Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

bezüglicher Autrag von Seiten des landwirthsch. Vereins in Rhein—
preußen von der Staatsregierung abgelehnt worden ist, so ist der
selbe neuerdings vom Vorstande des Central-Vereins wieder erneu—
ert worden und hoffen wir auch Erfolg. In Rheinpreußen wie in
der Provinz Sachsen ist jenes Verlangen nach Belehrung am leben—
digsten und tritt ebensowohl in den ärmsten Gegenden der Eifel als
in der fruchtbaren Rheinebene hervor. Wenn wir mit hoher Befrie
digung auf die Theilnahme blicken, welche der land. Verein in der
Rheinprovinz findet und sich durch mehr als 17,000 Mitglieder be—
kundet, so ist es nicht minder erfreulich, daß vielfach sich in den Dör—
fern, in Städten, ja einzelnen Höfen landw. Vereinigungen, Casinos
—
geboten wird und Alt und Jung das größte Interesse dafür an den
Tag legt.
Stiften die leider nur in zu geringer Anzahl vorhandenen Acker
dauschulen unverkennbaren Nutzen, so ist auch für die Unterrichts—
Anstalten der höheren Stände von Seiten des Staates Vieles ge—
ichehen und tüchtige Lehrer sind bei denselben wirksam. Die schwe
bende Frage, ob jener höhere wissenschaftliche Unterricht in selbststän—
digen Akademien zu concentriren oder mit den Universitätsstudien
zu verbinden sei, ist noch nicht zum Austrage gebracht und wird wohl
erst mit der Zeit durch den Erfolg, welche beide Arten des Unter
richts haben, entschieden werden.
In diesen Mittheilungen, welche einer größern Abhandlung in
der Kölnischen Zeitung entnommen sind, sind Andeutungen enthalten,
welche gewiß die größte Aufmerksamkeit der Landwirthe erregen müs—
sen. Aber es ist nicht genug damit, daß man die Sache lies't und
dann sagt: „Es ist dieß Alles wahr,“ es muß auch etwas gethan
sein, die Versuche und die erprobten Verbesserungen müssen ausge—
dehnter geschehen. Es hat jeder Landwirth, auch der allerkleinste
Bauer, Gelegenheit, irgend eine Verbesserung an seinem Lande, irgend
eine bessere oder zweckmäßigere Einrichtung in seinem Viehstalle an
zubringen, nach den mitgetheilten Erfahrungen eine richtigere Fütte
rung beim Vieh einzuführen, und bessere Düngerstätten anzu
legen und Jauche und Dung besser zu Nathe zu halten. Denk
doch jeder Bauer daran, wie viel er thun kann, wenn er sein Lant
oerbessert und richtiger behandelt, doch gewiß mehr, als wenn er in
dem alten Schlendrian fortsährt, und immer noch für viel Geld Land
zukauft. Erzielt man doch auf einem gut bebauten und richtig be—
handelten und gedüngten Morgen Land mehr als auf zweien schlech
hestellten. Warum thut man dieß aber nicht? Es ist ja keine beson
dere Mühe, es erfordert keine Mehrkosten, es liegt nur an dem Wil—
len. Die Sache hat aber auch noch eine andere und tiefere Bedeu—
tung. Wenn heute auch der Vater so viel Land hat, daß er bei dem
gewohnten Gerütsche darauf, Bau kann man es oft gar nicht nennen,
so viel erzieht, um die Bedürfniffe der Haushaltung zu bestreiten, so
bleibt er immer auf dem alten Standpunkte seines Vermögens steben

geht nach Umständen durch schlechte Behandlung seiner Ländereien in
einen Vermögensverhältnissen zurück, währenddem er, wenn er sein
dand gut bebaut, dieses immer verbessert, reicher wird, und sowie er
die Verpflichtung hat, seinen Kindern eine gute Erziehung zu geben,
und seinem Gesinde mit gutem Beispiele vorzugehen, so wird er auch
hier eine Lehre geben, die gewiß viel werth ist, und wird außerdem
eine viel reichere Erbschaft an Land zurücklassen.
Zum bessern Bau des Landes gehören aber auch bessere Geräth—
chaften, wie sie bisher angewendet worden. Nehmen wir z. B. den
Pflug an, wie hart hält es doch, bis man sich an bessere, zweckmäßi⸗
gere Pflüge gewöhnen kann, Pflüge, welche man halb so leicht hand⸗
haben und wo das Vieh mit halben Kräften arbeiten kann. Ist es
denn nicht gerade so beim Landbau, wenn man mit schlechten Instru—
menten arbeitet, als wenn man sich mit einem stumpfen Brodmesser
oder gar mit einer Haidesense rasiren soll? Nächstens mehr.

