Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

etzt solche Bedeutung habe, wobei er freilich, wie er ausdrücllich be—
nerkte, mehr zu Klagen als zu Lobpreisungen sich veranlaßt sehe.
Ansere Zeit, — die das Können besitze, aber nicht die Kunst, das
Wissen, aber nicht die Weisheit, das Wohlthun, aber nicht die wahre
Liebe, das Streben nach Freisein von Autorität, aber nicht nach wah—
cer Freiheit und Selbstbeschränkung — unsere Zeit leide vorzugsweise
im Materialismus, der nur das Sichtbare kenne, und nicht nach dem
xzwigen, Himmlischen frage, der selbst die Kirche rücksichtslos angreife
ind mit dem Gifte der Negation die Massen erfülle. Da sei es denn
hor Allem die Aufgabe, der Religion wieder eine Stätte im Herzen
zu schaffen, das Gemüth wieder in seine Rechte einzusetzen; und dazu
nüsse zunächst und am mächtigsten das Weib mitwirken mit seiner
tillen Tugend, mit seiner Liebe, Aufopferungsfähigkeit, Demuth,
Selbstverläugnung, Sanftmuth und Stärke im Ertragen bitterster
Leiden.
Das Weib habe eine doppelte Stellung in Staat und Gesell—
schaft, entweder als Gattin und Mutter oder als Unverheirathete.
Anbedingt sei das Weib der Schwerpunkt der Familie, und als
Mutter von unberechenbarem Einfluß; denn, wie schon Rousseau
zesagt, die Menschen seien immer das, was die Frauen aus ihnen
zu machen beliebten. Ganz anders stehe das ledige Weib. In
Preußen gebe es nach Lette's Berechnung etwa 7000 Gouvernan⸗
en und Lehrerinnen, 16,000 Krankenpflegerinnen, 2400 Nonnen und
Diaconissinnen, 566,000 bei der Landwirthschaft und dem Tagelohn,
700,000 als Dienstboten in den Gewerben, 700,000 als solche in
daus und Feld, 750,000 als Handarbeiterinnen beschäftigte Frauen—
simmer, ganz abgesehen von den zahllosen unversorgten Mädchen
der höheren Stände, von dem Mädchen-Proletariat der Beamten—
'amilien. Und diese Zahlen dürfen in nächster Zukunft eher noch
ꝛine Zunahme erfahren, wenn fortwährendes Steigen der Preise für
die nothwendigsten Lebensmittel, immer weitere Verbreitung des
durus und erhöhter Lebensgenüsse viele junge Männer von Grün—
dung eines eigenen Heerdes abhalten.
Als zweite Frage stellte der Redner auf: Was trägt vorzugsweise
zur glücklichen Lösung dieser hochwichtigen Frage bei? und erklärte
ich in Bezug darauf sofort mit Entschiedenheit gegen alle „Emanci—
dation“ der Frauen, gegen die vielfach geforderte Theilnahme der—
elben am öffentlichen Leben. Nicht zufällig sei es, daß man fast in—
tinctmäßig eine Scheu habe vor Frauen, welche im öffentlichen Le—
zen auftreten, daß man unwillkürlich sich zum Spotte herausgeforderr
ühle angesichts schriftstellernder Frauen; denn die Oeffentlichkeit zer
töre mindestens und auf alle Fälle die weibliche Schamhaftigkeit und
treife die Blüthen des Gemüthes ab, welche nur im Stillen, im Schooße
der Familie gedeihen.
Bei der Bildung der Frau müsse in erster Linie die Bildunc

zur Hausfrau und Mutter ins Auge gefaßt und zu diesem Zwecke
als Ergänzung der Elementarschule noch Fortbildungsschulen begrün—
det werden, im welchen Chemie und Botanik, einzelne Capitel der
Anatomie und Physiologie, deutsche Sprache und Literatur, praktisches
Rechnen, etwas Unterricht in fremden Sprachen und etwas Pädagogik
zu lehren wäre. Eine solche Ausbildung werde Segen bringen für
die spätere Hausfrau, sie werde aber auch solche Mädchen, welche un—
derehelicht bleiben, vor dem Versinken in Elend und Proletariat schützen.
Der Redner schloß mit dem Satze: Wer die Schule der Mutter hat.
dem gehört die Zukunft.

