Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

kin Rückblick bezüglich der Landwirthschaft auf das
Jahr 1865.
„Die Arbeit,“ sagt Arthur Young in seiner politischen Arith—
netik, „ist die Mutter des Reichthums; die Erde, unerschöpflich in
hren Gaben, belohnt den Schweiß des arbeitsamen Mannes, der sie
aut, und nimmt von seiner Mühe und Beschwerde das Maß zu den
steichthümern, die sie ihm schenkt.“ So schön und wahr diese Worte
m Allgemeinen sein mögen, so werden doch viele Landwirthe am
znde des Jahres 1865 der Ansicht sein, daß der Erfolg der land—
virthschaftlichen Production im Laufe dieses Jahres nicht überall im
jeraden Verhältnisse zu den aufgewendeten Mühen und Arbeiten war.
Fine abnorme Witterung, eine Trockniß, wie sie seit Menschengeden—
en nicht erinnerlich, hat manche schöne Hoffnung getäuscht und manche
ichere Berechnung zu Schanden gemacht. So viel sich jetzt übersehen
äßt, war die Ernte der Halmfrüchte im Allgemeinen mittelmäßig,
ie Kartoffelernte gut; dagegen haben die Futterkräuter einen äußerst
jeringen Ertrag gegeben. Ein geringes Ergebniß an Futtermateria—
ien wirkt aber immer doppelt nachtheilig, einmal auf den Viehstand
in und für sich, das anderemal auf die Produktion von Dünger.
Jedoch waren nicht allein die Ergebnisse des Feldbaues an und für
ich gering, sondern auch die Preise sind unter das Mittel herabge—
jangen und der Landwirth seufzte unter dem doppelten Druck niede—
er Preise und ungenügender Ergebnisse. Auch an außerordentlichen
kreignissen fehlt es nicht, welche die Cultur des Bodens beeinträch
igen; dahin gehören namentlich: die Kartoffelkrankheit, welche, be—
reits verschwunden geglaubt, in England in bedauerlicher Stärke wie—
jer aufgetreten sein soll; die Seidenraupenkrankheit, welche trotz Ein—
uhr fremder Raupen nicht aufhören will und dann endlich die Rin
erpest, jene verderbliche Seuche, welche von Zeit zu Zeit aus den
stländischen Steppen hervorbricht und ihre Wanderungen durch die
zeichen Culturländer Westeuropas nimmt. Bis jetzt hat sie sich
noch nicht weiter als über England, Holland und Belgien verbreitet
ind es ist zu hoffen, daß es durch strenge Sanitätsmaßregeln gelin—
jen wird, sie von uns fern zu halten; allein dennoch trägt sie we—
entlich dazu bei, den freien Verkehr und dadurch das Steigen der
hroductenpreise, namentlich des lebenden Viehes, zu verhindern.
Im großen Gebiete des Feldbaues mißrathen nie alle Ernten;
o ist es auch im Jahre 1866. Winzer und Tabaksbauer haben sich
eines reichen Ertrages, namentlich die ersteren, zu erfreuen. Was
sie und da an Menge abgeht, wird durch die vorzügliche Qualität
des Weines ersetzt; „seit einem Jahrhundert sei kein so edler Wein
jediehen, als im heurigen Jahre,“ so lauten fast alle Berichte aus
den Weinländern Deutschlands. Es wird absichtlich gesagt Deutsch—
ands; in Ungarn wird über den Ertrag sehr geklagt und soll an
Ausfuhr kaum zu denken sein, so daß die deutschen Winzer auch
uuf einen entsprechenden Preis für ihre Producte rechnen dürfen
In Frankreich soll dagegen die Qualität und Quantität ausgezeich—
tet sein.
Die niederen Preise der landwirthschaftlichen Producte, welche
chwer auf dem Bebauer der Felder lasten, kommen im Anfange dem
Lerzehrer, dem Städter und der Industrie zu gut und die Klagen
iber „schlechte Zeiten“ beschränken sich vorerst auf die ackerbautreibende
zevölkerung. Der Rückschlag auf die Industrie wird aber nicht aus—
leiben. Der einzelne Ackerbauer consumirt allerdings wenig an
iberseeischen Producten, sowie an feineren Industriewaaren und Luxus.
zegenständen; allein was der Einzelne nicht leistet, wird ersetzt durch
zie Menge. Wenn es dem Bauersmann wohlgeht, so ist er geneigt,
twas mehr als gewöhnlich aufzuwenden und dieses kleine Mehr mit
der großen Zahl der landbautreibenden Bevölkerung multiplicitrt,
zibt eine Summe, über deren Größe man erstaunt und die der In—
zustrie, den Gewerben zufließt. Darbt dagegen der Bauersmann,
o schränkt er sich auf das Allernothwendigste ein und für die In—
pustrie entsteht eine Lücke, die sie sich durch alle Zweige der gewerb⸗
ichen Thätigkeit fortpflanzt. Wohlhabender Ackerbau erzeugt Leben
und Reichthum in allen Kreisen des Staates; vergebens wird man
die Industrie eines Landes heben wollen, so lange der Ackerbau dar—
—XR
Man darf sich nicht verhehlen, daß für die Landwirthschaft eine
jeue Zeit angebrochen ist; mit den erleichterten Verbindungen durch
kisenhahnen ünd Dampfschittfahrt sind nicht nur ferne Länder mi—

