zu befördern. Je kostspieliger es ist, beim Steigen des Correspondenz.
Verkehrs zwischen zwei Orten immer neue Drähte anzulegen, und jt
gewichtigere Bedenken auch in technischer Beziehung einer Vermehruns
Rer neben einander laufenden Drähte über ein gewisses Maß hinaus
entgegenstehen, um so höher ist der Werth einer Erfindung anzuschla
gen, welche die Ausnutzung der einzelnen Drähte in so bedeutenden
Grade steigert. Der Werth dicses Vortheils wüchst mit den Enifer⸗
nungen. Nachdem es gelungen ist, mancherlei Schwierigkeiten, —
selbsi Vorurtheile, — zu besiegen, welche sich der Anwendung des Appa⸗
rats für größere Entfernungen anfänglich entgegenstellten, ist derselbe
aicht allein bereits zwischen den Hauptorten des preußischen Telegra—
phennetzes mit dem besten Erfolge eingeführt, sondern geht auch der
Einführung für die Correspondenz zwischen Berlin und den entfernten
Haupistädten anderer Länder entgegen.
Ein nicht hoch genug zu veranschlagender Vortheil ergibt sich
daraus, daß, nachdem die Depeschen in Typen gesetzt worden sind,
und, bevor mit der Abtelegraphirung begonnen wird, die Richtigkei—
der gesetzten Depesche durch Vergleichung mit dem Original auf das
Genaueste festgestellt werden kann. Bei dem gewöhnlichen Apparat
werden die Depeschen erst im Augenblicke des Telegraphirens abgelesen
Sie gelangen mithin, wenn der telegraphirende Beamte sich beim Ab—
sesen etwa versehen sollte, fehlerhaft nach dem Bestimmungsorte und
die Richtigstellung kann erst vom Bestimmungsorte aus herbeigeführ
werden, was mindestens sehr zeitraubend ist. Auch in der Form, wie
die Zeichen am Bestimmungsorte erscheinen, ist der Typen⸗Apparat dem
gewöhnlichen Morse-Apparat vorzuziehen. Das telegraphische Alpha—
det besteht bekanntlich aus Strichen und Punkten, die sich auf einem
am Bestimmungsorte über Walzen mit regelmäßiger Bewegung fort—
aufenden Papierstreifen dadurch bilden, daß die galvanische Kette in
ängeren oder kürzeren Pausen geschlossen und geöffnet wird. Ein län
zerer Schluß bringt einen Strich, ein kürzerer einen Punkt hervor
Jedes Zeichen setzt sich aus einer Combination von Strichen und Punk
sen zusammen. Nun liegt es in der Natur der Sache, daß, wenn von
selegraphirenden Beamten die richtigen Pausen nicht mit vollster Prä
zision eingehalten werden, Striche am Bestimmungsorte eher als ver
zogene Punkte und Punkte als kurze Striche erscheinen können, wodurch
Unsicherheit über die Bedeutung der Zeichen entsteht. Mängel dieser
Art sind beim Typen-Apparat nicht möglich, da nach dem vorhandenen
Mechanismus das richtige Zeichen sich mit mathematischer Genauigkeit
uberträgt.
Allerdings kann der Siemens'sche Apparat, gleich dem Caselli
schen, immer nur zwischen je zwei, ein für allemal bestimmten Statio—
nen arbeiten und ist der Zwischenverkehr ausgeschlossen. Doch ist es
sehr wesentlich, daß Depeschen, welche auf dem Sicmens'schen Appa—
rat ankommen, mit dem Morse-Apparat, und Depeschen, welche auf dem
Morse-Apparat ankommen, mit dem Siemens'schen Apparat weiter be
fördert werden können, während eine autographische Uebertragung sich
nicht weiter fortpflanzen läßt.
Ferner könnte ein Mangel des Typen-Apparats darin gefunden
werden, daß das Setzen der Depeschen in Typen und das demnäch,
dige Auseinandernehmen derselben einen Aufwand an Zeit und Arbeits
kraft verursache, der selbst beim Morse-Apparat nicht erforderlich sei
Allerdings tritt in gewisser Beziehung ein größerer Aufwand ein. Wird
indeß erwogen, daß das Setzen der Depeschen für denselben Appara
durch mehrere Personen gleichzeitig geschehen kann und die Depeschen
sodann nur wenige Angenblicke unterwegs sind, gleichlautend nach ver—
chiedenen Orten zu befördernde Depeschen aber auch nur einmal ge—
setzt zu werden brauchen, so schwindet zunächst das aus dem Zeitver—
ust hergeleitete Bedenken. Ein etwaiger größerer Aufwand an Arbeitsraft
wird dagegen durch die geschilderten Vortheile auch pecuniär be
Weitem überwogen.
Jedenfalls nimmt hiernach ber Siemens'sche Apparat in der Neiht
der neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Telegraphie die hervor—
ragendste Stelle ein, und wir dürfen annehmen, daß die preußische
Telegraphen⸗Verwaltung, welche es zuerst von allen Verwaltungen fuͤr
rathsam erachtet hat, den neuen Siemens'schen, sogenannten Typen⸗
Apparat mit guter Ueberzeugung von der Vortrefflichkeit der Erfindung
ur praktischen Anwendung zu bringen, immer mehr sehr durchgreifend
Resultate daraus herzulciten im Shüde sein wir.
