mein armes Herz war voll Trübsal und mein Schnabel blieb stumm,
ꝛs war mir wahrhaftig nicht singerig zu Muthe und die feinsten
Leckerbissen, die man mir bot, sie waren nicht im Stande, meinen
ummer zu zerstreuen und mein Schweigen zu brechen. „Warte nur,
vir wollen dich schon zum Singen bringen,“ sagten die Menschen
und sie stachen mir die Augen aus. Sie haben mich zum Singen
gebracht.
Ihr Alle wisset, die Welt des Vogels ist Licht, Liebe und Ge—
ang. Wir alle leben von der Sonne, wir saugen uns voll von ihr,
wir begeistern uns in ihr. Wir alle leben von und in der Liebe,
unser ganzes Dasein ist der Zärtlichkeit, der Liebe gewidmet. Und
unser Gesang, was ist er Anders, als ein Lobgesang auf die Sonne
ind auf die Liebe und auf den gütigen Schöpfer, der uns beldes ge⸗
chenkt? Meine Sonne hat man mir genommen, meine Liebe hat man
nir geraubt und nur den Gesang hat man mir gelassen, um mei—
nen Schmerz auszuweinen. Das war aber kein Lobgesang, an dem
meine Quäler sich nun ergötzen konnten und wegen dessen sie mir
Bravo zuriefen, das waren lauter Schreie des Schmerzens und der
Verzweiflung. Ich sang und schrie meinen Schmerz hinaus, Tag
ind Nacht, was wußte ich, was Tag und Nacht war? — ich schrie
iach meinen Lieben, ich wollte das Licht, die Sonne herbei singen,
ch sang, bis ich ermattet vom Stänglein fiel. Da lachten die Men—
chen, die Grausamen und Thierquäler und sagten: „s ist doch ein
ustiger Vogel, so eine Amsel!“
„Ich habe wenig mehr zu sagen. Eines Tages blieb mein Käfig
ind das Fenster offen und ich entwich, um doch wenigstens im Wal—
desgrün sterben zu können.
Was aus meinem Gatten, was aus meinen Kindern geworden
ist, ich weiß es nicht, ich hätte Hungers sterben müssen, wenn nicht
neine beiden Freundinnen hier mich halbtodt aufgefunden und sich
neiner hülflosen Lage angenommen hätten. Thiere sind barmherziger
als die Menschen. Ach, meine armen, armen Augen! O, könnte ich
nur die Sonne wieder sehen!“
Hier sank die Amsel erschöpft in die Flügel ihrer Begleiterinnen,
die sie unter allgemeiner Theilnahme auf ihren Sitz geleiteten.
Kein Auge in der Versammlung war bei dieser ergreifenden
Schilderung trocken geblieben und selbst der Spatz wischte sich mit
einer Klaue eine Thräne aus den Augen. „Bei meiner Kava—
iers-Ehre,“ sagte er, „das ist schändlich. Aber du sollst gerächt
werden, Unglückliche, und es soll von nun an die Aufgabe meines
Ldebens sein, die Kornfelder dieser Ungebeuer von Menschen zu
alündern.“
Die Schelle des Präsidenten gebot Ruhe und ein großer Frosch
züpfte auf den Rednerstuhl. Er blies sich auf, räusperte sich und
prach:
„Qua — Qua — Quä — Quäler sind diese Menschen“, schrie
r, und auch ich bin ein Opfer der Unmenschlichkeit oder vielmehr
hrer Unfroschlichkeit. Mein Unglück ist, daß ich im Besitz von Frosch—
chenkeln bin. Daß die Natur mich mit Schenkeln begabt hat, nicht
etwa deshalb, daß ich schwimmen und hüpfen könne, sondern vielmehr,
daß diese Gliedmaßen von den Menschen verspeist werden, weiß ich
wohl und ich habe mich schon längst in das Unvermeidliche gefügt.
Ich will mich auch darüber gar nicht beklagen; das aber ist eine
Schändlichkeit und darüber beklage ich mich, daß diese sich nicht einmal
die Mühe geben, mich vorher umzubringen, ehe sie mich dieser Glied⸗
naßen berauben, sondern daß sie mir die Schenkel bei lebendigem
Leibe ausreißen und mich nach tagelanger unerhörter Qua — Qua
— Qua — Qual zu Tode zappeln lassen. S' ist nur eine kleine
Rache und eigentlich ein schlechter Trost, daß dieses gefräßige Ge—
chlecht unter den Froschschenkeln auch dann und wann Linen Kröten—
chenkel essen muß.“
„Habe gar nichts dagegen einzuwenden, daß die Menschen meine
Schenkel nicht schmackhaft finden“, rief eine tiefe, melancholische
Stimme unter einem Steine hervor. „Aber auch wir Kröten treten
als Ankläger gegen diese Menschen auf. Wir sind zwar nicht beson—
zers reizend, ich muß es selber gestehen, aber wir sind harmlose, un—
chuldige Thiere, die Niemand etwas zu Leide thun, außer den
Schnecken, von denen wir die Gemüsegärten reinigen und wofür uns
»ie Gärtner dankbar sein und uns in ihren Schutz nehmen sollten.
