Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

lassen, daß die Hunde sich zu solchem Schergendienst hergeben und
ie Helfershelfer der Menschen bei ihren Grausamkeiten gegen die
Thiere machen.“
„Pfui! Pfui! Pereat den Hunden! Hinaus mit den Hunden!“
chrien die Abgeordneten der Kälber, Rehe, Hasen, Fasanen und
Feldhühner. Der Abgeordnete Hund erhob sich, um etwas zu sei—
ier Rechtfertigung zu bellen, allein er wurde überschrien und brum—
nend und zähnefletschend verließ er die Versammlung. Der Präsident
uhr fort:
„Hier eine Beschwerde der Hunde gegen die Maulkörbe und gegen
die Hundsstage.“
Nicht unterstützt! Geschieht ihnen Recht den Verräthern!“
„Die Eingabe ist nicht unterstützt und wird deshalb bezüglich ihrer
jur Tagesordnung übergegangen.“
„Ferner eine Petition der Schmetterlinge und Käfer. Sie bitten,
nan moͤge sie jedesmal erst in Spiritus ersäufen, oder sonst auf eine
Weise umzubringen, ehe man sie an Nadeln aufspießt und sie Tage
uind Wochen lang zu Tode zappeln läßt. Ich finde dies Gesuch nicht
unbescheiden und empfehle es zur Unterstützung.“
Anterstützt, unterstützt!“
„Ferner eine Eingabe der Hühner, Enten und Gänse. Ihr Ge—
uch geht dahin, man möge ihr die Krägen nicht halb, sondern ganz
ibschneiden, denn es sei lediglich eine Verrücktheit der Köchinnen,
wenn diese glauben, das Fleisch des Geflügels werde zarter, wenn
man dieses mit halb abgeschnittenem Kopfe im Hofe umherrennen
lasse. Auch diese Petition ist unterstützt.
Endlich noch eine Petition der Schweine. Auch ihre Ansprüche
iind nicht unbescheiden; sie bitten, chloroformirt zu werden, ehe man
ãie absticht. Ist ebenfalls unterstützt.
Und nun zum Schlusse, meine Herren, noch einen Akt der Ge—
rechtigkeit. Wenn wir heute unseren Unwillen gegen die Grausam—
eiten der Menschen ungeschminkten Ausdruck gegeben haben, so dür—
en wir doch nicht unerwähnt lassen, daß auch unter diesem entarte—
en Geschlechte es Einzelne gibt, die ein thierfreundliches Herz sich
zewahrt haben und die nach Kräften darauf hinwirken, die Leiden
der Thiere zu mildern. Sie alle kennen die Thierschutzvereine und
unter den einzelnen Männern, die wir zu unseren Freunden zählen
hürfen, nenne ich Ihnen den „Hinkenden Boten von Lahr.“ Wenn
jhre Bemühungen auch noch nicht im Stande waren, eine wesentliche
Milderung unserer Leiden zu erzielen, so sind wir ihnen doch Dank
schuldig und ich fordere Sie deshalb auf, meine Herren, sich als ein
Zeichen Ihrer Anerkennung von Ihren Sitzen zu erheben.“
„Halt!“ schrie der Maulwurf, und watschelte auf die Redner
dühne. „Herr Präsident, ich bitte ums Wort.“
Der Abgeordnete Maulwurf hat das Wort.“
„Meine Herren! Ich schließe mich vollkommen der Aufforderung
des Herrn Präsidenten, bezüglich der Thierschutzvereine an, bezüglich
des „Lahr. Hinkend. Boten“ aber protestire ich. Der Hinkende ist
ein alter Schwätzer, er hat keineswegs unsere Dankbarkeit verdient,
wie ich gleich beweisen werde. Ihr Alle wisset, welche Dienste wir
Maulwürfe den Menschen leisten. Wir durchwühlen allerdings ihre
Aecker und Wiesen, aber nicht um die Pflanzenwurzeln zu beschädi—
zen, sondern um die Regenwürmer, Engerlinge und Schnecken zu
verzehren, die ihre Felder und Wiesen verwüsten. Der Himmel hat
ans mit gesunden Verdauungswerkzeugen gesegnet und was ein rech—
er Maulwurf ist, frißt täglich drei- oder viermal so viel von diesem
Ungeziefer als er selber schwer ist, und jedesmal nach 6 Stunden hat
er schon wieder Appetit. Ja ich sage Ihnen, meine Herren, und ich
spreche aus Erfahrung, ein gewissenhafter Maulwurf frißt jährlich
einen gestrichenen Scheffel voll Regenwürmer und Engerlinge. Lange
haben die einfältigen Menschen unseren Werth nicht erkannt, sondern
haben uns für ihre Feinde gehalten und uns nach dem Leben ge—
rachtet; besondere Maulwurfsfänger haben sie aufgestellt, die mußten
uns fangen, erwürgen und an abscheuliche Galgen aufhängen. Ja,
in vielen, sehr vielen Gemeinden geschieht dieses noch, und für un
ere Verdienste belohnen uns die Menschen mit dem Galgen.“
(Schluß folgt.)

