pflanzen vertheilt, allein Keiner wollte. Da licß er mit Trompetenschall
auf dem Lande verkündigen: „Wer die Kartoffelfelder bestehle, der werde
schwer bestraft!“ — Das half. Die französischen Landleute hatten
nichts Eiligeres zu thun, als Kartoffeln zu stehlen, um sie zu pflanzen
Aber dennoch war es wiederum erst die Theuerung von 1793 und
1817, wodurch sie in allen Theilen Frankreichs genligend angebaut
wurden.
In Deutschland pflanzte der Botaniker Klusius als der Erste
1585 in Frankfurt und Wien die Kartoffel, natürlich nur als seltene
»otanische Pflanze. 1590 gab er die erste Beschreibung der Kartoffe'
heraus. Durch Caspar Baudisin, der 1599 eine colorirte Abbil
dung erscheinen ließ, erhielt sie ihren botanischen Namen, den sie noch
jetzt führt, nämlich Solanum tuberosum esculentum. Durch Klu—⸗
sius kam sie 1600 in allen botanischen Gärten Dentschlands unte
den verschiedensten Namen, als: Grieblingsbaum, Nudeln, Bollen, Erd
tuffeln, vor. Als Nahrung drang sie indeß im Anfang des 17. Jahr
hunderts noch nicht allgemein unter das Volk, das sich hartnäckig wei
zerte, dieses fremde Gewächs anzubauen. Erst der Z0jährige Krieg
mit seiner Theuerung trug zu ihrer Verbreitung wesentlich bei.
Nach Westphalen und Niedersachsen gelangten die Kartoffeln schon
1640, nach Braunschweig und Sachsen 1647, doch wurde sie in dem
letzteren Lande erst 1680 allgemein. Ein junger Bauer aus dem Dorfe
Würschnitz bei Pladen war nämlich in England gewesen, wo er die
Kartoffeln kennen lernte und als Speise liebgewann. Bei seiner Rück
kehr in sein Dorf pflanzte er sie an und suchte sie zu verbreiten, so viel
in seinen Kräften stand; von hier kam sie auch in's Voigtland. In's
Erzgebirge gelangte sie 1715 bis 1725 durch den Oberforstmeister
Alexander v. Beulwitz zu Schlettau, in die fruchtbaren Gegenden
Sachsens vom Voigtlande aus, doch wurde sie hier von den Bauern
als voigtländische Knollen verspottet, und als 1739 mehrere Landpredi⸗
ger Sachsens sich bemühten, der Kartoffel in ihrer Gegend Thür und
Thor zu öffnen, diese mit dem Spottnamen „Knollenprediger“ bezeich—
net. Die Leipziger Umgegend bekam sie 1735 und 1760 durch die
Pastoren Mauhof zu Grimma und Christian Gottfried Ungebauer
Durch einen Offizier aus den Niederlanden wurde sie zu Anfang
des 17. Jahrhunderts in Böhmen bekannt, und von dort gelangte sie
—DDDV dortigen
Pastor Werner eingeführt, auch fing man zur selbigen Zeit an, sie
in Schwaben und der Rheinpfalz zu pflanzen, ebenso auch in Baden.
In demselben Jahre (1716) nahm die bayerische Regierung durch ein
Gesetz den Kartoffelzehnten in Anspruch.
Interessant ist ferner die Erzählung, wie die Kartoffel 1740 festen
Boden im Murgthale in Baden fand. Ein armer junger Holzhauer,
Anton Rindenschwender, hatte in dem benachbarten württembergischen
Dorfe Loffenau als Tagelöhner beim Aufnehmen der Kartoffeln gehol⸗
fen. Beseelt von dem Wunsche, sie in seinem Heimathdorfe zu cultivi⸗
ren, ließ er sich als Lohn 9 Körbe voll geben, von denen er 5 heim—
rug. Hier vertheilte er sie größtentheils, nachdem er seinen Acker be⸗
oflanzt hatte, und starb 1803 als Oekonomie-Rath, nachdem er sich ein
Vermögen von 8300,000 fl. erworben. Sein Andenken ist noch heute
in seinem Heimathorte gesichert.