Die Cigarrenfabrikation in Leipzig.
Leipzig, welches schon seit einem Jahrhundert oder noch länger in
der Tabaksfabrikation Reichthümer erwoxben hat, war auch die erste
Stadt in Sachsen, wo Cigarren fabricirt wurden und es behauptet noch
jetzt darin den ersten Reng in Sachsen. Im Jahre 1863 befanden
sich in Leipzig 335 größere, mittlere und kleinere Cigarrenfabrikanten
und sie beschäftigten zusammen 21785 Personen, darunter zur eigentlichen
Fabrikation der Cigarren — Roller —, welche im Durchschnitt jeder
2500 in der Woche oder 130,000 jährlich liefern, was annähernd
140,790,000 ergibt. Dazu kommen noch 36,004,000 Stück, die vier
Firmen in Delitzsch, Halle, Reudnitz, Prettin, Voigtsberg und Zwickau
fertigen lassen, ferner zwei Firmen, die in Delitzsch vielleicht 10 Mill.
Tigarren produciren. Der Werth dieser 186 Mill. Cigarren ist, im
Durchschnitt mit 8 Thlr. das Tausend angenommen, 1,488,000 Thlr.,
und mit Zuschlag von 298,000 Thlr. als Durchschnitt des Bruttoge⸗
winnes 1,736,000 Thlr. Das Hauptabsatzgebiet ist Sachsen, Schle—
sien, Posen und Westpreußen, Pommern, Brandenburg, die Provin?
Sachsen und die sächsischen Herzogthümer.
(Nach d. Jahresber. d. Leipz. Handels- u. Gewerbekammer.)
Vermischtes.
Bitterer Geschmack der Milch nach Fütterung mit Oel—
fuchen soll, wie Amtsrath Gumprecht erfahren, nicht eintreten, wenn
man die Oelkuchen vor dem Verfüttern mit Melasse schwach vergähren
läßt. — Zur Verminderung bitteren Geschmackes der Milch nach Füt—
erung mit weißen Ruben empfiehlt Thierarzt Zimmermann, neben
den Rüben reichlich Klee und Salz zu geben. Auch wenn die Rüben
aur unmittelbar nach dem Melken gegeben werden, sollen sie auf den
Geschmack der Milch beim nächsten Melken keinen Einfluß ausüben,
wobei es aber wohl erheblich darauf ankommen mag, in welchen Zeit⸗
abschnitten gemolken wird. Wenn das Abschneiden der Rübenköpfe und
Wurzel-Enden vorgenommen und nur der zwischen diesen befindliche
Rübentheil gefüttert werden könnte, würde der Geschmack der Milch auch
nicht leiden; es läßt sich dies aber im größeren Maaßstabe wohl nicht
ausführen.
Zur Bewaldung und Begrasung der Berge ist in Frankreich
ein kaiserliches Decret verbffentlicht worden. Die Bewaldung der Hö—
hen wird nicht nur als eine Frage des materiellen Ertrags, sondern
mehr noch als eine Maßregel zur Milderung klimatischer Einflüsse, zum
Schutz gegen Ueberschwemmungen, zur Erhaltung der Feuchtigkeit ꝛc.
betrachtet. In Anwendung gebracht werden soll sie überall, so weit es
möglich ist; nur die Wahl läßt das Decret den Gemeinden oder Pri—⸗
vaten, ob fie es selbst thun oder dem Staate zu thun überlassen wol⸗
len. Im ersteren Falle werden Prämien ausgetheilt, im letzteren nimmt
der Staat ganz oder theilweise von dem bewaldeten und begrasten
Terrain Besitz, bis die Unkosten zurückerstaättet sind.
Härten des Gußeisens. Man bereitet sich eine Mischung
von 2 Pfd. concentrirter Schwefelsäure, 4 Loth Salpetersäure und 20
Ppfd. Wasser. In dieses Bad wird der gußeiserne Gegenstand, nach—
dem er vollkommen fertig gemacht ist, im kirschrothglühenden Zustande
eingetaucht. Er soll dadurch eine sehr harte Oberfläche erhalten, ohne
seine Form zu verändern. (In Frankreich patentirt.
Flüssigen Leim herzustellen, darf man nur in einem verschlosse—
nen Glase gröblich zerstoßenen Leim mit Essigsäure behandeln; der Leim
löst sich in der Säure, wie das Gummi in Wasser. Die Lösung geht
oiel rascher vor sich, wenn man das Glas den warmen Sonnenstrahlen
aussetzt oder es in lauwarmes Wasser taucht. Das Verhältniß zwischen
Säure und Leim kann je nach der gewünschten Consistenz verschieden
sein. Man braucht etwas mehr Säure, wenn es kalt ist; für eine
Temperatur von 16 Grad C. geben 100 Theile Säure und 38 Theile
Leim eine passende Consistenz. (Journ. de Pharm. et de Chim.)
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