Der Gewerbliche Zustand in Franukreich
im Jahre 1863.
Wie in den früheren Jahren ist den jetzt in Paris tagenden
Rammern vom Gouvernement eine Uebersicht des gewerblichen Zustan—
des des Landes vorgelegt worden, aus welcher die „Köln. Ztg.“
tolgendes hervorhebt:
Im Jahre 1865 hat sich keine irgend fühlbare Veränderung in
der Lage des Ackerbaues zugetragen, und die Staatsregierung has
alle die Mittel in Anwendung gebracht, welche zur Hebung der Land—
wirthschaft beitragen können. Die Ernte der Cerealien und Futter—
räuier war bedeutend geringer als in den beiden vorhergehenden
Jahren, und tritt dies am empfindlichsten im Süden und Osten des
dandes hervor. Während für das ganze Land der durchschnittliche
Minderertrag auf 10 pCt. anzunehmen ist, steigert er sich in den
letztgenannten Theilen auf ein Drittel. Unter diesen Umständen
zätte man eine bedeutende Steigerung der Preise erwarten dürfen,
allein die reichen Ernten von 1883 und 1864 haben so bedeutende
Vorräthe geschaffen, daß die geringe Ernte im letzten Jahre fast
ohne Einfluß geblieben ist und sich nur beim Weizen eine geringe
Steigerung bemerklich macht. Am 1. Januar 1865 kostete der Hek
oliter Weizen zu Paris 15 Fr. 66 C., im Dezember dieses Jahres
einen Franken mehr. Die französischen Landwirthe, besonders die
des Südens, hören nicht auf, sich über die Einfuhr fremden Getrei—
des zu beklagen, obwohl die offizielle Nachweisung über die Aus- und
Einfuhr zeigt, daß die Ausfuhr von Weizen und Weizenmehl die
Finfuhr um 2,670,500 CEtr. überstiegen hat, und klar darthut, wie
wenig gerechtfertigt die Klagen gegen den Freihandel sind. Ueber
die Weinernte sagt der Bericht, daß sie 1865 eben so vorzüglich
in Qualität als in Quantität gewesen sei und sich an vielen Orten
ein Mangel an Fässern gezeigt habe. Leider stehen der größeren
Consumtion des Weines in den Städten die hohen Abgaben entge—
gen, welche sowohl von dem Staate wie von den Kommunal-Behör—
den erhoben werden und bei den kleinen Weinen oft das Sechs- und
Siebenfache des dem Produzenten für den Wein bezahlten Preises
betragen. Viele Weine des Südens werden in diesem Jahre zu ei—
nem unglaublich niedrigen Preise an die Destillerieen für Cognac
und Armagnac verkauft und im Departement de l'Hoͤrault nicht höher
als mit 3 Fr. 50 C. bis 4 Fr. für 100 Litre bezahlt, während man
bdehauptet, daß die Productionskosten für dieses Quantum 4 Fr. 50
C. betragen. Die Folgen des Handelsvertrages mit England neh—
men in Frankreich immer größere Dimensionen an, wie folgende offizielle
Angaben bezeugen. Im Jahre 1863 betrug in den ersten 11 Mo—
naten die Ausfuhr von Rindvieh nach England 10,151 Stück, im
Jahre 1865 in dem gleichen Zeitraum 25,948 von Schafpvieh erhob
sich die Ausfuhr in jenen Zeiträumen von 16,577 auf 50,388 und
von Schweinen von 3620 auf 52,847; von frischem und gesalzenem
Fleische stieg die Ausfuhr von 4,552,768 Kil. auf 6,998,480, von
frischer und gesalzener Butter von 10,853,724 Kil. auf 17,850238;
von Geflügel unb Wildpret steigerte sich die Ausfuhr von 1,346,506
Kil. auf mehr als 2 Millionen, und von Eiern von 19.363,677 Kil.
auf 28,321,892.
Durch die schlechte Stroh- und Futterernte, welche eine Ver—
ringerung der Viehstände herbeigeführt hat, so wie durch die Ver—
aichtung so zahlreicher Dünger erzeugender Thiere durch die Rinder—
best in England und Holland ist die Nachfrage nach künstlichem
Dünger und Guano um so stärker hervorgetreten und eine Steiger⸗
ung der Preise veranlaßt. Um den vielfachen Betrügereien beim
ünstlichen Dünger zu begegnen und die Verwendung des menschlichen
Erkrementes zu erleichtern, hat eine aus Landwirthen, Chemikern
und Ingenieuren zusammengesetzte Kommission der Staats-Regierung
Material zu einer darauf bezüglichen Gesetzesvorlage geliefert. Di—
plomatische Verhandlungen mit der Republik Peru haben zu einem
Vertrage geführt, durch welchen der Preis für den Gouano ermä—
diat ist.
Ueber die Seidenkultur in Frankreich ist nur Betrübendes
zu berichten, und die Verheerungen durch die Krankheit der Würmer,
velche sich beim Einspinnen zeigt, haben sich verderblicher als je
jerausgestellt; nur allein die von Japan bezogenen Grains bleiben
—R der Seuche befreit. Leider sind die dadurch erzeugten Cocons
gon einem geringeren Morthe und fürn die⸗ ßdessten Erzeuonisso ve—
Seidenfabrikation nicht geeignet. Von Seiten des Gouvernemente
st nichts versäumt worden, um ein Uebel zu bekämpfen, welches
eine der werthvollsten Quellen der französischen Industrie bedroht.