1650 war schon die Kartoffel nach dem kurfürstlichen Garten in
Berlin gekommen und um 1660 kannte man daselbst mehrere Sorten,
weiße und rothe. König Friedrich Wilhelm J. verwandte die Kartoffel
als Speise bei seinen Soldaten, that überall viel für die Verbreitung
derselben, namentlich in Pommern, allein diese zeigten sich für die aus—
ländische Frucht unzugänglich und halsstarrig. Friedrich der Große,
dec den Nutzen der Kartoffel vom 30jährigen Kriege her kannte, ließ
in dieser Provinz wiederholte Versuche anstellen. Es kamen aber Fälle
oor, wo die widerstrebenden Hartköpfe, um nur dem Königlichen Befehle
nachzukommen, ein Loch in die Erde gruben und einen ganzen Scheffel
dartoffeln, die ihnen geschenkt wurden, hineinwarfen, so daß ein wilder
Busch daraus hervorwuchs; aber uur durch Gewalt verstanden sich die
Pommern dazu. Er sandte auch den Grafen von Schlabrendorf nach
Schlesien, um dort die Kartoffeln zu verbreiten. Den schlesischen Kam—
mern befahl er 1763, „durch Dragoner darauf zu vigiliren, daß die
Bauern Kartoffeln pflanzten“. Als 1770 die große Hungersnoth aus—⸗
hrach, da verhungerten in dem Theile Schlesiens, wo kein Kartoffelbau
var, 100,000 Menschen, in Böhmen sogar 180,000; nur wo Kartof⸗
jelbau war, kamen die Menschen glücklich durch, obgleich 20,000 Böh—
men zu ihnen, „in das gesegnete Land der Kartoffeln“, eingewandert
waren.
(Schluß folgt.)
Mainz und Mombach, der kleine Abänderungen— Zur Entgegennahme der versiegelt, portofrei
erlitten hat, sofort in Kraft. und mit gehöriger, Ausschrift, einzureichenden
Näheres, sowie Tarifs-Exemplare theilen ge Offerten, habe ich einen Termin auf den
aannte Stationen gratis mit. —18. Februarec., Vormittags 11 Uhr,
Saarbrucken, den 23. Januar 1866. shier in neinem Vüreau auf dem Bahnhof
Könialiche Lisenbahn-Direckion. St. Johann angefeht und werden Nuteraet
mungslustige dazu mit dem Bemerken einge—
laden, daß Anschlag, Zeichnung und nähere
Bedingungen bis dadin hier zur Einsicht offen
liegen.
Bahnhof St. Johann, den 1 Februar 1865.
Der Eisenbahn-Baumeister,
L. Wilde.
Direkter Kohlen- u. Coaks-Verkehr
nach Frankreich (via Forbach).
Von heute ab tritt für die Stationen der
Französischen Ostbahn via Forbach ein erwei—
serter und zum Theil ermäßigter Saar-Kohlen—
und Coaks-Tarif in Kraft, welcher zum Preist
von 4 Sgr. von unserer hiesigen Billet-Casse be
zogen werden kann.
Saarbrücken, den 21. Januar 1865.
Königliche Fisenbahn-Direckion.
*
VBekanntmachung.
Zum Bau eines Güterschuppens auf Sta
ion Burbach fsollen nachstehende Arbeiken und
Lieferungen öffentlich an den Mindestfordernden
vergeben werden:
νν
1) Die Mauerarbeiten veran—
schlagt zu 163 188
2) Die Zimmerarbeiten, inel.
Lieferung der Materialien,
veranschlagt zu 293 29 6
3) Die Schreinerarbeiten intl.
Materialien, veranschlagt zu 237 6
4), Die Schlosser⸗ u. Schmiede⸗
arbeiten, veranschlagt zu 82 — —
5) Die Anstreicherarbeiten veran⸗
schlagt zu 79 4
6) Die Klempnerarbeiten, veran⸗
schlagt zu 45 22 6
7) Die Lieserung von:
1571/2 CEbkfuß Sandsteinquadern,
5273 Schachtruthen Blendsteine (Möllons)
20 Schachtrth. lagerhafte Sandbruchsteine
1300 Stück Backsteine
Bekanntmachung.
Die Lieferung von schmiedecisernen Schrauben
für die Königliche Steinkohlengrube „Heinizz—
Wellesweiler“ soll auf dem Wege der öffent—
ichen Submission, wozu Termin auf
Freitag den 10. Februar c., Vor—
mittags um 10 Uhr,
hierselbst anberaumt ist, an den Mindestfordern⸗
den verdungen werden.
Uebernahmslustige wollen ihre Offerten mit
entsprechender Aufschrift versehen, bis zu dem
obengedachten Zeitpunkte versiegelt und porto⸗
frei anher einreichen, wo diesciben in Gegenwart
der etwa erschienenen Submittenten erbffnet wer⸗
den sollen.
Die bezüglichen Bedingungen liegen hierselbst
zur Einsicht offen; auch können dieselben ab⸗
schriftlich von hieraus bezogen werden.
— Neunkirchen, den 27. Januar 1865.
Könial. Schichtmeisterei Heinitz-Wellesmeiles
—
Special⸗Carif
für
grobe Eisenhütten-Fabrikate aller
Art 2ꝛc.
aach Maiuz, Frankfurta. A. und Mombach
Für den unterm 12. October 1864 publicir
en ermäßigten Special-Tarif für grobe Eisen—
hütten⸗Fabrikate aller Art, als: fabrizirtes Eisen
Eisenbahnschienen ꝛc. triit ein anderer für die
vorgenannten Sendungen von diesseitigen Sta—
tionen Trier, Conz, Burbach, Saarbrücken, For
bach und Neunkfsfichen nach Frankfurt a. M.