Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

wo sich besonders der Knochenbau entwickeln muß, von der gröoßten
Wichtigkeit für den Werth des Pferdes ist.
Auf ein Fohlen von mitielstarkem Schlage rechnet man im 2. und
3. Jahre als Futter täglich 8—510 Pfd. Heu, 3254 Pfd. Hafer und
1265 Pfd. gutes Futterstroh. — Sind die Körner gegen das Heu
nicht theuer, so kann man an jenen etwas zulegen und spare an die—
sem. Auch kann in diesen Jahren ein Theil des Heues durch gutes
Futterstroh, Kaff (Spreu) oder Kleien ersetzt werden.
Uebermäßig kräftiges Futter ist den Fohlen auch nachtheilig, theits
weil eine Ueberfütterung (Mastfutter) ihrer guten Ausbildung und der
Begründung einer robusten Natur zuwiderläuft, theils weil Augenkrank—
heiten und andere Entzündungen dadurch entstehen. Nicht minder nach
theilig ist zu scwwammiges, zu wässeriges Futter, wodurch die Fohlein
dicke Bäuche, schwache Eingeweide, schlaffe Sehnen und Muskeln er
halten, besonders dann, wenn sie nebenbei wenig Gelegenhrit zur Be—
wegung haben. 2*

Einiges über das Beschneiden der Obstbäume.
Das Beschneiden der Obstbäume soll ebensowohl zur Schönheit
als zum Nutzen dienen, indem man dadurch eine dem Auge gefälligt
Form erzielt und die Bäume zwingt, möglichst frühe und viele und
gute Früchte hervorzubringen. Beides bedingt sich gegenseitig. Eir
schön und regelmäßig gezogener Baum wird immer eher, mehr und besse—
res Obst geben, als ein vernachlässigter; denn die regelmäßige Form
ocranlaßt die gleichmäßige Veriheilung der Säfte und diese ist eint
Hauptbedingung der Fruchtbarkeit. Nur an kräftigem Holze könner
gute Früchte wachsen. Dieses erzielt man durch den Schnitt und —
wo es nöthig sein sollte, durch Düngung. Besonders muß man dahin
rachten, alle leere Stellen auszufüllen, nicht nur, weil daselbst Obst
wachsen kann, sondern auch, weil der Baum durch Ausfüllung dersel
ben in ein die Fruchtbarkeit beförderndes Gleichgewicht gebracht wird.
Die meiste Aufmerksamkeit erfordern junge Bäume, theils um dit
schon in der Baumschule vorbereitete Form weiter auszubilden, theils
um sie fruchtbar zu machen; indeß dürfen auch ältere Bäume nicht ver—
nachlässigt werden. Alles kranke und unterdrückte Holz ist wegzunchmen
Geschieht dieses regelmäßig und mit Umsicht, so kann man den Baum
sehr lange tragbar erhalten. Ist es versäumt worden, und bilden sich
die Früchte nicht mehr vollkommen aus, so muß man den Baum ver—
jüngern. Die Nothwendigkeit der Verjüngung wird meist noch beim
Kernobst durch die Wasserreiser, bei den Pflaumen und Sauerkirschen
durch die Wurzelschossen angezeigt. Diese müssen entfernt, jene zur
Bildung von neuem Holze benutzt werden.
Die Verjüngung der Kernobstbäume geschicht durch Hinwegnahme
der am meisten abgelebten und kranken Aeste und durch das Einstutzen
der kräftigen und gesunden. Man muß dabei Sorge tragen, daß we—
der das Holz splittert, noch die Rinde losreißt.
Das Abnehmen muß dicht am Stamme oder einem Hauptaste ge
schehen; die Schnittfläche möglichst geebnet, mit einem scharfen Messer
glatt geschnitten und dann mit Pech, Baumbharz u. s. w. bestrichen
werden.
Beim Steinobste darf man starke und alte Aeste nicht einstutzen
indem sie dabei leicht ganz absterben. Am besten ist es, sich auf das
Ausschneiden des schlechtesten Holzes zu beschränken und im Uebrigen
wie vorhin angegeben zu verfahren.
Jeder Schnitt übt auf das Wachsthum des Baumes einen Ein
duß aus, indem er die Strömung des Saftes verändert. Je stärke,
der Schnitt ist, d. h. je mehr Holz durch denselben entfernt wird, sei der
abgeschnitiene Zweig stärker oder der entfernte Theil länger, desto stär—
ker ist die Wirkung. Diese berührt am meisten die zunächst gelegenen
unteren Theile des Staͤmmes oder Astes, oder Zweiges und bewirk
Folgendes: Augen treiben aus und bilden Holz, während sie ohne den
Schnitt bloß Blätter erzeugen; der Stamm oder Zweig, welcher ver—
kürzt ist, wird stärker; die Seitenzweige kräftigen sich.
Durch das Einstutzen eines Holztriebes gewinnt man aus den

