hängt. Es ist zwar richtig, daß in der Ausübung dieser Schluß et—
was abgeändert werden muß, und daß die Gestalt des Gefäßes und
noch andere Umstände bei genauen Berechnungen berücksichtigt werden
müssen, aber der Widerstand hängt, wie oben erwähnt, hauptsächlich
vom Querschnitt ab, und kann unter übrigens gleichen Umständen,
als im Verhältniß jenes Querschnitts stehend augesehen werden.
Mit je größerer Geschwindigkeit aber das Gefäß fortbewegt wird,
mit um so größerer Geschwindigkeit muß das vor demselben befind⸗
liche Wasser weggetrieben werden und mithin ist eine um so größere
Kraft erforderlich, je größer die Geschwindigkeit ist, so daß bei zwei—
facher Geschwindigkeit die Vertreibung des Wassers eine zweimal so
zroße Kraft erfordert. Aber qußerdem ist zu erwägen, daß, wenn
das Gefäß mit der zweifachen Geschwindigkeit bewegt wird, dasselbe
in derselben Zeit den doppelten Raum durchläuft und zweimal so
viel Wasser verdrängen muß. Da es nun die zweifache Wassermenge
und jeden Theil derselben mit zweifacher Gewalt verdrängen muß
so muß der Widerstand der vierfache sein. Daraus sieht man,
daß, um ein auf einem Wasser schwimmendes Gefäß mit der zwei—
fachen Geschwindigkeit fortzubewegen, die Zug- oder Schubkraft die
bierfache sein muß. Auf dieselbe Weise wird leicht ersichtlich, daß
zur Hervorbringung einer dreimal so großen Geschwindigkeit eine
neunmal so große Zug- oder Schubkraft erfordert wird ꝛc., und daß
der Widerstand und die erforderliche Kraft nicht blos im Verhältniß
der Geschwindigkeiten zu nehmen, sondern, wie Mathematiker sich
ausdrücken, im Verhältniß der Quadrate der Geschwindigkeiten. Aber
selbst dieser Satz darf nur in gewisser Art angenommen und nur auf
mäßige Geschwindigkeiten angewendet werden, da die Geschwindigkeit
in der Ausübung eine Grenze hat, über welche hinaus man bei der
Bewegung eines Gefäßes auf einem Gewässer nicht gehen darf, und
liegt diese Grenze keineswegs sehr weit. Ungeachtet der ungeheuren
straft des Wasserdampfes, welche auf die Bewegung von Gefäßen
angewendet werden kann, die zwischen Orten hin- und hergehen, un—
ter denen bedeutender Verkehr stattfindet, so glaubt der Verfasser doch
nicht, daß bis jetzt noch jemals eine größere Geschwindigkeit als von
14 bis 16 englischen Meilen in der Stunde erreicht worden, wenn
nicht die Strömung zu Hülfe gekommen ist.
Aus dem bisher Gesagten ersieht man, daß die Kraft zur Fort⸗
bewegung eines schwimmenden Schiffgefäßes in enge Grenzen einge⸗
schlossen ist, und zwar schon auf offener See; aber jene Grenzen sind
noch enger, wenn die Gefäße in schmalen Gewässern, wie Schifffahrts⸗
tanäle, fortbewegt werden sollen. Denn hier nimmt der Widerstand,
welcher bei der Ausübung in jedem Fall stärker zunimmt, 'als das
Quadrat der Geschwindigkeit, in noch viel höherem Maße zu. Ueber
den Widerstand der Schiffsgefäße, welche mit verschiedenen Geschwin⸗
digkeiten im Wasser fortbewegt wurden, sind Versuche angestellt wor⸗
den und hat sich daraus ergeben, daß zur Fortbewegung eines Ge
fäßes auf dem großen Paddington-Verbindungscanal, mit einer Ge—
schwindigkeit von 21/2 engl. Meilen in der Stunde, bei 21 Tonnen
Ladung die Zugkraft 77 Pfund betrug, während zur Bewegung dessel
ben Gefäßes mit einer Geschwindigkeit von etwas weniger als 4 Mei
len in der Stunde, die erforderliche Zugkraft 308 Pfd. betrug, so
daß, während die Geschwindigkeit in einem Verhältniß zunahm, wel⸗
hes etwas kleiner war, als das von 22/,: 4, der Widerftand im
Verhältniß von 22/2: 10 zunahm. Die in den London-Docks angestellten
Versuche gaben auch für die Zunahme des Widerstandes ein größe
res Verhältniß, als das des Quadrats der Geschwindigkeiten, sowie
auch aus vielen anderen Thatsachen dasselbe hervorging.
