Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

zete. Alexandrien war der Haupisitz der Papyrusfabrikation. An die
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schaftlichen Welt galt, bildete die Fabrikation lange Zeit einen der wich—
tigsten Handelsartikel. Welche pecuniären Vortheile dadurch erlang!
wurden, geht aus der Aeußerung eines ägyptischen Fürsten Namens
Firmius hervor, der sich rühmte, so viel Papier zu besitzen, daß er
eine Armee davon halten könne. Um ein Beispiel von der ausgedehn
ten Anwendung und dem allgemeinen Gebrauche des Papyrus als
Schreibmaterial zu geben, wird erwähnt, daß bei den Ausgrabungen
von Herculanum allein gegen 1800 auf Papyrus oder sogenannte Pa—⸗
pyrusrollen geschriebene Manuscripte gefunden wurden. Ein solches
Manuscript findet sich im Britiss Museum aufbewahrt, es hat eine
Länge von 82 Fuß; ein ähnliches Manuscript in Paris ist 30 Fuß
lang. — Die Erfindung des Papyrus zog eine große Menge von
Büchern nach sich, und besonders hatte sich Alexandrien einer großen
Büchersammlung zu erfreuen, welche letztere sogar Veranlassung gab,
daß Ptolemäus, König von Aegypten, vor Allem mit Eumenes,
dem König von Pergamum, darum wetteiferte. Es wird erzählt, Eu—
menes habe den Wunsch gehegt, eine Büchersammlung zu veranstal⸗
ten, welche der berühmten von Alexandrien gleichkäme, oder sie über—
träfe, darüber soll sich aber Ptolemäus so beleidigt gefuühlt haben,
daß er die Ausfuhr des Papiers nach Pergamum verbot. Trotzdem
ließ sich jedoch Eumenes nicht von seinem Vorhaben abbringen, er
suchte nach einem neuen Schreibmaterial, welches er endlich in den
thicrischen Häuten fand, die er so zuzubereiten verstand, daß ste schreib—
fähig wurden, weßhalb er auch als Erfinder des neuen Schreibmaterials
bezeichnet wurde. Das Wort Pergament ist daher auch aus dem Na⸗
men des Reiches Pergamum entstanden. Die Anwendung der thieri—
schen Häute zum Schreiben war aber schon vor Eumenes bekannt;
die Israeliten bedienten sich derselben schon zu Davids Zeiten, und es
ist darum dem Eumenes wohl schwerlich die Erfindung, sondern höch
stens eine Verbesserung des Pergaments zuzuschreiben.
Zur Zeit, wo die Papyrusstaude das einzige Material zur Papier⸗
fabrikation bildete, haben die Alexandriner vorzüglich mit den Römern
rinen ansehnlichen Papierhandel getrieben, und es sind durch den dar—
auf gelegten Zoll der Staatskasse bedeutende Einkünfte zugeflossen
Während der römischen Herrschaft wurde jedoch von den geldbedürftigen
römischen Kaisern die Papprusfabrikation mit so hohen Steuern belegt,
daß die Aegypter kein Papier mehr senden mochten, wodurch das Volk
von Rom unter Tiberius sogar in einen drohenden Aufstand gerieth,
welchen Tiberius nur dadurch zu unterdrücken vermochte, daß er alles
vorhandene Papier zusammenbringen und vom Senate gleichmäßig ver—
theilen ließ. Als später Theodorich, König der Gothen, diese Steuern
aufhob, wünschte Casssodorus, ein Geschichtsschreiber der damaligen
Periode, dem Menschengeschlechte Glück zu diesem Ereignisse.
Das ägyptische Papier war bis zum 11. Jahrhundert in Gebrauch,
letzteres hatte jedoch schon durch die Benutzung des theuerern Perga
ments abgenommen und verlor sich endlich ganz, als das aus Baum—
wolle gefertigtt Papier von den Arabern nach Europa gebracht wurde
Dieses Papier ist das erste, welches mit dem jetzt gebrauchten irgend
wle Aehnlichkeit hat, und ihm verdankt das unserige seine Grundlage
Zu seiner Bereitung wurde die Baumwollenfaser mittelst Keulen geschla
gen und gestoßen, bis daraus ein Brei entstand, den man auf geripp
ten Brettern ausbreitete, trocknete und glättete. Das auf diese Weise
bereitete Papier war jedoch so weich, so ungleich und zerbrechlich, daß
man nur mit Pinseln mühselig darauf schreiben konnte. Da endlich
wurde später die Baumwolle mit leinenen Lumpen gemischt und damit
zugleich der Uebergang vom alten Baumwollenpapier zum Leinen- und
Hanfpapier angebahnt. Die Handarbeit reichte nicht mehr aus, man
mußte sich nothwendig nach Maschinen umsehen; es enistanden die Pa
piermühlen. In Spanien entstanden im 12. Jahrhundert, in Italien
im 14. Jahrhundert die ersten derselben. Die erste Leinenpapierfabrik ent
stand in Deutschland im Jahre 1390 in Nürnberg. Der Besitzer der—
selben, Ulmmann Stromer, gab sich alle Mühe, sein Verfahren für sich
zu behalten, indem er seinen Arbeitern einen Eid auferlegte, der sie ver—
pflichtete, sein Geheimniß weder zu verrathen, noch dasselbe fur ihre
zeigene Hand ausbeuten zu wollen. Allein trotzdem währte es nich:
jange, so wurde die Kunst auch an anderen Orten bekannt. Mit gro
her Schnelligkeit verbreitete sich das neue Papier über Spanien, Fränk—