ihren Bodenerzeugnissen näher gerückt und erscheinen mit uns auf
den einheimischen Märkten, sondern die Auswanderung, der Anbau
iremder Länder mit jungfräulichem Boden ist unendlich erleichtert
zegen frühere Zeiten; sie drohen uns mit ihrem Segen zu erdrücken;
iie entziehen uns mit den Auswanderern zugleich Capital und arbei—
ende Hände. Bereits füllen sich die ungeheuren Vorrathsspeicher
dondons mit überseeischem Getreide; bereits ist die australische Schaf⸗
volle eine stehende Rubrik in den Registern unserer Manufacturen;
hereits beginnen die Rinderheerden Südamerikas in Form von Fleisch⸗
extract uns den Markt für Verproviantirung der Flotten und See—
jäfen streitig zu machen; die Klage über Mangel an Arbeitern ist über
all eine brennende Frage der Landwirthschaft.
Allein in der großen und schönen Einrichtung der Welt erzeugt
iich neben dem Uebel auch das Heilmittel; wenn die Entdeckungen der
der Neuzeit uns manche Unbequemlichkeit verursachen, so bringen sie
ins auch Hülfsmittel, welche die frühere Zeit nicht geahnt hat. Ge—
zen nachtheiliche Witterungseinflüsse schützt uns bis auf einen ge—
vissen Grad Tiefcultur, Ent- und Bewässerung; gegen Krankheiten
»er Pflanzen hilft erfahrungsmäßig am besten eine rationelle Cultur
ind Düngung; gegen Viehkrankheiten und Seuchen die fortgeschrittene
Beterinärwissenschaft und die vollendete Organisation der polizeilichen
Sanitätsmaßregeln; gegen Mangel an Arbeitern leiht uns die Me—
hanik Maschinen- und Dampfkraft. Nur darf man nicht hoffen, daß
diese Hülfsmittel so ohne Weiteres eingeführt und allgemein werden
fönnen. Die Landwirthschaft ist ein vielfach zusammengesetztes Ge—
verbe, die kleinste Veränderung in einem Theile desselben macht sich
nehr oder minder in allen übrigen fühlbar. Die unbezweifelsten und
rachhaltigsten Verbesserungen sind zuweilen nur mit zeitweiligem Ver—
iicht auf Reinertrag möglich; der Bauersmann, der von dem Ertrage
einer Felder lebt, kann diesen aber nicht entbehren; wie häufig sind
uicht unterrichtete, gebildete und fleißige Landwirthe, welche diesen
Imstand übersehen haben, auf wohleingerichteten Gütern zu Grunde
zegangen während unmittelbar daneben der einfache Landmann vor—
refflich fortkommt! Nirgends ist der Enthusiasmus weniger am Orte,
als in der Landwirthschaft. Man möchte fast hinzufügen: nirgends
ist der Fortschritt lLangsamer. Aber auch nirgends ist der Fort—
schritt lohnender; denn wenn es gelingt, den Ertrag der Felder
um 1/00 zu erhöhen, so ist in einem Lande, wie z. B. Bayern, mehr
zeschehen, als wenn Hunderte von Fabriken ins Leben gerufen wor
den wären. (Nach d. Ztschr. des landw. Ver. in Bayern.)

Vermischtes.
Es ist — so schreibt ein Sachkundiger aus Minden — noch im—
ner eine ungelöste Aufgabe, das Meerwasser trinkbar zu machen, selbst
destilirtes und chemisch gereinigtes Meerwasser fährt fort, verderblichen
Finfluß auf allen Organismus auszuüben, und inmitten des flüssigen
Elements gehört Wassermangel zu den schrecklichsten Gefahren. Die
wesentlichsten unorganischen Bestandtheile des Meerwassers sind Koch—
salz, Glaubersalz, Kalksalze und salzsaure Magnesia. Allein wenn
auch alle diese Stoffe ausgeschieden werden, so bleibt trotz aller bis—
herigen Versuche das Meerwasser untrinkbar und es scheint, als habe
Meister Neptun sein Element in ein Geheimniß gehüllt, um es ein—
zig seinen eigenen Geschöpfen vorzubehalten. Da nämlich Mag—
iesia ein äußerst hygroskopischer Körper ist und stets von Neuem
uus der Atmosphäre Wasser anzieht, so werden mit Seewasser ge—
ränkte Körper nie wieder trocken, wenn sie nicht vorher mit süßem
Wasser ausgewaschen werden. Sonach ist das Meerwasser auch
nicht einmal zur Wäsche zu verwenden. Wenn man die mitt—
ere Tiefe des Meeres nur zu 3000 Fuß annimmt, so würde
hdie ganze Salzmenge dieser Wassermasse etwa 13 Millionen Cubik—
neilen betragen. Das Kochsalz allein würde etwa 10 Millionen Cu—
ikmeilen ausmachen, eine Massenausdehnung, die den körperlichen
Inhalt der ganzen Alpen um das 15fache übertrifft und dem des
zanzen Himalaya gleichkommt. Der Bohrbrunnen von Neusalzwerk
zei Minden liefert in 24 Stunden 685,000 Cubikfuß Waseer; allein
2r müßte 130,000 Jahre strömen. um eine einzige Cubikmeile Sal⸗
zu geben!

Aprikosenbäume im freien Lande zu erzielen. Man
darf die Aeste im Frühjahr nicht zu zeitig beschneiden; das Beschnei—
den geschieht vielmehr erst. menn die Blätter schon bervorsprossen
            
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