große Samen-Ersparniß ermöglicht, bei den Oelfrüchten und dem
Wintergetreide die Reiniguug und Lockerung des Bodens durch Ma
schinen während der Vegetations-Periode gestattet, die Ernten aber
dadurch sichert und hebt. Beim Sommiergetreide, wo nicht immer
die Bearbeitung durch Maschinen während der Vegetation möglich
ist, erleichtert sie das Jäten durch Menschenhand, bei welcher auch
schwache Kräfte in der guten Jahreszeit eine gesunde Beschäftigung
erhalten.
Bei der Kleinwirthschaft nähert sich ein vervollkommneter Feld⸗
vau immer mehr der Gartenecultur und die genauere Kenntniß des
japanischen Pflanzenbaues wird auf unsere Verhältnisse nicht ohne
Einfluß bleiben und der hohe Werth der menyschlichen Excremente
anerkannt werden. In vielen größeren Städten, auch in Trier soll
die Einrichtung getroffen werden, wird bereits durch sinnreich con—
struirte Maschinen die geruchlose Entfernung derselben bewirkt, um
für die Landwirthschaft nuzbare Verwendung zu finden. Für die
Folge werden die Abführungs-Canäle der Städte nicht mehr durch
die Latrinen verpestet und zu Verbreitern von Krankheitsstoffen werden
Wenn wir bis jetzt der Entwässerung des Bodens durch Röhren
Drainage) nicht Erwähnung gethan haben, so verkennen wir darum
nicht die Wichtigkeit derselben, allein durch die Erfahrung ist jene
Bodenverbesserung auf das rechte Maß zurückgeführt worden.
Auf den größeren Gütern bleiben die technischen Gewerbe, die
Spiritus- und Zuckerfabrikation, auf die Erhöhung des Reinertrages
von großem Einfluß. Auch hier sind durch die Naturwissenschaften
große Verbesserungen ins Leben gerufen und die Zuckerfabrikation hat
im Jahre 1863 nahe an 40 Mill. Ctr. Rüben verarbeitet. Wir ver
danken der Chemie die Kenntniß, daß die Zuckerrübe zu ihrem Ge
deihen des Kali bedarf, wofür sich in dem Salzbergwerke von Staß—
furt, Staßfurter Salz, worüber Herr Dr. Schneider bei seinen Vor—
trägen voriges Jahr schon gesprochen, eine reiche, von den Rübenbauern
bereits vielfach benutzte Quelle eröffnet hat.
Die Chemie lehrt uns auch, weßhalb manche Pflanze erst nach
längeren Zwischenräumen wieder angebaut werden kann, die man sonst
„mit sich unverträglich“ bezeichnete. So haben wir die Phosphor
säure als einen wichtigen Bestandtheil der Schotengewächse kennen
gelernt und erklären uns nun die große Wirkung des Knochenmehls
und des Baker- und Sombrero-Guanos. Der werthvolle Peru-Guane
zeigt vielfach erst seine volle Wirkung in seiner Verbindung mit thie—
rischem Dung und Knochenmehl und kommt in noch immer sich ver
größerndem Umfange zur Anwendung. Der Gebrauch des Chilisal
peters ist nech im Steigen. Wir kennen die Einwirkung des uns
umgebenden Luftmeeres und lenken unsere Aufmerksamkeit auf die
Aschenbestandtheile der Pflanzen. So erbauen wir das System einer
naturgesetzlichen Bodenkultur und vermindern die schädlichen Einflüsse
der Witterung, indem wir durch diese Kultur uns gegen Dürre und
zu große Nässe schützen. So machen wir totale Mißernten immer un—
möglicher. Gegen Vernichtung der Früchte durch Brand oder Hagel⸗
schlag schützt sich der verständige Landwirth durch Versicherung.
Wird das Herz des Landwirths durch das fröhliche Gedeihen
seiner Saaten erfreut, so ist dieß doch nicht in höherem Grade bei
der Thierzucht der Fall. Wenden wir zunächst unsere Aufmerksam—
keit dem Pferde zu, diesem edlen Thiere, dessen Werth der Mensch
schon in den ältesten Zeiten zu würdigen mußte. England war und
ist uns auf diesem Felde aus dem einfachen Grunde weit voraus,
weil es bei der Züchtung seit Jahrhunderten den Zweck des Gebrauchs
vor Augen hatte, wir dagegen oft die edelsten Hengste mit den vor—
trefflichsten Eigenschaften mit elenden Stuten paarten und dadurch
Produkte erzielten, welche für keinen Zweck recht zu gebrauchen wa—
ren. Daß noch manche andere Gründe für die Hebung der Pfer⸗ .Knochenmehl, Tiefe der Unterbringung desselben. Im Herbste
dezucht in England wirksam waren und die Wettrennen dabei von 1868 bestellten wir ein in 2 gleiche Theile getheiltes Feld mittleren
Einfluß gewesen sind, kann nicht bezweifelt werden. Nur eine gleich— Lehmbodens in der Weise mit Weizen, daß wir auf Theil a das zur
artige Paarung mit dem Blicke auf den künftigen Gebrauchszwed Düngung angewendete Knochenmehl mit der Saatfrucht seicht unter—
kann zu einer richtigen Züchtung führen. Wir dürfen nicht ein edles ackerten, auf Theil beaber gleich die Saatfrucht aufstreuten und dann
Samenkorn in einen rohen, elenden Boden senken. Wenn die Lei- mit untereggten. Auf dem Theile bebestockte sich der Weizen schöner
stung als der wahre Prüfstein der Güte erkannt werden muß, so ist als auf dem Theile a; allein im Frühjahr wurde die Entwicklung
es als ein erfreulicher Fortschritt zu betrachten, daß man diese nicht auf dem Theile à merklich schöner als auf dem Theile b; auch hat
mehr bloß in den Wettrennen sucht, sondern bei den Acker- und Zug- der Theil a per Morgen 155 Psd. Körner mehr geliefert, als der
pferden, wie neuerlich in England geschah, die Fortschaffung von Theil b, obgleich außer der verschiedenen Art der Düngerunterbrin⸗
Lasten im Schritt und in bestimmten Zeiträumen für den Werthei gunag alle übrigen Verbältnisse vollkommen aleich waren.