reich, Italien, Galizien, Böhmen, die Schweiz, England, Dänemark
Schweden, Rußland und selbst über Amerika. Frankreich und Holland
waren es vor allen Ländern, wo die Fabrikation im größten Maßstabe
und mit vielem Erfolg betrieben ward, namentlich wurde von da aus
viel Papier nach England exportirt. Späterhin wurden jedoch auch in
den übrigen Ländern große Fortschritte in der Fabrikation gemacht,
wodurch sie ihren Papierbedarf selbst deckten. In England wurde im
Jahre 1558 die erstr Papiermühle zu Dortfort von Sir John Spiel⸗
mann, einem deutschen Juwelier im Dienste der Konigin Elisabeth, er—
richtet.
Welchen großen Werth man dieser Erfindung beilegte, beweist, daß
Spielmann wegen seiner Verdienste von der Königin zum Ritter ge—
schlagen wurde und von ihr für die Dauer von 10 Jahren das Pri⸗
pilegium erhielt, allein Lumpen sammeln zu dürfen.
Jedoch mit dieser Erfindung hatte der Mensch noch immer nicht
sein Ziel erreicht; mit der bedeutenden Anwendung des Papieres stei—
gerten sich die Anforderungen; der unreine, graue, harte Hanf genügte
nicht mehr, man war daher genöthigt, sich nach anderen besseren Stof⸗
fen umzusehen, welche man endlich nach mühseligem Suchen, als Gold⸗
korn im Schmuze, in alter Wäsche und abgetragenen Kleidern, den so⸗
zenannien Hadern fand. Mit der Darstellung des Papiers aus diesem
Material beginnt wieder eine neue Epoche der Papierfabrikation. Man
erhielt daraus ein Papier, welches sowohl zum Schreiben als zum
Drucken vollständig geeignet war. Bis zum 16. Jahrhunderte gab es
nur geleimte oder Schreibpapiere, erst später entstand das Druckpapier.
Es war in der Papierfabrikation ein bedeutender Schritt vorwärts ge—
than, damit trat aber zugleich ein Stillstand ein und es war bis zur
Erfindung der Papiermaschine nichts Neues auf dem Industriezweige
der Papierfabrikation zu finden.
Die Papiermaschine ist eine französische Ersfindung. Als der Er—
finder wird Louis Robert genannt, der im Jahre 1798 in Essonne
„ei Paris ein kleines Maschinenmodell construirte, mit dem er einen
schmalen, beliebig langen Papierstreifen darstellen konnte.
Die Erfindung wurde nach England übertragen und ist durch
vissenschaflich gebildete Männer immer mehr erweitert und vervoll⸗
fommnet worden. Erst seit der Einfüͤhrung der Papiermaschinen datirt
sich die neue Wendung in der Lage der Papierfabrikation. Es dauerte
jedoch lange, ehe die allgemeine Einführung der Maschinen anfing, aber
einmal begonnen ging fie ziemlich rasch vor sich. Die früher gebrauch⸗
sen Bütten verminderten sich und machten allmälig Maschinen Plaßz
In Frankreich ward 1815 die erste Papiermaschine angelegt; in Deutsch⸗
land 1816 zu Weida im Großherzogthum Weimar. Um dieselbe Zeit
wurde in Berlin eine Papiermaschine in Betrieb gesetzt. In Oesterreich
waren die Herren Peshier und Sterz zu Obergassing die Ersten, welche
1819 etne Papiermaschine in Gang setzten. Die allgemeine Einführung
der Maschinen fällt erst gegen das Jahr 1837. Gegenwärtig ist die
neue Erfindung bereits in den meisten Ländern Europas verbreitet und
liefert mit den noch bestehenden Bütten dessen gegenwärtigen, ungeheu⸗
ren Papierbedarf („Von Haus zu Haus.“)

Ueber den Preis des Geldes im Jahre 1865
Wie zu Anfang des Jahres 1864, stellt der Londoner „Econo⸗
mist“ auch zu Anfang des neu begonnenen Jahres den Geldpreisen eine
Art Horoskop für die nächste Zeit. Seine Prophezeihung lautet dies—
mal: „Der Preis des Geldes wird sich in diesem Jahre ziemlich hoch
halten — nicht so hoch wie im Jahre 1864, aber dennoch hoch im
Vergleich zu früheren Jahren und frlüheren Begriffen; — er wird je—⸗
doch nicht so viel schwanken wie in jüngster Zeit, sondern dahin trach⸗
sen, einen weit festeren Charakter anzunehmen.“
Zur Begründung dieser Vorhersagung, welche selbstverständlich nicht
den Anspruch auf Infallibilität erhebt, führt der „Peonomist“ unge⸗
rähr Folgendes an. Der Geldmarkt wurde seit langer Zeit hauptsäch⸗
ich durch zwei Ursachen gestört: durch den starken Abfluß von Edelme⸗
all nach auswärtigen Ländern und durch die starke Nachfrage nach Ca⸗
pitalien zu vielerlei Zwecken. Der amerikanische Krieg nöthigte zunächst
die englischen Fabrikanten, sich nach neuen Quellen der Baumwollzu⸗
fuhr umzusehen und einen ausgedehnten neuen Handel mit Indien, Ae—⸗
            
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