninsel bei Saarbrücken, die Her⸗
Am Mittwoch den . April 1866.,1 Donnerstag den 17. April er. stellung dieser Einfriedigung selbst sowie die
Vormittags 10 Uhr, unter der Aufschuft Keserung von 490 Ifd. Fuß Laufdielen
vird zu Holz bei dem Fastwirth Peter Wel des Submifston uüber Lieferung von Förder eh dheh soll im Submissionsweae ver
Anlieferung der Stamm⸗ und Stempel—⸗ wagenbeschlägen für die Gruben der Yeiageben werden.
hö an die verschiedenen Gruben⸗Stationen Berginspettion⸗ Unternehmungslustige werden daher einge—
. ei eeien ge dus de auf dem Büreau derselben abgeben, wo sie im laden, ihre versiegelten Offerten spätestens bis
deehenseredhe an e indestfordernden Feisein der eiwa erschienenen Submitienten 3. April er, Morgens 10 Uhr,
git ahen gIer e 66 Morgens 10 Uhr eröffnet werden. der unterzeichneten Stelle einzusenden, wo die—
Holz, ereede ob 5 Bedingungen und Zeichnungen können hier selben um diese Zeit in Gegenwart der etwa
r on Aer örster, ingesehen, auch gegen die Gebühren von hier erschienenen Submittenten eröffnet werden.
J bezogen werden. Die Lieferungs-Bedingungen, Zeichnung und
Sulzbach, den 18. März 1866. Aostenanschlag, auf welche in den Offerten
Qönial. Berg⸗Inspection V. uusdrüdlich Bezug zu nehmen ist, liegen hier—
ĩ — — — — äilbst zur Einsicht offen.
Bekanntmachung. Kohlwaage bei Saarbrücken, den 20. Mär—
Die Lieferung der Materialien zu 866.
Zerstellung einer Einfriediaung der Koblen

Bekanntmachung.
Sämmtliche Eisentheile für 200 Stück För—
derwagen der Gruben der V. Berginspection
Friedrichsthal-Altenwald und Sulzbach) sollen
m Wege ver Subhmission vergeben werden
            
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