Full text : Kreis-Blatt für den Kreis Saarbrücken

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vr

den Kreis Saarbrücken.

M8 2.

Donnerstag den 23. Februar

1863.

— —

Zur Pferdezucht.
Da die Pferdezucht im Kreise Saarbrücken nicht unbedeutend ist,
so dürfte es wohl zur Zeit und hier am Orte sein, Einiges über die
Aufzucht der Fohlen zu erwähnen.
Es ist gewiß eine unumstößliche Thatsache, daß: „ein gutes und
schönes Pferd nicht nur als solches geboren, sondern auch dazu erzo
gen werden muß!“
Wer in hiefigem Kreise eine gute Zuchtstute besitzt, dem ist, durch
die Aufstellung der Königlichen Hengste zu Heusweiler Gelegenheit
geboten, gute Fohlen zu erzielen. Wer aber glaubt, allein durch die
Geburt eines solchen Fohlen seinen Zweck erreicht zu haben und die
Aufzucht desselben vernachlässigt, der steht weit hinter dem, der durch
eine zweckentsprechende, sorgfältige Aufzucht, sein geringeres Fohlen zu
verbessern sucht.
Wenn eine Stute während der Trächtigkeit gut gepflegt und nicht
zu sehr angestrengt wurde, dann erfolgt die Geburt des Fohlen in der
Regel leicht und ohne fremde Beihülfe. Kommen aber schwere Ge—
burten vor, dann ist es immer räthlich, thierärztliche Hülfe in Anspruch
zu nehmen. Unter allen Umständen erfordert es aber die Vorsicht, den
Augenblick der Geburt selbst oder durch einen zuverlässigen Menschen
lüberwachen zu lassen.
Ein gesundes Fohlen sucht, so bald es stehen kann, wozu man
ihm behülflich sein muß, das Eiter der Mutter; es ist aber oft dazu
ungeschickt, oder die Stute ist kitzlich und boshaft. In beiden Fällen
muß man nur durch Güte Rath schaffen, man darf dann keine Mühe
scheuen, jedoch alle strenge Behandlung dabei vermeiden. Hat das
Fohlen nur einige Male gesogen, dann wird die Stute dasselbe später
sehr gerne annehmen.
Die erste Milch der Stute ist gelb, bitterlich und salzig; dieselbe
abzumelken ist durchaus fehlerhaft; ste muß dem Fohlen zukommen, weil
sie für dasselbe eine gelind abführende Kraft hat und dazu bestimmt
ist, das in den Gedärmen des Fohlens angefsammelte Füllenpech
aus dem Körper zu schaffen.
Nach der Geburt bleibt die Stute 324 Tage fortwährend unan
gebunden beim Fohlen im Stalle; nach dieser Zeit kann man aber
Beide, bei günstiger Witterung, um die Mittagszeit eine halbe Stundt
lang vor dem Stalle herumfuühren, und soll die Stute in den ersten
14 Tagen nach der Geburt nicht zur Arbeit verwandt werden; nach die—
ser Zeit kann man sie allmälig wieder zur Arbeit benutzen; muß sie
aber besonders vor Erhitzung behüten. Sollte diese aber dennoch vor—
gekommen sein, so muß die Milch erst ausgemolken werden, bevor man
das Fohlen zuläßt. Auch darf das hungrig gewordene Fohlen, wenn
die Mutter nach Hause kommt, nicht zu viel auf einmal saugen, son—
dern es muß oöfter abgenommen werden.
Es kommt aber auch sehr häufig vor, daß eine Stute zu wenig
Milch hat, um ihr Fohlen gehörig zu ernähren, dann muß sie nahr—
haftes Futter reichlich erhalten und diesem aufgeloöste Leinkuchen zuge—
mischt werden.
Sobald das Fohlen Lust zum Fressen zeigt, muß man ihm in
einem besondern kleinen Troge von dem besten Heu und Hafer vorsetzen,
auch muß dasselbe täglich geputzt werden, was aber blos mit dee Kar—
tätsche geschehen darf.
Je nach der Stärke des Fohlens und der Stute, so wie nach
Verhältniß des Futters und nach der von der Stute verlangten Ar—