Seit Jahren beschäftigt sich vergeblich eine aus den angesehensten
Männern der Wissenschaft und Industrie zusammengesetzte Kommis—-äon
mit der Aufgabe, die Ursachen der Krankheit zu erforschen und
Mittel zu finden, um ihr vorzubeugen. Um auch andere Kräfte für
diese Aufgabe heranzuziehen, hat man eine Reihe von Fragen auf—
gestellt, welche in vielen Exemplaren in alle Seidenzucht treibend—
Departements vertheilt sind.
Seit der nordamerikanische Kampf seine Endschaft erreicht hat,
sind große Bestellungen auf Seidenstoffe von dort eingegangen, und
nicht minder zeigt sich dafür ein lebhafter Begehr in England. Leichte
eidene Stoffe verlangt Algier und die Levante, und nur die Sel—
enheit und der hohe Preis des Rohstoffes hindert die französische
ZSeiden-Industrie, sich unter so günstigen Umständen vollkommen zu
entwickeln. Die Fabrikation wollener und leinener Stoffe ist im leb—
jaftesten Aufschwung und fremde Wollen sind in sehr bedeutender
Menge eingeführt, da die französische Schafzucht eben so wenig den
Rohstoff zu liefern im Stande ist, als der französische Ackerbau den
erforderlichen Flachs. Die neuen reichen Zufuhren von Baumwolle
jaben in der bezüglichen Industrie ebenfalls ein erhöhtes Leben her—
vorgerufen.
Die im vorigen Jahre an den Tag gelegte Absicht der Staats
Regierung, einen bedeutenden Theil der Staatswaldungen zu ver—
iußern, hatte eine so allgemeine Opposition hervorgerufen, daß man
diesen Plan nicht weiter verfolgte. Längst steht unzweifelhaft fest,
daß das Verschwinden der Wälder, namentlich auf den Gebirgen,
die größten Nachtheile für das allgemeine Wohl herbeiführt, und oft
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zerstört, so schwer und langsam wieder hergestellt werden können.
Die Bedürfnisse der Eisenbahnen und der große Bedarf an Fässern
jaben die Holzpreise bedeutend gesteigert, und die Staatswaldungen
jaben im vorigen Jahre ein Million mehr eingetragen, als veran—
schlagt war. Die Befreiung der Wälder von Servituten ist lebhaft
in Angriff genommen und die Gesetze vom 28. Juli 1860 und 8
Juni 1864 über die Wiederbewaldung und Wiederberasung der Höhen
zeigen bereits eine segensreiche Wirkung, und sind bis Ende 1865 be
reits über 50,000 Hektaren wieder bewaldet worden. Zur Befesti
zung der Dünen sind 1865 3300 Hektaren bepflanzt und besäet und
eine Länge von 48 Kilometer mit Pallisaden gegen Sandmehen ver—
seben worden.
Das nordische Pferd.
Das nordische oder schwere obersteierische Zugpferd, welches sich
ietzt außer seinem Stammlande, der Obersteiermark, auch in den an
grenzenden Bezirken Unterkärntens eingebürgert hat, ist wohl noch
so rein in seiner Race erhalten geblieben, wie es in dem einstigen
Noricum angetroffen wurde. Aus dieser Zeit führt es auch seinen
Namen. Es ist, wie Fr. Schollineyer in der Laibacher Zeitung dar
thut, das schwerste Zugpferd der österreichischen Monarchie, erreicht
durchschnittlich 16 bis 17 Faust Höhe und ist in jeder Hinsicht der
Pinzgauer Race, welche durch irgend eine Kreuzung mit der nori—
chen Racen hervorgegangen ist, vorzuziehen. Das norische Pferd
enthält in Physiognomie, Structur, Temperament ein Gemisch des
arabischen und Burgunder Pferdes. Das norische Pferd hat einen
fleineren Kopf als das Burgunder Pferd, und nicht den Schlegel
kopf der Pinzgauer Race. Sein Hals ist lang und sehr breit, se
daß die Breite im Durchschnitt 36 bis 40 Wiener Zoll erreicht; der
Widerrist ist hoch, der Rumpf cylindrisch geformt, die Krupe auf—
ällig breit und musculös, das Krenz sehr breit (24 bis 26 Wieuer
Zoll von einem Ballen zum andern), die Füße sind kräftig, dod—
nichts weniger als plump, Fesseln und Kronbein sind kurz und mehr
ein, der Huf gut geformt, für Steingebirge zähe, ausdauernd und
nicht flach, Mähne und Schweif sind auffallend stark behaart. Di
Farbe ist in allen Nuancen vertreten; die gesuchteste ist die braune.
Diese Pferderace verrichtet im steilen, unwegsamen Gebirge, sowi—
auch im Flachlande, bei schwerem Zuge seinen Dienst besser als das
Burgunder Pferd und ist auch kräftiger als dieses. In Obersteier
nark Pozirf Sfainz. werhden sohr aute MRfophe 3 Nagos
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