hierzu vollkommeneren Lampen die Kohlengasbeleuchtung, sowie zum
Theil die Beleuchtung mit Pflanzenöl verdrängt, da die Steinöl—
Petroleum-) Beleuchtung weit billiger und einfacher herzustellen ist.
Man hatte auch versucht, dieses Oel ohne Docht zu verbrennen und
—XU——
mit Luft vermengt, zur Verbrennung gelangen sollte. Sowohl Che—
miker wie Mechaniker versuchten deshalb Apparate zu construiren,
welche in größerem Maßstabe Gase zu carabonisiren versuchten. Es
jeigte sich indessen, daß, so leicht auch das Experiment im Kleinen
ausführbar ist, die Anwendung desselben im Großen doch mit man—
nigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Diese Umstände bewogen den Mechaniker Siegfried Markus
in Wien, einen Apparat zu construiren, welcher äußerst einfach und
billig herzustellen ist und dem Zweck, Leuchtgase im Großen zu er
jeugen, vollkommen entspricht. Derselbe besteht aus zwei Bestand
heilen, nämlich aus einem Apparate, der die Kohlenwasserstoffe
Petroleum) enthält, und dann aus einem zweiten, welcher den dop—
pelten Zweck hat, die Luft, welche carbonisirt werden soll, mit einem
zewissen Druck dem ersteren Apparat zuzuführen und weiter durch
die Leitungen zu treiben. Ein Uhrwerk setzt denselben in Thätigkeit.
Diese Einrichtung steht mit einem neuen und eigenthümlichen Regu—
ator in Verbindung, um den Luftdruck constant zu erhalten und hat
vor allen bis heute zu Tage getretenen Constructionen den Vorzug
dadurch, daß hierbei selbst minder flüchtige Oele noch zur Carboni—
sirung geeignet sind und daß ein vorheriges Erhitzen der Flüssigkeit
— ein Experiment, welches erst vor kurzer Zeit öffentlich producirt
worden — gänzlich unnöthig wird. — Was nun die Kosten dieses
Leuchtgases betrifft, so hat sich bei den jetzigen Petroleumpreisen her
ausgestellt, daß hiervon eine Flamme (Schmetterlingsbrenner) nur
auf 19/3 Kr. ö. W. per Stunde zu stehen kommt, während gewöhn—
liches Kohlengas bei gleicher Lichtstärke 2i,, Kr. kostet.
Die Apparate werden nun von einer Gesellschaft in solcher Größe
ausgeführt, daß sie ein Etablissement mit 100 und mehr Flammen
dersehen können. Doch nicht die bereits erwähnte leitbare Construc—
lion ist es allein, welche einen Umschwung im Beleuchtungswesen
hervorrufen wird und muß, sondern die nun ermöglichte Aufgabe,
sich in jedem Hause auf dem Tische sofort Gas für eine, zwei bis
vier Flammen mit Leichtigkeit zu erzeugen. Verfasser hat eine Lampe
in der Form einer griechischen Vase vor sich; zwei Arme breiten sich
aus, jeder mit einem scheinbar ganz gewöhnlichen, doch eigens hierzu
construirten Schmetterlingsbrenner. Dieser Schmetterlingsbrenner ist
mittelst einer seitlich angebrachten Schraube zu reguliren, welche den
sich federnden Spalt je nach Umständen zusammendrücken oder erwei
ern kann. In der Vase selbst befinden sich zwei Pfund Petroleum,
hinreichend für eine Brenndauer von 35 Stunden für eine Flamme.
Unter derselben befindet sich als Sockel der Apparat, welcher das
Leuchtgas erzeugt und der durch ein Uhrwerk, welches alle 8 Stun—
den aufzuziehen ist, in Betrieb gesetzt wird.
Um nun aber auch darzuthun, daß die Beleuchtung mit Petro—
ieum durch diesen Apparat gänzlich gefahrlos ist, wurde folgende
Probe angestellt: 1) Der Hahn dieser Lampe wurde zu- und dann
aufgedreht; es entstand kein erstickender und unangenehmer Geruch,
wie beim Kohlengase, und es erregte die Ausströmung des Gases,
die eben nur so lange anhält, als das Uhrwerk im Gange ist, keine
vie immer geartete Beklemmung der Athmungsorgane. 2) Die
Lampe wurde absichtlich umgeworfen. Bei der gewöhnlichen Gas.
lampe würde ein Fortbrennen und Entzündung des Tisches und der
darauf liegenden Utensilien entstanden sein, desgleichen auch bei einer
zewöhnlichen Petroleumlampe; hier aber verlosch bei einer Steigung
bvon 45 Grad schon die Flamme. Es wurde sofort die Lampe auf
den Kopf gestellt, mit den Füßen nach oben; nach einigen Minuten
zeigten sich am Boden nur wenige Tropfen des in die oͤbere Schichte
des Apparates gedrungenen condensirten Gases. Zurechtgestellt. konnte
die Lampe wie vorher angezündet werden.