beit, kann das Fohlen in drei bis sechs Monaten abgesetzt werden.
Das Entwöhnen darf nicht mit einem Mal geschehen, sondern das Foh—
len muß in einen von der Mutter entfernten Stall gestellt und es ihr
nur des Morgens, Mittags und Abends zum Saugen zugebracht wer⸗
den. In der Zwischenzeit werden ihm kleine Portionen Hafer und fei—
nes Heu (täglich 4 Pfd. Hafer und 8 Pfd. Heu) vorgelegt. Später
bringt man das Fohlen täglich 2 mal, dann nur einmal zur Mutter,
bis es sich an die Trennung vollkommen gewöhnt hat. Von dem Ab⸗
setzen bis zum vollendeten ersten Jahre, muß das Fohlen unangebun—
den in dem stets reichlich mit Stroh bestreuten Stalle (schmuzige Ställe
liefern Augen- und Hufkrankheiten), mit der größten Sorgfalt gepflegt
werden. Das Futter darf nur aus gutem Hafer und Wiesenheu be—
tehen, Gras und Klee sind außer der Weide zu vermeiden. Tas
ägliche Putzen ist durchaus nicht zu unterlassen, ebenso darf die Be—
wegung des Fohlens auf einem freien Platze, selbst bei Schnee und
dälte nicht versäumt werden. Es ist überhaupt die Behandlung der
Fohlen bis zu ihrem zurückgelegten ersten Lebensjahre von bleibenden
Folgen für die ganze übrige Lebenszeit und daher der größten Berück⸗
sichtigung werth.
Da es nun aber in hiesiger Gegend, einstweilen noch, an einer
Fohlenweide fehlt und es nur wenige Fohlenzüchter gibt, die eiuen Foh—
engarten oder einen eingezäunten Tummelplatz für dieselben besitzen,
so wäre es gewiß sehr wünschenswerth und vortheilhaft, wenn die Foh—
enzüchter einer Gemeinde zusammentreten und sich einen solchen Platz
zemeinschaftlich einrichten wollten. Zum Fohlengarten eignet sich jeder
nicht zu weit vom Gehöfte oder dem Orte entfernter, leicht zugängleicher
Platz. Derselbe soll mit Gras bewachsen und mit drei übereinander
laufenden, starken Stangen, eingezäunt sein. Um demselben im Som—⸗
mer Schatten zu gewähren, bringt man an der Umzäunung einige
chnellwachsende Bäume an und umgibt dieselben mit Dornen. Eine
trockene, freundliche Lage des Fohlengartens gegen Süden oder Westen
ist besonders zu berücksichtigen.
Es könnte nun die Frage entstehen, ob sich denn ein Fohlengar⸗
ten rentire, resp. was derselbe kostet und welchen Nutzen ein Fohlen
davon ziehen könnte?
Angenommen, daß in einem Orte 8 Fohlen wäüren, welche den ge—
neinschaftlichen Garten benutzen sollten, so wuͤrde ein Raum von einem
Morgen hinreichend sein, wenn denselben des Morgens die Henastfoh—
en und des Nachmittags die Stutfohlen benutzten.
1 Morgen Land würde in Pacht pro Jahr kosten 8 Thlr.
Einzäunung des Fohlengartens 24 Thlr.,
diese auf 6 Jahre vertheilt
jährliche Unterhaltung des Zaunes

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zusammen 16 Thir.
Trotz den hohen Sätzen dieser Berechnung würde die freie Be—
wegung eines Fohlen also pr. Jahr 2 Thlr. kosten.
Ob und wicviel Nutzen diese so verausgabten 2 Thlr. einem Foh—
len in einem Jahre bringt, das wollen wir dem Urtheil eines jeden
Fohlenzüchters überlassen. Wir würden in solcher Lage gerne bereit
ein, die freie Bewegung eines Fohlens pr. Jahr mit 5 Thlr. und mehr
zu erkaufen.
Im 2. und 3. Jahre darf es dem Fohlen ebenso wenig an gutem
Futter und Pflege wie im ersten Jahre fehlen; doch muß nochmal wie⸗
derholt werden, daß die Pflege der Fohlen in ihrem ersten Lebensjahre,
            
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