dieser Pferde die Entscheidung abgab. Beruht die thierische Mecha—
nik auf der Harmonie der einzelnen Theile, so wird für den Pferde—
züchter anatomische Kenntniß des Pferdes unerläßlich sein. Nirgends
wird sich auch die auf die Pflege des Thieres gerichtete Sorgfalt
höher lohnen.
Je mehr die Bevölkerung wächst und ihr Wohlstand und mit
ihr der sittliche Zustand sich hebt, um so mehr vermindert sich in den
unteren Klassen der Branntweingenuß und Kaffee, Bier und eine
größere Fleischconsumtion treten an die Stelle. Dieß ist für die
Rindviehhaltung und Rindviehzucht von hoher Bedeutung und dadurch
zewährt sie durch Milch und Fleisch die höchste Futterverwerthung.
Immer mehr kommt man von dem Wahne zurück, daß die Race
darüber entscheide und hat an der Thatsache eine Genüge, daß das
Vieh, welches auf Höhen und Gebirgen seine Heimath hat, bei glei—
hem Futter und lebendem Gewicht des Thieres durchschnittlich we—
niger aber fettere Milch gibt, als das Vieh der Niederungen und
ersteres sich vorzugsweise bei Butters und Käsebereitung, letzteres
beim Milchverkauf empfiehlt. In Betreff der Fleischproduction lie—
fern diejenigen Racen, welche das Fett nicht sowohl in der Nieren⸗
vartie, sondern in den Schichten des Muskelfleisches ablagern, wie
die Durham, Charolais, Birkenfelder-Race u.s. w. das saftigste und
edelste Fleisch. Nie sollte man vergessen, daß die Pflanze das Ge—
oräge des Bodens in sich aufnimmt, auf welchem sie erzeugt wurde
und diese, wenn sie zur Thiernahrung diene, ihre Einwirkung auf
den Organismus des Thierleibes ausübt, der davon aufgebaut wurde
Die Textur der Knochen gibt darüber in ihrer Zellenbildung den
vollgültigsten Beweis. Werth und Beschaffenheit der Pflanze zeigt
sich in der Milch.
Die Schafzucht wird von Jahr zu Jahr in dicht bevölkerten
Gegenden weniger nutzbar und kann nicht mehr mit der Rindviehhal—
tung concurriren. Sie ist dort noch am lohnendsten, wo der Boden
nur durch Beweidung einen angemessenen Nutzen gewährt, oder eine
sehr edele Wolle mit einem bedeutenden Schurgewicht erzeugt wird.
Die hohen Erträge bei renommirten Stammheerden können immer nur
als Ausnahme betrachtet werden.
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
Bienenzucht. Ueber den Einfluß der Bienenkönigin auf das
Geschlecht der Bienen theilt Pastor Schleicher gelegentlich eines in
der Gen.-Vers. des landw. Vereins zu Syke gehaltenen Vortrages
mit, daß alle seine Beobachtungen an Bienenstöcken die Richtigkeit
des Satzes beweisen: die Bienenkönigin bestimmt das Geschlecht der
Nachkommenschaft, sie weiß, was sie legt und unter gegebenen Umstän—
den legen muß. Auf die wichtige Frage: Wie solches zugehe? erhal⸗
ten wir aus den gründlichen wissenschaftlichen Forschungen von Leuckart
und von Siebold in so weit die Antwort: Daß alle Eier an den
Eierstöcken der Bienenmutter ursprünglich männlichen Geschlechtes
ssnd und auch zu männlichen Wesen sich entwickeln, wenn nicht eine
Befruchtung derjelben durch männlichen Samen erfolgt, der sich in
der sogenannten Samentasche, den Samenbläschen unterhalb der Ein—
mündung der Eiröhren im Legekanale befindet. Geschieht jedoch die
Befruchtung, so bilden sich weibliche Wesen. — Die Koͤnigin hat es
nun in der Gewalt, durch Oeffnen oder Schließen der Tasche beim
Vorübergleiten der Eier weibliche oder männliche Nachkommenschaft
zu erzeugen.