Pferdefleisch.
Dem Wochenblatt des landwirthschaftlichen Vereins im Groß
herzogthum Baden entnehmen wir folgende Notiz über Pferdefleisch
ẽs dauert lange, bis sich das Fleisch der Pferde, wie das unserer
ibrigen Hausthiere, Eingang in die Küchen unserer Hausfrauen ver
chafft. Jedermann ekelt sich vor diesem Fleisch, und warum? weil
zx sich dabei ein süßlichschmeckendes Fleisch denkt! Ueberwindet man
»en Ekel, so wird man finden, daß das gesalzene Pferdefleisch nich
anders als der gesalzene Schweineschinken schmeckt. Die Zeit wird
auch bei uns kommen, wo man junge Pferde, die ein Bein brechen,
nicht dem Abdecker übergibt, sondern nach dem Gewicht an der
Metzger verkauft.
In Dänemark wird schon eine Reihe von Jahren viel Pferde
leisch gegessen. In Kopenhagen ist ein Metzgerladen, der nur Pfer
defleisch hat; dort wird auf die Hüften der geschlachteten Pferde ein
Zeichen gebrannt, daß das Fleisch gesund ist, und die Viertel müssen
iach dem Schlachten einige Zeit ausgehängt werden, damit Jeder—
mann sehen kann, daß das Thier gesund war. In Dänemark gibt
es Bauern, die statt eines Schweines jährlich ein Pferd schlachten
and der ganzen Familie schmeckt der geräucherte Pferdeschinken so
gut als ein Schweineschinken.
In Berlin sind drei Pferdeschlächter und kostet das Pfund Pferde—
leisch 2 bis 21/, Sgr. In Hannover sind 2 Pferdeschlächter; das
Fleisch von Fohlen und jungen Perden kostet 3 Sgr., das Pfund
zon älteren Thieren 2 Sgr. Berichterstatter jsah in Hannover Fohlen,
die einen Beinbruch erlitten, für 25 bis 30 Thaler, je nachdem sie
genährt waren, an den Pferdeschlächter verkaufen.
Aber nicht allein im Norden verschafft sich das Pferdefleisch Ein—
zang in die Haushaltungen, sondern der Süden ahmt bereits eben—
falls diese Sitte nach. In München sollen mehrere Metzger sich be—
inden, die neben dem Ochsen- und Rindfleisch auch Pferdefleisch
rushauen, doch ist der Preis dort noch sehr wohlfeil und soll das
Pfund nur 3 kr. kosten.
Der Pferdeschlächter hat neben der Einnahme aus Fleisch noch
tolgenden Erlös:
1. aus Roßhaar,
2. aus der Haut, welche zu Wagendecken, Stiefelschäften
Feuereimern ꝛc. gebraucht und mit 4 bis 6 fl. bezahlt wird
aus dem Pferdefett, welches per Pfund mit 30 bis 36 kr
bezahlt wird und weil es fast immer flüssig ist und nur
bei größerer Kälte gesteht, besonders brauchbar zum Ein—
schmieren aller laufenden Werke der Müller erscheint.
Er kann also einen namhaften Preis für die Pferde bezahlen
und wird es auch thun, wenn sich die Consumtion des Pferdefleisches
mehr und mehr Eingang verschafft.
Das Ministerium des Innern veröffentlicht im Staats-Anzeiger
eine Nachweisung über den Geschäftsbetrieb und die Resultate der
Sparkassen für das Jahr 1864. Hiernach betrug die Gesammtzahl
der 1864 bestehenden städtischen Sparkassen 371, der Kreissparkassen
130, zusammen 503, so daß gegen das Jahr 1863 eine Vermehrung
der Sparkassen um 10 eingetreten ist. Die Summe der Einlagen
hetrug nach dem letzten Abschlusse von 1864: 81,893,205 Thlr. 9
Sgr.; es ist gegen das Vorjahr eine Steigerung von 7.309.903
Thlren. 7 Sar. 10 Pf. eingetreten.

Moosen auf Wiesen zu begegnen und einen reichen
Graswuchs zu erzielen.
Hierüber sagt der „Schweizerbote“: „Den verschiedenen Mitteln,
die zu diesem Zwecke schon in Vorschlag gebracht worden sind, reihen
wir eines an, das nach gemachter Erfahrung, besonders auf etwas
schwammigen Wiesen, alle anderen übertrifft. Man fahre Sand oder
auch starksandigen Boden zu einem Haufen zusammen, begieße den⸗
selben täglich mit Jauche, damit er fortwährend durchfeuchtet ist.
Nach jedesmaligem Begießen streue man dünn Gyps über. Derselbe
hindert bekanntlich den starkriechenden Stoff der Jauche, genannt Am⸗
moniak, am Verpflüchtigen. Etwa alle acht Tage wühle man den
Haufen tüchtig durcheinander. Hat man 4 bis 5 Wochen lang den
Sand ktänglich so gedünat und geayppst daunn bringe man iPn auf die
            
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