Der Vortheil, daß die Gasflammen keinen Ruß absetzen, wie
dies bei anderen Beleuchtungsmethoden vorkommt, daß ferner eine
infache Drehung genügt, um die Flamme zur größten Hitzeentwicke
lung für Heiz- und Kochzwecke zu bringen, die Gefahrlosigkeit und
—D—— Schmetter⸗
lingsbrenner in Anwendung bringen kann, endlich die leichte und
zillige Möglichkeit, selbst die kleinsten wie die größten Wohnungei
mit hellem, weißem, nicht ungleichem, sondern constanten Lichte
erhellen, dürfte ohne Zweifel einen Umschwung im Beleuchtunas
vesen hervorrufen. W. K.
(Nach d. Wehnschr. d. niederösterr. Gew.-Ver.)
—11
Dampfziegeleien.
Die Maschine hat sich in neuester Zeit auch der Ziegelfabrikation
bemächtigt. Auch nachdem es gelungen war, eine Maschine zu bauen,
die den nicht zu hoch gespannten Anforderungen entsprach, war der
Maschinenbetrieb doch nicht für jede Gegend rentabel, da in manchen
der Arbeitslohn für Handziegelei so billig war, daß die Maschinen—
arbeit sich nicht lohnte. Jedoch auch dieses Stadium wurde über—
wunden und zwar durch immer mehr verbesserte Maschinen auf der einen
und Vertheuerung des Arbeitslohnes auf der andern Seite. Nachdem
ꝛs gelungen war, eine Maschine herzustellen, welche so vollkommene
Waare lieferte, als die Hand und mit der man, obgleich nicht billi—
—AD
dem Felde geschlagen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die
Maschine von dem eigentlich gewerbsmäßig gelernten Ziegler unab—
hängig macht. Bei einer Production zum nämlichen Preis griff der
— VV
konnte, als zu dem Ziegler der gerade um diese Zeit am launigsten
vird, in welcher man ihn am nöthigsten braucht. — Der neuesten
Zeit nun war es vorbehalten, ein ganzes Fabriktionssystem mit Ma—
ichinenbetrieb zu construiren, das außer anderen Vortheilen auch noch
billiger producirt.
Um ein Bild von der hohen Ausbildung zu geben, auf welcher
die Ziegelfabrikation heute steht, beschreibt der Verf. eine der Dampf—
ziegeleien, wie dieselben von den Herren Wirth u. Co. in Frankfurt
a. M. seit neuerer Zeit gebaut werden. Das an Handbetrieb im
Ziegeleiwesen gewöhnte Auge vermuthet in den ziemlich langen zwei⸗—
töckigen mit hohem Kamin versehenen Gebäude eher eine Spinnerei
als eine Dampfziegelei. Zwei schmale Schienenstränge führen von
dem Lehmvorrath an das Kopfende des Gebäudes; und zwar ist das
eine Geleis für beladene Handthonwagen und das andere für leere
bestimmt. Am Gebäude angekommen, wird der Karren umgekippt.
und durch eine schmale Oeffnung fällt der Thon direct auf das Walz—
werk; hier wird er fein zermahlen und in zwei Guben geleitet, in
welchen er gesumpft wird; und zwar ist der Betrieb so eingerichtet,
daß die eine Thongrube immer fertig zur Arbeit ist, während die
andere dazu vorbereitet wircd. Aus der ersteren wird nun der Thon
auf Kunstmann's Patentziegelmaschine gebracht, die den Thon schnei—
det, knetet und in hübschen Strängen durch eine Form preßt. Mit
einer besonders construirten, neu patentirten Abschneidevorrichtung
wird der Strang in Steine geschnitten. Mit einem Ruck sind stets
s oder 8 Steine, je nach der Einrichtung fertig. Derselbe Arbeiter,
welcher die Abschneidevorrichtung bedient, nimmt auch die Steine ab.
übergibt sie einem Mädchen, das bringt sie auf den Steintranspor—⸗
eur, einen paternosterartig gebauten, von der Dampfmaschine ge—
rriebenen Aufzug, der die Steine in den ersten Stock bringt. Hier
befinden sich die Trockenräume, angefüllt mit langen Lattengerüsten.
auf welche die Steine gestellt werden. Mehrere Mädchen sind be—
tändig beschäftigt, die Steine vom Transporteur abzunehmen uud
auf besonders dazu eingerichteten Wägen auf die Trockengerüste zu
bringen. Der ganze Trockenraum liegt über den 6 Brennöfen und
es kann die Temperatur desselben so regulirt werden, daß sie stets
auf 25 bis 30 Grad, die geeignetste zum Trocknen der Steine, er—
jalten bleibt. Ein Differentialthermometer gibt den tiefsten und
jöchsten Stand der Temperatur an und controlirt so den zur
Aufsicht bestellten Arbeiter. In drei Tagen sind die Steine
vollständig trocken und werden nun in die Oefen gebracht. Die
Tonstruction der Oesen wird jetzt noch von dem Erfinder geheim
zehalten; nur so viel läßt sich sagen, daß der Betrieb derart einge—
richtet ist, daß fortwährend ein Ofen geladen, der andere abgekühlt,
einer gefeuert, einer vorgewärmt, einer wieder abgekühlt und ausge⸗
laden wird. Auf diese Weise werden mit Hülfe einer Dampfmaschine
oon 6 bis 7 Pferden jeden Tag 6000 Steine fertig und arbeiten
diese Ziegeleien unausgesetzt Sommer und Winter.
(Nach d. Gewerbehl. aus Wüuͤrttemb.)