Aber wehe, wehe, wir sind diesen Menschen ein Greuel und ein Ab—
cheu, sie tödten uns, wo sie uns finden, und selbst zur Belustigung
und Kurzweil für ihre ungezogenen Schulbuben müssen wir dienen,
die uns auf Brettchen legen und uns hoch in die Luft schnellen. O,
vann wird sich ein Beschützer finden für unser verachtetes. unglück
iches Geschlecht ?“
„Das wird geschehen, wenn wir nicht mehr langsam zu Tode
gesotten werden, um eine schönere rothe Farbe zu bekommen,“ schrie
ein Krebs und streckte seine Scheeren zum Wasser heraus, mit denen
er zornig gestikulirte.“
Ein glänzender, mit rothen Punkten bezeichneter Fisch hob sei—
nen Kopf aus den Fluthen und schnappte mit dem Munde, als wolle
er auch etwas sagen. Da rief der Präsident: „Die Forelle hat das
Wort.“
Die Forelle sperrte das Maul auf, doch konnte man kein Wort
verstehen. „Lauter, lauter!“ riefen einzelne Stimmen aus der Ver—
ammlung. Die Forelle sperrte das Maul noch ärger auf, aber es
'am kein Laut aus ihrem Munde.
„Sie hat einen organischen Fehler,“ rief der Frosch, „aber ich
kenne ihren Kummer und kann den Dollmetscher ihrer stummen
Klage machen. Das arme Thier wird von den Menschen auch, wie
der Krebs, lebendig gesotten, damit es eine schöne blaue Farbe be—
komme. Sein bescheidener Wunsch ist nur, man möge ihm erst
— auf den Kopf schlagen, ehe man es in die Pfanne werfe, denn
das lebendig Gesottenwerden sei keineswegs ein Vergnügen, wie
die Menschen wohl selber wissen könnten von den Zeiten der In
aquisition her“ (Fortsetzung folgt.)
5) von St. Johaun bis Rastphul,
6) von Saarbrücken über St. Arnual bis
zur Landesgrenze,
7) von St. Johann über Brebach bis hinte
Fechingen;
2) am Montag den 5. März er.,
Vormittags 10 Uhr,
dem Gastwirth Schuler zu Fraulautern
für die Straßenstrecken:
1) von Louisenthal bis Fraulautern,
von Saarlouis über Wadagassen und Wehr
Grasverpachtung. den bis Völklingen:
Die Verpachtung der Grasnutzungen in venl 3) am Mittwoch den 7. März er
Zräben und an den Böschungen der Staats Vormittags 10 Uhr,
ind Bezirksstraßen im Baukreise Damwiccerse dem Gastwirth Jungmann zu Heus—
ür das Jahr 1866 wird stattfinden: weiler für die Strecke:
1) am Sonnabend den 8. März er./ von Lebach bis Iastztun
Vormittags 9 Uhr, Den Chausseebeamten ist es nur gestattet,
sich an der Graspachtung für ihren eigenen
m Gasthause der Wittwe Brenner zu St ida zu betheiligen; eine Ueberlassung der
Johann für die Straßenstrecken: Graspacht oder des Grasertrages an dritte
Myvon St. Johann bis Rentrich, „Bersonen ist denselben untersagt
2) von Saarbrücken bis zur „goldne Bremm 2 J
8) von St. Johann bis Bildotod, Saarbrücken, den 20. Februar 1866.
49 von der Schleifmühle his Louisenthal Käniagliche Baninsvecrtion
UοXοOαααOYXααα
Sin
—220
Belgisch Deutscher
direeter Güterverkehr
vin Luxembourg.
Mit dem 20. Februar cr. tritt ein Tarif
ür den direeten Eil- und Fraͤttgui Verlehn
wischen den Stationen Trier, Conz, Mettlach,
dillingen, Saarlouis, Burbach, Saarbrücken.
Leunkirchen, Oberstein, Creuznach und einiger
Stationen der Groß Luxemburger und Belgi
chen Staats-Eisenbahn bis Lüttich, Antwer—
den, Ostende und Quiévrain andererfeits in
kKraft.
Tarif⸗ Exemplare können zum Preise von 5
Sgr. bei den Stations-Kassen der diesseitigen
zerbands-Stationen entnommen werden.
Saarbrücken, den 18. Februar 1866.
Königliche FSisenßaßn-Direction