unteren Augen Fruchtholz; durch das Einstutzen eines größeren Zweiges krät
iigt man das nächste Fruchtholz; es wird fruchtbar und bildet sein:
Früchte besser aus.
Zur Erzeugung von Fruchtaugen wirkt auch das Abkneipen dei
tärkeren jungen Triebe. Es äußert die Wirkung des Schnittes und
vird am besten von Ende Mai bis Johanni vorgenommen.
Ein Schnitt durch die Rinde unter einem Zweige hemmt den
Saftzufluß zu demselben; über dem Zweige verstärkt er ihn. Wird ein
Stück Rinde, etwas!/ Zoll breit, herausgenommen, so ist die Wirkung
noch stärker. Das erste wendet man an, um einen zu üppigen Holj
rieb zu mäßigen und die Bildung von Fruchtholz zu veranlassen; da
Zweite, um Zweigen, welche viel Fruchtholz haben, mehr Nahrung zu—
zuführen, damit sie ihre Früchte besser ausbilden. Ueber einem fchla—
enden Auge angebracht, weckt dieser Schnitt dasselbe und läßt es aus
treiben.
Größeren Saftzufluß und dadurch stärkeres Wachsthum beweckk
man auch durch das Aufrichten horizontaler oder herabhängender Zweige
Das Herunterbinden wirkt entgegengesetzt.
Die Vegetation muß verstärkt werden, wenn sie sich zu schwach
zeigt, um Fruchtaugen auszubilden; zu hemmen ist sie bei zu starkem
dolztrieb. Daraus ergibt sich, daß man starktreibende Sorten und solche
auf kräftigem Boden stärker schneiden muß. Bei schwachtreibenden und
auf magerem Boden ist die Vegetation zu verstärken und der Schne—
zu mäßigen.
Manche Sorten, besonders bei den Birnen, welche viel Fruchtholh
bilden, bringen an dem älteren Holze schlechte Früchte; man muß deß
halb das überständige Holz entfernen und durch den Schnitt die Bil—
dung von neuem Fruchtholz erzwingen. Dieses gilt im Allgemeinen
von allen sehr fruchtbaren Sorten, besonders aber der Beurre blanc.
wrlche recht vollkommene Früchte nur am jungen Holze zu tragen pflegt,
Rbs.

Vermischtes.
Ernährung der Kälber nach der Abgewöhnung. Die ge—
teigerten Milch- und Butterpreise geben immer mehr Veranlassung.
nuch die für die Nachzucht bestimmten Kälber sehr frühzeitig abzuge—
vohnen. Daher muß es von Interesse sein, ein Verfahren, das wir
indessen nicht neu nennen wollen, kennen zu lernen, mit Hülfe dessen diĩe
rüh entwöhnten Kälber beim Abbruche der Milch in ihrer Entwicklung
nicht stille stehen, oder gar zurückfallen, sondern sich naturgemäß weiter
entwickeln. Dieses Verfahren wird am Rheine mit bestem Erfolge
zeübt und verdient auch anderwärts bekannt zu werden. Es besteht
dasselbe darin, daß man die für das Kalb bestimmten Futterstoffe, Heu,
Kleie, Schrot, Oelkuchen, Gelberüben ꝛc. zusammen kocht, daun durch⸗
eiet und die laugewordene Flüssigkeit dem Kalbe als Tränke überweist
Die durch das Abseien sich ergebenden Rauhstoffe können natürlich dem
Futter der erwachsenen Thiere einverleibt werden.

Pferdestatistik. Die in Leipzig erscheinende Wochenschrift
„Das Roß“, bringt unter der Rubtik „Mannigfaltiges“ eine „ftatisti⸗
che Zusammenstellung der Pferde in Bezug auf Einwohnerzahl und
Fläche!. Das Konigreich Sachsen nimmt in der Zahl der Pferde un—
er den aufgeführten europäischen Staaten den 7. Rang ein; es zählt
95,624 Pferde. Vor ihm stehen Rußland mit 16,250,000, Frankreich
mit 2,818,496, England mit 2,250,000, Preußen mit 1,6629,000
Bayern mit 339,275 und Hannover mit 213,946 Pferden; die geringhe
Zahl hat Sachsen-Coburg-Gotha (6347). Anders verhält es sich mit
der Vertheilung der Pferde auf die Quadratmeilen des Territoriums,
in welcher Hinsicht das Königreich Sachsen bie 6. Stelle einnimmt,
denn es kommen hier auf die Quadratmeile 351 Pferde; eine großere
Anzahl befinden sich im Anhaltischen (548), in Mecklenburg-Strelitz
(476), in Braunschweig (347), in England (373), in Mecklenburg⸗
Schwerin (361) auf der Quadratmeile, während in Rußland mit 181
und in Sachsen-Coburg⸗-Gotha mit 178 die wenigsten Pferde auf die
            
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