Aus dem eben Gesagten wird ersichtlich, daß der Widerstand,
welchen die Fortbewegung eines schwimmenden Gefäßes im Wasser
findet, nicht im Verhältniß des Gewichts des Gefäßes und der La—
dung zunimmt. Zwei Gefäße von gleichem Querschnitt, aber von
verschiedener Länge können sehr verschiedenes Gewicht haben unt
dennoch beinahe gleichen Widerstand in dem Wasser finden, in wel—
hem sie fortbewegt werden. Dies ist ein höchst wichtiger, für den
Transport auf Canälen günstiger Umstand, wenn derselbe mit dem
Transport auf anderen Wegen verglichen werden soll, auf welchen der
Widerstand sich allemal wie das Gewicht verhält; nimmt man zugleich
auf das Rücksicht, was über die Abhängigkeit des Widerstandes von
Geschwindigkeit bereits auseinandergeseht worden, so begreift man
leicht, daß die Canäle am vortheilhaftesten zur Fortschaffung sehr ge—
ringer Geschwindigkeit benutzt werden. Aber außer der, durch das
Gesetz, nach welchem der Widerstand zunimmt, vorgeschriebenen Grenze
der Geschwindigkeit sind noch andere Umstände vorhanden, welche die
Fortschaffung von Lasten auf Canälen beschränken, und darunter vor—⸗
zugsweise die Beschädigung und sogar die Zerstörung der Ufer, welche
durch den Wellenschlag veranlaßt werden würde, wenn Boote mit gro—
ßer Geschwindigkeit innerhalb derselben fortgeführt würden.
(Schluß folgt)
Vermischtes.
Steinkohle. Ueber die Verwitterung der Steinkohle hat
Grundmann im Großen und Kleinen Untersuchungen angestellt, deren
Resultate für die Praxis nicht ohne Werth sind. Wir entnehmen
denselben: Die prozentische Zusammensetzung der aschenfreien Bestand—
theile ist bei rohen und verwitterten Kohlen nahe dieselbe, wegen
höheren Aschengehaltes haben aber letztere einen geringeren Brenn—
werth. Wenn man in der Praxis mit einer ziemlich verwitterten
Kohle im Allgemeinen dieselben Brennwerthe erreicht, wie mit frischen,
so hat dies darin seinen Grund, daß von den ersteren aschenreiche—
ren in der Regel weniger Unverbranntes durch den Rost fällt, als
von aschenarmen Kohlen, letztere auch wegen backenderen Eigenschaf—
ten die Aufmerksamkeit des Heizers mehr in Anspruch nehmen, als
verwitterte, welche an backender Eigenschaft verloren haben. Zur
möglichsten Verhütung von Verwitterungsverlusten empfiehlt es sich
in der Praxis, die Kohlen lufttrocken in mit Luftzügen im Inneren
versehene Haufen zu bringen und diese durch ein Dach gegen atmos—
ohärische Niederschläge zu schützen.
Waldstreu und ihre Bedeutung für den Wald. Von W. Al—
brecht. Die Waldstreu hat für den Waldboden, welcher leicht aus—
dörrt oder abhängig belegen ist, vorzugsweise durch ihre Feuchtigkeit
anhaltende Eigenschaft Bedeutung. Je ärmer und trockener der
Waldboden, desto mehr schadet dem Baumwuchse die Waldstreuent—
ziehuigg. Für junge Holzbestände und für künftige Wiederbesamung
hat die Waldstreuentziehung entschiedenen Nachtheil. (Sie ist also
nicht zu gestatten in den ersten Dezennien nach der Besamung und
in den letzten vor dem Abtriebe.) Die Benutzung der Waldstreu ist
nur als ein Nothbehelf für die Landwirthschaft anzusehen, und die
regelmäßige Waldstreuentziehung schadet dem armen Waldboden mehr,
als sie der Landwirthschaft nutzt.
Das Bergamaskenschaf, von welchem jetzt vielfach die Rede
ist, wird in großen Heerden in dem zum österreichischen Kronenlande
Lombardei gehörigen Kreise Bergamo gehalten, welche meist Eigen—
thum der Hirten sind. Die Schafe werden zweimal geschoren und
das Schurgewicht beträgt durchschnittlich 6 Pfd. Die Wolle ist lang
und schlicht und wird hauptsächlich zu groben Tuchen, Pferdedecken
u. s. w. verarbeitet. In ganz Italien stopft man mit dieser Wolle
die Matrazen, statt mit Roßhaaren. Auf den Bergen werden die
Mutterschafe nach dem Absetzen der Lämmer gemolken und aus der
Milch, wird ein schmackhafter Käse bereitet. Das Fleisch wird zur
Salamiwurst verwendet. Die Race ist constant und die größte Schaf⸗
race; 100 Pfd. Fleischgewicht ist gewöhnlich; der Preis des Centner
Wolle ist durchschnittlich 30 Fl. In jüngster Zeit ist ein Transport
von 84 Stück in die Mark Brandenburg eingeführt worden.
Magnesit. Die Auffindung ausgedehnter Lager von Magnesit
rief 1856 die Errichtung einer besonderen Fabrik von patentirten
Ziegeln zu St. Katharine in Steiermark hervor, welche im Beginne
des Betriebes stehend, bisher noch auf einen kleinen Umfang ange—
wiesen ist. v. Hauer fand in der dortigen Gegend den Magnesit
als anstehenden Felsen; der Gehalt desselben an kohlensaurer Mag—
nesia beträgt 94 bis 99 Proc., wonach er dem berühmten, in Eng—
land zu Magnesiasalzen in großer Menge verarbeiteten griechischen
Magnesit fast gleichkommt, den Serpentin aber, welcher in Frankreich
mit großen Kosten zu solchen Salzen verarbeitet wird, weit übertrifft.
Die zu St. Katharine aus Magnesit erzeugten Ziegel zeichnen sich
durch vollkommene Feuerbeständigkeit und Leichtigkeit aus, und wur—
den bereits bei mehreren Bauten in Steiermark mit großem Erfolge
angewendet.