Vermischtes.
Balsaminen lange Zeit blühend zu haben und bu—
schig zu ziehen. Man macht zwei Aussaaten, die erste im März,
die zweite Anfangs Mai. Bis die Pflanzen eine Höhe von 6 Zoll
erreicht haben, hält man sie in einem Kasten in einer Wärme von
65—700 F., worauf man ihnen viel Licht gibt. Dabei bricht man
alle Blüthen aus, bis jede Pflanze eine passende Anzahl von Zwei—
zen gebildet hat. Sobald der Leittrieb eine gewünschte Höhe erreicht
hat, kneift man den Kopf ab. So erzogene Balsaminen blühen wun—
derschön in einer Mischung von gleichen Theilen guter torfig-lehmiger
Rasenerde, welche 1 Jahr auf Haufen gelegen hat und öfters um—
gestochen worden ist, gut verrottetem Kuhmist und Lauberde. Sobald
die jungen Pflanzen lebhaft zu wachsen anfangen, gibt man ihnen
wöchentlich 1—52 Mal einen mäßigen Düngerguß.

Zur Wiesenkultur. Im böhmischen Erzgebirge wendet man
folgendes einfache Verfahren an, um Waldwiesen wesentlich im Er—⸗
trage zu steigern. Man bedeckt dieselben noch vor Eintritt des Win—
ters dicht mit Nadelholzästen. Die Nadeln fallen ab und verwesen.
Im Frühjahr werden die dürren Aeste abgelesen und wenn das Gras
anfängt zu wachsen, harkt man auch die Nadeln ab.

Werth des Düngers zu erhöhen. Wenn der Stallmist
aus dem Stalle kommt, wird er in Schichten von 7—8 Zoll Dicke
ausgebreitet. Jede Schicht überstreut man sofort mit einer 12/, Zoll
dicken Schicht gepulverten Mergels oder kohlensauren Kalkes. So
behandelter Stallmist ist nicht nur fast geruchlos, sondern es haben
ich auch salpetersaures Kali und salpetersaurer Kalk in großer Menge
gebildet.

Bekanntmachung.
Am Samstag den 7. April e.
Varmittags von 9 Uhr ab,
ollen in dem Gasthause des Herrn L. Michler
ierselbst, die „beim Anbau der Wege zur
Erweiterung der Colonie Altenkessel“ vorkom—
nenden Arbeiten und Lieferungen, dem Min—
destfordernden öffentlich wie solgt verdungen
werden:
A. Arbeiten:

wKostenanschlag und Bedingungen sind vor
dem Versteigerüngstermine zur Einsicht der
Interessenten bei mir offen gelegt.
Louisenthal, den 13. März 1866.
Der Oberschichtmeister,
W. MPosth.

Bekanntmachung.

Sämmitliche Eisentheile für 200 Stück För—
derwagen der Gruben der V. Berginspection
Friedrichsthal-Altenwald und Sulzbach) sollen
im Wege der Submission vergeben werden
Unternehmungslustige wollen ihre, auf die Be
dingungen gegründete Offerten portofrei bis
Die Lieferung von 30 Trichterwagen Donnerstag den 17. April er.
um Kohlentransport der Königlichen Stein
ohlenzeche Duttweiler⸗ Jägersfreude soll in unter der Aufschrift:
Submissionswege verdungen werden. wozu Ter „Submission über Lieferung von Förder—
min auf den wagenbeschlägen für die Gruben der V
10. April t. a., Vormittags 10 Uhr. Berginspektion“
1109 16 g anberaumt wird. auf dem Büreau derselben abgeben, wo sie im
— —— Beisein der etwa erschienenen Submittenten
und gehörig bezeichnet auf dem Vureau * Morgens 10 Uhr eröffnet werden.
Anter zeichneten, wofelbst die Bedingungen undj Bedingungen und Zeichnungen können hier
die Zeichnung zur Einsicht offen liegen, abzu eingesehen, auch gegen die Gebühren von bier
ehee sr, hen 8. Miex WBobs bezogen werden.
Dudweiler, den 19. März
Der Oberchichtmeister, Sulzbach, den 18. Maͤrz 1866.
Becker. Königl. Berg-⸗Inspetion V

Die Erd- und Planirungsar⸗
beiten, „Befestigung der Fahr⸗
bahn, Herstellung des Rinnen—
oflasters und der Baumpflan⸗
zungen, veranschlagt zu ..
Herstellung eines Durchlasses
incl. Lieferung der dazu er⸗
forderlichen Materialien, ver⸗
anschlagt zu.. .. 67 11 8
B. Lieferungen:
3. von beiläufig 71 Schrth. Kies,
. 27, feste Pflastersteine,
3.4 139 Pfflastersand.
            
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