Landwirthschaftliches Casino im Köllerthale.
Heusweiler, den 5. Febr. 1865.
Der große Bedarf und Verbrauch von sog. künstlichem Dünger,
oerbunden mit der Unsicherheit, stets eine dem Kostenpreise entsprechende
Waare zu erhalten, hat auch hier das Bedürfniß hervorgerufen, ein
dager von solchen Düngemitteln zu gründen, welche unter der Controlle
zon landwirthschaftlichen Vereinen, oder einer speciellen chemischen Un⸗
ersuchung stehen.
Die heutige Versammlung beschäftigte sich demnach hauptsächlich
mit der Einrichtung und dem Geschäftsgange beim An⸗- und Verkauf
der qu. Düngemittel; es wurde beschlossen, daß eine Commission von 5
Mitgliedern des Casino's zu ernennen sei, welche sich mit den verschie⸗
denen Fabriken in Verbindung setzen soll und heute über 14 Tage
Bericht erstatten möge.
Dann wurde die Frage aufgeworfen:
„Wie ist es möglich und wie ist es einzurichten, daß auch
den Unbemittelten der angestrebte Vortheil geboten werden
könne?“
Als Motiv wurde hervorgehoben, daß mancher arme und redliche
Mann (oder Wittwe) gerne sein Stückchen Land düngen und dadurch
einen höhern Ertrag erzielen möchte, wenn er nur im Stande wäre,
den für Dünger erforderlichen Betrag augenblicklich baar bezahlen zu
können.
Ein erfreulicher Beweis, wie die Versammlung auch für das
Wohl ihrer unbemittelten Mitmenschen zu sorgen trachtet, gab sich darin
kund, daß einstimmig beschlossen wurde, einen Credit ohne Preis⸗
Erhbhung, auf 6 Monate resp. bis nach der Erndte zu bewilligen.

8

—XR
Betriebs-Eiunahmen pro Februar 1865.

— 2— dpà.
Bekanntmachung.
Die Arbeiten und Materialienlieferungen
excl. der Steinmaterialien zum Bau eines ein—
fachen Wärterhauses auf der Saarbrücker Eisen—
bahn bei Posten No. 20 sollen im Wege der
offentlichen Submission vergeben werden.
Zur Eröffnung der versiegelt, portofrei und
nit gehodriger Aufschrift versehen, einzureichenden
Offerten, ist Termin auf
Donnerstag den 16. März c.,
Vormittags 11 Uhr,
hier in meinem Bliireau anberaumt, und werden
Juternehmungslustige dazu mit dem Bemerken
eingeladen, daß Anschlag, Zeichnungen und die
räheren Bedingungen auf meinem Büreau zur
Einsicht offen liegen.
Der Bahnmeister Heinrich zu Neunkirchen
sit angewiesen, die Baustelle an Ort und Stelle
sden Submittenten zu zeigen.
Bahnhof St. Johann, den 23. Febr. 1865.
Per Eisenbahn⸗Baumeister. L. Wilde.

1. Rhein-Nahe⸗-Eisenbahn.
Für Personen. Jür Güter. Ertraordinair. Summa. bis ult. Jebr
1864 im Februar: 9,884 Thlr. 28,430 Thlr. 3,107 Thlr. 41,424 Thlr. 80,909 Thlr.
186568, * 9.6000, 34780, 4,598, 48,978 , 99516 Thlr
nithin pro 1866 weniger 284 mehr 6350 mehr 1,491 mehr 7,557 mehr 18,607 —,

2. Königliche Saarbrücker und Saarbrücken-Trierer Eisenbahn.
Für Personen. Jür Güter. Ertraordinair. Summa. bis ult. Febr.
1864 im Februar: 13,922 Thlr. 78655 Thlr. 15,717 Thlr. 108,294 Thlr. 211,137 Thl.
1866,14600 83 667 1626114 ö 3396183
mithin pro 1866 mehr 678 mehr 5,012 mehr 544 mehr 6,234 mehr 27,876,
Saarbrücken, den 9. März 1865.

RKöninsliche Eisenhßahn-NHirection
            
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